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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) MAI 2013

Eltern und Kinder, kommuniziert liebevoll miteinander

Eltern und Kinder, kommuniziert liebevoll miteinander

„Jeder Mensch soll schnell sein zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn“ (JAK. 1:19)

1, 2. Wie stehen Eltern und Kinder normalerweise zueinander, doch welche Schwierigkeiten haben sie?

IN DEN Vereinigten Staaten wurde im Rahmen einer Studie mehreren Hundert Jugendlichen die Frage gestellt: „Wenn du zum Beispiel irgendwie herausfinden würdest, dass deine Eltern morgen sterben werden, was würdest du ihnen heute unbedingt noch sagen wollen?“ Die Reaktion? Probleme oder Streitigkeiten wurden kaum thematisiert. „Die große Mehrheit — 95 Prozent — sprach aus tiefstem Herzen heraus. Worte wie ‚Es tut mir leid‘ oder ‚Ich liebe euch so sehr‘ kamen immer wieder vor“ (Wie Teens ticken, Shaunti Feldhahn und Lisa Rice).

2 Es ist ganz normal: Kinder lieben ihre Eltern, Eltern lieben ihre Kinder, und beide wünschen sich, einander nahe zu sein — vor allem in einer christlichen Familie. Trotzdem hapert es manchmal mit der Kommunikation. Wie kommt es, dass Eltern und Kinder über manche Themen ganz offen miteinander reden können, andere hingegen komplett vermeiden? Was steht einer guten Kommunikation im Weg und wie kann das überwunden werden?

Isolier dich nicht und lass dich nicht davon abhalten, mit deiner Familie zu kommunizieren

SCHAFFE GENUG ZEIT DAFÜR

3. (a) Warum fällt es vielen Familien schwer, gut zu kommunizieren? (b) Warum war es für Familien in Israel kein Problem, viel Zeit miteinander zu verbringen?

3 Vielen Familien fällt es schwer, sich genügend Zeit zu nehmen, tiefer gehende Gespräche zu führen. Das war nicht immer so. Moses forderte die Väter im alten Israel auf: „Du sollst sie [Gottes Worte] deinem Sohn einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (5. Mo. 6:6, 7). Damals verbrachten die Kinder den Tag entweder zu Hause bei der Mutter oder mit dem Vater  auf dem Feld oder an seinem Arbeitsplatz. So konnten sie viel Zeit miteinander verbringen und sich unterhalten. Dadurch kannten die Eltern die Persönlichkeit ihrer Kinder, deren Bedürfnisse und Wünsche. Und die Kinder hatten ausgiebig Zeit und Gelegenheit, ihre Eltern kennenzulernen.

4. Warum ist es für viele Familien schwierig, gut miteinander zu kommunizieren?

4 Das Leben heute ist so ganz anders! In manchen Ländern gehen Kinder schon sehr früh in die Vorschule, teilweise schon mit zwei Jahren. Viele Väter oder Mütter haben lange Arbeitswege. In der für die Familie verbleibenden kurzen Zeit heißt es Kommunikation kontra Fernsehen, Computer und andere elektronische Medien — und oft zieht dabei die Kommunikation den Kürzeren. Nicht selten führen Eltern und Kinder ihr ganz eigenes Leben, sind quasi Fremde. Echte Gespräche gibt es praktisch nicht.

5, 6. Was haben manche Eltern getan, um mehr Zeit für ihre Kinder zu schaffen?

5 Könntest du vielleicht bei unwichtigeren Dingen Abstriche machen und so mehr Zeit schaffen, um sie mit deinen Lieben zu verbringen? (Lies Epheser 5:15, 16.) Manche Familien haben sich darauf geeinigt, weniger Zeit vor dem Fernseher oder Computer zu verbringen. Andere versuchen wenigstens einmal am Tag gemeinsam zu essen. Eine besonders gute Gelegenheit, sich näherzukommen und sich in entspannter Atmosphäre über geistige Inhalte auszutauschen, bietet das Familienstudium. Schon eine Stunde in der Woche dafür vorzusehen, wäre ein guter Anfang. Aber um tiefere Gespräche zu führen, reicht das allein nicht aus. Dazu muss man oft miteinander reden, im Gespräch bleiben. Bevor dein Kind morgens zur Schule geht, sag ihm einige ermutigende Worte, besprich den Tagestext mit ihm, bete mit ihm. Dann sieht sein Tag vielleicht schon ganz anders aus.

