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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  September 2013

Bist du „umgewandelt worden“?

Bist du „umgewandelt worden“?

„Werdet durch die Neugestaltung eures Sinnes umgewandelt“ (RÖM. 12:2)

1, 2. Wie werden wir von unserer Erziehung und unserem Umfeld geprägt?

WIE wir uns kleiden, was wir gern essen, wie wir uns benehmen — all das ist stark davon beeinflusst, wie wir aufgewachsen sind und in welchem Umfeld wir leben. So ist jeder bis zu einem gewissen Grad ein Produkt seiner Umgebung und seiner Lebensumstände.

2 Das wirkt sich auf Entscheidungen aus, die noch wesentlich bedeutsamer sind als etwa die Frage, wie wir uns ernähren oder anziehen. Wir sind dazu erzogen worden, manche Dinge als richtig und andere als verkehrt anzusehen. Natürlich hat es auch viel mit individuellen Vorlieben und dem persönlichen Geschmack zu tun, was wir für angebracht halten oder nicht. Zudem kann das Gewissen eine maßgebliche Rolle spielen. Die Bibel sagt ja, dass sogar „Menschen von den Nationen, die ohne Gesetz sind, von Natur aus die Dinge des Gesetzes tun“ (Röm. 2:14). Lässt sich aus all dem nun ableiten, solange kein ausdrückliches Gesetz von Gott betroffen ist, könnten wir uns ruhig an dem orientieren, was man uns von klein auf beigebracht hat oder was in unserem Kulturkreis allgemein üblich ist?

3. Aus welchen zwei Gründen dürfen sich Christen nicht einfach danach ausrichten, was allgemein üblich ist?

3 Christen dürfen aus mindestens zwei wichtigen Gründen nicht so denken. An den ersten Grund erinnert uns die Bibel mit den Worten: „Es gibt einen Weg, der vor einem Mann gerade ist, aber sein Ende sind danach die Wege des Todes“ (Spr. 16:25). Schon allein aufgrund unserer unvollkommenen Natur können wir unmöglich selbst entscheiden, welcher Weg für uns der richtige und beste ist (Spr. 28:26; Jer. 10:23). Zweitens werden die Trends und Maßstäbe der heutigen Welt von niemand anders diktiert als von Satan, dem „Gott dieses Systems“, wie die Bibel zeigt (2. Kor. 4:4; 1. Joh. 5:19). Damit sich Jehova über uns freuen und  uns segnen kann, müssen wir daher das befolgen, was in Römer 12:2 gesagt wird. (Lies.)

4. Worum geht es in diesem Artikel?

4 Beschäftigen wir uns mit drei wichtigen Fragen zu diesem Vers: 1. Warum ist es nötig, dass wir „umgewandelt werden“? 2. Was genau muss umgewandelt werden? 3. Wie gelingt das?

WARUM NÖTIG?

5. An wen richtete Paulus die Aufforderung aus Römer 12:2?

5 Die Aufforderung im Römerbrief „werdet umgewandelt“ richtete der Apostel Paulus an die dort lebenden geistgesalbten Christen (Röm. 1:7). Ihnen — nicht Ungläubigen oder der allgemeinen Bevölkerung — legte er ans Herz: „Formt euch nicht mehr nach diesem System der Dinge.“ Was gehörte für die Christen damals, um das Jahr 56, denn alles zu diesem „System“? Unter anderem die für die römische Welt typischen Sitten und Bräuche, ihre Verhaltensweisen und Maßstäbe. Die mit „nicht mehr“ wiedergegebene Formulierung kann auch mit „hört auf“ übersetzt werden. Das lässt darauf schließen, dass einige Brüder und Schwestern nach wie vor von den Einflüssen des damaligen Systems geprägt waren. Um was für Einflüsse handelte es sich denn?

6, 7. Warum war das Leben für Christen im alten Rom alles andere als leicht?

6 Reist man heute nach Rom, kann man die Überreste von Tempeln, Gräbern, Denkmälern und Amphitheatern besichtigen, die teilweise schon im ersten Jahrhundert existierten. Solche Spuren der Vergangenheit erlauben uns Einblicke in das religiöse und gesellschaftliche Leben im alten Rom. In Werken von Historikern finden wir Schilderungen von Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen sowie von Theaterstücken zu den verschiedensten — teils sehr unsittlichen — Themen. Zudem war Rom ein blühendes Handelszentrum. Gelegenheiten, viel Geld zu verdienen, gab es in Hülle und Fülle (Röm. 6:21; 1. Pet. 4:3, 4).

