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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) OKTOBER 2015

Mich Gott zu nahen war gut für mich

Mich Gott zu nahen war gut für mich

ICH komme aus der Elfenbeinküste. Mit 9 Jahren hörte ich auf zu wachsen. Das ist jetzt 34 Jahre her und bis heute bin ich nur einen Meter groß. Als meine Eltern merkten, dass ich nicht weiterwachsen würde, rieten sie mir mich beschäftigt zu halten, damit ich nicht ständig über meine Größe nachdachte. Also eröffnete ich einen Obststand vor unserem Haus und hielt die Auslage sauber und ordentlich. Das zog viele Kunden an.

Natürlich war harte Arbeit kein Allheilmittel. Ich war ja nach wie vor sehr klein und hatte sogar mit den einfachsten Dingen so meine Probleme, wie zum Beispiel mit der Höhe von Ladentheken. Alles schien auf Menschen zugeschnitten zu sein, die fast doppelt so groß waren wie ich. Deshalb verfiel ich in Selbstmitleid. Doch das änderte sich, als ich 14 war.

Eines Tages kauften zwei Zeuginnen Jehovas bei mir Obst und fingen dann ein Bibelstudium mit mir an. Mir wurde schnell klar: Jehova und sein Vorhaben kennenzulernen war viel wichtiger als meine Größe. Das zu verstehen tat mir gut. Mein Lieblingsbibeltext wurde Psalm 73:28. Der erste Teil davon lautet: „Es [ist] für mich gut, mich Gott zu nahen.“

Dann zogen wir als Familie ganz plötzlich nach Burkina Faso. Das stellte mein Leben auf den Kopf. An der Elfenbeinküste war ich an meinem Obststand für meine Nachbarn ein vertrauter Anblick. Aber in der neuen Umgebung war ich eine Fremde, und für viele ein fremder Anblick. Die Leute starrten mich an. Deshalb verließ ich wochenlang nicht mehr das Haus. Doch dann fiel mir wieder ein, wie gut es mir tat, mich Jehova zu nahen. Also schrieb ich an das Zweigbüro von Jehovas Zeugen und bekam schließlich Besuch von Nani, einer Missionarin mit einem Motorroller. Sie war genau die Richtige für mich.

Die sandigen Straßen in unserer Gegend sind rutschig und in der Regenzeit auch noch schlammig. Auf dem Weg zu mir fiel Nani daher x-mal von ihrem Motorroller, aber davon ließ sie sich nicht aufhalten. Eines Tages bot sie mir an, mich in die Zusammenkünfte mitzunehmen. Aber dafür hätte ich mich aus dem Haus wagen und die Blicke der Leute ertragen müssen. Außerdem hätte das zusätzliches Gewicht für den Motorroller bedeutet, der ohnehin schon schwer zu lenken war. Doch dann dachte ich an den zweiten Teil meines Lieblingstextes:  „Zu dem Souveränen Herrn Jehova habe ich meine Zuflucht genommen“, und fuhr mit.

Manchmal landeten Nani und ich im Schlamm, aber das waren die Zusammenkünfte wirklich wert. Dort lächelten mich die Menschen nämlich liebevoll an. Das war ein krasser Gegensatz zu den Leuten draußen, die mich ständig anstarrten! Neun Monate später ließ ich mich dann taufen.

„Um all deine Werke zu verkünden“, ist der dritte Teil meines Lieblingstextes. Ich wusste jedoch, dass der Predigtdienst für mich die größte Herausforderung werden würde. Bis heute erinnere ich mich daran, wie ich zum ersten Mal von Haus zu Haus ging. Kinder wie Erwachsene starrten mich an, folgten mir und äfften meinen Gang nach. Das verletzte mich sehr, aber ich sagte mir immer wieder, dass sie das Paradies genauso dringend brauchten wie ich. Deshalb gab ich nicht auf.

Um es mir leichter zu machen, besorgte ich mir ein Dreirad mit Handantrieb. Meine Dienstpartner schoben mich bergauf und sobald wir bergab Schwung bekamen, sprangen sie auf. Obwohl mir das Predigen anfangs schwerfiel, machte es mir bald so viel Freude, dass ich mich 1998 für den allgemeinen Pionierdienst bewarb.

Ich konnte mit vielen die Bibel studieren und vier von ihnen ließen sich taufen. Auch meine Schwester nahm die Wahrheit an. Zu hören, wie andere Fortschritte machten, baute mich oft gerade dann auf, wenn ich es brauchte. Als ich zum Beispiel einmal an Malaria litt, erhielt ich einen Brief aus der Elfenbeinküste. Ich hatte nämlich mit einem Studenten ein Haustür-Studium begonnen und es daraufhin einem Bruder übergeben. Der Student war später an die Elfenbeinküste gezogen. Wie schön es doch war zu hören, dass er nun ein ungetaufter Verkündiger war!

Wovon lebe ich? Eine Behindertenorganisation bot mir an, mir Nähen beizubringen. Als eine Ausbilderin beobachtete, wie hart ich arbeitete, sagte sie: „Wir sollten dir beibringen, wie man Seife macht.“ Das taten sie auch. Nun stelle ich zu Hause Wasch- und Haushaltsseife her. Die Leute lieben meine Seife und empfehlen sie weiter und mit meinem Dreirad-Roller liefere ich sie selbst aus.

Ich habe eine deformierte Wirbelsäule. 2004 wurden die dadurch verursachten Schmerzen leider so stark, dass es für mich vernünftig war, mit dem Pionierdienst aufzuhören. Trotzdem beteilige ich mich, so gut ich kann, am Predigen.

Wie man sagt, habe ich ein ansteckendes Lächeln. Ich habe wirklich allen Grund glücklich zu sein, denn mich Gott zu nahen war gut für mich! (Erzählt von Sarah Maiga.)