Zurück zum Inhalt

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Jehovas Zeugen

Deutsch

Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Februar 2015

Die Nationen auf „die Lehre Jehovas“ vorbereitet

Die Nationen auf „die Lehre Jehovas“ vorbereitet

„Der Prokonsul . . . wurde . . . gläubig, so sehr erstaunt war er über die Lehre Jehovas“ (APG. 13:12)

1—3. Vor welchen Herausforderungen standen Jesu Jünger in Verbindung mit dem Auftrag, die gute Botschaft „allen Nationen“ zu predigen?

JESUS CHRISTUS gab seinen Nachfolgern einen gewaltigen Auftrag. Er gebot ihnen: „Geht . . . hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen.“ Schließlich würde so die „gute Botschaft vom Königreich . . . auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:14; 28:19).

2 Die Jünger liebten sowohl Jesus als auch die gute Botschaft. Dennoch fragten sie sich wohl, wie sie diesen Auftrag jemals erfüllen sollten. Schließlich waren sie nur wenige. Jesus, den sie als Sohn Gottes verkündeten, war umgebracht worden. Außerdem galten sie als „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“ (Apg. 4:13). Und trotzdem sollten sie eine Botschaft übermitteln, die den Lehren der angesehenen religiösen Führer widersprach. Diese Führer waren in den Überlieferungen, die bis in die ferne Vergangenheit reichten, gut  bewandert. Zudem wurden die Jünger in ihrem eigenen Heimatland nicht geachtet. Und was war die Nation Israel schon im Vergleich zum übrigen glorreichen Römischen Reich?

3 Außerdem hatte Jesus seine Jünger davor gewarnt, dass sie gehasst, verfolgt oder sogar umgebracht werden würden (Luk. 21:16, 17). Sie mussten mit Verrat, falschen Propheten und zunehmender Gesetzlosigkeit fertigwerden (Mat. 24:10-12). Aber selbst wenn die Botschaft überall positiv aufgenommen werden würde: Wie sollten sie es bloß schaffen, diese „bis zum entferntesten Teil der Erde“ zu tragen? (Apg. 1:8). Solche Herausforderungen müssen für die Jünger wirklich beängstigend gewesen sein!

4. Wie erfolgreich war das Predigtwerk der Jünger im 1. Jahrhundert?

4 Welche Bedenken die Jünger auch gehabt haben mögen, sie predigten eifrig die gute Botschaft, und zwar nicht nur in Jerusalem und Samaria, sondern auch in der gesamten damals bekannten Welt. Obwohl sie mit Schwierigkeiten zurechtkommen mussten, war innerhalb von nur 30 Jahren die gute Botschaft „in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt worden“. Sie breitete sich aus und trug „in der ganzen Welt Frucht“ (Kol. 1:6, 23). Ein Beispiel: Aufgrund dessen, was der Apostel Paulus auf der Insel Zypern sagte und tat, wurde der römische Prokonsul Sergius Paulus „gläubig, so sehr erstaunt war er über die Lehre Jehovas“. (Lies Apostelgeschichte 13:6-12.)

5. (a) Was versicherte Jesus seinen Jüngern? (b) Was haben einige in Anbetracht der Umstände im 1. Jahrhundert geschlussfolgert?

5 Jesu Jünger wussten, dass sie das Predigtwerk nicht aus eigener Kraft durchführen könnten. Jesus hatte ihnen aber versichert, er werde mit ihnen sein und der heilige Geist werde ihnen helfen (Mat. 28:20). Und womöglich kamen ihnen in mancher Hinsicht die damaligen Umstände beim Verkündigen des Königreiches zugute. Das Buch Evangelisation zur Zeit der ersten Christen sagt dazu, „dass wohl kein Abschnitt in der Geschichte geeigneter war, die junge Kirche aufzunehmen, als das erste Jahrhundert nach Christus . . . Im zweiten Jahrhundert begannen die Christen . . . [zu zeigen], dass die göttliche Vorsehung die Welt für das Kommen des Christentums vorbereitet hatte.“

