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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) APRIL 2014

Niemand kann zwei Herren dienen

Niemand kann zwei Herren dienen

Niemand kann ein Sklave zweier Herren sein. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein (MAT. 6:24)

1—3. (a) Vor welchen finanziellen Problemen stehen heute viele, und wie versuchen einige, sie zu lösen? (Siehe Anfangsbild.) (b) Welche Bedenken gibt es bei der Kindererziehung?

„MEIN Mann James kam jeden Tag erschöpft von der Arbeit nach Hause, und doch hatten wir nur ein bisschen mehr als das Lebensnotwendige“, erzählt Marilyn. * „Ich wollte es meinem Mann leichter machen und unserem Jimmy einige schöne Sachen kaufen, die auch seine Mitschüler hatten.“ Außerdem hatte Marilyn vor, Verwandten zu helfen und etwas zu sparen. Viele, die sie gut kannte, waren in andere Länder gezogen, um mehr zu verdienen. Doch Marilyn hatte gemischte Gefühle, wenn sie darüber nachdachte wegzugehen. Warum?

2 Sie mochte gar nicht daran denken, ihre Familie zu verlassen und ihre guten geistigen Gewohnheiten aufzugeben. Doch sie sagte sich, auch andere seien eine Weile ins Ausland gegangen, und ihre Familien seien offensichtlich noch in der Wahrheit. Sie fragte sich aber, wie sie Jimmy aus der Ferne erziehen sollte. Könnte sie ihn über das Internet „in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ aufziehen? (Eph. 6:4).

3 Marilyn suchte nach Rat. Ihr Mann wollte zwar nicht, dass sie ging, sagte aber auch, er werde sie nicht aufhalten. Älteste und andere in der Versammlung rieten ihr zu bleiben. Doch einige Glaubensschwestern drängten sie, ins Ausland zu gehen. „Wenn du deine Familie liebst, gehst du“, sagten sie. „Du kannst  auch dort Jehova dienen.“ Marilyn verabschiedete sich trotz ihrer Bedenken von James und Jimmy und ging in ein anderes Land, um dort zu arbeiten. „Ich komme bald wieder“, versprach sie.

FAMILIENPFLICHTEN UND BIBLISCHE GRUNDSÄTZE

4. Warum verlassen viele ihr Land, und wer kümmert sich oft um ihre Kinder?

4 Bittere Armut ist bestimmt nicht das, was Jehova für seine Diener möchte. Einer der ältesten Auswege aus der Armut ist, woandershin zu ziehen (Ps. 37:25; Spr. 30:8). Der Patriarch Jakob beispielsweise sandte seine Söhne nach Ägypten, wo sie Nahrungsmittel kaufen sollten, damit die Familie nicht verhungerte (1. Mo. 42:1, 2). * Die meisten derer, die heute beschließen, ihre Heimat zu verlassen, sind nicht am Verhungern. Einige haben vielleicht hohe Schulden. Andere wünschen sich einfach einen höheren Lebensstandard für ihre Familie. Viele, die bei schwieriger Wirtschaftslage ihre Ziele erreichen möchten, leben schließlich getrennt von den Angehörigen — entweder im In- oder Ausland. Oft lassen sie minderjährige Kinder in der Obhut des anderen Elternteils, eines älteren Bruders oder einer älteren Schwester, der Großeltern, anderer Verwandter oder Freunde. So traurig es ist, den Ehepartner oder die Kinder zurücklassen zu müssen, meinen doch viele, sie hätten keine andere Wahl.

5, 6. (a) Was lehrte Jesus über Glück und Sicherheit? (b) Worum zu beten lehrte Jesus seine Nachfolger? (c) Wie segnet Jehova uns?

5 Auch in den Tagen Jesu gab es viele Arme und Benachteiligte. Vielleicht dachten sie, sie wären glücklicher und besser abgesichert, wenn sie mehr Geld hätten (Mar. 14:7). Doch Jesus wollte, dass sie ihre Hoffnung auf etwas anderes setzten. Sie sollten sich auf den Quell unvergänglichen Reichtums verlassen — auf Jehova. In der Bergpredigt erklärte Jesus, wie wenig wahres Glück und echte Sicherheit von materiellen Dingen und eigenen Bemühungen abhängen und wie viel von der Freundschaft zu unserem himmlischen Vater.

