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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Januar 2014

„Dein Königreich komme“: Aber wann?

„Dein Königreich komme“: Aber wann?

„Ebenso erkennt auch ihr, wenn ihr alle diese Dinge seht, dass er nahe an den Türen ist“ (MAT. 24:33)

1, 2. (a) Wovon wird das, was wir mit den Augen sehen, oft beeinflusst? (b) Was wissen wir sicher über Gottes Königreich?

AUGENZEUGEN eines Geschehens erinnern sich oft ganz unterschiedlich an die Details. Auch nach einer ärztlichen Diagnose wissen Patienten oft nicht mehr genau, was der Arzt gesagt hat. Oder jemand sucht seine Brille oder seine Schlüssel, obwohl sie vor der Nase liegen. Psychologen sprechen bei all diesen Situationen von einer Art Blindheit — dem Phänomen, dass man etwas nicht wahrnimmt oder auch vergisst, weil man gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Es soll mit der Funktionsweise unseres Gehirns zusammenhängen.

2 Heutzutage ist eine ähnliche Blindheit verbreitet: Viele sind blind für die Zeichen der Zeit. Sie räumen vielleicht ein, dass sich die Welt seit 1914 merklich verändert hat, erkennen aber nicht, was dahintersteckt. Als Erforscher der Bibel wissen wir, dass Gottes Königreich 1914 in einer gewissen Hinsicht gekommen ist, weil Jesus damals im Himmel als König eingesetzt wurde. Doch das Gebet „Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde“ ist damit noch nicht vollständig erhört worden (Mat. 6:10). Erst muss das gegenwärtige korrupte System beseitigt werden. Dann kann  Gottes Wille auf der Erde geschehen, wie es im Himmel bereits der Fall ist.

3. Welchen Vorteil bringt uns unser Bibelstudium?

3 Da wir fortlaufend Gottes Wort studieren, ist es für uns offensichtlich, dass sich biblische Prophezeiungen vor unseren Augen erfüllen — ganz im Gegensatz zur breiten Masse. Die meisten sind völlig mit ihren Alltagssorgen oder Zukunftsplänen beschäftigt. Daher entgeht ihnen trotz eindeutiger Beweislage, dass Christus seit 1914 regiert und demnächst als Gottes Urteilsvollstrecker auftreten wird. Falls du Gott schon seit Jahrzehnten dienst, wäre es dennoch gut, dich einmal zu fragen: Bin ich mir der Bedeutung unserer Zeit immer noch so bewusst wie vor Jahren? Berühren mich die Zeichen der Zeit heute noch genauso? Oder falls du erst vor Kurzem ein Zeuge Jehovas geworden bist: Worauf konzentriert sich deine Aufmerksamkeit? Gottes gesalbter König wird bald weitere Schritte unternehmen, um den Willen seines Vaters auf der Erde vollständig zu verwirklichen. Betrachten wir drei wichtige Gründe, warum wir darauf vertrauen können.

DIE REITER SIND UNTERWEGS

4, 5. (a) Wie ist Jesus seit 1914 aktiv? (Siehe erstes Bild.) (b) Wofür stehen die drei Reiter, die Jesus folgen, und wie hat sich die Lage entwickelt?

4 1914 wurde Jesus Christus, dargestellt als Reiter auf einem weißen Pferd, im Himmel gekrönt. Sofort zog er aus mit dem Ziel, Satans verdorbenes System völlig zu vernichten. (Lies Offenbarung 6:1, 2.) Die Prophezeiung in Offenbarung, Kapitel 6 beschreibt anschaulich, dass sich die Weltlage, sobald Gottes Königreich aufgerichtet wäre, rapide verschlechtern würde, und zwar durch Kriege, Nahrungsmangel, Seuchen und andere lebensbedrohliche Umstände. Diese Entwicklungen werden durch drei Reiter dargestellt, die Jesus Christus dicht auf den Fersen folgen (Offb. 6:3-8).