6. Worum geht es (a) in diesem Artikel und (b) im nächsten?

6 Die Bibel sagt zwar nichts darüber, in welchem Ausmaß Gott die Entwicklungen im 1. Jahrhundert steuerte, um ein umfangreiches Predigen zu ermöglichen. Doch so viel ist sicher: Jehova wollte, dass die gute Botschaft gepredigt wird; der Teufel aber nicht. In diesem Artikel besprechen wir einige Faktoren, die das Predigen im 1. Jahrhundert — anders als zu anderen Zeiten der Geschichte — erleichtert haben mögen. Im nächsten Artikel geht es um Entwicklungen, die uns heute helfen, die gute Botschaft in der ganzen Welt zu predigen.

DER VORTEIL DER PAX ROMANA

7. Was war die Pax Romana, und warum war sie bemerkenswert?

7 Die römische Welt des 1. Jahrhunderts bot Christen manche Vorteile. So gab es zum Beispiel die Pax Romana (den römischen Frieden). Das riesige Römische Reich sorgte für Stabilität im gesamten Herrschaftsgebiet. Gelegentlich gab es zwar, wie von Jesus vorausgesagt, Kriege und Kriegsberichte (Mat. 24:6). Zudem  zerstörten römische Streitkräfte Jerusalem 70 u. Z. und es fanden auch kleinere Gefechte an den Grenzen des Reiches statt. Jedoch war der Mittelmeerraum im 1. und 2. Jahrhundert relativ konfliktfrei. Wie ein Nachschlagewerk sagt, gab es in der Menschheitsgeschichte nie eine so lange Zeit allgemeiner Ruhe und nie wieder war Frieden unter so vielen Völkern so konstant.

8. Wie kamen die friedlichen Zeiten den ersten Christen zugute?

8 Origenes, ein Theologe des 3. Jahrhunderts, schrieb seine Sicht der Dinge: „Für die Ausbreitung der Lehre Jesu in alle Welt wäre die Existenz vieler Reiche ein Hindernis gewesen, . . . weil Menschen überall gezwungen gewesen wären, zu den Waffen zu greifen und für die Verteidigung ihrer Heimatländer Krieg zu führen. . . . Wie wäre es dann möglich gewesen, dass sich diese friedliche Lehre, die nicht einmal Vergeltung an den Feinden gestattet, durchsetzte, wenn sich nicht bei der Ankunft Jesu die Situation auf Erden überall in einen friedlicheren Zustand verwandelt gehabt hätte.“ Obwohl die Königreichsverkündiger im Römischen Reich verfolgt wurden, blieben sie friedlich und nutzten offenbar die weitgehend friedlichen Zeiten. (Lies Römer 12:18-21.)

DER VORTEIL DES RELATIV EINFACHEN REISENS

9, 10. Warum war das Reisen im Römischen Reich relativ einfach?

9 Die Christen profitierten auch vom römischen Straßennetz. Um seine Untertanen zu schützen und die Kontrolle über sie zu behalten, hatte Rom ein starkes und schlagkräftiges Heer. Damit die Soldaten schnell eingesetzt werden konnten, waren gute Straßen nötig, und die Römer verstanden es, sie zu bauen. Römische Ingenieure errichteten ein Straßennetz von über 80 000 Kilometern und verbanden so fast alle Provinzen. Die Straßen führten durch Wälder, Wüsten und über Berge.