6 Manche Eltern haben ihr Leben umgestellt, um mehr mit ihren Kindern zusammen zu sein. Laura *, Mutter von zwei Kindern, gab deshalb ihre Ganztagsstelle  auf. Sie erzählt: „Morgens mussten alle immer schnell los — zur Arbeit oder zur Schule. Wenn ich nach Hause kam, schliefen die Kinder schon, zu Bett gebracht von einer Babysitterin. Jetzt müssen wir zwar mit weniger Geld auskommen, aber ich hab das Gefühl, einen guten Draht zu meinen Kindern zu haben, kenne ihre Gedanken und Probleme. Ich kann hören, worum sie beten, und sie entsprechend anleiten, ihnen etwas sagen, ihnen Mut machen.“

SEI „SCHNELL ZUM HÖREN“

7. Worüber beschweren sich oft sowohl Kinder wie auch Eltern?

7 Die Autorinnen des Buches Wie Teens ticken kamen nach vielen Interviews mit jungen Leuten einem weiteren „Kommunikationsblocker“ auf die Spur. Sie schreiben: „Die Klage, die wir von den Jugendlichen am häufigsten über ihre Eltern zu hören bekamen: ‚Sie hören nicht zu!‘ “ Doch betrifft das nicht auch die andere Seite? Eltern behaupten von ihren Kindern ja oft dasselbe. Damit die Kommunikation fließen kann, müssen Familienmitglieder einander zuhören — richtig zuhören! (Lies Jakobus 1:19.)

8. Wie können Eltern ihren Kindern richtig zuhören?

8 Hört ihr Eltern euren Kindern wirklich zu? Das ist bestimmt nicht immer leicht, vor allem wenn ihr müde seid oder es um ganz belanglose Dinge zu gehen scheint. Was euch aber vielleicht belanglos vorkommt, kann für eure Kinder äußerst wichtig sein. „Schnell sein zum Hören“ bedeutet nicht nur, aufmerksam hinzuhören, was dein Kind sagt, sondern auch darauf zu achten, wie es etwas sagt. Tonfall und Körpersprache lassen erkennen, wie ein junger Mensch fühlt. Vergesst auch nicht, Fragen zu stellen. In der Bibel heißt es: „Die Gedanken eines Menschen sind unergründlich wie ein tiefer See, aber ein Menschenkenner durchschaut sie und bringt sie ans Licht“ (Spr. 20:5, Hoffnung für alle). Gerade bei sensiblen Themen ist Einsicht und Unterscheidungsvermögen gefragt, um die Gedanken des Kindes herauszufinden.

9. Warum sollten Kinder auf ihre Eltern hören?

9 Hört ihr Kinder auf eure Eltern? Gottes Wort fordert dich auf, der Anleitung deines Vaters zu folgen und „das Gesetz deiner Mutter“ nicht zu verlassen (Spr. 1:8). Denke daran, deine Eltern lieben dich und wollen dein Bestes. Da ist es nur weise, auf sie zu hören (Eph. 6:1). Das fällt leichter, wenn ihr gut miteinander kommuniziert und du spürst, dass sie dich lieb haben. Sag deinen Eltern, wie du denkst. Dann können sie dich besser verstehen. Und versuch bitte auch, sie zu verstehen.

10. Was zeigt uns der Bericht von Rehabeam?

10 Wie sieht es mit dem Rat von Gleichaltrigen aus? Sei vorsichtig. Vielleicht sagen sie dir das, was du hören willst — was dir aber gar nicht hilft, ja dir vielleicht sogar schadet. Weil ihnen die Erfahrung und Weisheit der Älteren fehlt, haben die meisten von ihnen noch keinen Weitblick und können die Folgen einer Handlungsweise nicht unbedingt abschätzen. Als Rehabeam, der Sohn von König Salomo, Israels Thron bestieg, wäre es weise gewesen, sich an den Rat der älteren Männer zu halten. Er folgte jedoch den unvernünftigen Vorschlägen der jüngeren Männer, mit denen er aufgewachsen war. Dadurch verlor er die Unterstützung der meisten seiner Untertanen (1. Kö. 12:1-17). Um nicht in dieselbe Falle zu tappen, ist es wichtig, dass du alles für eine gute Kommunikation mit deinen Eltern tust. Lass sie wissen, was du denkst. Lerne von ihnen und mach dir ihre Erfahrung zunutze (Spr. 13:20).

