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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) SEPTEMBER 2013

Lass dich bei persönlichen Entscheidungen von Weisheit leiten

Lass dich bei persönlichen Entscheidungen von Weisheit leiten

„Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand“ (SPR. 3:5)

1, 2. Triffst du gern Entscheidungen? Wie würdest du manche deiner Entscheidungen im Nachhinein beurteilen?

ENTSCHEIDUNGEN treffen gehört zu unserem Alltag wie Essen und Schlafen und Atmen. Mit welchem Gefühl gehst du an Entscheidungen heran? Es gibt Leute, die unbedingt alles selbst entscheiden wollen. Sie halten das für ihr gutes Recht und bestehen auch darauf. Allein der Gedanke, jemand könnte ihnen eine Entscheidung aus der Hand nehmen, ist für sie unerträglich. Andere hingegen haben regelrecht Angst davor, etwas allein entscheiden zu müssen, was über die Alltagsroutine hinausgeht. Auf der Suche nach Rat wenden sich nicht wenige an professionelle Berater oder studieren Ratgeber zur Lebenshilfe und geben dafür womöglich eine Menge Geld aus.

2 Viele von uns bewegen sich irgendwo dazwischen. Uns ist klar: Manches übersteigt unsere Entscheidungsbefugnis, und das müssen wir akzeptieren. Doch in vielen Lebensbereichen können wir durchaus entscheiden, wie es uns gefällt, und tun das auch gern (Gal. 6:5). Wir werden aber auch zugeben, dass nicht alles, was wir entscheiden, unbedingt immer klug ist oder sich positiv auswirkt.

3. Was hilft uns bei unseren Entscheidungen? Warum ist es trotzdem nicht immer leicht?

3 Jehova hat uns zu vielen wichtigen Lebensfragen klare Anleitung gegeben, und darüber sind wir sehr froh. Wir wissen: Halten wir uns daran, gelingt es uns, so zu entscheiden, dass er sich über uns freut und wir selbst davon profitieren. Allerdings werden wir immer mal wieder mit Fragen und Situationen konfrontiert, auf die in Gottes Wort nicht ausdrücklich eingegangen wird. Wonach richten wir uns dann? Zum Beispiel sagt die Bibel eindeutig, dass wir nicht stehlen dürfen (Eph. 4:28). Jemand könnte aber fragen: Wo genau fängt  Diebstahl denn an? Hängt das davon ab, wie wertvoll ein Gegenstand ist? Oder vom Beweggrund des Betreffenden? Oder von etwas ganz anderem? Manchmal hört man, etwas sei eine „Grauzone“. Wonach richten wir uns in solchen Fällen bei unseren Entscheidungen? Was kann uns da anleiten?

ENTSCHEIDE MIT „GESUNDEM SINN“

4. Welcher Rat wird manchmal jemand gegeben, der vor einer Entscheidung steht?

4 Wenn wir einem Mitchristen anvertrauen, dass wir vor einer wichtigen Entscheidung stehen, kann es gut sein, dass er uns an den biblischen Rat erinnert, „mit gesundem Sinn“ vorzugehen — und das ist ein ausgezeichneter Rat! Nicht umsonst warnt Gottes Wort beispielsweise davor, unbesonnen oder überstürzt zu handeln: „Jeder Hastige geht sicherlich dem Mangel entgegen“ (Spr. 21:5). Nur: Was genau ist denn mit „gesundem Sinn“ gemeint? Einfach, sich genug Zeit zu nehmen, die Sache zu durchdenken, und seinen „gesunden Menschenverstand“ zu gebrauchen? So nützlich das alles für eine gute Entscheidung ist — „mit gesundem Sinn“ vorzugehen erfordert noch etwas ganz anderes (Röm. 12:3; 1. Pet. 4:7).

5. Woran liegt es, dass der „Menschenverstand“ nicht von Natur aus „gesund“ ist?

5 Keiner wird ja mit einem vollkommen gesunden Sinn geboren. Warum nicht? Alle Menschen haben die Sünde geerbt und sind deshalb alles andere als vollständig gesund an Körper und Geist (Ps. 51:5; Röm. 3:23). Dazu kommt, dass der Teufel „den Sinn verblendet“. Das war auch bei vielen von uns so, bevor wir Jehova und seine gerechten Grundsätze kennengelernt haben (2. Kor. 4:4; Tit. 3:3). Wer sich bei seinen Entscheidungen einzig und allein darauf verlässt, was er für gut und vernünftig hält, der könnte sich daher selbst betrügen — auch wenn er vorher noch so lange und gründlich nachgedacht hat (Spr. 14:12).

