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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) MÄRZ 2015

Fragen von Lesern

Fragen von Lesern

In der Vergangenheit wurde in unseren Veröffentlichungen oft von Vorbildern und Gegenbildern gesprochen. In den letzten Jahren geschah das jedoch kaum noch. Warum eigentlich?

Im Wachtturm vom 1. Dezember 1966 (englisch: 15. September 1950) wurden die Begriffe „Vorbild“ oder „Bild“ und „Gegenbild“ wie folgt definiert: „Ein Bild ist ein Muster oder eine Darstellung von etwas, was sich in künftiger Zeit ereignen wird. Das Gegenbild ist die Wirklichkeit von dem, was das Bild darstellt. Das Bild kann korrekterweise ein Schatten genannt werden; das Gegenbild ist die Wirklichkeit.“

Vor vielen Jahren hieß es in unseren Veröffentlichungen, treue Männer und Frauen wie Debora, Elihu, Jephtha, Hiob, Rahab, Rebekka und viele andere seien Bilder oder „Schatten“ von den Gesalbten oder der „großen Volksmenge“ gewesen (Offb. 7:9). Von Jephtha, Hiob und Rebekka nahm man beispielsweise an, sie hätten die Gesalbten dargestellt, während Debora und Rahab die „große Volksmenge“ darstellten. In den letzten Jahren wurden solche Vergleiche allerdings nicht mehr gezogen. Warum nicht?

VORBILD

Das geopferte Passahlamm im alten Israel war ein Bild oder Vorbild (4. Mo. 9:2)

GEGENBILD

Paulus nannte Christus „unser Passah“ (1. Kor. 5:7)

Die Bibel berichtet von Personen, von denen sie sagt, sie seien Vorbilder von etwas Größerem. In Galater 4:21-31 erwähnte der Apostel Paulus ein „symbolisches Drama“, das zwei Frauen einschloss, nämlich Hagar und Sara. Hagar, Abrahams Sklavin, stellte die Nation Israel dar, die durch das mosaische Gesetz an Jehova gebunden war. Sara, die frei war, symbolisierte Gottes Frau, den himmlischen Teil seiner Organisation. Im Hebräerbrief zieht Paulus eine Verbindung zwischen dem König-Priester Melchisedek und Jesus, indem er auf bestimmte Ähnlichkeiten zwischen den beiden aufmerksam macht (Heb. 6:20; 7:1-3). Auch Jesaja und seine Söhne vergleicht Paulus mit Jesus und seinen gesalbten Nachfolgern (Heb. 2:13, 14). Paulus schrieb unter Inspiration. Daher nehmen wir das, was er über diese Vorbilder sagt, gern an.

Selbst wenn die Bibel sagt, jemand sei das Bild für etwas Größeres, sollten wir dennoch nicht schlussfolgern, jedes Detail oder jedes Ereignis im  Leben des Vorbilds sei ein Bild für etwas Größeres. Zum Beispiel sagte Paulus, Melchisedek sei ein Bild für Jesus. Dennoch erwähnte er nicht die Begebenheit, als Melchisedek dem Abraham Brot und Wein brachte, nachdem dieser vier Könige besiegt hatte. Die Bibel liefert uns also keinen Grund, in dieser Begebenheit eine verborgene Bedeutung zu suchen (1. Mo. 14:1, 18).

In den Jahrhunderten nach Christi Tod haben Gelehrte den Fehler gemacht, überall nach Bildern zu suchen. Bezüglich der Lehren von Origenes, Ambrosius und Hieronymus erklärt The International Standard Bible Encyclopaedia: „In jedem in der Bibel aufgezeichneten Vorfall oder Ereignis, gleichgültig wie unbedeutend, suchten sie Bilder und fanden diese natürlich auch. Sogar vom einfachsten und alltäglichsten Umstand — wie die Zahl der Fische, die die Jünger in der Nacht fingen, als ihnen der auferweckte Erlöser erschien — nahm man an, er verberge in sich die geheimste Wahrheit . . . Wieviel manche doch in die Zahl 153 interpretiert haben!“

Augustinus von Hippo kommentierte ausgiebig die Begebenheit, als Jesus etwa 5 000 Männer mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen speiste. Da Gerste im Vergleich zu Weizen als minderwertiger galt, schlussfolgerte Augustinus, die fünf Brote stünden für die fünf Bücher Mose (die minderwertigere Gerste stellte demnach die vermeintliche Unterlegenheit des „Alten Testaments“ dar). Und was war mit den Fischen? Er verglich sie mit einem König und einem Priester. Ein anderer Gelehrter suchte ebenfalls gern nach Bildern und Gegenbildern. Jakobs Kauf von Esaus Erstgeburtsrecht mit einem roten Linsengericht stellte seiner Meinung nach Jesu Kauf des himmlischen Erbes für die Menschheit mit seinem Blut dar.

Erscheinen uns solche Deutungen abwegig? Dann verstehen wir die Problematik. Menschen können nicht wissen, welche Bibelberichte für etwas Künftiges stehen und welche nicht. Am besten ist: Wo die Bibel lehrt, dass eine Person, ein Ereignis oder ein Gegenstand ein Bild für etwas anderes ist, akzeptieren wir das. Wo es jedoch keine eindeutige biblische Grundlage gibt, werden wir einer Person oder einem Bericht nicht voreilig eine gegenbildliche Anwendung zuweisen.

Wie nützen uns dann die Ereignisse und Beispiele, die in der Bibel aufgezeichnet wurden? In Römer 15:4 lesen wir die Worte des Apostels Paulus: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können.“ Damit sagte er seinen gesalbten Brüdern im 1. Jahrhundert, wie wertvoll die aufgezeichneten Berichte für sie sind. Dennoch haben Gottes Diener — ob sie nun zu den Gesalbten oder zu den anderen Schafen gehören — bis in die „letzten Tage“ hinein Nutzen aus dem gezogen, „was vorzeiten geschrieben wurde“ (Joh. 10:16; 2. Tim. 3:1).

Man sollte die meisten dieser Berichte also nicht nur auf die Gesalbten oder nur auf die große Volksmenge oder nur auf einen bestimmten Zeitraum anwenden. Vielmehr kann jeder aus Gottes Volk, ganz gleich zu welcher Zeit er lebt, die Lehren aus den Berichten auf sich beziehen. Daher brauchen wir beispielsweise das Bibelbuch Hiob nicht ausschließlich auf die Prüfungen der Gesalbten während des Ersten Weltkriegs anzuwenden. Viele Diener Gottes, sowohl Männer als auch Frauen, ob sie nun zu den Gesalbten oder zu der großen Volksmenge gehören, haben Ähnliches wie Hiob durchgemacht und „gesehen, welchen Ausgang Jehova gab, dass Jehova voll inniger Zuneigung und barmherzig ist“ (Jak. 5:11).

Auch heute finden wir in unseren Versammlungen treue ältere Frauen wie Debora oder fähige junge Älteste, weise wie Elihu. Oder denken wir an unsere mutigen Pioniere, eifrig wie Jephtha, oder an die treuen Männer und Frauen, die geduldig wie Hiob sind. Wir sind Jehova wirklich dankbar dafür, dass er „alles, was vorzeiten geschrieben wurde“, für uns bewahrt hat, damit wir „durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“!

Aus diesen Gründen wurde in den letzten Jahren in unseren Veröffentlichungen auf das Wert gelegt, was wir aus Bibelberichten lernen können, und es wurde darin nicht mehr nach Vorbildern und deren Gegenbildern gesucht.