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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Februar 2015

Uns Jesus zum Vorbild nehmen: seine Demut und seine innige Zuneigung

Uns Jesus zum Vorbild nehmen: seine Demut und seine innige Zuneigung

„Christus [hat] für euch gelitten . . . , euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen genau nachfolgt“ (1. PET. 2:21)

1. Warum kommen wir Jehova immer näher, wenn wir Jesus nachahmen?

WIR neigen dazu, Menschen nachzuahmen, die wir bewundern. Von allen Menschen, die je gelebt haben, ist es Jesus Christus am meisten wert, nachgeahmt zu werden. Warum? Jesus selbst sagte einmal: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“ (Joh. 14:9). Jesus spiegelt die Persönlichkeit seines Vaters so gut wider, dass man sagen kann: Wenn man den Sohn beobachtet, ist es so, als würde man den Vater sehen. Wenn wir also Jesus nachahmen, kommen wir Jehova immer näher — der herausragendsten Persönlichkeit überhaupt. Was für eine Belohnung das doch dafür ist, seinen Sohn nachzuahmen!

2, 3. (a) Warum hat Jehova ein detailliertes Bild von seinem Sohn aufzeichnen lassen, und was erwartet Jehova von uns? (b) Worum geht es in diesem und im nächsten Artikel?

2 Aber woher sollen wir wissen, wie Jesus war? Jehova hat in den Christlichen Griechischen Schriften ein detailliertes Bild  von seinem Sohn aufzeichnen lassen. So können wir mit ihm vertraut werden und seinem Beispiel folgen. (Lies 1. Petrus 2:21.) In der Bibel wird das Beispiel, das uns Jesus hinterlassen hat, mit Fußstapfen verglichen. Gewissermaßen sagt uns Jehova damit, dass wir Jesus folgen und in seine Fußstapfen treten sollten. Natürlich hat Jesus ein vollkommenes Beispiel hinterlassen, und wir sind alles andere als vollkommen. Aber Jehova erwartet von uns auch nicht, dass wir Jesu Fußstapfen vollkommen folgen. Vielmehr erwartet er von uns, dies so gut wir können zu tun.

3 Sehen wir uns dazu einige anziehende Eigenschaften Jesu genauer an. In diesem Artikel geht es um seine Demut und seine innige Zuneigung und im nächsten um seinen Mut und sein gutes Urteilsvermögen. Zu jeder Eigenschaft werden drei Fragen beantwortet: Was bedeutet sie? Wie brachte Jesus sie zum Ausdruck? Wie können wir ihn nachahmen?

JESUS IST DEMÜTIG

4. Wie würdest du Demut definieren?

4 Was ist Demut? In der heutigen stolzen Welt hält man Demut für ein Zeichen von Schwäche oder fehlendem Selbstvertrauen. Doch genau das Gegenteil trifft oft zu. Denn demütig zu sein erfordert Stärke und Mut. Demut wird auch als die Einstellung definiert, „die im Gegensatz zu Stolz und Arroganz steht“. Das Wort, das in den Christlichen Griechischen Schriften mit „Demut“ übersetzt wurde, kann auch mit „Niedriggesinntheit“ wiedergegeben werden (Kol. 3:12, Fn.). Demut fängt damit an, wie wir über uns selbst denken. „Demut bedeutet zu wissen, wie klein wir in Wirklichkeit vor Gott sind“, heißt es in einem Bibelwörterbuch. Wenn wir uns dessen wirklich bewusst sind, halten wir uns auch nicht für etwas Besseres als unsere Mitmenschen (Röm. 12:3). Demütig zu sein und zu bleiben ist für uns unvollkommene Menschen jedoch nicht leicht. Aber wenn wir darüber nachdenken, wie wir vor Gott dastehen, und den Fußstapfen seines Sohnes folgen, kann es uns gelingen.

5, 6. (a) Wer ist der Erzengel Michael? (b) Woran erkannte man Michaels demütige Einstellung?

5 Gottes Sohn war durch und durch demütig — sowohl im Himmel als mächtiges Geistwesen als auch auf der Erde als vollkommener Mensch. Woran war das zu erkennen? Sehen wir uns einige Beispiele an.

