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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) SEPTEMBER 2014

Eltern: Seid die Hirten eurer Kinder!

Eltern: Seid die Hirten eurer Kinder!

„Du solltest unbedingt das Aussehen deines Kleinviehs kennen“ (SPR. 27:23)

1, 2. (a) Welche Aufgaben hatte ein Hirte in Israel? (b) Was haben Eltern und Hirten gemeinsam?

HIRTE im alten Israel zu sein war anstrengend. Er war Hitze und Kälte ausgesetzt und musste die Herde vor Räubern und wilden Tieren schützen. Er untersuchte die Schafe regelmäßig und versorgte kranke und verletzte. Besonders achtete er auf die Lämmer, denn sie waren anfällig und nicht so kräftig wie ausgewachsene Schafe (1. Mo. 33:13).

2 In mancher Hinsicht gleichen christliche Eltern Hirten. Sie müssen die Eigenschaften eines guten Hirten haben und tragen die Verantwortung, ihre Kinder „in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ aufzuziehen (Eph. 6:4). Das ist keine leichte Aufgabe! Kinder sind satanischen Einflüssen ausgesetzt und haben unvollkommene Neigungen (2. Tim. 2:22; 1. Joh. 2:16). Wie könnt ihr als Eltern euren Kindern helfen? Wir wollen drei Bereiche betrachten, auf denen ihr euch als Hirten eurer Kinder erweisen könnt: Sie kennen, sie geistig ernähren und sie anleiten.

 DIE KINDER KENNEN

3. Wann kann gesagt werden, dass Eltern „das Aussehen“ ihrer Kinder kennen?

3 Ein guter Hirte achtet sorgfältig darauf, dass jedes Schaf gesund ist. Im übertragenen Sinn könnt ihr das auch bei euren Kindern tun. In der Bibel heißt es: „Du solltest unbedingt das Aussehen deines Kleinviehs kennen“ (Spr. 27:23). Das ist nur möglich, wenn ihr euch mit dem befasst, was eure Kinder tun, denken und empfinden. Wie ist das zu bewältigen? Mit am besten ist es, oft mit den Kindern zu reden.

4, 5. (a) Wie können es Eltern ihrem Kind erleichtern, sich ihnen gegenüber zu äußern? (Siehe Anfangsbild.) (b) Wie kommst du deinen Kindern entgegen, damit sie dir etwas erzählen?

4 Einigen Eltern ist aufgefallen, dass es schwerer fällt, sich mit den Kindern zu unterhalten, wenn aus ihnen Jugendliche werden. Dann ziehen sie sich vielleicht zurück oder schämen sich, ihre Gedanken und Gefühle zu offenbaren. Was könnt ihr tun, wenn das auf eure Kinder zutrifft? Gelegenheiten im Alltag zu nutzen, um mit ihnen zu sprechen, ist besser als den Sohn oder die Tochter zu langen, ernsthaften Gesprächen zu zwingen (5. Mo. 6:6, 7). Womöglich müsst ihr euch mehr bemühen, etwas gemeinsam zu unternehmen. Vielleicht macht ihr einen Spaziergang oder fahrt gemeinsam weg, spielt ein Spiel oder erledigt miteinander Hausarbeiten. In einem ungezwungenen Umfeld fühlen sich heranwachsende Jugendliche nicht gehemmt und gehen leichter aus sich heraus.

5 Was, wenn Kinder trotzdem noch zögern, sich zu äußern? Vielleicht ist es dann besser, anders an die Sache heranzugehen. Ein Beispiel: Statt die Tochter zu fragen, wie ihr Tag war, könnte man erzählen, wie der eigene Tag gewesen ist. Möglicherweise erzählt sie dann etwas von ihrem Tag. Will man erfahren, welche Meinung sie zu einem bestimmten Thema hat, könnte man Fragen stellen, durch die sie nicht im Mittelpunkt steht. Man könnte zum Beispiel erst fragen, was eine Freundin über ein Thema denkt, und dann, welchen Rat ihr die Tochter geben würde.