7 So viele Tempel die Römer auch hatten und so viele Gottheiten sie verehrten — sie waren nicht dafür bekannt, eine echte, persönliche Beziehung zu diesen Göttern zu haben. Religion beschränkte sich für sie auf gesellschaftlich festgelegte Rituale: bei Geburten, Eheschließungen und Begräbnissen. In diesem Umfeld als Christ zu leben, war garantiert alles andere als leicht. Viele Christen stammten ja selbst aus diesem Milieu — hatten ganz offensichtlich ihr Leben von Grund auf ändern müssen, um echte Christen zu werden. Und dieser Umwandlungsprozess war mit der Taufe keineswegs abgeschlossen.

8. Warum ist auch die heutige Welt für Christen ein gefährliches Umfeld?

8 Auch für Christen heute ist die Welt, in der sie leben, ein gefährliches Umfeld. Warum? Weil alles vom Geist der Welt durchdrungen ist. (Lies Epheser 2:2, 3; 1. Johannes 2:16.) Tagaus, tagein werden wir mit Denkweisen, Wünschen, Werten und Moralvorstellungen der heutigen Welt konfrontiert und sind daher ständig in der Gefahr, von ihr vereinnahmt zu werden.  Haben wir da nicht erst recht allen Grund, auf den biblischen Rat zu hören und uns nicht mehr nach diesem System formen zu lassen? Was müssen wir tun, um umgewandelt zu werden?

WAS MUSS „UMGEWANDELT WERDEN“?

9. Was ändern viele in ihrem Leben, um die Voraussetzungen für die Taufe zu erfüllen?

9 Wer die Bibel studiert und nach der Wahrheit leben möchte, fängt irgendwann an, sich zu ändern. Je mehr er anwendet, was er lernt, desto größer sind seine Fortschritte. Er verlässt die falsche Religion, gibt ihre Bräuche auf, lässt seinen früheren Lebenswandel hinter sich und nimmt sich Jesu Persönlichkeit zum Vorbild (Eph. 4:22-24). Es macht viel Freude zu beobachten, wie jedes Jahr Hunderttausende solche Fortschritte machen, sich Jehova Gott hingeben und die Voraussetzungen für die Taufe erfüllen. Dass sich Jehova von Herzen darüber freut, ist gar keine Frage (Spr. 27:11). Nur: Ist es mit diesen Änderungen getan?

Wer aus der Welt des Teufels kommt, muss dringend „umgewandelt werden“ (Siehe Absatz 9)

10. Warum reichen Fortschritte oder Verbesserungen allein nicht aus, um umgewandelt zu werden?

10 Umgewandelt zu werden erfordert in Wirklichkeit viel mehr, als nur Fortschritte zu machen oder sich zu verbessern. Was von der Werbung als besseres Produkt oder „Neuheit“ verkauft wird, unterscheidet sich vom Alten oft nur durch eine neue Zutat und eine ansprechendere Verpackung. Zu der Formulierung „werdet umgewandelt“ erklärt ein Bibelgelehrter: „Röm[er] 12:2 stellt die äußerliche Anpassung an die Dinge dieses Zeitalters [Systems der Dinge] einer innerlichen Umwandlung (oder Umgestaltung) gegenüber, bewirkt durch die Erneuerung der Gedanken in der Kraft des heiligen Geistes“ (Vine’s Expository Dictionary). Dazu reicht es demnach nicht aus, dass ein Christ schlechte Gewohnheiten und eine unsaubere Sprache ablegt und kein unsittliches Leben mehr führt. Es gibt so manchen, der all das in seinem Leben im Großen und Ganzen vermeidet, ohne sich für die Bibel zu interessieren. Was ist denn dann genau damit gemeint, dass ein Christ umgewandelt werden muss?

11. Was ist nach den Worten von Paulus nötig, um umgewandelt zu werden?

11 Paulus schrieb: „Werdet durch die Neugestaltung eures Sinnes umgewandelt.“ Mit „Sinn“ ist in der Bibel nicht nur der Verstand gemeint, sondern auch jemandes Gesinnung oder Einstellung und die Vernunft. Am Anfang des Römerbriefs beschrieb Paulus Personen mit einem „missbilligten Geisteszustand“. Sie waren erfüllt „mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit“ und vielen weiteren schädlichen Eigenschaften wie Neid, Mordlust, Streitsucht und Niedertracht (Röm. 1:28-31). Wer in so einem Umfeld aufgewachsen war und dann Jehova dienen wollte, der musste wirklich dringend „umgewandelt werden“ und seinen Sinn vollständig neugestalten oder erneuern!