6 Seine Einstellung: Ein Beispiel aus Jesu vormenschlicher Existenz schrieb der Bibelschreiber Judas auf. (Lies Judas 9.) Als Erzengel Michael wurde Jesus „mit dem Teufel uneins“ und setzte sich mit ihm „wegen des Leibes Mose“ auseinander. Nachdem Moses gestorben war, begrub Jehova ihn an einem unbekannten Ort (5. Mo. 34:5, 6). Vielleicht wollte der Teufel mit dem Leichnam von Moses die falsche Anbetung fördern. Was immer er auch Übles vorhatte, Michael trat ihm mutig entgegen. Wie ein Nachschlagewerk bemerkt, werden die griechischen Ausdrücke, die mit „uneins wurde“ und „auseinandersetzte“ wiedergegeben wurden, „auch in Verbindung mit Rechtsstreitigkeiten verwendet“. Damit wird wohl vermittelt, dass „Michael das Recht des Teufels auf den Leib Mose anfocht“. Dennoch war sich der oberste Engel bewusst, dass es ihm nicht zustand zu richten. Vielmehr verwies er den Fall an den höchsten Richter, Jehova. Michael überschritt seine Befugnis also nicht einmal dann, als er provoziert wurde. Was für eine demütige Einstellung!

7. Wie bewies Jesus in Wort und Tat Demut?

7 Als Jesus auf der Erde war, bewies er in Wort und Tat, dass er wirklich demütig war. Seine Worte: Er lenkte nie die Aufmerksamkeit  auf sich selbst. Stattdessen gab er Jehova alle Ehre (Mar. 10:17, 18; Joh. 7:16). Nie sprach er herablassend mit seinen Jüngern oder vermittelte ihnen das Gefühl, unterlegen zu sein. Vielmehr verlieh er ihnen Würde, indem er sie für das Gute in ihnen lobte und sein Vertrauen in sie zum Ausdruck brachte (Luk. 22:31, 32; Joh. 1:47). Seine Taten: Jesus zog es vor, in einfachen Verhältnissen zu leben, ohne sich mit vielen materiellen Dingen zu belasten (Mat. 8:20). Er war bereit, die niedrigste Arbeit zu verrichten (Joh. 13:3-15). Vor allem sein Gehorsam verriet Demut. (Lies Philipper 2:5-8.) Ganz anders als arrogante Personen, die Gehorsam verachten, tat Jesus demütig Gottes Willen und „wurde gehorsam bis zum Tod“. Ist es nicht offensichtlich, dass Jesus „von Herzen demütig“ war? (Mat. 11:29).

JESU DEMUT NACHAHMEN

8, 9. Woran kann man unsere Demut erkennen?

8 Wie können wir wie Jesus demütig sein? Unsere Einstellung: Demut hält uns davon zurück, unsere Befugnisse zu überschreiten. Wenn wir anerkennen, dass es uns nicht zusteht zu richten, kritisieren wir andere wegen ihrer Fehler nicht vorschnell oder stellen ihre Beweggründe infrage (Luk. 6:37; Jak. 4:12). Demut bewahrt uns davor, „allzu gerecht“ zu sein und auf andere herabzusehen, die vielleicht nicht die gleichen Fähigkeiten oder Vorrechte haben (Pred. 7:16). Ein demütiger Ältester fühlt sich seinen Glaubensbrüdern nicht überlegen. Vielmehr achtet er „die anderen höher“ und benimmt sich „als ein Geringerer“ (Phil. 2:3; Luk. 9:48).

9 Da wäre zum Beispiel W. J. Thorn. Von 1894 an war er als Pilgerbruder oder reisender Aufseher unterwegs. Nach vielen Jahren kam er auf die Königreichsfarm im Bundesstaat New York und arbeitete im Hühnerstall. Er sagte: „Immer wenn ich anfange, hoch von mir zu denken, stelle ich mich sozusagen in die Ecke und sage: ‚Du Staubkorn! Was bist du schon, um stolz sein zu können?‘ “ (Lies Jesaja 40:12-15.) Ist das nicht eine demütige Einstellung?

10. Wie zeigt sich unsere Demut in Wort und Tat?

10 Unsere Worte: Von Herzen kommende Demut spiegelt sich in unseren Worten wider (Luk. 6:45). In Gesprächen rücken wir eigene Leistungen und Vorrechte nicht in den Vordergrund (Spr. 27:2). Stattdessen suchen wir das Gute in unseren Brüdern und Schwestern und loben sie für ihre Fähigkeiten, Leistungen und positiven Eigenschaften (Spr. 15:23). Unsere Taten: Demütige Christen sind nicht daran interessiert, es in diesem System zu etwas zu bringen. Sie entscheiden sich eher für ein einfaches Leben und verrichten sogar Arbeiten, die von der Welt als niedrig eingestuft werden, um sich für Jehova voll und ganz einsetzen zu können (1. Tim. 6:6, 8). Unsere Demut kann vor allem an unserem Gehorsam erkannt werden. Es erfordert nämlich Demut, sich denen unterzuordnen, die in der Versammlung „die Führung übernehmen“, und die Anweisungen der Organisation Jehovas anzunehmen und zu befolgen (Heb. 13:17).

