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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm  |  Nr. 1 2017

 IHREN GLAUBEN NACHAHMEN | HENOCH

Er hatte Gottes Wohlgefallen

Er hatte Gottes Wohlgefallen

HENOCH hatte schon 365 Jahre gelebt — mehr als viermal so lange wie Menschen heute. Für unsere Begriffe ein unvorstellbar hohes Alter. Doch verglichen mit seinen Zeitgenossen war er noch recht jung. Damals, vor über 5 000 Jahren, lebten die Menschen noch wesentlich länger als heute. Als Henoch geboren wurde, hatte der erste Mensch, Adam, schon über 600 Jahre gelebt und er sollte noch weitere 300 Jahre leben! Einige Nachkommen Adams wurden sogar noch älter. Man kann also davon ausgehen, dass Henoch mit seinen 365 Jahren wie ein energiegeladener junger Mann aussah. Er hatte noch viel von seinem Leben vor sich — zumindest schien es so.

Doch Henochs Leben war in Gefahr. Man sieht ihn regelrecht vor sich, wie er vor den Leuten flieht, denen er gerade eine Botschaft von Gott überbracht hat. Ihre wütenden Gesichter gehen ihm nicht aus dem Kopf. Diese Leute hassen ihn. Sie hassen seine Botschaft und sie hassen den Gott, der ihn geschickt hat. An Henochs Gott Jehova können sie ihre Wut nicht auslassen. Er ist außerhalb ihrer Reichweite. Aber Henoch nicht! Vielleicht denkt Henoch in diesem Moment an seine Familie — seine Frau, seine Töchter, seinen Sohn Methusalah, seinen Enkel Lamech (1. Mose 5:21-23, 25). Ob er sie wohl je wiedersehen wird?

Man weiß nicht viel über Henoch. In der Bibel gibt es nur drei kurze Passagen über ihn (1. Mose 5:21-24; Hebräer 11:5; Judas 14, 15). Doch diese wenigen Pinselstriche lassen das Bild eines Mannes voller Glauben entstehen. Wir können heute viel von seinem Glauben lernen, zum Beispiel wenn es darum geht, gut für die Familie zu sorgen. Er ist auch ein Vorbild für jeden, der angegriffen wird, weil er für seine Überzeugung einsteht.

„HENOCH WANDELTE BESTÄNDIG MIT DEM WAHREN GOTT“

Henoch lebte in der siebten Generation von Adam an. Er wurde in eine verdorbene Welt hineingeboren. Rein körperlich waren die Menschen damals offensichtlich noch nahe an der Vollkommenheit, die Adam und Eva verloren hatten, was auch das hohe Alter der Menschen erklärt. Doch um die Moral und die Beziehung zu Gott stand es bei den meisten schlecht. Gewalt war weit verbreitet. Schon bei den Kindern von Adam und Eva hatte es damit angefangen: Kain ermordete seinen Bruder Abel. Ein Nachkomme Kains war anscheinend sogar richtig stolz darauf, noch brutaler und rachsüchtiger zu sein als Kain. Nur eine Generation nach Kain kam ein weiteres Übel hinzu: Gotteslästerung. Man begann den Namen Gottes, Jehova, „anzurufen“ — nicht aus Hochachtung, sondern um ihn zu entweihen (1. Mose 4:8, 23-26).

In der Zeit, in der Henoch aufwuchs, war dieses Gott verachtende Klima überall zu spüren. Henoch stand vor der Wahl: Würde er so werden wie seine Zeitgenossen? Oder würde er sich für Jehova entscheiden, den wahren Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde? Möglicherweise berührte ihn tief, was er über Abel erfahren hatte. Abel hatte Gott so angebetet, wie es Gott gefiel, und war deswegen gewissermaßen einen Märtyrertod gestorben. Henoch  stellte sich wie er auf Gottes Seite. Wie es in 1. Mose 5:22 heißt, „wandelte er . . . mit dem wahren Gott“. Damit hob er sich deutlich von seinem Umfeld ab: Er war ein gottesfürchtiger Mann in einer gottlosen Welt. Henoch ist der Erste, der in der Bibel so beschrieben wird.