6 Jesus lehrte im Mustergebet, um das „Brot für diesen Tag“ zu beten, also um den Tagesbedarf, und nicht um finanzielle Sicherheit. Auch sagte er unmissverständlich: „Hört auf, euch Schätze auf der Erde aufzuhäufen . . . Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf“ (Mat. 6:9, 11, 19, 20). Jehova segnet uns, wie er es versprochen hat. Darauf können wir uns verlassen. Sein Segen ist mehr als ein wohlwollendes Nicken. Er sorgt persönlich für das, was wir wirklich brauchen. Auf unseren treu sorgenden Vater zu vertrauen — nicht auf Geld — ist der einzige Weg zu wahrem Glück und echter Sicherheit. (Lies Matthäus 6:24, 25, 31-34.)

7. (a) Wem hat Jehova die Verantwortung für die Kindererziehung übertragen? (b) Warum müssen sich beide Eltern mit ihren Kindern befassen?

7 Zuerst Gottes Gerechtigkeit zu suchen heißt auch, Familienpflichten aus der Sicht Jehovas zu betrachten. Das mosaische Gesetz enthält einen Grundsatz, der auch für Christen gilt: Eltern müssen ihre Kinder in den Wegen Jehovas erziehen. (Lies 5. Mose 6:6, 7.) Diese Verantwortung hat Gott den Eltern übertragen — nicht den Großeltern oder sonst jemand. König Salomo sagte einmal: „Höre, mein Sohn, auf die Zucht deines Vaters, und verlass nicht das Gesetz deiner Mutter“ (Spr. 1:8). Jehova möchte, dass beide Eltern bei ihren Kindern sind und sie anleiten und belehren (Spr. 31:10, 27, 28). Kinder lernen besonders in geistiger Hinsicht viel von ihren Eltern, wenn sie deren tägliche Gespräche über Jehova hören und ihr Beispiel aus erster Hand mitbekommen.

 UNVORHERGESEHENE FOLGEN

8, 9. (a) Zu welchen Veränderungen kommt es oft, wenn ein Elternteil nicht bei der Familie wohnt? (b) Was kann eine Trennung nach sich ziehen?

8 Bevor jemand ins Ausland geht, versucht er, die damit verbundenen Risiken und Opfer abzuwägen. Doch wenige denken wohl an alle Folgen, wenn sie die Familie zurücklassen (Spr. 22:3). * Kaum war Marilyn weggegangen, hatte sie starkes Heimweh. Auch ihr Mann und ihr Sohn litten unter der Trennung. Der kleine Jimmy fragte immer wieder: „Warum bist du weggegangen?“ Als aus den Monaten, die Marilyn weg sein wollte, Jahre wurden, bemerkte sie beunruhigende Veränderungen in der Familie. Jimmy wurde immer verschlossener und entfernte sich emotional von ihr. Traurig denkt sie daran zurück: „Seine Zuneigung zu mir schwand mehr und mehr.“

9 Eltern und Kinder, die nicht als Familie zusammenwohnen, erleiden möglicherweise emotionalen Schaden oder lassen ihre moralischen Maßstäbe sinken. * Je jünger die Kinder und je länger die Trennung, desto größer der Schaden. Marilyn erklärte Jimmy, sie bringe die Opfer für ihn. Doch Jimmy fühlte sich von seiner Mutter im Stich gelassen. Erst ärgerte er sich, weil sie nicht mehr da war, später ärgerte er sich, wenn sie zu Besuch kam. Wie so oft bei zurückgelassenen Kindern war er der Meinung, sie hätte kein Recht mehr auf seinen Gehorsam und seine Zuneigung. (Lies Sprüche 29:15.)

Über das Internet kann man sein Kind nicht umarmen (Siehe Absatz 10)

10. (a) Wie kann es sich auf Kinder auswirken, wenn ein Elternteil zum Ausgleich für seine Abwesenheit Geschenke macht? (b) Was fehlt, wenn ein Vater oder eine Mutter versucht, ein Kind aus der Ferne zu erziehen?

10 Marilyn versuchte zwar durch Geld und Geschenke einen Ausgleich für ihre Abwesenheit zu schaffen. Doch sie merkte, dass sie sich ihrem Sohn entfremdete und ihm ungewollt beibrachte, materielle Dinge über geistige Interessen und den familiären Zusammenhalt zu stellen (Spr. 22:6). Jimmy sagte mehrmals zu ihr: „Du musst nicht kommen, schick einfach Geschenke.“ Marilyn wurde klar: Sie konnte Jimmy nicht durch Briefe, Anrufe und Videochats erziehen. Sie sagt: „Über das Internet kann man sein Kind nicht umarmen oder ihm einen Gutenachtkuss geben.“

Welche Gefahr besteht, wenn man woanders ohne seinen Ehepartner lebt? (Siehe Absatz 11)

11. (a) Wie wirkt es sich auf die Ehe aus, wenn ein Partner wegen der Arbeit woanders lebt? (b) Wie wurde Marilyn klar, dass sie wieder zu ihrer Familie zurückkehren sollte?