10 Neben dem Straßennetz nutzten die Römer auch ein etwa 27 000 Kilometer langes schiffbares Fluss- und Kanalsystem. Römische Schiffe waren auf circa 900 Seerouten unterwegs, die Hunderte Häfen miteinander verbanden. Daher konnten Christen in alle Teile der römischen Welt reisen. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten, aber der Apostel Paulus und andere konnten das gesamte Gebiet ohne Pass und Visum bereisen. Es gab keine Einreise- oder Zollkontrollen. Und da Verbrecher die Strafen der Römer fürchteten, waren die Straßen recht sicher. Das Reisen zu Wasser war ähnlich sicher, denn die römische Flotte hielt die Seestraßen frei von Piraten. Auch wenn Paulus einige Male Schiffbruch erlitt und auf See Gefahren ausgesetzt war, sagt die Bibel nichts davon, dass er auf seinen Reisen von Piraten angegriffen wurde (2. Kor. 11:25, 26).

DER VORTEIL EINER WELTSPRACHE

Der Kodex erleichterte es sehr, Schrifttexte zu finden (Siehe Absatz 12)

11. Warum verwendeten die Jünger die griechische Sprache?

11 Die Koine oder die griechische Gemeinsprache förderte die Einheit und eine gute Kommunikation unter den Christenversammlungen. Durch die Eroberungen Alexanders des Großen war Griechisch weit verbreitet. So konnten sich Gottes Diener mit allen Arten von Menschen verständigen, was zur Verbreitung der guten Botschaft beitrug. Außerdem hatten in Ägypten lebende Juden die Hebräischen Schriften ins Griechische übersetzt. Die Menschen waren mit dieser Übersetzung, der Septuaginta, gut  vertraut und die ersten Nachfolger Christi zitierten sie freimütig. Griechisch war auch für die christlichen Aufzeichnungen ideal. Es hatte einen umfangreichen Wortschatz und war reich an Begriffen, mit denen man geistige Dinge gut erklären konnte.

12. (a) Was versteht man unter dem Kodex, und welche Vorteile hatte er gegenüber der Schriftrolle? (b) Ab wann war der Kodex unter Christen weit verbreitet?

12 Wie verwendeten die Christen die Schriften im Dienst? Schriftrollen waren unhandlich, da sie ab- und aufgerollt werden mussten und das Pergament im Allgemeinen nur auf einer Seite beschrieben war. Allein das Matthäusevangelium hätte eine komplette Schriftrolle gefüllt. Aber dann kam der Kodex — eine frühe Form des Buches. Er war eine Sammlung gebundener Seiten. Der Leser konnte ihn öffnen und einen Schrifttext leicht finden. Obwohl nicht genau bekannt ist, wann Christen damit begannen, den Kodex zu verwenden, war sein Gebrauch im 2. Jahrhundert unter den Christen so weit verbreitet, dass seine Einführung Historikern zufolge bereits im frühen 1. Jahrhundert erfolgt sein muss.

DER VORTEIL DES RÖMISCHEN RECHTS

13, 14. (a) Wie machte Paulus von seinem römischen Bürgerrecht Gebrauch? (b) Wie kam das römische Recht Christen zugute?

13 Das römische Recht galt im ganzen Reich und das römische Bürgerrecht bot wertvolle Rechte und eine gewisse Immunität. Paulus berief sich mehrmals auf sein römisches Bürgerrecht. Als er in Jerusalem gegeißelt werden sollte, fragte Paulus den Offizier: „Ist es euch Männern erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, zu geißeln, und dies unverurteilt?“ Nein, es war ihnen nicht erlaubt. Als Paulus daher sagte, er habe das Bürgerrecht von Geburt an, „traten . . . die Männer, die im Begriff waren, ihn unter Folterung zu verhören, von ihm zurück; und der Militärbefehlshaber geriet in Furcht, als er feststellte, dass er ein Römer sei und dass er ihn gebunden hatte“ (Apg. 22:25-29).

14 Das römische Bürgerrecht wirkte sich auch darauf aus, wie Paulus in Philippi behandelt wurde (Apg. 16:35-40). In Ephesus bezog sich der Stadtschreiber auf die römische Rechtsordnung, nachdem er eine aufgebrachte Menschenmenge beruhigt hatte (Apg. 19:35-41). Und während er in Cäsarea war, konnte er sich durch dieses Recht auf Cäsar berufen.  Dadurch bot sich Paulus die Gelegenheit, seinen Glauben vor ihm zu verteidigen (Apg. 25:8-12). So ermöglichte das römische Recht die Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft (Phil. 1:7).