In demselben Vers sagt die Bibel, dass Henoch auch nach der Geburt seines Sohnes Methusalah weiter mit dem wahren Gott wandelte. Henoch war damals 65 Jahre alt. Über seine Familie wissen wir nicht viel, weder wie seine Frau hieß noch wie viele Söhne und Töchter er hatte. Doch als ein gottergebener Mann wollte er bestimmt so für seine Familie sorgen, wie Gott es sich wünschte. Sicher war ihm bekannt, dass Gott von einem Mann erwartet, seiner Frau treu zu bleiben (1. Mose 2:24). Auch tat er bestimmt sein Bestes, um seine Kinder zu treuen Anbetern Jehovas zu erziehen. Gelang ihm das?

Die Bibel liefert nur vage Hinweise. Henochs Sohn Methusalah ist der älteste in der Bibel erwähnte Mensch und starb im Jahr der Sintflut. Über seinen Glauben ist nichts bekannt. Methusalah hatte allerdings einen Sohn: Lamech. Und Lamech hatte einen starken Glauben. Seine Lebenszeit überschnitt sich mit der seines Großvaters Henoch um mehr als hundert Jahre. Gott bewog Lamech dazu, eine Prophezeiung über seinen Sohn Noah zu äußern, die sich dann auch nach der Sintflut erfüllte. Noah wandelte genau wie sein Urgroßvater Henoch mit dem wahren Gott und hob sich dadurch ebenfalls von seinem Umfeld ab. Henoch und Noah lernten sich nicht mehr kennen. Doch Henoch hatte seinen Nachkommen ein wertvolles Vermächtnis hinterlassen. Und möglicherweise hatte Noah darüber etwas von seinem Vater Lamech, seinem Großvater Methusalah oder sogar von Henochs Vater Jared erfahren, der erst starb als Noah 366 Jahre alt war (1. Mose 5:25-29; 6:9; 9:1).

Henoch unterschied sich stark von seinem Vorvater Adam. Adam war vollkommen, stellte sich aber gegen Jehova. Er hinterließ seinen Nachkommen eine Welt voller Rebellion und Leid. Henoch war zwar unvollkommen. Doch er war Gott treu und hinterließ seinen Nachkommen damit ein Vermächtnis des Glaubens. Als Henoch 308 Jahre alt war, starb Adam. Ob die Nachkommen Adams um diesen egoistischen Menschen trauerten, wissen wir nicht. Fest steht jedoch: „Henoch wandelte beständig mit dem wahren Gott“ (1. Mose 5:24).

Jeder, der für eine Familie sorgt, kann von Henoch viel lernen. Natürlich ist es wichtig, gut für die materiellen Bedürfnisse zu sorgen. Doch noch wichtiger sind die religiösen Bedürfnisse (1. Timotheus 5:8). Dabei zählt nicht nur, was man sagt, sondern auch, was man vorlebt. Wenn man sich wie Henoch dafür entscheidet, nach Gottes Maßstäben zu leben, wird man seiner Familie etwas Wertvolles hinterlassen: ein Vorbild für echten Glauben.

„HENOCH HAT AUCH VON IHNEN PROPHEZEIT“

Henoch hat sich in seinem gottlosen Umfeld wahrscheinlich sehr allein gefühlt. Aber nahm ihn sein Gott Jehova wahr? Absolut. Es kam der Tag, an dem sich Gott direkt an seinen treuen Diener wandte. Henoch sollte eine Botschaft übermitteln. Damit machte Gott Henoch zu einem Propheten. Seine Botschaft ist die älteste Botschaft eines Propheten, die in der Bibel zu finden ist. Sie wurde Jahrhunderte  später von Jesu Halbbruder Judas im Auftrag Gottes niedergeschrieben. *

Wie lautete Henochs prophetische Botschaft? „Siehe! Jehova kam mit seinen heiligen Myriaden, um an allen das Gericht zu vollziehen und alle Gottlosen all ihrer gottlosen Taten zu überführen, die sie auf gottlose Weise begingen, und all der anstößigen Dinge, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben“ (Judas 14, 15). Es fällt auf, dass Henochs Botschaft in der Vergangenheitsform steht, so als ob das, was Gott vorhatte, schon passiert wäre. Nach diesem Muster sind viele Prophezeiungen aufgebaut. Im Grunde wird damit gesagt: Hier wird etwas angekündigt, das so sicher eintreffen wird, als wäre es bereits passiert (Jesaja 46:10).

