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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) DEZEMBER 2015

Jehova, der Gott der Kommunikation

Jehova, der Gott der Kommunikation

„Höre bitte, und ich selbst werde reden“ (HIOB 42:4)

LIEDER: 113, 114

1—3. (a) Warum kann man sagen, dass Gottes Art zu kommunizieren und seine sprachlichen Fähigkeiten denen des Menschen überlegen sind? (b) Was werden wir in diesem Artikel erfahren?

DER ewige Gott erschuf intelligente Wesen und wollte, dass sie sich des Lebens erfreuen (Ps. 36:9; 1. Tim. 1:11). Den ersten Gefährten Gottes bezeichnete der Apostel Johannes als „das Wort“ und den „Anfang der Schöpfung Gottes“ (Joh. 1:1; Offb. 3:14). Jehova teilte seinem Erstgeborenen seine Gedanken und Gefühle mit (Joh. 1:14, 17; Kol. 1:15). Und Paulus sprach von „Engelszungen“, einer Form der Kommunikation unter Geistwesen, die der menschlichen Sprache überlegen ist (1. Kor. 13:1).

2 Jehova kennt jedes Detail der Milliarden vernunftbegabten Geschöpfe, sowohl im Himmel als auch auf der Erde. Rund um die Uhr beten unzählige Menschen in unterschiedlichen Sprachen zu ihm. Er hört ihnen zu und zeitgleich kann er mit seinen Engeln kommunizieren und ihnen Anweisungen geben. Jehovas Gedanken, seine Art zu kommunizieren und seine sprachlichen Fähigkeiten müssen somit denen der Menschen bei Weitem überlegen sein. (Lies Jesaja 55:8, 9.) Kommuniziert er mit den Menschen, drückt er sich daher einfach aus, damit sie seine Gedanken verstehen können.

3 Wir werden nun sehen, was dieser unendlich weise Gott während der ganzen Menschheitsgeschichte unternommen hat, um  mit seinen Dienern auf eine verständliche Weise kommunizieren zu können. Außerdem werden wir sehen, wie er die Art der Kommunikation je nach Bedarf den Umständen angepasst hat.

GOTT KOMMUNIZIERT MIT DEN MENSCHEN

4. (a) Welche Sprache nutzte Jehova, um mit Moses, Samuel und David zu kommunizieren? (b) Was ist alles in der Bibel enthalten?

4 Im Garten Eden kommunizierte Jehova mit Adam und nutzte dafür die Sprache der Menschen. Wahrscheinlich war das eine Form des Althebräischen. Später teilte Jehova seine Gedanken Hebräisch sprechenden Bibelschreibern wie Moses, Samuel und David mit. Sie benutzten ihre eigenen Worte und auch ihren eigenen Schreibstil, um Gottes Gedanken auszudrücken. In einigen Fällen schrieben sie auf, was Gott ihnen diktierte. Aber sie beschrieben auch, wie Jehova mit seinen Dienern umging. Zum Beispiel berichteten sie sowohl über den Glauben und die Liebe seiner Diener als auch über ihre Fehler und ihre Untreue. Diese Informationen sind heute von großem Wert (Röm. 15:4).

5. Verlangte Jehova von seinem Volk, nur Hebräisch zu sprechen? Erkläre es.

5 Als die Umstände sich veränderten, beschränkte Gott seine Kommunikation mit den Menschen nicht mehr auf Hebräisch. Nachdem Gottes Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreit worden war, sprachen etliche von ihnen im Alltag Aramäisch. Vielleicht veranlasste Jehova deshalb im Hinblick auf das, was kommen sollte, die Propheten Daniel und Jeremia sowie den Priester Esra, Teile der Bibel in Aramäisch aufzuschreiben. (Siehe Fußnoten zu Esra 4:8; 7:12; Jeremia 10:11; Daniel 2:4.)