11 Auch Marilyns Verhältnis zu Jehova und zu ihrem Mann litt unter der Trennung. Höchstens einmal pro Woche konnte sie mit ihren Glaubensbrüdern  zusammen sein und in den Predigtdienst gehen. Außerdem musste sie die sexuellen Annäherungsversuche ihres Arbeitgebers abwehren. Da Marilyn und James getrennt lebten, konnten sie sich bei Problemen nicht gegenseitig stützen und entwickelten Gefühle für andere. Beinahe wäre es bei beiden zu sexueller Unmoral gekommen. Zwar hatten sie nicht Ehebruch begangen, doch Marilyn wurde klar: Solange sie getrennt waren, konnten sie sich nicht an den biblischen Rat halten, ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse gegenseitig zu stillen. Sie konnten sich nicht spontan ihre Gedanken mitteilen, sich ansehen oder zulächeln, nicht die Hand des anderen zärtlich berühren und einander nicht herzlich umarmen. Auf „Liebkosungen“ und das, was ihnen in der Ehe zustand, mussten sie verzichten (Hoh. 1:2; 1. Kor. 7:3, 5). Außerdem konnten sie Jehova nicht gemeinsam mit ihrem Sohn rückhaltlos dienen. „Als ich auf dem Bezirkskongress hörte, dass ein regelmäßiges Familienstudium wichtig ist, um den großen Tag Jehovas zu überleben, war mir klar: Ich muss wieder nach Hause“, erinnert sich Marilyn. „Ich musste meine geistigen Gewohnheiten und mein Familienleben wieder aufbauen.“

GUTE UND SCHLECHTE RATSCHLÄGE

12. Welchen biblischen Rat könnte man jemand geben, der von seiner Familie getrennt ist?

12 Marilyns Entscheidung, nach Hause zurückzukehren, stieß auf unterschiedliche Reaktionen. Die Ältesten der Versammlung, die sie im Ausland besuchte, lobten sie für ihren Glauben und ihren Mut. Andere, die auch im Ausland lebten und vom Ehepartner und der Familie getrennt waren, taten das nicht. Sie wollten nicht ihrem guten Beispiel folgen und versuchten sogar, sie von ihrer Entscheidung abzubringen. „Du wirst bald wieder hier sein“, sagten sie. „Wie wollt ihr über die Runden kommen, wenn du wieder nach Hause zurückkehrst?“ Entmutigende Bemerkungen wie diese sind unpassend. Vielmehr sollten wir jungen Frauen raten, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben und bei sich zu Hause zu arbeiten, „damit vom Wort Gottes nicht lästerlich geredet werde“. (Lies Titus 2:3-5.)

13, 14. Warum verlangt es Glauben, Jehova über die Erwartungen der Familie zu stellen? Nenne ein Beispiel.

13 Viele ausländische Arbeitnehmer sind in einem kulturellen Umfeld aufgewachsen, in dem Tradition und Verpflichtungen gegenüber der Familie — vor allem gegenüber den Eltern — wichtiger sind als alles andere. Wer Jehova gefallen möchte und sich gegen ortsübliche Bräuche oder Wünsche der Familie entscheidet, braucht großen Glauben.

14 Nehmen wir einmal Carin. Sie erzählt: „Als wir unseren Sohn Don bekamen, arbeiteten mein Mann und ich im Ausland.  Damals hatte ich gerade angefangen, die Bibel zu studieren. Jeder in der Familie erwartete von mir, Don zu meinen Eltern zu geben, die ihn aufziehen würden, bis wir finanziell auf sicheren Füßen stünden.“ Als Carin darauf bestand, selbst für Don zu sorgen, bezeichneten sie ihre Verwandten und auch ihr Mann als faul und lachten sie aus. „Offen gesagt, konnte ich damals nicht richtig verstehen, warum es verkehrt sein sollte, Don für ein paar Jahre bei meinen Eltern zu lassen“, sagt sie. „Doch Jehova hatte uns — den Eltern — die Verantwortung übertragen, unseren Sohn großzuziehen, das wusste ich.“ Carin wurde wieder schwanger und ihr ungläubiger Mann verlangte von ihr, das Kind abzutreiben. Nach der ersten guten Entscheidung war Carins Glaube stärker geworden. Sie hielt auch diesmal an den Maßstäben Jehovas fest. Jetzt sind alle — sie, ihr Mann und die Kinder — glücklich, weil sie alle zusammengeblieben sind. Hätte Carin irgendwann ein Kind oder beide weggeschickt und sie von jemand anders erziehen lassen, wäre alles vielleicht ganz anders ausgegangen.