Henoch verkündete mutig Gottes Strafgericht

Wie fühlte sich Henoch, als er den Menschen gegenübertrat und Gottes Botschaft übermittelte? Diese Botschaft hatte es in sich — allein schon, weil das Wort „gottlos“ viermal darin vorkommt. Die Menschen, ihre Taten und die Art und Weise, wie sie sie begingen, werden als „gottlos“ verurteilt. Allen sollte klar werden: Die Gesellschaft, die sich seit der Rebellion in Eden entwickelt hatte, war durch und durch verdorben. Und damit sollte es bald vorbei sein. Jehova würde mit „seinen heiligen Myriaden“ kommen — einem Heer mächtiger Engel —, um dem Ganzen ein jähes Ende zu setzen. Henoch kündigte diese Strafe Gottes mutig an — allein! Wie beeindruckt Lamech doch vom Mut seines Großvaters gewesen sein muss, falls er ihn dabei beobachtete.

Wenn man über den Glauben Henochs nachdenkt, stellt man sich vielleicht die Frage: Sehe ich die Welt, in der ich lebe, so wie Gott sie sieht? Die Botschaft, die Henoch so mutig weitergab, ist heute immer noch aktuell; unsere Welt ähnelt stark der von Henoch. So wie von Henoch angekündigt, bestrafte Gott die verdorbene Welt, als zur Zeit Noahs die Sintflut kam. Das war allerdings nur eine Vorschau auf ein noch größeres Strafgericht Gottes, das noch vor uns liegt (Matthäus 24:38, 39; 2. Petrus 2:4-6). So wie damals steht Gott auch heute mit einem Heer von Engeln bereit, um eine gerechte Strafe über eine gottlose Welt zu bringen. Deswegen gilt es, Henochs Botschaft ernst zu nehmen und sie mutig an andere weiterzugeben. Vielleicht ziehen sich Freunde und Verwandte dann von uns zurück. Vielleicht fühlen wir uns völlig allein gelassen. Doch Jehova wird seine treuen Diener niemals allein lassen, so wie er auch Henoch nie allein gelassen hat!

„ENTRÜCKT, DAMIT ER DEN TOD NICHT SEHEN SOLLTE“

Was sagt die Bibel über das Ende von Henochs Leben? Sein Tod wirft fast noch mehr Fragen auf als sein Leben. In 1. Mose 5:24 steht lediglich: „Henoch wandelte beständig mit dem wahren Gott. Dann war er nicht mehr, denn Gott nahm ihn hinweg.“ Was heißt das? Der Apostel Paulus erklärte später: „Durch Glauben wurde Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte, und er war nirgends zu finden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor seiner Entrückung hatte er das Zeugnis, dass er Gott wohlgefallen habe“ (Hebräer 11:5). Was meinte Paulus mit „entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte“? In manchen Bibelübersetzungen steht, Gott hätte Henoch zu sich in den Himmel genommen. Doch das kann nicht sein. Die Bibel sagt eindeutig, dass Jesus Christus der Erste war, der in den Himmel auffuhr (Johannes 3:13).