6. Was bedeutet es, erreichbar und ansprechbar zu sein?

6 Natürlich müssen die Kinder, wenn sie sich offen mit euch unterhalten sollen, den Eindruck haben, dass ihr erreichbar und ansprechbar seid. Sieht es immer so aus, als seid ihr zu beschäftigt, um euch zu unterhalten, werden die Jugendlichen ihre Probleme wahrscheinlich für sich behalten. Wie steht es damit, ansprechbar zu sein? Es bedeutet mehr, als einfach nur zu sagen: „Du kannst jederzeit zu mir kommen.“ Jugendliche müssen spüren, dass ihre Probleme nicht heruntergespielt werden und dass die Eltern nicht überreagieren. Vielen Eltern gelingt das. Die 19-jährige Kayla zum Beispiel sagt: „Ich kann mit Papa über alles reden. Er unterbricht mich nicht, er verurteilt mich nicht, er hört einfach zu. Dann gibt er mir immer den besten Rat.“

7. (a) Wie können Eltern ausgeglichen an das Thema feste Bekanntschaften herangehen? (b) Wie könnten Eltern ihre Kinder unbeabsichtigt verärgern?

7 Selbst bei heiklen Themen — feste Bekanntschaften zum Beispiel — sollte man nicht so viel Gewicht auf Warnungen legen, dass man vergisst, zu erklären, wie der Jugendliche richtig handeln kann. Eine Veranschaulichung: Wir sind in einem Restaurant und sehen uns die Speisekarte an, finden darauf aber nur Warnungen vor Lebensmittelvergiftungen. Sicherlich würden wir woanders hingehen. Eure Kinder reagieren womöglich ähnlich, wenn sie euch um Rat bitten und auf eurer „Speisekarte“ nur strenge Warnungen stehen.  (Lies Kolosser 3:21.) Versucht, ausgeglichen zu sein. Emily, eine junge Schwester, hat Folgendes beobachtet: „Wenn meine Eltern mit mir über feste Bekanntschaften reden, rücken sie das Thema nicht in ein schlechtes Licht. Sie betonen, wie schön es ist, jemand kennenzulernen und einen Ehepartner zu finden. Das macht es mir leichter, mit ihnen darüber zu reden. Ich möchte mit ihnen über meine Freundschaften sprechen und sie ihnen nicht verheimlichen.“

8, 9. (a) Welche Vorteile bringt es, jemand zuzuhören, ohne ihn zu unterbrechen? (b) Was hast du dadurch erreicht, dass du deinen Kindern zugehört hast?

8 Nach Kaylas Worten zeigen Eltern, dass sie ansprechbar sind, wenn sie ihren Kindern geduldig zuhören. (Lies Jakobus 1:19.) Katia, eine alleinerziehende Mutter, erzählt: „In letzter Zeit war ich sehr ungeduldig mit meiner Tochter. Ich ließ sie nie ausreden. Entweder war ich zu müde oder ich wollte nicht gestört werden. Jetzt, wo ich mich anders verhalte, verhält sich meine Tochter auch anders. Sie ist viel umgänglicher geworden.“

Hört ihnen zu, um sie KENNENZULERNEN (Siehe Absatz 3—9)

9 Ronald erlebte mit seiner jugendlichen Tochter Ähnliches. „Als sie mir erzählte, sie hätte sich in einen Jungen in der Schule verliebt, war ich zuerst sehr ärgerlich“, sagt er. „Doch dann dachte ich daran, wie geduldig und vernünftig Jehova mit seinen Dienern umgeht, und wollte meine Tochter erst einmal über ihre Gefühle reden lassen, bevor ich versuchte, ihr abzuraten. Ich bin froh, so vorgegangen zu sein! Zum ersten Mal habe ich verstanden, wie meine Tochter sich fühlte. Als sie ausgeredet hatte, war es leichter, liebevoll mit ihr zu reden. Überraschenderweise ging sie auf meinen Rat sehr gern ein. Sie wollte ihr Verhalten wirklich ändern.“ Wer oft mit seinen Kindern redet, ist mit ihren Gedanken und Gefühlen vertrauter und kann größeren Einfluss auf ihre Entscheidungen nehmen. *

DIE KINDER GEISTIG ERNÄHREN

10, 11. Wie kann man seine Kinder vor dem Abgleiten bewahren?