6. Warum wurden die Hebräischen Schriften ins Griechische übersetzt?

6 Später eroberte Alexander der Große weite Teile der damaligen Welt, und Koine oder die griechische Gemeinsprache wurde zur Weltsprache. Auch viele Juden übernahmen diese Sprache, weshalb die Hebräischen Schriften schließlich ins Griechische übersetzt wurden. Diese Übersetzung wurde als Septuaginta bekannt. Sie war die erste Bibelübersetzung und eine der wichtigsten. * Vermutlich waren 72 Übersetzer daran beteiligt. Daher fiel die Übersetzung sehr unterschiedlich aus — von wörtlich bis ziemlich frei. Trotzdem wurde die Septuaginta von Griechisch sprechenden Juden und später auch von den Christen als Wort Gottes betrachtet.

7. In welcher Sprache lehrte Jesus wahrscheinlich seine Jünger?

7 Als Jesus auf der Erde war, sprach er wahrscheinlich Hebräisch und lehrte auch in dieser Sprache (Joh. 19:20; 20:16; Apg. 26:14). Das Hebräisch, das im 1. Jahrhundert gesprochen wurde, war jedoch offensichtlich vom Aramäischen beeinflusst. Jesus hat daher bestimmt auch einige aramäische Wörter verwendet. Er beherrschte aber auch das Althebräisch, das Moses und die Propheten verwendeten. Aus ihren Schriften wurde ja jede Woche in den Synagogen vorgelesen (Luk. 4:17-19; 24:44, 45; Apg. 15:21). In Israel wurde zudem Griechisch und Latein gesprochen. Ob Jesus diese Sprachen ebenfalls beherrschte, geht aus der Bibel nicht hervor.

8, 9. Warum wurden Teile der Bibel in Griechisch aufgeschrieben, und was verrät uns das über Jehova?

8 Die ersten Nachfolger Jesu sprachen zwar Hebräisch, aber nach seinem Tod sprachen seine Jünger auch andere Sprachen.  (Lies Apostelgeschichte 6:1.) Als das Christentum sich verbreitete, sprachen die Christen meistens griechisch miteinander. Die Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die von Jesu Leben und Lehren berichten, waren auf Griechisch weitverbreitet. Somit war die Sprache vieler Jünger eher Griechisch als Hebräisch. * Die Briefe von Paulus sowie andere Bibelbücher waren ebenfalls in Griechisch im Umlauf.

9 Wenn Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften aus den Hebräischen Schriften zitierten, taten sie das für gewöhnlich aus der Septuaginta. Diese Zitate, die manchmal von dem genauen hebräischen Wortlaut abweichen, sind interessanterweise Teil der Bibel geworden. So wurde das Werk unvollkommener Übersetzer Bestandteil vom Wort Gottes. Jehova zieht also keine Kultur oder Sprache der anderen vor. (Lies Apostelgeschichte 10:34.)

10. Was haben wir darüber gelernt, wie Jehova mit den Menschen kommuniziert?

10 Was haben wir aus diesem kurzen Rückblick darüber gelernt, wie Jehova mit den Menschen kommuniziert? Jehova passt sich je nach Bedarf den Umständen an. Er verlangt von uns nicht, eine bestimmte Sprache zu lernen, um ihn und sein Vorhaben kennenzulernen. (Lies Sacharja 8:23; Offenbarung 7:9, 10.) Und Jehova leitete die Schreiber der Bibel zwar an, ließ aber unterschiedliche Schreibstile zu.

GOTTES BOTSCHAFT BLEIBT BEWAHRT

11. Warum haben unterschiedliche Sprachen Gott nicht daran gehindert, mit den Menschen zu kommunizieren?

11 Der Gebrauch unterschiedlicher Sprachen und geringfügige Abweichungen in den Übersetzungen haben Gott nicht daran gehindert, mit den Menschen zu kommunizieren. Hierzu ein Beispiel: Wir kennen zwar nur ein paar Formulierungen, die zeigen, wie Jesus ursprünglich gesprochen hat (Mat. 27:46; Mar. 5:41; 7:34; 14:36). Dennoch stellte Jehova sicher, dass Jesu Botschaft zunächst in Griechisch und dann auch in anderen Sprachen erhalten blieb. Später wurden Bibelmanuskripte immer wieder von Juden und Christen abgeschrieben. So bewahrten sie die Heilige Schrift, die in viele weitere Sprachen übersetzt wurde. Wie Johannes Chrysostomos, der im 4. und 5. Jahrhundert lebte, sagte, waren bereits zu seiner Zeit Jesu Lehren in die Sprache der Syrer, Ägypter, Inder, Perser, Äthiopier und in die Sprache vieler anderer Völker übersetzt worden.