Was kann dann damit gemeint sein, dass Henoch „entrückt“ wurde, sodass er den Tod nicht sah? Möglicherweise versetzte Jehova ihn behutsam in einen  Todesschlaf und ersparte ihm damit jegliche Todesqualen. Zuvor bekam er aber noch „das Zeugnis, dass er Gott wohlgefallen habe“. Wie? Vielleicht gab Gott Henoch direkt vor seinem Tod eine Vision, in der er sich auf der Erde im Paradies sah. Mit dem sicheren Gefühl, Gott wirklich gefallen zu haben, starb Henoch. Über Henoch und andere Glaubensmänner und -frauen schrieb Paulus: „Alle diese starben im Glauben“ (Hebräer 11:13). Nach seinem Tod suchten Henochs Feinde offensichtlich nach seinem Leichnam, doch „er war nirgends zu finden“. Dafür hatte Jehova wohl gesorgt, damit er nicht geschändet oder für irgendwelche religiösen Kulte missbraucht werden konnte. *

Mit dem, was wir aus der Bibel über Henochs Tod wissen, lässt sich lediglich erahnen, was sich in den letzten Momenten seines Lebens abgespielt haben könnte. Vielleicht war es so oder ähnlich: Henoch ist auf der Flucht. Er kann nicht mehr. Seine Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Sie kochen vor Wut, weil er ihnen Gottes Strafe angekündigt hat. Da . . . endlich ein Versteck, in dem Henoch kurz durchatmen kann. Er weiß, dass er hier aber nicht lange sicher ist. Ein grausamer Tod scheint unausweichlich. Henoch nutzt den kurzen Moment, um zu beten. Dabei überkommt ihn eine unglaubliche Ruhe. Gott schenkt ihm eine Vision, so plastisch, als sei Henoch mittendrin.

Jehova ersparte Henoch einen grausamen Tod

Er sieht eine Welt vor sich, ganz anders als die, die er kennt. Sie kommt ihm so schön vor wie der Garten Eden. Hier versperren allerdings keine Cherubim den Zugang. Überall sieht er junge, gesunde Männer und Frauen. Alles ist so friedlich. Keine Spur von dem religiösen Hass und der Wut, die Henoch nur allzu gut kennt. In diesem Augenblick wird sich Henoch ganz deutlich Gottes inniger Liebe und seines Wohlgefallens bewusst. Hier gehört er hin, hier würde er irgendwann zu Hause sein. Tiefer Frieden überkommt ihn, er schließt seine Augen und fällt in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Und diesen Schlaf schläft er heute noch, sicher aufgehoben in Gottes unendlichem Gedächtnis. Jesus versprach, dass eines Tages alle Verstorbenen, die in Gottes Gedächtnis sind, seine Stimme hören und ihre Augen öffnen werden — in einer wunderschönen, friedlichen Welt (Johannes 5:28, 29).

Wie aufregend, sich vorzustellen, auch dort zu sein, Henoch zu treffen und ihn besser kennenzulernen. Dann können wir ihn fragen, ob wir mit unseren Vorstellungen über sein Lebensende ungefähr richtiggelegen haben. Was wir jedoch sicher wissen, ist: Er war ein Mann des Glaubens. Und das sollten wir unbedingt nachahmen. Nachdem Paulus über Henoch berichtet hatte, schrieb er: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm [Gott] wohlzugefallen“ (Hebräer 11:6). Glauben bringt uns Gottes Wohlgefallen ein. Und das ist sicher der beste Grund, genauso mutig wie Henoch für unseren Glauben einzustehen!

^ Abs. 14 Manche Bibelgelehrte meinen, dass Judas aus dem apokryphen Buch Henoch zitierte. Doch dieses Buch mit frei erfundenen Geschichten ist von unbekannter Herkunft und wird fälschlicherweise Henoch zugeschrieben. Darin findet man zwar den genauen Wortlaut der Botschaft Henochs, doch wahrscheinlich stammt der Wortlaut aus alten mündlichen oder schriftlichen Überlieferungen, die heute nicht mehr zugänglich sind. Möglicherweise standen diese Quellen auch Judas zur Verfügung. Oder aber er hatte seine Informationen von Jesus, der das Leben Henochs ja vom Himmel aus mitbekam.

^ Abs. 20 Vermutlich aus diesem Grund hatte Gott auch dafür gesorgt, dass man die Leichname von Moses und Jesus nicht mehr finden konnte (5. Mose 34:5, 6; Lukas 24:3-6; Judas 9).

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