11. Was kann passieren, wenn Eltern sich nicht für ihre Kinder öffnen?

11 Liebe Eltern, wollt ihr, dass sich eure Kinder an euch um Rat wenden statt an  Gleichaltrige? Dann tut alles dafür, dass es ihnen leichtfällt, zu euch zu kommen und mit euch zu reden. Eine getaufte Jugendliche schreibt: „Ich brauch nur den Namen eines Jungen in den Mund zu nehmen und schon werden meine Eltern nervös. Das verunsichert mich total und ich trau mich kaum noch, weiterzuerzählen.“ Eine andere junge Schwester schreibt: „Suchen Jugendliche den Rat ihrer Eltern, werden von ihnen aber nicht ernst genommen, dann gehen sie zu jemand anders, der das tut — auch wenn derjenige kaum Erfahrung hat.“ Bist du bereit, deinen Kindern mit dem Herzen zuzuhören, ganz gleich, was sie zu erzählen haben, werden sie sich dir öffnen und deine Anleitung gern annehmen.

SEI „LANGSAM ZUM REDEN“

12. Wie könnte die Reaktion der Eltern die Kommunikation mit ihren Kindern blockieren?

12 Die Kommunikation könnte auch erschwert werden, wenn Eltern sich gleich aufregen oder ablehnend reagieren, sobald die Kinder etwas sagen. Natürlich wollen sie ihre Kinder schützen — ganz besonders heute, in den gefährlichen „letzten Tagen“ (2. Tim. 3:1-5). Aber was die Eltern als Schutz ansehen, empfinden ihre Kinder vielleicht als einengend.

13. Warum ist es nicht ratsam, wenn Eltern immer gleich mit ihrer Meinung herausplatzen?

13 Es ist klug, wenn sich Eltern mit ihrer Meinung erst einmal zurückhalten. Zugegeben, das ist nicht immer ganz leicht, besonders wenn du schockiert bist über das, was du hörst. Aber es ist sehr wichtig, genau zuzuhören, bevor man reagiert! Der weise König Salomo schrieb: „Wenn irgendeiner auf eine Sache eine Erwiderung gibt, ehe er sie angehört hat, so ist es ihm Torheit und Demütigung“ (Spr. 18:13). Bleibst du ruhig, wird dein Kind weiterreden und du wirst mehr erfahren. Damit du ihm beistehen kannst, musst du dir ein vollständiges Bild verschaffen. Vielleicht liegt der Grund für das „unsinnige Gerede“ deines Kindes darin, dass es gerade ein Gefühlschaos durchlebt (Hiob 6:1-3). Du liebst dein Kind — also mache guten Gebrauch von deinen Ohren, um es zu verstehen, und von deiner Zunge, um ihm zu helfen.

14. Warum sollten Kinder „langsam zum Reden“ sein?

14 Der Rat, „langsam zum Reden“ zu sein, gilt genauso für Kinder. Widersprich den Eltern nicht gleich, denn sie haben von Gott die Verantwortung für dich bekommen (Spr. 22:6). Möglicherweise haben sie früher Ähnliches erlebt wie du jetzt. Sie bereuen die Fehler, die sie in deinem Alter gemacht haben, und wollen dich unbedingt davor bewahren, ähnliche Fehler zu machen. Betrachte deine Eltern daher als Verbündete und nicht als Feinde, als gute Ratgeber und nicht als Kritiker. (Lies Sprüche 1:5.) „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ und zeige ihnen, dass du sie auch liebst, wie sie dich. Das macht es ihnen leichter, dich in den Wegen Jehovas zu erziehen (Eph. 6:2, 4).