5 Wie vorausgesagt, wurde der Frieden „von der Erde“ weggenommen, obwohl man viel von internationaler Zusammenarbeit redete. Der 1. Weltkrieg war nur der Anfang verheerender Kriege, wie der Verlauf der Geschichte zeigt. Und trotz vieler wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Fortschritte in den Jahrzehnten seit 1914 bedroht die Knappheit an Nahrungsmitteln immer noch die weltweite Sicherheit. Wer wollte außerdem bestreiten, dass die verschiedensten Seuchen, Naturkatastrophen und andere „tödliche Plagen“ nach wie vor jährlich Millionen von Todesopfern fordern? Ausmaß, Häufigkeit und Intensität dieser Zustände sind in der Geschichte beispiellos. Ist uns bewusst, was das bedeutet?

Seit die Reiter unterwegs sind, wird die Weltlage immer kritischer (Siehe Absatz 4, 5)

6. Wer achtete auf die Erfüllung biblischer Prophezeiungen, und wie verhielten sie sich?

6 Die Allgemeinheit ließ sich durch das Geschehen rund um den 1. Weltkrieg und die Spanische Grippe völlig ablenken. Gesalbte Christen hingegen hatten schon mit Spannung das Jahr 1914 als Ende der „bestimmten Zeiten der Nationen“ erwartet (Luk. 21:24). Die Gesalbten wussten zwar nicht genau, was geschehen würde, wohl aber, dass das Jahr 1914 einen Wendepunkt für die Gottesherrschaft mit sich bringen würde. Sobald sie erkannten, wie sich die biblischen Prophezeiungen erfüllten, machten sie mutig bekannt, dass Gottes Herrschaft begonnen hatte. Die Verkündigung des Königreiches löste heftige Verfolgung aus. Dadurch, dass den Brüdern in vielen Ländern ein scharfer Wind entgegenschlug, erfüllte sich eine weitere Prophezeiung. In den folgenden Jahrzehnten gingen die Feinde des Königreiches so weit, im Namen des Gesetzes „Unheil zu schmieden“. Es kam zu Gewalt, Verhaftungen und sogar Hinrichtungen durch  Erhängen, Erschießen oder Enthaupten (Ps. 94:20; Offb. 12:15).

7. Warum erkennen die meisten Menschen nicht die Bedeutung des Weltgeschehens?

7 Warum sind die meisten Menschen blind für die vielen Beweise, dass Gottes Königreich bereits im Himmel aufgerichtet ist? Warum erkennen sie keinen Zusammenhang zwischen der Weltlage und den konkreten biblischen Prophezeiungen, auf die Gottes Volk schon lange hinweist? Sehen sie nur, was sie sehen wollen? (2. Kor. 5:7). Oder sind sie so mit ihren Alltagssorgen beschäftigt, dass sie für Gottes Handeln blind sind? (Mat. 24:37-39). Oder lassen sie sich von den Philosophien und Zielen der Welt Satans ablenken? (2. Kor. 4:4). Nur mit den Augen des Glaubens kann man wahrnehmen, was sich im geistigen Bereich abspielt. Wie gut, wenn man nicht „blind“ ist für das, was hinter den Kulissen vor sich geht!

„VOM SCHLECHTEN ZUM SCHLIMMEREN“

8—10. (a) Wie hat sich 2. Timotheus 3:1-5 erfüllt? (b) Warum kann man sagen, dass sich die Zustände „vom Schlechten zum Schlimmeren“ steigern?

8 Nun zu einem zweiten Grund, warum es nicht mehr lange dauern kann, bis Gottes Königreich auf der Erde aufräumt: Der moralische Verfall steigert sich „vom Schlechten zum Schlimmeren“. Die in 2. Timotheus 3:1-5 vorhergesagten Verhaltensweisen sind nun schon seit fast hundert Jahren zu beobachten. Auch sie haben eindeutig immer mehr an Ausmaß und Intensität zugenommen. Hierzu einige Beispiele. (Lies 2. Timotheus 3:1, 13.)

9 Denken wir nur einmal an den Kontrast zwischen dem, was in den 40er- und 50er-Jahren die Leute schockiert hat, und dem, was sich heutzutage am Arbeitsplatz, auf dem Unterhaltungssektor, im Sport und in der Modewelt abspielt. Extreme Gewalt und krasse Unmoral sind an der Tagesordnung. Einer will den anderen an Brutalität, Hemmungslosigkeit und Ellbogenmentalität überbieten. Eine Fernsehsendung, die in den 50er-Jahren hart an der Grenze war, gilt heute als familientauglich. Und vielen fällt auf, dass Homosexuelle in der Unterhaltungs- und Modewelt den Ton angeben und so ihren Lebensstil propagieren. Können wir nicht dankbar sein, dass wir wissen,  wie Gott über all das denkt? (Lies Judas 14, 15.)