DER VORTEIL DER JÜDISCHEN DIASPORA ODER ZERSTREUUNG

15. Wie weit verbreitet waren jüdische Gemeinden im 1. Jahrhundert?

15 Das Predigen mag für Christen auch deshalb leichter gewesen sein, weil jüdische Gemeinden im ganzen Römischen Reich zerstreut waren. Jahrhunderte zuvor hatten die Assyrer und später die Babylonier die Juden aus ihrem Heimatland verschleppt. Schon im 5. Jahrhundert v. u. Z. gab es in allen 127 Gerichtsbezirken des Persischen Reiches jüdische Gemeinden (Esth. 9:30). Als Jesus auf der Erde war, gab es jüdische Gemeinden in Ägypten und anderen Teilen Nordafrikas sowie in Griechenland, Kleinasien und Mesopotamien. Man schätzt, dass von den 60 000 000 Menschen im Römischen Reich jeder 14. ein Jude war. Und wohin die Juden auch zogen, nahmen sie ihre Religion mit (Mat. 23:15).

16, 17. (a) Wie kam die Zerstreuung der Juden vielen Nichtjuden zugute? (b) Welche Gewohnheiten der Juden übernahmen die Christen?

16 Da die Juden so weit zerstreut worden waren, wurden viele Nichtjuden mit den Hebräischen Schriften vertraut. Sie erfuhren, dass es nur einen wahren Gott gibt und dass diejenigen, die ihm dienen, ein hohes ethisches und moralisches Niveau haben sollten. Zudem enthielten die Hebräischen Schriften sehr viele Prophezeiungen über den Messias (Luk. 24:44). Sowohl Juden als auch Christen akzeptierten die Hebräischen Schriften als das inspirierte Wort Gottes. Dies ermöglichte es Paulus, eine gemeinsame Grundlage mit denen zu schaffen, die aufrichtig waren. Aus diesem Grund ging er für gewöhnlich in die Synagogen der Juden und argumentierte dort anhand der Schriften. (Lies Apostelgeschichte 17:1, 2.)

17 Die Juden folgten einem bestimmten Muster bei ihrer Anbetung. Sie kamen regelmäßig in Synagogen oder im Freien zusammen. Sie sangen Lieder, beteten und sprachen über die Schriften. Auch heute folgen Versammlungen diesem Muster.

MIT JEHOVAS HILFE MÖGLICH

18, 19. (a) Wozu trugen die Umstände im 1. Jahrhundert bei? (b) Wie empfindest du nach dieser Betrachtung für Jehova?

18 Bemerkenswerte Umstände trugen somit dazu bei, dass die gute Botschaft erfolgreich gepredigt werden konnte. Die Pax Romana, relativ einfaches Reisen, eine Weltsprache, das römische Recht und die jüdische Diaspora halfen Jesu Jüngern, das ihnen von Gott aufgetragene Predigtwerk durchzuführen.

19 Vier Jahrhunderte zuvor ließ der griechische Philosoph Platon eine seiner literarischen Figuren Folgendes sagen: „Den Urheber und Vater dieses Weltalls aufzufinden, ist schwer, nachdem man ihn aber auffand, ihn allen zu verkünden, unmöglich.“ Jesus sagte jedoch: „Die Dinge, die bei Menschen unmöglich sind, sind bei Gott möglich“ (Luk. 18:27). Der Schöpfer aller Dinge möchte, dass Menschen ihn finden und ihn kennenlernen. Außerdem sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Macht Jünger aus Menschen aller Nationen“ (Mat. 28:19). Mit der Hilfe Jehovas ist es möglich, diesen Auftrag auszuführen. Der nächste Artikel zeigt, wie dieses Werk in unserer Zeit durchgeführt wird.