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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) APRIL 2015

Ihr Ältesten — werdet ihr andere schulen?

Ihr Ältesten — werdet ihr andere schulen?

„Für alles gibt es eine bestimmte Zeit“ (PRED. 3:1)

1, 2. Von welcher Situation berichten Kreisaufseher?

DIE Ältestensitzung ist fast zu Ende. Der Kreisaufseher sieht in die Runde und fühlt unweigerlich Zuneigung zu diesen fleißigen Hirten, von denen einige seine Väter sein könnten. Er ist aber auch besorgt und stellt deshalb die Frage: „Brüder, was tut ihr, damit andere in der Versammlung mehr Verantwortung übernehmen können?“ Bei seinem letzten Besuch hatte er ihnen nämlich ans Herz gelegt, mehr Wert auf das Schulen zu legen — daran erinnern sie sich noch gut. Nach einer Weile sagt einer der Ältesten jedoch: „Offen gesagt, nicht viel.“ Die anderen nicken.

2 Bist du ein Ältester? Dann kommt dir diese Situation vielleicht bekannt vor. Wie Kreisaufseher von überall auf der Welt berichten, müsste in vielen Versammlungen mehr geschehen, um Brüder — ob alt oder jung — zu schulen, damit auch sie sich um die Herde kümmern können. Das ist allerdings nicht leicht. Woran liegt das?

3. (a) Wie unterstreicht die Bibel den Wert der Schulung, und warum sollten wir uns alle dafür interessieren? (Siehe Fußnote.) (b) Warum fällt es Ältesten nicht immer leicht, andere zu schulen?

 3 Als Hirte weißt du ja: Persönliche Schulung ist wichtig. * Wie du weißt, werden mehr Brüder benötigt, damit bestehende Versammlungen stark bleiben und neue Versammlungen gegründet werden können. (Lies Jesaja 60:22.) Du kennst auch den Rat der Bibel, „andere zu lehren“. (Lies 2. Timotheus 2:2.) Trotzdem fällt es dir wie den Ältesten in der Einleitung womöglich nicht leicht. Schließlich musst du dich auch um deine Familie, deinen Beruf, deine Verpflichtungen in der Versammlung und um andere dringende Angelegenheiten kümmern. Irgendwie scheint dann keine Zeit mehr da zu sein, andere zu schulen. Daher wollen wir uns nun damit beschäftigen, welchen Stellenwert die Schulung anderer erhalten sollte.

SCHULUNG IST WICHTIG

4. Woran könnte es liegen, dass Schulung manchmal aufgeschoben wird?

4 Woran könnte es liegen, dass manche Älteste das Schulen aufschieben? Vielleicht denkt der eine oder andere: „Schulung ist zwar wichtig, aber nicht so dringend wie andere Versammlungsangelegenheiten, die einfach nicht warten können. Selbst wenn ich das Schulen für eine Weile zurückstelle, geht es in der Versammlung trotzdem weiter.“ Natürlich muss man sich um vieles sofort kümmern. Stellt man Schulung aber zurück, kann das der Versammlung schaden.

5, 6. Warum muss ein Auto auch gewartet werden, und wie lässt sich das auf das Schulen innerhalb der Versammlung übertragen?

5 Ein Beispiel: Jedem Autofahrer ist bewusst, dass er regelmäßig Öl wechseln muss, damit der Motor gut läuft. Trotzdem denkt er vielleicht, das sei nicht so dringend wie das Tanken. Immerhin bleibt sein Auto ohne Sprit stehen. Er sagt sich vielleicht: „Wenn ich keine Zeit für den Ölwechsel habe, wird der Motor trotzdem weiterlaufen — zumindest eine Zeit lang.“ Worin liegt aber die Gefahr? Schiebt er die Wartung immer wieder auf, kommt es früher oder später zum Motorschaden. Ist es erstmal so weit gekommen, kostet es viel Zeit und Geld, das Auto wieder zum Laufen zu bringen. Was lernen wir daraus?