6. Was ist nötig, um einen gesunden Sinn zu entwickeln?

6 Im Gegensatz zu uns ist unser himmlischer Vater Jehova in jeder Beziehung absolut vollkommen (5. Mo. 32:4). Er hat für alles gesorgt, was wir brauchen, um unseren Sinn zu erneuern und einen gesunden Sinn zu entwickeln. (Lies 2. Timotheus 1:7.) Damit wir also wirklich vernünftig überlegen und entsprechend handeln können, müssen wir unsere Gedanken und Gefühle darauf abstimmen, wie Jehova denkt, fühlt und handelt.

7, 8. Welches Beispiel zeigt, dass man auch unter Druck oder bei Problemen gute Entscheidungen treffen kann?

7 Dazu ein Beispiel: Unter manchen Einwanderern ist es durchaus üblich, dass Eltern ein neugeborenes Baby in die Obhut ihrer Familie im Herkunftsland geben, damit sie selbst weiter voll arbeiten und Geld verdienen können. * Eine Frau, die gerade einen süßen kleinen Jungen zur Welt gebracht hatte, fing an, mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren, und machte schnell Fortschritte. Angehörige und Freunde setzten sie und ihren Mann unter Druck, den Kleinen zurück in die Heimat zu den Großeltern zu schicken. Durch das Studium erkannte die Frau aber, dass Jehova die Verantwortung für die Erziehung der Kinder ihrem Mann und ihr übertragen hat (Ps. 127:3; Eph. 6:4). Jetzt musste sie entscheiden: Will ich dem Brauch folgen, der in meiner Kultur für richtig gehalten wird? Oder will ich mich an das halten, was ich aus der Bibel lerne, auch wenn ich deshalb vielleicht den Gürtel enger schnallen und mir Vorwürfe anhören muss? Was hättest du an ihrer Stelle getan?

8 In ihrer Not schüttete die junge Frau Jehova ihr Herz aus und bat ihn um Anleitung. Je mehr sie sich mit ihrer Bibellehrerin und anderen in der Versammlung unterhielt, desto deutlicher wurde ihr  bewusst, wie Jehova denkt. Sie zog auch in Betracht, wie schädlich es sich emotional auf Kinder auswirken kann, wenn sie in den Jahren, wo sich ihre Persönlichkeit entwickelt, von den Eltern getrennt sind. Nachdem sie alle Faktoren im Licht der Heiligen Schrift gegeneinander abgewogen hatte, kam sie zu dem Schluss, es sei verkehrt, ihren Jungen wegzuschicken. Als ihr Mann sah, wie bereitwillig die Versammlung ihnen beistand und dass es seinem Sohn dabei rundum gut ging, begann er ebenfalls, die Bibel zu studieren und die Zusammenkünfte zu besuchen.

9, 10. Was ist nötig, um mit gesundem Sinn zu entscheiden, und wie geht man dabei vor?

9 An diesem Beispiel wird deutlich, dass mit einem „gesunden Sinn“ nicht gemeint ist, sich einfach darauf zu verlassen, was wir selbst oder andere für vernünftig oder zweckmäßig halten. Unvollkommen, wie unser Sinn und Herz sind, gleichen sie einer Uhr, die mal vor- und mal nachgeht. Wer sich danach richtet, kann sich ernste Schwierigkeiten einhandeln (Jer. 17:9). Um das zu vermeiden, müssen wir Herz und Sinn nach den zuverlässigen Normen Jehovas ausrichten. (Lies Jesaja 55:8, 9.)

10 Aus gutem Grund legt uns Gottes Wort ans Herz: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Beachte ihn auf all deinen Wegen, und er selbst wird deine Pfade gerade machen“ (Spr. 3:5, 6). Wie sollten wir also vorgehen, wenn wir vor einer Entscheidung stehen? Statt uns „auf den eigenen Verstand zu stützen“, sollten wir Jehova „beachten“: in der Bibel nachforschen, wie er über die Sache denkt, und auf dieser Grundlage entscheiden. Jehovas Denkweise ist vollkommen gesund, und nur wer sich daran orientiert, kann mit gesundem Sinn entscheiden.