JESU INNIGE ZUNEIGUNG

11. Erkläre, was es einschließt, innige Zuneigung zum Ausdruck zu bringen.

11 Wer innige Zuneigung zu anderen hat, zeichnet sich nicht nur durch zarte Empfindungen aus, sondern bringt sie auch zum Ausdruck und reagiert auf diese. Innige Zuneigung ist ein Ausdruck der Liebe und beinhaltet „zarte Empfindungen“ wie Mitgefühl und Barmherzigkeit. In der Bibel finden wir Begriffe wie „inniges Erbarmen“, „innige Erbarmungen“ und „innige Zuneigung“ (Luk. 1:78;  2. Kor. 1:3; Phil. 1:8). Zu der biblischen Aufforderung, Erbarmen zu haben, sagt ein Bibelnachschlagewerk: „Die Aufforderung beinhaltet mehr, als nur mit Bedürftigen mitzufühlen. Es ist ein Aufruf, so weit ergriffen zu sein, dass man tätig wird, und so anderen neuen Auftrieb im Leben gibt.“ Innige Zuneigung ist eine treibende Kraft. Eine mitfühlende Person fühlt sich dazu gedrängt, das Leben anderer zum Positiven zu beeinflussen.

12. Wodurch zeigte Jesus inniges Erbarmen für andere, und wozu bewog es ihn?

12 Wie kam Jesu innige Zuneigung zu anderen zum Ausdruck? Seine Taten und innigen Gefühle: Jesus empfand für andere inniges Erbarmen. Als er sah, wie Maria und andere über den Verlust ihres Bruders Lazarus weinten, brach auch er in Tränen aus. (Lies Johannes 11:32-35.) Dann weckte er Lazarus von den Toten auf. Bestimmt hat ihn — wie bei der Auferweckung des Sohnes der Witwe — von Herzen kommendes Mitleid dazu veranlasst (Luk. 7:11-15; Joh. 11:38-44). Durch Jesu mitfühlende Tat erhielt Lazarus womöglich eine neue Zukunftsperspektive, nämlich die Aussicht auf Leben im Himmel. Zu einem früheren Zeitpunkt „ergriff ihn Mitleid“ mit einer Volksmenge, die ihm folgte, und er „fing an, sie viele Dinge zu lehren“ (Mar. 6:34). Was für eine Wende im Leben derer, die auf seine Lehren positiv reagierten! Beachten wir, dass Jesu innige Zuneigung mehr als nur ein Gefühl war. Sie bewog ihn dazu, initiativ zu werden und anderen zu helfen (Mat. 15:32-38; 20:29-34; Mar. 1:40-42).

13. Wie kam Jesu innige Zuneigung durch seine Worte zum Ausdruck? (Siehe Anfangsbild.)

13 Seine mitfühlenden Worte: Jesu mitfühlendes Herz drängte ihn dazu, mit anderen mitfühlend zu reden, besonders mit solchen, die unterdrückt wurden. Der Apostel Matthäus wandte die Worte Jesajas auf Jesus an: „Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen; und was einen glimmenden Flachsdocht betrifft, er wird ihn nicht auslöschen“ (Jes. 42:3; Mat. 12:20). Durch die Art und Weise, wie Jesus redete, gab er denen neuen Mut, die sozusagen wie ein geknicktes Rohr waren oder wie der Docht einer Öllampe, der kurz vor dem Erlöschen ist. Er predigte eine Botschaft der Hoffnung, „um die zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind“ (Jes. 61:1). Jesus sagte: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid“, denn „ihr werdet Erquickung finden“ (Mat. 11:28-30). Er sicherte seinen Nachfolgern zu, dass Gott sich liebevoll um jeden seiner Anbeter kümmert, auch um die „Kleinen“ — diejenigen, die in den Augen der Welt vielleicht unwichtig erscheinen (Mat. 18:12-14; Luk. 12:6, 7).