12. Wie wurde die Bibel bekämpft?

12 Die Übersetzung in viele Sprachen durchkreuzte die Pläne von Feinden der Bibel. Zu diesen gehörte unter anderem der römische Kaiser Diokletian, der 303 u. Z. anordnete, alle Abschriften der Bibel zu vernichten. Es gab unzählige Anschläge, sowohl auf Gottes Wort als auch auf diejenigen,  die es übersetzten und verbreiteten. Im 16. Jahrhundert wollte William Tyndale die Bibel vom Hebräischen und Griechischen ins Englische übersetzen. Er entgegnete einem gebildeten Mann: „Wenn mich Gott verschont, will ich in wenig Jahren dafür sorgen, dass der Junge hinter dem Pflug die Schrift besser kennt als Ihr.“ Tyndale musste von England auf das europäische Festland fliehen, um weiter übersetzen und seine Übersetzung drucken lassen zu können. Trotz der Aktion der Geistlichkeit, alle Bibeln, die sie finden konnten, öffentlich zu verbrennen, kamen zahlreiche Exemplare in Umlauf. Schließlich wurde Tyndale allerdings verraten, erdrosselt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, während seine Bibelübersetzung überlebte. Sie wurde bei der Vorbereitung der weitverbreiteten King James Version immer wieder herangezogen. (Lies 2. Timotheus 2:9.)

13. Was hat die Untersuchung alter Manuskripte ergeben?

13 Zugegeben, einige noch vorhandene Abschriften der Bibel enthalten kleine Fehler und geringe Abweichungen. Jedoch sind Tausende von Fragmenten, Manuskripten und alte Übersetzungen verglichen und von Bibelgelehrten sorgfältig geprüft worden. Diese Studien bestätigten die Echtheit der allermeisten biblischen Texte. Die wenigen zweifelhaften Verse ändern nichts an der Gesamtbotschaft. Die Untersuchung alter Manuskripte überzeugt aufrichtige Erforscher der Bibel: Uns liegt heute immer noch das vor, was Jehova die Bibelschreiber ursprünglich aufschreiben ließ (Jes. 40:8). *

14. In welchem Umfang steht die Botschaft der Bibel zur Verfügung?

14 Obwohl Gegner das Wort Gottes heftig bekämpften, hat Jehova dafür gesorgt, dass die Bibel das meistübersetzte Buch der Menschheitsgeschichte ist. Selbst heute, wo viele Menschen nur wenig oder gar keinen Glauben haben, ist und bleibt die Bibel ein Bestseller und steht ganz oder teilweise in über 2 800 Sprachen zur Verfügung. Kein anderes Werk ist so weit verbreitet und verfügbar wie die Bibel. Manche Bibelübersetzungen sind zwar nicht so verständlich oder zuverlässig, jedoch kann man aus allen Übersetzungen die Grundbotschaft der Bibel erfahren, bei der es um Hoffnung und Rettung geht.

EINE NEUE BIBELÜBERSETZUNG WIRD BENÖTIGT

15. (a) Wie wurden in jüngerer Zeit Sprachbarrieren überwunden, um geistige Speise auszuteilen? (b) Warum hat sich Englisch als praktische Ausgangssprache für Übersetzungen erwiesen?

15 Als Anfang des letzten Jahrhunderts eine kleine Gruppe eifriger Bibelforscher als „treuer und verständiger Sklave“ eingesetzt wurde, teilten sie die „Speise“ an die „Hausknechte“ überwiegend in Englisch aus (Mat. 24:45). Dieser „Sklave“ hat sehr viel  unternommen, um geistige Speise in immer mehr Sprachen zur Verfügung zu stellen — heute sind es bereits über 700. Ähnlich wie Koine (die griechische Gemeinsprache) im 1. Jahrhundert wurde Englisch zu einer praktischen Ausgangssprache für Übersetzungen in andere Sprachen, da Englisch in der Wirtschaft und im Bildungswesen gängig ist.

16, 17. (a) Was benötigte Gottes Volk? (b) Wie bekam Gottes Volk das, was es benötigte? (c) Welche Hoffnung hatte man 1950 in Verbindung mit der Neuen-Welt-Übersetzung?