6 Älteste kümmern sich um viele wichtige Aufgaben, die nicht warten können, da die Versammlung sonst darunter leiden würde. So wie ein Autofahrer immer sicherstellen muss, dass genug Sprit im Tank ist, müssen sie sich „der wichtigeren Dinge vergewissern“ (Phil. 1:10). Manche Älteste sind jedoch so damit beschäftigt, sich um Dringendes zu kümmern, dass sie es unter Umständen vernachlässigen, andere zu schulen oder sozusagen den Motor zu warten. Schieben Älteste das Schulen aber immer wieder auf, wird es über kurz oder lang nicht genügend befähigte Brüder geben, die sich um die Versammlung kümmern können.

7. Wie sollten wir Älteste betrachten, die sich die Zeit nehmen, andere zu schulen?

7 Wir dürfen also niemals denken, Schulung sei nicht so wichtig. Älteste  mit Weitblick investieren daher Zeit, um weniger erfahrene Brüder zu schulen. Sie erweisen sich so als kluge „Verwalter“ und als echter Segen für die gesamte Versammlung. (Lies 1. Petrus 4:10.) Wie kommt das der Versammlung zugute?

EINE KLUGE INVESTITION

8. (a) Welche Überlegungen bewegen Älteste dazu, andere zu schulen? (b) Welche dringende Verantwortung haben Älteste, die dort dienen, wo größerer Bedarf besteht? (Siehe Kasten „ Schulen ist unverzichtbar“.)

8 Selbst die erfahrensten Ältesten werden irgendwann älter und müssen bescheiden anerkennen, dass sie deshalb immer weniger für die Versammlung tun können (Mi. 6:8). Zudem können „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen“ ihre Möglichkeiten, sich um die Versammlung zu kümmern, plötzlich einschränken — was man realistischerweise einkalkulieren sollte (Pred. 9:11, 12; Jak. 4:13, 14). Aus echter Sorge um das Wohl der Schafe Jehovas geben vorausschauende Älteste daher die Erfahrung, die sie in den Jahren ihres treuen Dienstes gesammelt haben, rechtzeitig an jüngere Brüder weiter. (Lies Psalm 71:17, 18.)

9. Warum wird Schulung immer wichtiger?

9 Aus welchem anderen Grund sind Älteste, die andere schulen, ein Segen für die Herde? Sie stärken sozusagen die Abwehrkräfte der Versammlung. Inwiefern? Strengen sich Älteste an, andere zu schulen, wird es mehr Brüder geben, die die Versammlung darin unterstützen können, treu und vereint zu bleiben — nicht nur jetzt, sondern vor allem in der turbulenten Zeit der großen Drangsal (Hes. 38:10-12; Mi. 5:5, 6). Liebe Älteste, wir bitten euch daher dringend, das Schulen jetzt zu einem festen Bestandteil eures Dienstes zu machen.

10. Was muss ein Ältester wahrscheinlich tun, um Zeit für das Schulen zu haben?

10 Uns ist natürlich bewusst, dass du als Ältester wahrscheinlich nicht noch mehr Zeit für wichtige Versammlungsangelegenheiten aufbringen kannst. Um deine Grenzen also nicht zu überschreiten, müsstest du vielleicht etwas von der Zeit, die du sowieso schon einsetzt, für das Schulen nutzen (Pred. 3:1). Das wird sich als eine gute Investition herausstellen.

DIE VORAUSSETZUNGEN SCHAFFEN

11. (a) Was ist so bemerkenswert an den Vorschlägen der Ältesten aus verschiedenen Ländern? (b) Warum ist es gemäß Sprüche 15:22 nützlich, sich mit den Vorschlägen dieser Ältesten zu befassen?

11 Vor einiger Zeit wurde eine Anzahl Älteste, die mit Erfolg Brüder schult und ihnen dabei hilft, geistig zu wachsen, gefragt, was ihr Geheimnis sei. * Obwohl ihre Umstände sehr verschieden sind, war ihr Rat verblüffend ähnlich. Was zeigt dies? Schulung, die auf der Bibel beruht, kann wie in den Tagen des Apostels Paulus „überall“ und „in jeder Versammlung“ umgesetzt werden (1. Kor. 4:17). In diesem und im nächsten Artikel sehen wir uns daher einige Vorschläge dieser Ältesten an (Spr. 15:22). Der Einfachheit halber sprechen wir in diesen beiden Artikeln von „Lehrern“ und „Schülern“.