10 Ein guter Hirte weiß: Jedes seiner Schafe könnte sich verirren. Vielleicht sieht das Gras ein Stückchen weiter weg appetitlicher aus und auch das Gras, das noch weiter weg ist: So könnte sich ein  Schaf nach und nach ganz von der Herde entfernen. So ähnlich ist es auch mit Kindern. Sie könnten allmählich auf einen geistig gefährlichen Kurs abgleiten, vielleicht abgelenkt durch schlechten Umgang oder fragwürdige Freizeitgestaltung (Spr. 13:20). Wie könnt ihr dem vorbeugen?

11 Reagiert unverzüglich, wenn ihr eure Kinder belehrt und dabei mögliche Schwachpunkte entdeckt. Bemüht euch, die guten Eigenschaften eurer Kinder zu stärken (2. Pet. 1:5-8). Der wöchentliche Studierabend bietet ausgezeichnete Gelegenheit dazu. In Unserem Königreichsdienst für Oktober 2008 wurde gesagt: „Ehemännern und Vätern wird ans Herz gelegt, sich ihrer Verantwortung vor Jehova zu stellen und mit einem durchdachten, festen Programm dafür zu sorgen, dass die Familie regelmäßig gemeinsam die Bibel studiert.“ Nutzt ihr diese Gelegenheit, eure Kinder liebevoll zu hüten, so gut wie möglich? Bestimmt freuen sich eure Kinder sehr darüber, wenn ihre geistigen Bedürfnisse für euch Vorrang haben! (Mat. 5:3; Phil. 1:10).

Achtet auf gute ERNÄHRUNG (Siehe Absatz 10—12)

12. (a) Welchen Nutzen ziehen junge Leute aus einem regelmäßigen Studierabend? (Beziehe den Kasten  „Sie schätzen ihn“ ein.) (b) Wie ist dir der Studierabend zugutegekommen?

12 Eine Jugendliche namens Carissa erzählt, wie gut der regelmäßige Studierabend für ihre Familie ist. Denken wir einmal über ihre Worte nach: „Ich mag es, wenn wir zusammensitzen und uns unterhalten. Wir kommen uns näher und denken gern an diese Abende zurück. Papa achtet darauf, dass der Studierabend immer klappt. Es ist ermunternd zu sehen, dass er ihn nicht auf die leichte Schulter nimmt. Deswegen möchte ich das auch nicht tun. Außerdem fällt es mir leichter, Papa als meinen Vater und als geistiges Haupt der Familie zu respektieren.“ Brittney, eine junge Schwester, sagt: „Durch den Studierabend fühle ich mich mehr zu meinen Eltern hingezogen. Ich merke, dass sie Interesse an mir haben und wissen wollen, was für Probleme ich habe. Durch den Studierabend bleiben wir eine starke, geeinte Familie.“ Offensichtlich ist die geistige Ernährung der Kinder — besonders durch den Studierabend der Familie — eine hervorragende Möglichkeit, sich als guter Hirte zu erweisen. *

DIE KINDER ANLEITEN

13. Wie können Kinder dazu bewegt werden, Jehova zu dienen?

13 Ein guter Hirte benutzt seinen Stab, um seine Herde zu leiten und zu beschützen. Er will seine Schafe unbedingt „auf gute Weide“ führen (Hes. 34:13, 14). Habt ihr als Eltern nicht ähnliche Ziele? Ihr möchtet eure Kinder so anleiten, dass sie Jehova dienen und so denken, wie der Psalmist, der schrieb: „Deinen Willen zu tun, o mein Gott, ist meine Lust gewesen, und dein Gesetz ist in meinem Innern“ (Ps. 40:8). Junge Leute, die eine Wertschätzung wie diese entwickeln, geben sich Jehova hin und lassen sich taufen. Natürlich sollten sie diesen Schritt unternehmen, wenn sie reif genug sind und den tiefen Wunsch verspüren, Jehova zu dienen.

14, 15. (a) Was sollte das Ziel christlicher Eltern sein? (b) Warum könnte ein heranwachsender Jugendlicher Zweifel an der wahren Anbetung äußern?