SEI „LANGSAM ZUM ZORN“

15. Was macht es uns leichter, mit denen, die wir lieben, nicht die Geduld zu verlieren?

15 Mit denen, die wir lieben, sind wir nicht immer geduldig. An „die Heiligen und treuen Brüder in Gemeinschaft mit Christus in Kolossä“ schrieb der Apostel Paulus: „Ihr Männer, liebt eure Frauen weiterhin, und lasst euch nicht gegen sie erbittern. Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden“ (Kol. 1:1, 2; 3:19, 21). Die Epheser forderte er auf, „alle boshafte Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und lästerliches Reden“ untereinander zu entfernen (Eph. 4:31). Arbeiten wir an Langmut, Milde und Selbstbeherrschung — alles Aspekte der Frucht des Geistes —, fällt es uns leichter, auch unter Druck und Stress ruhig zu bleiben (Gal. 5:22, 23).

16. Auf welche Weise korrigierte Jesus seine Jünger, und warum ist das so beeindruckend?

 16 Nehmen wir Jesu Beispiel. Stell dir vor, wie groß der Druck gewesen sein muss, unter dem Jesus während des letzten Abendmahls stand. Er wusste genau: In wenigen Stunden würde er einen langsamen, qualvollen Tod sterben. Von seiner Treue hing es ab, ob der Name seines Vaters geheiligt und die Menschheit gerettet werden würde. Ausgerechnet an diesem Abend entstand unter den Aposteln „ein hitziger Wortstreit . . . darüber, wer von ihnen der Größte zu sein scheine“. Wie ging Jesus damit um? Er schrie sie nicht an, reagierte auch nicht verärgert. Vielmehr redete er ihnen ruhig zu, um sie zum Nachdenken zu bringen. Er erinnerte sie daran, dass sie in Prüfungen zu ihm gehalten hatten. Mit seinen Worten zeigte Jesus, wie sehr er darauf vertraute, dass sie treu blieben, auch wenn der Teufel sie „wie Weizen sichten“ wollte. Ja, er schloss sogar einen Bund mit ihnen (Luk. 22:24-32).

Hörst du deinen Kindern gut zu?

17. Was hilft Kindern, ruhig zu bleiben?

17 Auch Kinder sollten ruhig bleiben. Das kann besonders Teenager betreffen, die das Gefühl haben, ihre Eltern würden ihnen nicht genug vertrauen, weil sie ihnen Vorschriften machen. Auch wenn das manchmal so aussieht — mach dir bewusst, was dahintersteckt. Ist es nicht die Liebe deiner Eltern, die sich um dich sorgen? Hörst du ihnen ruhig zu und bist kooperativ, erwirbst du dir ihren Respekt und den Ruf, vertrauenswürdig zu sein. Gut möglich, dass dir das größere Freiheiten einbringt. Es ist daher nur weise, Selbstbeherrschung zu üben. Ein kluger Spruch besagt: „All seinen Geist lässt ein Unvernünftiger herausfahren, aber wer weise ist, hält ihn bis zuletzt ruhig“ (Spr. 29:11).

18. Wie führt Liebe zu guter Kommunikation?

18 Liebe Eltern und liebe Kinder: Verliert nicht den Mut, wenn die Kommunikation in eurer Familie nicht immer so funktioniert, wie ihr es euch wünscht. Arbeitet weiter daran. Lebt weiter nach dem Weg der Wahrheit (3. Joh. 4). In der neuen Welt werden vollkommene Menschen perfekt miteinander umgehen, ohne Missverständnisse und Streitigkeiten. Noch sind wir aber nicht so weit. Noch passieren jedem von uns immer wieder Dinge, die uns später leidtun. Wie wichtig, dass wir demütig um Vergebung bitten und bereitwillig vergeben, damit wir „harmonisch zusammengefügt seien in Liebe“! (Kol. 2:2). Liebe hat Macht. Die Liebe „ist langmütig und gütig“. Die Liebe „lässt sich nicht aufreizen“. Die Liebe „rechnet das Böse nicht an“. Die Liebe „erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles“ (1. Kor. 13:4-7). Wachst also weiter in der Liebe, und ihr werdet euch im wahrsten Sinn des Wortes immer besser verstehen. Und durch euer glückliches Familienleben wird Jehova geehrt.

^ Abs. 6 Name geändert.