ÜBE DEIN WAHRNEHMUNGSVERMÖGEN

11. Wie kann man lernen, weise zu entscheiden?

11 Weise Entscheidungen zu treffen und dann auch umzusetzen muss man lernen. Das ist gar nicht so leicht, vor allem, wenn man noch nicht lange getauft ist und in die Wahrheit erst hineinwächst. Die Bibel vergleicht so jemand mit einem „Unmündigen“ — einem kleinen Kind. Wie lernt ein Kind denn laufen? Durch viele kleine Schritte, einen nach dem anderen. Das ist auch im übertragenen Sinn der Schlüssel zum Erfolg. Der Apostel Paulus beschrieb  „reife Menschen“ ja als solche, die gelernt haben, „zwischen Recht und Unrecht“ zu unterscheiden. Wie? Indem sie „ihr Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch geübt haben“. Worauf lässt das schließen? Auf wiederholte und beständige Anstrengungen. (Lies Hebräer 5:13, 14.)

Wenn man im alltäglichen Leben richtig entscheidet, wird das „Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch geübt“ (Siehe Absatz 11)

12. Wie kann man sich darin üben, gute Entscheidungen zu treffen?

12 Wie am Anfang erwähnt, stehen wir tagaus, tagein vor unzähligen Entscheidungen, viele klein, manche auch groß. Eine Forschungsstudie kam zu dem Schluss, über 40 Prozent unserer täglichen Handlungen seien nicht auf bewusste Entscheidungen zurückzuführen, sondern auf Gewohnheiten. Zum Beispiel muss man Morgen für Morgen entscheiden, was man anziehen soll. Eine Nebensache, über die man nicht viel nachdenkt? Vielleicht — zumal wenn man es eilig hat. Wäre es aber nicht wichtig, sich zu überlegen, ob unsere Kleidung zu unserem Anspruch passt, ein Diener Jehovas zu sein? (2. Kor. 6:3, 4). Schon beim Kauf eines Kleidungsstücks stellt sich die Frage, wonach man entscheidet. Nur danach, was gerade in Mode ist? Oder auch danach, ob man darin anständig aussieht — ganz abgesehen von der Kostenfrage? Wenn wir lernen, in solchen Angelegenheiten richtig zu entscheiden, wird unser „Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch geübt“. Dann fällt es uns leichter, auch bei schwerwiegenderen Entscheidungen die richtige Wahl zu treffen (Luk. 16:10; 1. Kor. 10:31).

STÄRKE DEN WILLEN, DAS RICHTIGE ZU TUN

13. Was braucht man, um die richtigen Entscheidungen auch konsequent umzusetzen?

13 Richtig zu entscheiden ist das Eine, aber das dann auch konsequent umzusetzen, ist — wie wir alle wissen — etwas ganz anderes. Wie viele Menschen haben sich schon oft vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören, werden aber mangels ausreichender Motivation früher oder später rückfällig. Um einen einmal eingeschlagenen Kurs auch beständig weiterzugehen, braucht man Willenskraft. Verglichen wird sie von manchen mit einem Muskel. Je mehr man ihn bewegt, ihn „trainiert“, desto stärker wird er. Kommt er selten zum Einsatz, wird er schwächer und verkümmert. Wie können wir unsere Willenskraft ausbauen oder stärken, damit wir das, was wir beschlossen haben, auch konsequent umsetzen? Indem wir uns an Jehova um Hilfe wenden. (Lies Philipper 2:13.)

14. Was half Paulus, die Willenskraft für das aufzubringen, was er tun sollte?

14 Paulus konnte davon ein Lied singen: „Die Fähigkeit zu wünschen ist bei mir vorhanden, aber die Fähigkeit, das zu vollbringen, was vortrefflich ist, ist nicht vorhanden.“ Er wusste, was er eigentlich tun sollte, und wollte das auch. Und doch hinderte ihn manchmal etwas daran. Er gab zu: „Ich habe wirklich Lust an dem Gesetz Gottes gemäß dem Menschen, der ich innerlich bin, aber ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ Eine ausweglose Situation? Ganz und gar nicht. Paulus erklärte: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Röm. 7:18, 22-25). Ein andermal schrieb er: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Phil. 4:13).