12. Wofür muss ein Lehrer sorgen, und warum?

12 Wie ein Gärtner erst den Boden bearbeiten und lockern muss, bevor er ihn besäen kann, so muss auch ein Lehrer für die Schulung erst die richtigen Voraussetzungen schaffen. Bevor  er dem Schüler daher neue Fertigkeiten vermittelt, wird er ihn erst darauf vorbereiten und ihm Mut machen. Aber wie schafft man die richtigen Voraussetzungen? Indem man so ähnlich vorgeht wie ein Prophet aus alter Zeit. Wie ist er vorgegangen?

13—15. (a) Welchen Auftrag erhielt der Prophet Samuel? (b) Wie führte Samuel seinen Auftrag aus? (Siehe Anfangsbild.) (c) Warum ist dieser Bericht über Samuel für Älteste besonders interessant?

13 Vor über 3 000 Jahren wandte sich Jehova an den Propheten Samuel und sagte zu ihm: „Morgen um diese Zeit werde ich einen Mann aus dem Land Benjamin zu dir senden, und du sollst ihn zum Führer über mein Volk Israel salben“ (1. Sam. 9:15, 16). Wie Samuel bewusst wurde, sollte er die Nation nicht länger führen. Stattdessen beauftragte Jehova ihn, einen Nachfolger zu salben. Samuel wird sich da gefragt haben, wie er den Mann auf diese Aufgabe vorbereiten könne. Er überlegte also und legte sich einen Plan zurecht.

14 Als Samuel am nächsten Morgen Saul sah, sagte Jehova zum Propheten: „Hier ist der Mann.“ Also schritt Samuel zur Tat. Er lud Saul zu einem Essen in einem Speisesaal ein. Dort wies er Saul und seinem Begleiter die besten Plätze zu, gab Saul das beste Stück Fleisch und sagte: „Iss, denn auf die bestimmte Zeit hat man es für dich aufbehalten.“ Danach nahm Samuel ihn mit in sein Haus und unterhielt sich unterwegs mit ihm. Samuel wollte die angenehme Atmosphäre, die das gute Essen und der gemütliche Spaziergang erzeugt hatten, nutzen. Deshalb lud er Saul noch auf sein Flachdach ein. Dort, in der kühlen Abendluft, „sprach [Samuel] mit Saul weiter“, bis sie zu Bett gingen. Am nächsten Tag salbte Samuel Saul, küsste ihn und gab ihm weitere Anweisungen. Damit war Saul für seine zukünftige Aufgabe bereit, woraufhin Samuel ihn wegsandte (1. Sam. 9:17-27; 10:1).

15 Es ist natürlich schon ein Unterschied, ob man einen Mann zum Führer einer Nation salbt oder ob man einen Bruder schult, damit er in der Versammlung als Dienstamtgehilfe oder Ältester ernannt werden kann. Dennoch können Älteste heute von Samuels Vorgehensweise einiges lernen. Zwei Punkte sehen wir uns im Folgenden an.

BEREITWILLIGE LEHRER UND ECHTE FREUNDE

16. (a) Wie fühlte sich Samuel, als Israel einen König haben wollte? (b) Mit welcher Einstellung erfüllte Samuel seinen Auftrag, Saul zu salben?

16 Sei bereitwillig, nicht zögerlich. Als Samuel erfuhr, dass die Israeliten einen menschlichen König wollten, war er enttäuscht und fühlte sich vom Volk zurückgestoßen (1. Sam. 8:4-8). Zunächst zögerte er, dem Wunsch des Volkes nachzukommen, sodass Jehova ihm dreimal sagen musste, er solle auf sie hören (1. Sam. 8:7, 9, 22). Dennoch verbitterte Samuel nicht und ließ auch keinen Groll gegen den Mann aufkommen, der ihn ersetzen würde. Er führte Jehovas Auftrag, Saul zu salben, schließlich bereitwillig und gehorsam aus — und zwar aus Liebe und nicht bloß aus reinem Pflichtgefühl.