14 Was aber, wenn bei den Kindern geistige Fortschritte auszubleiben scheinen — sie vielleicht sogar den Glauben infrage stellen? Versucht in ihnen Liebe zu Jehova Gott zu erwecken und Dankbarkeit für alles, was er getan hat (Offb. 4:11). Wenn es soweit ist, sind sie dann in der Lage, selbst zu entscheiden, ob sie Gott dienen möchten.

15 Doch was, wenn die Kinder in der Zwischenzeit Zweifel äußern? Wie könnt  ihr sie so hüten, dass sie verstehen: Jehova zu dienen ist wirklich der beste Lebensweg und führt zu ewigem Glück? Versucht herauszufinden, weshalb sie Zweifel haben. Stimmt beispielsweise der Sohn wirklich nicht mit den biblischen Lehren überein oder traut er sich nur nicht zu, sie vor seinen Mitschülern zu verteidigen? Zieht die Tochter tatsächlich die Weisheit göttlicher Maßstäbe in Zweifel oder fühlt sie sich einsam oder ausgegrenzt?

LEITET sie auf ihrem Weg (Siehe Absatz 13—18)

16, 17. Wie können Eltern ihren Kindern helfen, sich die Wahrheit zu eigen zu machen?

16 Ganz gleich, woher die Zweifel kommen, ihr könnt eurem Kind helfen, die Ursache anzugehen. Wie? Um herauszufinden, wie es im Innern ihres Sohnes oder ihrer Tochter aussieht, stellen viele Eltern Fragen wie diese: „Wie denkst du darüber, ein Diener Jehovas zu sein? Welche Vorteile hat das deiner Meinung nach? Was kostet es dich? Findest du, dass die Vorteile, die wir jetzt und in der Zukunft genießen, klar überwiegen? Wieso?“ Natürlich sollte man diese Fragen in eigene Worte kleiden, freundlich und mit aufrichtigem Interesse. Es darf kein Verhör werden. Man könnte auch Markus 10:29, 30 besprechen. Einige Jugendliche würden ihre Gedanken vielleicht gern nebeneinander in zwei Spalten eintragen: eine für den Nutzen und die andere für die Kosten. Solch eine Aufstellung vor Augen zu haben kann helfen, Probleme aufzudecken und Lösungen zu finden. Wenn wir mit interessierten Personen die Bücher Was lehrt die Bibel wirklich? und Bewahrt euch in Gottes Liebe studieren müssen, wie viel mehr sollten wir es dann mit unseren Kindern tun! Macht ihr das?

17 Zu einem bestimmten Zeitpunkt müssen eure Kinder selbst entscheiden, wem sie dienen möchten. Euer Glaube wird nicht einfach auf sie abfärben. Sie müssen sich die Wahrheit selbst zu eigen machen! (Spr. 3:1, 2). Warum nicht noch einmal die grundlegenden Dinge betrachten, wenn das einem Kind schwerfällt? Bittet es, über folgende Fragen nachzudenken: „Woher weiß ich, dass Gott existiert? Was überzeugt mich davon, dass ich persönlich für Jehova Gott zähle? Warum glaube ich, dass Jehovas Maßstäbe wirklich für mich von Vorteil sind?“ Erweist euch als gute Hirten und leitet eure Kinder geduldig an, indem ihr ihnen durch euer Vorbild zeigt: Jehovas Weg ist der beste Lebensweg (Röm. 12:2). *

18. Wie können Eltern Jehova, den höchsten Hirten, nachahmen?

18 Alle wahren Christen wollen den höchsten Hirten nachahmen (Eph. 5:1; 1. Pet. 2:25). Besonders Eltern müssen das Aussehen ihres Kleinviehs kennen — ihrer wertvollen Kinder — und sie unbedingt so leiten, dass Jehova sie segnen kann. Lasst euch daher durch nichts davon abhalten, eure Kinder zu hüten und sie weiterhin in der Wahrheit großzuziehen!

^ Abs. 9 Weitere Vorschläge sind im Wachtturm vom 1. August 2008, Seite 10 bis 12 zu finden.

^ Abs. 12 Weitere Informationen findet man im Artikel „Der Studierabend der Familie: Überlebenswichtig!“ im Wachtturm vom 15. Oktober 2009, Seite 29 bis 31.