15. Wie wirkt es sich aus, wenn man sich für das Richtige entscheidet und danach handelt?

15 Wer Gott gefallen möchte, muss sich für das Richtige entscheiden und danach handeln. Das erinnert an die Worte, die der Prophet Elia einst auf dem Berg Karmel an Baalsanbeter und abtrünnige Israeliten richtete: „Wie lange werdet ihr auf zwei verschiedenen Meinungen hinken? Wenn Jehova der wahre Gott ist, so folgt ihm nach; wenn es aber Baal ist, so folgt ihm nach“ (1. Kö. 18:21). Die Israeliten wussten, was sie hätten tun sollen, konnten sich aber nicht dazu entschließen. Wie  ganz anders dagegen Josua! Lange zuvor hatte er den Israeliten gesagt: „Wenn es nun übel ist in euren Augen, Jehova zu dienen, so erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt . . . Ich aber und meine Hausgenossen, wir werden Jehova dienen“ (Jos. 24:15). Wie er wurden alle, die sich an ihm ein Beispiel nahmen und den einmal eingeschlagenen Weg konsequent weitergingen, gesegnet. Sie durften in dem Land leben, das ihnen zu geben „Jehova ihren Vorvätern geschworen hatte, ein Land, das von Milch und Honig fließt“ (Jos. 5:6).

WEISE ENTSCHEIDUNGEN BRINGEN SEGEN

16, 17. Wie kann es sich auswirken, wenn wir uns so entscheiden, wie Jehova es sich von uns wünscht?

16 Dazu ein aktuelles Beispiel: Ein neugetaufter Bruder mit Frau und drei Kindern hat sich für eine Arbeit entschieden, bei der er alle Wochenenden frei hat und mit seiner Familie zu den Zusammenkünften und in den Predigtdienst gehen kann — auch wenn er nicht besonders gut bezahlt wird. Eines Tages spricht ihn ein Arbeitskollege an und will ihn dafür gewinnen, mit ihm in eine andere Firma zu wechseln, wo er mehr verdienen könnte und in den Genuss weiterer Vergünstigungen käme. Der Bruder überlegt und betet. Ihm wird bewusst, dass er — wenn überhaupt — erst nach langer Zeit wieder alle Wochenenden frei hätte, wenn er diese Stelle annehmen würde. Wie hättest du entschieden?

17 Der Bruder lehnte das Angebot ab. Hat er diese Entscheidung je bereut? Nicht im Geringsten. Dass er und seine Familie gemeinsam Jehova näher kommen konnten, war ihm wesentlich wichtiger als ein höheres Einkommen. Seine Frau und er waren überglücklich, als die älteste Tochter mit zehn Jahren zu ihnen kam, ihnen sagte, dass sie ihre Eltern, die Versammlung und Jehova sehr liebe und dass sie sich Jehova hingeben und sich taufen lassen wolle. Dazu dürfte bestimmt auch das gute Vorbild ihres Vaters beigetragen haben, der die Interessen Jehovas in seinem Leben allem vorangestellt hatte.

Entscheide weise und genieße die freudige Atmosphäre unter Jehovas Volk (Siehe Absatz 18)

18. Warum ist es so wichtig, jeden Tag weise Entscheidungen zu treffen?

18 Wie Moses die Israeliten durch die Wildnis führte, hat Jesus Christus Gottes Diener viele Jahrzehnte lang sicher durch das System des Teufels geführt. Und wie Josua die Israeliten schließlich in das Land der Verheißung brachte, wird Jesus seine Nachfolger in die gerechte neue Welt bringen, die Jehova versprochen hat (2. Pet. 3:13). Ausgerechnet jetzt wieder zurückzufallen in alte Denkmuster und Gewohnheiten, alte Wertvorstellungen und Ziele wieder aufzunehmen — das wäre grundverkehrt! Heute gilt es, so klar wie nur irgend möglich zu verstehen, was Jehova von uns erwartet (Röm. 12:2; 2. Kor. 13:5). Zeige jetzt durch deine Entscheidungen im Alltag, dass du zu denen gehörst, die Jehova gerne bis in alle Ewigkeit segnen möchte. (Lies Hebräer 10:38, 39.)

^ Abs. 7 Hinter diesem Brauch steckt nicht zuletzt auch der Wunsch vieler Großeltern, ihre Enkel stolz herumzeigen zu können.