17. Worin ahmen Älteste Samuel nach, und womit werden sie belohnt?

17 Wie Samuel vermitteln erfahrene Älteste ihren Schülern, dass sie sie schätzen (1. Pet. 5:2). Sie lassen sich nicht davon abhalten, andere zu schulen, aus Angst, sie müssten den Schülern dann gewisse Vorrechte überlassen. Lehrer mit einem großen Herzen betrachten willige Schüler nicht als Konkurrenten, sondern als  „Mitarbeiter“ und wertvolle Geschenke für die Versammlung (2. Kor. 1:24; Heb. 13:16). Einem selbstlosen Lehrer macht es bestimmt große Freude zu beobachten, wie sein Schüler seine Fähigkeiten zum Wohl der Versammlung einsetzt (Apg. 20:35).

18, 19. Wie kann ein Ältester einen Bruder auf die Schulung vorbereiten, und warum ist dies so wichtig?

18 Sei ein Freund, nicht nur ein Lehrer. Als Samuel dem Saul begegnete, hätte er auch schnell eine Ölflasche nehmen, sie eilig über Sauls Kopf ausgießen und den neuen König wegsenden können. Saul wäre dann zwar gesalbt, aber völlig unvorbereitet gewesen. Stattdessen nahm sich Samuel gern die Zeit, um Saul Schritt für Schritt auf seine Aufgabe vorzubereiten. Erst nach einem guten Essen, einem angenehmen Spaziergang, einem langen Gespräch und einem erholsamen Schlaf war für Samuel der richtige Zeitpunkt gekommen, Saul zu salben.

Bevor du jemand schulst, bau eine Freundschaft zu ihm auf (Siehe Absatz 18 und 19)

19 Auch heute sollte sich ein Lehrer vor dem Schulen die Zeit nehmen, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und eine Freundschaft zum Schüler aufzubauen. Welche Schritte ein Ältester unternimmt, um solch ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen, ist von Land zu Land verschieden, je nach Umständen und Gepflogenheiten. Doch wenn sich ein vielbeschäftigter Ältester Zeit für seinen Schüler nimmt, gibt er ihm zu verstehen: „Du bist mir wichtig.“ (Lies Römer 12:10.) Diese unausgesprochene Botschaft wird von Schülern überall auf der Welt klar verstanden und sehr geschätzt.

20, 21. (a) Was macht einen erfolgreichen Lehrer aus? (b) Worum geht es im nächsten Artikel?

20 Älteste, vergesst bitte nicht: Ein erfolgreicher Lehrer liebt es nicht nur, zu schulen, sondern er liebt auch den Menschen, den er schult. (Vergleiche Johannes 5:20.) Der Schüler wird dies spüren und das beeinflusst enorm, wie er auf die Schulung reagiert. Liebe Älteste, seid also nicht nur ein Lehrer, seid auch ein Freund (Spr. 17:17; Joh. 15:15).

21 Nachdem das Herz des Schülers bereitgemacht ist, kann ihm ein Ältester die notwendigen Fertigkeiten vermitteln. Welche Methoden kann er dazu verwenden? Darum geht es im nächsten Artikel.

^ Abs. 3 Dieser und der folgende Artikel richtet sich zwar speziell an Älteste, aber alle in der Versammlung sollten sich dafür interessieren. Aus welchem Grund? Die Artikel führen allen getauften Männern vor Augen, wie wichtig Schulung für sie ist, damit die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Das ist zum Nutzen aller.

^ Abs. 11 Die Ältesten leben in Australien, Bangladesch, Belgien, Brasilien, Frankreich, Französisch-Guayana, Japan, Korea, Mexiko, Namibia, Nigeria, Réunion, Russland, Südafrika und in den Vereinigten Staaten.