10 Oder vergleichen wir das, was in den 50er-Jahren als aufsässiges Verhalten galt, mit dem, was man heute beobachtet. Hat ein Jugendlicher damals geraucht, Alkohol getrunken oder aufreizend getanzt, waren die Eltern schon besorgt, und das mit Recht. Heute hingegen hat man sich an Meldungen wie die folgenden fast gewöhnt: 15-Jähriger eröffnet Feuer auf seine Klassenkameraden — 2 Tote, 13 Verletzte. Gruppe betrunkener Teenager bringt 9-Jährige brutal um und schlägt deren Vater und Cousin zusammen. In einem asiatischen Land geht die Hälfte der Straftaten in einem 10-Jahres-Zeitraum auf das Konto Jugendlicher. Wer wollte da allen Ernstes leugnen, dass sich die Lage erheblich zugespitzt hat?

11. Warum nehmen viele Menschen nicht wahr, dass sich die Zustände verschlechtern?

11 Der Apostel Petrus sagte treffend, „dass in den letzten Tagen Spötter mit ihrem Spott kommen werden, die gemäß ihren eigenen Begierden vorgehen und sagen: ‚Wo ist diese seine verheißene Gegenwart? Ja, von dem Tag an, da unsere Vorväter im Tod entschlafen sind, gehen alle Dinge genauso weiter wie von Anfang der Schöpfung an‘ “ (2. Pet. 3:3, 4). Warum reagieren viele Menschen so? Eine Erklärung wäre: Je mehr man sich an bestimmte Zustände gewöhnt hat, desto weniger scheinen sie einem ins Auge zu fallen. Verändert sich das Verhalten eines guten Bekannten ganz plötzlich, ist man wahrscheinlich schockiert. Dagegen wirkt ein allmählicher Verfall der Moral in der Gesellschaft weit weniger schockierend. Das macht die Sache aber nicht weniger gefährlich.

12, 13. (a) Warum brauchen wir nicht zu verzweifeln, wenn wir sehen, wohin die Welt steuert? (b) Welche Tatsache lässt uns die Zustände, „mit denen man schwer fertig wird“, leichter ertragen?

12 Wie der Apostel Paulus voraussagte, würden „in den letzten Tagen“ Zustände herrschen, „mit denen man schwer fertig wird“ (2. Tim. 3:1). Schwer bedeutet aber nicht unmöglich. Daher brauchen wir nicht vor der Realität zu fliehen. Welche Enttäuschungen oder Ängste uns auch immer zu schaffen machen, mit der Hilfe Jehovas, seines Geistes und der Christenversammlung können wir sie überwinden. Wir können treu bleiben. „Die Kraft, die über das Normale hinausgeht“, kommt von Gott und nicht aus uns selbst (2. Kor. 4:7-10).

13 Interessanterweise leitete Paulus die Prophezeiung über die letzten Tage mit den Worten ein: „Dieses aber erkenne“, oder: „Du musst wissen“, wie die Gute Nachricht Bibel es ausdrückt. Diese Formulierung unterstreicht, dass sich die Prophezeiung garantiert erfüllen wird. Mit der gottlosen Gesellschaft von heute wird es also immer weiter bergab gehen, bis Jehova dem Treiben ein Ende bereitet. Wie die Geschichte berichtet, ging schon so manche Gesellschaftsordnung wegen ihres moralischen Verfalls zugrunde. Doch noch nie hat die Moral weltweit einen solchen Tiefstand erreicht wie heute. Viele Menschen messen dem zwar keine große Bedeutung zu, aber uns sollte die kolossale Abwärtsentwicklung seit 1914 davon überzeugen, dass Gottes Königreich bald mit allem Schlechten aufräumt.

DIESE GENERATION WIRD NICHT VERGEHEN

14—16. Was ist ein dritter Grund, darauf zu vertrauen, dass Gottes Königreich bald „kommt“?