16 Die Grundlage für geistige Speise ist die Bibel. Mitte des 20. Jahrhunderts war die King James Version (1611) die am meisten verwendete englische Bibel. Allerdings war ihre Sprache ziemlich veraltet. Und Gottes Name erschien nur an ein paar wenigen Stellen, wohingegen er in alten Bibelmanuskripten Tausende von Malen vorkommt. Außerdem enthielt sie einige Übersetzungsfehler sowie zusätzliche Verse, die in zuverlässigen alten Manuskripten nicht zu finden sind. Andere englische Bibelübersetzungen hatten ähnliche Mängel.

17 Man benötigte also eine Bibel, in der die Botschaft der Urschriften genau und in einer zeitgemäßen Sprache wiedergegeben wird. Daher wurde das Übersetzungskomitee der Neuen-Welt-Übersetzung gegründet. In den folgenden zehn Jahren, von 1950 bis 1960, wurde diese Übersetzung in sechs Bänden veröffentlicht. Als am 2. August 1950 der erste Band erschien, sagte Bruder N. H. Knorr auf einem Kongress: „Mehr und mehr hat sich das Bedürfnis fühlbar gemacht nach einer Übersetzung in moderner Sprache, übereinstimmend mit der offenbarten Wahrheit, die uns indes die Grundlage liefert zum Erlangen weiterer Wahrheit, in dem sie den Sinn der Originalschriften treulich darlegt; nach einer Übersetzung, die für die Leser der Neuzeit ebenso verständlich ist, wie die ursprünglichen Schriften der Jünger Christi für die gewöhnlichen, einfachen, schlichten, bescheidenen Leser ihrer Tage verständlich waren.“ Er hoffte, dass durch diese Übersetzung Millionen Menschen Jehova kennenlernen würden.

18. Wie wurde das Übersetzen der Bibel vorangetrieben?

18 1963 begann sich diese Erwartung auf ganz besondere Weise zu erfüllen. Die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften wurde in sechs weiteren Sprachen veröffentlicht: in Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch und Spanisch. 1989 gründete die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas in der Weltzentrale eine Abteilung, um das Übersetzen der Bibel zu erleichtern. Ab 2005 sollte in allen Sprachen, in denen der Wachtturm erscheint, dem Übersetzen der Bibel absoluter Vorrang gegeben werden. Als Ergebnis davon gibt es heute die Neue-Welt-Übersetzung ganz oder teilweise in über 130 Sprachen.

19. Welches historische Ereignis fand 2013 statt, und worum geht es im nächsten Artikel?

19 Mit der Zeit wurde allerdings offensichtlich, dass die englische Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung an die aktuelle Sprache angepasst werden musste. Am Wochenende vom 5. und 6. Oktober 2013 verfolgten insgesamt 1 413 676 Personen in 31 Ländern die 129. Jahresversammlung der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania mit. Alle waren begeistert, als ein Mitglied der leitenden Körperschaft die revidierte englische Neue-Welt-Übersetzung vorstellte. Viele waren zu Tränen gerührt, ein eigenes Exemplar zu erhalten. Als die Bibeltexte aus der revidierten Ausgabe vorgelesen wurden, hatten die Anwesenden das Gefühl, die englische Wiedergabe von Gottes Wort sei nie besser gewesen. Der Folgeartikel befasst sich mit Einzelheiten der revidierten Bibel und deren Übersetzung in andere Sprachen.

^ Abs. 6 Septuaginta bedeutet „siebzig“. Berichten zufolge soll die Übersetzung im 3. Jahrhundert v. u. Z. in Ägypten begonnen haben und wohl um 150 v. u. Z. beendet worden sein. Diese Übersetzung ist nach wie vor wichtig, denn sie ermöglicht Gelehrten, bestimmte unklare hebräische Wörter und Textstellen besser zu verstehen.

^ Abs. 8 Man nimmt an, dass Matthäus sein Evangelium in Hebräisch schrieb und es danach ins Griechische übersetzt wurde — vielleicht von ihm selbst.

^ Abs. 13 Siehe die Broschüre Ein Buch für alle Menschen, „Wie ist das Buch bis heute erhalten geblieben?“, Seite 7 bis 9.