15, 16. (a) Was hat eine Schwester erlebt, die als Kind weggegeben wurde? (b) Warum hat sie ihre Tochter bei sich behalten?

15 Eine Schwester namens Vicky erzählt: „Ich wurde ein paar Jahre lang von meiner Großmutter erzogen. Meine jüngere Schwester dagegen blieb bei den Eltern. Als ich wieder zu den Eltern kam, hatten sich meine Gefühle für sie geändert. Meine Schwester konnte sich den Eltern gegenüber frei äußern und sie umarmen. Sie hatte ein enges Verhältnis zu ihnen. Ich spürte jedoch eine Kluft, und selbst als Erwachsene fiel es mir schwer, den Eltern meine wahren Gefühle zu zeigen. Meine Schwester und ich haben versprochen, für sie zu sorgen, wenn sie alt sind. Allerdings werde ich das mehr aus Pflichtgefühl tun, meine Schwester dagegen mehr aus Liebe.“

16 „Nun soll ich meine Tochter zu meiner Mutter schicken und sie will sie aufziehen, so wie sie mich von ihrer Mutter aufziehen ließ. Ich habe taktvoll abgelehnt“, erzählt Vicky. „Mein Mann und ich wollen unser Kind selbst in den Wegen Jehovas erziehen und ich möchte später kein gestörtes Verhältnis zu meiner Tochter haben.“ Wie Vicky erlebt hat, hat nur derjenige Erfolg, der Jehova und seine Grundsätze finanziellen Zielen und den Erwartungen der Familie voranstellt. Jesus sagte unmissverständlich: „Niemand kann ein Sklave zweier Herren sein“ (Mat. 6:24; 2. Mo. 23:2). Wir können nicht gleichzeitig Gott und dem Reichtum dienen.

JEHOVA SEGNET UNSERE BEMÜHUNGEN

17, 18. (a) Warum haben Diener Jehovas immer eine Wahl? (b) Was wird im nächsten Artikel behandelt?

17 Unser Vater Jehova hat versprochen, uns alles zu geben, was wir wirklich brauchen, wenn wir seine Gerechtigkeit und das Königreich in unserem Leben an die erste Stelle setzen (Mat. 6:33). Deswegen kann kein Diener Jehovas sagen, er habe keine Wahl. Jehova hat versprochen, für „den Ausweg“ zu sorgen, sodass wir uns nicht über biblische Grundsätze hinwegsetzen müssen, ganz gleich vor welchen Schwierigkeiten wir stehen. (Lies 1. Korinther 10:13.) Wenn wir „voll Verlangen“ auf Jehova harren und uns auf ihn verlassen, ihn um Weisheit und Anleitung bitten und uns nach seinen Geboten und Grundsätzen richten, wird er für uns sorgen (Ps. 37:5, 7). Er wird uns segnen, solange wir uns aufrichtig bemühen, nur ihm allein als unserem Herrn zu dienen. Kommt er für uns an erster Stelle, wird er das, was wir tun, gelingen lassen. (Vergleiche 1. Mose 39:3.)

18 Wie kann man versuchen, den durch die Abwesenheit eines Elternteils entstandenen Schaden zu beheben? Wie können wir für unsere Familie sorgen, ohne getrennt von ihr zu leben? Und wie können wir andere liebevoll ermuntern, richtige Entscheidungen zu treffen? Das wird im nächsten Artikel behandelt.

^ Abs. 1 Namen wurden geändert.

^ Abs. 4 Die Söhne Jakobs waren bei ihren Reisen nach Ägypten wahrscheinlich nicht länger als jeweils drei Wochen von ihren Familien getrennt. Als Jakob und seine Söhne später nach Ägypten übersiedelten, nahmen sie ihre Frauen und Kinder mit (1. Mo. 46:6, 7).

^ Abs. 8 Siehe „Auswandern — Traum und Wirklichkeit“ im Erwachet! von Februar 2013.

^ Abs. 9 Berichte aus verschiedenen Ländern zeigen: Wenn jemand im Ausland arbeitet und deshalb getrennt vom Ehepartner und von den Kindern lebt, kann es zu ernsthaften Schwierigkeiten kommen, wie zum Beispiel Untreue eines oder beider Ehepartner, Homosexualität und Inzest. Als Probleme unter Kindern werden Verhaltensstörungen genannt, schulische Probleme, Aggressionen, Ängste, Depressionen und erhöhte Selbstmordgefahr.