„Möge Wut und Zorn und Geschrei und lästerliches Reden von euch entfernt werden“ (Eph. 4:31)

12. Wie sind viele Menschen heute eingestellt? Warum ist dieser Zeitgeist für Christen eine Gefahr?

12 Leider sind wir in der heutigen Welt von Menschen umgeben, auf die die  Beschreibung des Paulus zutrifft. Wer etwas auf Prinzipien hält, wird von ihnen gern als altmodisch oder intolerant abgestempelt. Nicht wenige Eltern und Lehrer lassen sich von einer allzu toleranten Grundeinstellung leiten und vertreten eine „liberale“ Denkweise: In ihren Augen gibt es keine absoluten Wahrheiten, sondern alles ist relativ. Sogar unter denen, die sich zum Glauben an einen Gott bekennen, nehmen viele die Freiheit für sich in Anspruch, zu tun, was sie für richtig halten, ohne sich Gott und seinen Geboten irgendwie verpflichtet zu fühlen (Ps. 14:1). Für echte Christen ist dieser Zeitgeist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Ist man nicht auf der Hut, könnte man so eine Sichtweise auf die Versammlung übertragen — sich womöglich dagegen sperren, organisatorische Verfahrensweisen mitzutragen; an allem, was einem nicht gefällt, etwas aussetzen; oder sich sogar gegen biblisch fundierten Rat in Sachen Entspannung, Internet oder höhere Bildung sträuben.

13. Warum ist es wichtig, dass wir uns ehrlich mit unserem verborgenen Ich auseinandersetzen?

13 Was ist also nötig, damit wir nicht mehr von der Welt geprägt oder in ihre Form gepresst werden? Uns ehrlich damit auseinanderzusetzen, wie wir tief im Innern wirklich denken und empfinden, welche Ziele und Werte uns wichtig sind. Andere sagen uns vielleicht, mit uns sei alles in Ordnung. Aber letztlich können sie nicht in uns hineinsehen. Ob wir das, was wir aus der Bibel lernen, so auf uns wirken lassen, dass wir in diesen entscheidenden Bereichen tatsächlich umgewandelt worden sind und das auch weiterhin tun — das wissen nur wir selbst. (Lies Jakobus 1:23-25.)

WIE GEHT DIE UMWANDLUNG VOR SICH?

14. Wie können wir herausfinden, was wir verändern müssen?

14 Wenn also diese Umwandlung in unserem tiefsten Innern stattfindet, dann brauchen wir etwas, das so tief in uns hineinwirken kann. Aus der Bibel erfahren wir, worauf Jehova hinarbeitet und was für Menschen wir sein sollten, damit er uns dafür gebrauchen kann. Unsere Reaktion darauf verrät, was in unserem Herzen ist und was wir verändern müssen, um dem „vollkommenen Willen Gottes“ entsprechend zu handeln (Röm. 12:2; Heb. 4:12).

15. Was bewirkt Jehova als „Töpfer“?

15 Lies Jesaja 64:8. Der Prophet Jesaja gebraucht hier ein anschauliches Sprachbild mit einem wichtigen Lehrpunkt. Wir sind wie Ton und Jehova ist der Töpfer. Wie formt er uns? Natürlich verändert er nicht unsere Figur oder unser Aussehen. Er „modelliert“ den inneren Menschen. Lassen wir uns von ihm formen und umwandeln, hilft er uns, anders denken und fühlen zu lernen. Genau das brauchen wir, um uns gegen die Einflüsse der Welt erfolgreich zur Wehr zu setzen. Wie geht Jehova dabei vor?

16, 17. (a) Wie bereitet ein Töpfer den Ton vor, aus dem er hochwertige Gefäße formt? (b) Wie bewirkt Gottes Wort, dass Jehova aus uns etwas Kostbares formen kann?