14 Die Geschichte des Volkes Gottes liefert uns einen dritten Grund, darauf zu vertrauen, dass das Ende nahe ist. Schon bevor das Königreich Gottes im Himmel aufgerichtet wurde, gab es eine Gruppe Gesalbter, die Gott tatkräftig diente. Wie reagierten sie, als 1914 nicht alles so  kam, wie sie erwartet hatten? Die meisten von ihnen dienten Jehova trotz Prüfungen und Verfolgung unbeirrt weiter. Über die Jahre sind die meisten — wenn nicht alle — dieser Gesalbten in Treue gestorben.

15 In seiner ausführlichen Prophezeiung über die letzten Tage der Welt Satans sagte Jesus, dass „diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen“. (Lies Matthäus 24:33-35.) Wir haben verstanden, dass „diese Generation“ zwei Gruppen gesalbter Christen einschließt. Diejenigen, die zur ersten Gruppe gehörten, nahmen 1914 deutlich das Zeichen der Gegenwart Christi wahr und waren damals bereits geistgesalbt (Röm. 8:14-17).

16 Bei der zweiten Gruppe „dieser Generation“ handelt es sich um Zeitgenossen der ersten Gruppe. Die Lebenszeiten der beiden Gruppen haben sich aber nicht nur überschnitten, sondern als die erste Gruppe noch auf der Erde lebte, war die zweite schon mit heiligem Geist gesalbt. Demnach gehört heute nicht jeder Gesalbte zu der „Generation“, von der Jesus sprach. Inzwischen ist die zweite Gruppe auch nicht mehr gerade jung. Doch Jesu Worte aus Matthäus 24:34 geben uns die Gewissheit, dass zumindest einige aus „dieser Generation“ noch auf der Erde sein werden, wenn die große Drangsal beginnt. Dies sollte uns in der Überzeugung bestärken, dass nur noch wenig Zeit verbleibt, bis der König des Reiches Gottes die Bösen vollständig beseitigt und eine gerechte neue Welt herbeiführt (2. Pet. 3:13).

CHRISTUS WIRD BALD SEINEN SIEG VOLLENDEN

17. Welche Schlussfolgerung ergibt sich aus den drei besprochenen Beweisführungen?

17 Welche Schlussfolgerung ergibt sich aus den drei besprochenen Beweisführungen? Jesus sagte zwar warnend, dass wir „weder den Tag noch die Stunde“ kennen (Mat. 24:36; 25:13). Doch wie Paulus erklärte, können wir sehr wohl „die besondere Zeit“ erkennen. (Lies Römer 13:11.) In dieser besonderen Zeit, den letzten Tagen, leben wir heute. Wenn wir also genau hinschauen, wie sich biblische Prophezeiungen erfüllen und wie Jehova Gott und Jesus Christus handeln, können wir gar nicht übersehen, dass wir in der Spätphase der letzten Tage leben.

18. Was erwartet alle, die Gottes Königreich nicht anerkennen?

18 Alle, die sich weigern, die Autorität Jesu Christi, des siegreichen Reiters auf dem weißen Pferd, anzuerkennen, werden bald ihren Irrtum realisieren. Für sie gibt es keinen Ausweg. Voller Angst und Schrecken werden viele ausrufen: „Wer vermag zu bestehen?“ (Offb. 6:15-17). Schon im nächsten Kapitel der Offenbarung finden wir die Antwort: Die Gesalbten und alle, denen ewiges Leben auf der Erde in Aussicht steht, werden zu diesem Zeitpunkt Gottes Gunst haben. Anschließend wird eine „große Volksmenge“ anderer Schafe die große Drangsal überleben (Offb. 7:9, 13-15).

19. Worauf können sich alle freuen, die anerkennen, dass das Ende nahe ist, und entsprechend handeln?

19 Wenn wir uns auf die Erfüllung biblischer Prophezeiungen konzentrieren, lassen wir uns nicht von den Philosophien und Zielen der Welt Satans ablenken. Wir sind auch nicht blind für die Bedeutung der Weltverhältnisse, sondern sehen schon vor uns, wie Christus durch seinen Sieg über die gottlose Gesellschaft endgültig für Gerechtigkeit sorgt (Offb. 19:11, 19-21). Ist dieser Sieg vollendet, steht unserem ewigen Glück nichts mehr im Weg (Offb. 20:1-3, 6; 21:3, 4).