WIE JESUS INNIGE ZUNEIGUNG ZUM AUSDRUCK BRINGEN

14. Wie können wir innige Zuneigung zu anderen zum Ausdruck bringen?

14 Wie können wir wie Jesus anderen unsere Zuneigung zeigen? Unsere innigen Gefühle: Solche Gefühle sind bei uns vielleicht nicht automatisch vorhanden, aber die Bibel drängt uns, daran zu arbeiten. Die „innige Zuneigung des Erbarmens“ gehört zu der neuen Persönlichkeit, die jeder Christ anziehen soll. (Lies Kolosser 3:9, 10, 12.) Wie kannst du innige Zuneigung zu anderen zum Ausdruck bringen? Öffne dein Herz weit (2. Kor. 6:11-13). Hör aufmerksam zu, wenn jemand über seine Gefühle und seine Sorgen spricht (Jak. 1:19). Versetze dich in ihn hinein und frage dich: Wie würde ich mich in seiner Situation fühlen? Was würde ich brauchen? (1. Pet. 3:8).

15. Was können wir für diejenigen tun, die wie ein geknicktes Schilfrohr oder wie ein glimmender Docht sind?

15 Unsere liebevollen Taten: Aus inniger Zuneigung fühlen wir uns bewogen,  das Leben anderer positiv zu beeinflussen — vor allem das Leben derer, die wie ein geknicktes Schilfrohr oder wie ein glimmender Docht sind. Wie können wir helfen? „Weint mit den Weinenden“, sagt Römer 12:15. Niedergedrückte benötigen wohl eher Mitgefühl als Lösungen. Eine Schwester, die sich nach dem Tod ihrer Tochter durch Glaubensbrüder getröstet fühlte, sagt: „Es tat mir gut, wenn Brüder und Schwestern aus der Versammlung kamen und sie einfach nur mit mir weinten.“ Auch wir können durch gute Taten innige Zuneigung zeigen. Kennst du zum Beispiel eine Witwe, die Hilfe bei Reparaturen im Haus braucht? Oder benötigt jemand, der schon älter ist, eine Mitfahrgelegenheit zu den Zusammenkünften? Könntest du ihn in den Predigtdienst mitnehmen oder zum Arzt begleiten? Schon eine kleine Gefälligkeit kann jemandem, der Hilfe braucht, sehr viel bedeuten (1. Joh. 3:17, 18). Vor allem aber zeigt sich unser aufrichtiges Interesse an anderen durch unseren vollen Einsatz im Predigtdienst. Es gibt schließlich keine bessere Möglichkeit, das Leben aufrichtiger Menschen positiv zu beeinflussen!

Haben wir tiefes Mitgefühl für unsere Brüder? (Siehe Absatz 15)

16. Wie können wir einem Niedergedrückten Mut machen?

16 Unsere liebevollen Worte: Unsere innige Zuneigung zu anderen motiviert uns, „bekümmerten Seelen tröstend“ zuzureden (1. Thes. 5:14). Wie können wir jemandem Mut machen? Indem wir ihn spüren lassen, wie sehr wir uns für ihn interessieren. Wir sollten ihn aufrichtig loben, damit auch er seine Fähigkeiten und positiven Eigenschaften erkennt. Und wir können ihn daran erinnern, dass Jehova ihn zu seinem Sohn gezogen hat und er in Jehovas Augen somit kostbar sein muss (Joh. 6:44). Wir können ihm auch versichern, dass sich Jehova um seine Diener kümmert, besonders um solche, die „gebrochenen Herzens“ oder „zerschlagenen Geistes“ sind (Ps. 34:18). Unsere mitfühlenden Worte können eine heilende Wirkung auf alle haben, die Trost benötigen (Spr. 16:24).

17, 18. (a) Was wünscht sich Jehova von Ältesten? (b) Was werden wir im nächsten Artikel betrachten?

17 Von Ältesten erwartet Jehova, dass sie seine Schafe schonend behandeln (Apg. 20:28, 29). Älteste dürfen nicht vergessen, dass es ihre Verantwortung ist, seine Schafe zu nähren, zu ermuntern und zu erfrischen (Jes. 32:1, 2; 1. Pet. 5:2-4). Ein mitfühlender Ältester versucht daher nicht, sie durch eigene Regeln zu beherrschen oder sie durch Schuldgefühle unter Druck zu setzen, damit sie für Jehova mehr tun, obwohl es ihre Umstände gar nicht erlauben. Vielmehr strengt er sich an, ihre Freude zu fördern, indem er sein Vertrauen zum Ausdruck bringt, dass sie aus Liebe zu Jehova ihr Bestes geben (Mat. 22:37).

18 Über Jesu Demut und die Art, wie er innige Zuneigung zum Ausdruck brachte, nachzudenken, hilft uns dabei, seinen Fußstapfen zu folgen. Im nächsten Artikel geht es um zwei weitere anziehende Eigenschaften Jesu: seinen Mut und sein gutes Urteilsvermögen.