16 Für hochwertige Töpferware braucht man Ton von bester Qualität. Bevor sich der Töpfer ans Formen macht, sind zwei Arbeitsschritte erforderlich: Als erstes muss er den Ton von Fremdkörpern und unerwünschten Mineralien reinigen. Dann muss er ihn anfeuchten und durchkneten, damit er geschmeidig und verformbar wird.

17 Was verwendet der Töpfer, um den Ton sowohl zu reinigen als auch, um ihn formbar zu machen und so geschmeidig, dass er daraus sogar ein filigranes Gefäß formen kann? Wasser! Ist uns bewusst, dass Gottes Wort in unserem Leben eine ähnliche Wirkung entfalten kann? Es hilft uns, alte Denkmuster aus der Zeit, als wir Jehova noch nicht kannten, durch neue zu ersetzen. So lassen wir uns umwandeln und werden für ihn zu einem kostbaren  „Gefäß“ (Eph. 5:26). Denken wir nur daran, wie oft uns schon eindringlich nahegelegt worden ist, jeden Tag in der Bibel zu lesen und alle Zusammenkünfte zu besuchen, wo ja Gottes Wort besprochen wird. Warum wird uns das so ans Herz gelegt? Weil wir Jehova dadurch erlauben, uns zu formen (Ps. 1:2; Apg. 17:11; Heb. 10:24, 25).

Wer umgewandelt worden ist, geht ganz anders an Probleme heran (Siehe Absatz 18)

18. (a) Warum ist Nachsinnen unverzichtbar, wenn Gottes Wort uns umwandeln und erneuern soll? (b) Welche Fragen sind dabei eine Hilfe?

18 So wichtig es ist, Gottes Wort zu lesen und sich damit zu beschäftigen — das allein reicht noch nicht, damit wir vollständig umgewandelt werden. Es gibt nicht wenige Leute, die immer mal wieder in der Bibel lesen und sich infolgedessen recht gut darin auskennen. Vielleicht triffst du im Predigtdienst ab und zu jemand, der sogar Bibelverse aus dem Kopf zitieren kann. * Auf ihr Denken und ihre Lebensweise aber wirkt sich das so gut wie gar nicht aus. Warum nicht? Weil Gottes Wort jemand nur dann umwandeln und erneuern kann, wenn er sich im Herzen davon berühren lässt. Das erfordert, dass wir uns die Zeit nehmen, über das Gelesene gründlich nachzudenken und uns Fragen zu stellen wie: Bin ich aus eigener Erfahrung davon überzeugt, dass das die Wahrheit ist, nicht lediglich ein Glaube wie jeder andere? Habe ich einen Blick dafür entwickelt, wie ich das Gelernte selber anwenden sollte, statt nur daran zu denken, wie ich es anderen vermitteln kann? Glaube ich fest, dass Jehova durch sein Wort zu mir persönlich spricht? Wenn wir so nachsinnen, wird das verstärkt, was wir im Herzen für Jehova empfinden — unsere Liebe zu ihm wird tiefer. Und wir fühlen uns motiviert, konkret an uns zu arbeiten (Spr. 4:23; Luk. 6:45).

19, 20. Wie wirkt es sich auf uns aus, wenn wir den Rat der Bibel umsetzen?

19 „Streift die alte Persönlichkeit mit ihren Handlungen ab, und kleidet euch mit der neuen Persönlichkeit, die durch genaue Erkenntnis erneuert wird“ — das ist uns bis zu einem gewissen Grad bestimmt schon gelungen (Kol. 3:9, 10). Wenn wir regelmäßig in Gottes Wort lesen und intensiv darüber nachdenken, fühlen wir uns gedrängt, damit konsequent weiterzumachen. Und in dem Maß, wie wir wirklich verstehen, was uns Jehova sagen will, und das umsetzen, werden wir auch Erfolg haben — dank der neuen Persönlichkeit immer besser geschützt vor den hinterlistigen Machenschaften des Teufels.

20 Der Apostel Petrus schrieb: „Formt euch als gehorsame Kinder nicht mehr nach den Begierden, die ihr früher in eurer Unwissenheit hattet, sondern in Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel“ (1. Pet. 1:14, 15). Wenn wir alles daransetzen, in unserem Denken und unserer Einstellung umgewandelt zu werden, wird uns Jehova sehr segnen. Wie? Darauf geht der Anschlussartikel ein.

^ Abs. 18 Ein Beispiel wird im Wachtturm vom 1. Februar 1994, Seite 10, Absatz 7 angeführt.