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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  April 2013

Sie boten bereitwillig ihre Hilfe an — in Mexiko

Sie boten bereitwillig ihre Hilfe an — in Mexiko

IST es nicht herzerfrischend zu sehen, wie immer mehr junge Zeugen Jehovas ihr Leben vereinfachen, damit sie sich noch stärker im Dienst für Jehova einsetzen können? (Mat. 6:22). Wie ist ihnen das möglich? Welche Hürden müssen sie nehmen? Wir wollen sehen. Lernen wir einige von ihnen, die zurzeit in Mexiko sind, etwas näher kennen.

„WIR MUSSTEN ETWAS ÄNDERN“

Kurz nachdem Dustin und Jassa aus den Vereinigten Staaten im Januar 2007 geheiratet hatten, konnten sie sich einen großen Traum erfüllen: Sie kauften sich ein eigenes Segelboot und lebten darauf. Ihr Schiff lag in der Gegend von Astoria (Oregon) vor Anker — einer malerischen Kleinstadt, umgeben von bewaldeten Hügeln und schneebedeckten Bergen, ganz in der Nähe des Pazifischen Ozeans. „Wo immer man hinsah, der Blick war einfach atemberaubend“, schwärmt Dustin. Die zwei hatten das Gefühl, ein einfaches Leben zu führen und sich auf Jehova zu verlassen. Sie dachten: „Schließlich leben wir ja auf einem nur 8 Meter langen Boot, arbeiten Teilzeit, besuchen eine fremdsprachige Versammlung und sind ab und zu Hilfspioniere.“ Nach einiger Zeit merkten sie, dass sie sich etwas vormachten. Dustin erklärt: „Anstatt die  Versammlung zu unterstützen, hatten wir die meiste Zeit alle Hände voll damit zu tun, das Schiff in Schuss zu halten. Uns wurde klar: Wir mussten etwas ändern, wenn Jehova in unserem Leben an erster Stelle kommen sollte.“

Jassa erklärt: „Bevor wir heirateten, hatte ich in Mexiko gelebt und gehörte zu einer englischen Versammlung. Es hatte mir dort so gut gefallen, drum wollte ich unbedingt zurück.“ Um sich noch mehr Appetit für den Dienst im Ausland zu holen, lasen sie bei ihrem Familienstudium begeisternde Berichte von Brüdern und Schwestern, die in andere Länder gegangen waren, wo die „Felder“ nur darauf warteten, abgeerntet zu werden (Joh. 4:35). „Ihre Freude steckte uns an“, erzählt Dustin. Als sie dann von Freunden aus Mexiko erfuhren, dass eine neue Gruppe Hilfe brauchte, stand ihr Entschluss fest. Sie kündigten ihre Arbeit, gaben ihr Boot auf und zogen dorthin.

„DAS BESTE, WAS WIR TUN KONNTEN“

Dustin und Jassa ließen sich in Tecomán (Colima) nieder — immer noch an der Pazifikküste, aber über 4 000 Kilometer südlich von Astoria. „Statt kühler Brise und Blick auf die Berge gibt es glühende Hitze und Zitronenbäume, so weit das Auge reicht“, berichtet Dustin. Am Anfang fanden sie keine Arbeit. Weil die Mittel knapp wurden, gab es zweimal am Tag Reis und Bohnen — und das Woche um Woche. „Doch kurz bevor wir unsere Schonkost nicht mehr sehen konnten, erhielten wir von unseren Bibelstudien Mangos, Bananen, Papayas und natürlich säckeweise Zitronen“, erinnert sich Jassa. Nach einiger Zeit fanden sie schließlich Arbeit bei einer Online-Sprachschule mit Sitz in Taiwan. Jetzt kommen sie finanziell gut zurecht.

Und wie gefällt den beiden ihr neues Leben? Sie erklären: „Dieser Umzug war das Beste, was wir tun konnten. Dadurch sind wir einander und Jehova nähergekommen — näher als wir es jemals gedacht hätten. Wir machen jeden Tag viel gemeinsam: gehen zusammen in den Dienst, besprechen, wie wir bei unseren Bibelstudien vorgehen wollen und bereiten uns auf die Zusammenkünfte vor. Außerdem haben wir jetzt nicht mehr mit den Belastungen von damals zu kämpfen.“ Und sie sagen: „Jetzt verstehen wir viel besser, wie wahr doch das Versprechen in Psalm 34:8 ist: ‚Schmeckt und seht, dass Jehova gut ist.‘ “

WAS HAT TAUSENDE MOTIVIERT?

Über 2 900 verheiratete und ledige Brüder und Schwestern — viele zwischen 20 und 40 — sind in Regionen von Mexiko gezogen, wo Hilfe gebraucht wird. Warum setzen sie sich so ein? Eine Gruppe von ihnen nennt folgende drei Gründe:

Leticia und Hermilo

 Aus Liebe zu Jehova und zum Nächsten. Leticia hatte sich mit 18 taufen lassen. Sie sagt: „Als ich mich Jehova hingab, war mir bewusst: Das bedeutet, ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu dienen. Um meine Liebe zu ihm zu beweisen, hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit und Kraft im Dienst einzusetzen“ (Mar. 12:30). Hermilo, inzwischen mit Leticia verheiratet, war Anfang 20, als er in ein Gebiet zog, wo Hilfe benötigt wurde. Er erklärt: „Mir wurde klar, dass ich meine Nächstenliebe am besten zeigen kann, wenn ich den Menschen helfe, ihren geistigen Hunger zu stillen“ (Mar. 12:31). Er ließ das komfortable Leben im reichen Monterrey (Mexiko) hinter sich, wo er in einer Bank tätig war, und zog in einen kleinen Ort.

Essly

Um echte Freude und Glück zu verspüren, das anhält. Kurz nach ihrer Taufe begleitete Leticia eine erfahrene Pionierin für einen Monat in eine abgelegene Kleinstadt zum Predigen. Sie erinnert sich: „Ich war beeindruckt! Es machte mich so glücklich, als ich sah, wie positiv die Menschen auf die Königreichsbotschaft reagierten. Am Ende des Monats sagte ich mir: ‚Genau so soll mein Leben aussehen.‘ “ Auch Essly, eine ledige Schwester Anfang 20, faszinierte die Freude, die andere ausstrahlten. Schon während ihrer Schulzeit hatte sie Brüder und Schwestern kennengelernt, die sich dort einsetzten, wo mehr Bedarf war. Sie sagt: „Ihre strahlenden Gesichter weckten in mir den Wunsch, auch so ein Leben zu führen.“ Viele andere empfinden ebenso wie sie. Über 680 ledige Schwestern waren bereit, an Orte in Mexiko zu gehen, wo sie besonders gebraucht werden. Ist das nicht ein schönes Beispiel für uns alle — ob jung oder alt?

Um ein sinnvolles und befriedigendes Leben zu führen. Nach Abschluss der Schule wurde Essly ein Hochschul-Stipendium angeboten. Ihre Mitschüler drängten sie, es anzunehmen und ein „normales Leben“ zu führen: Abschluss, Karriere, Auto, Reisen. Essly entschied sich anders. Sie erklärt: „Einige meiner Glaubensbrüder sind diesen Weg gegangen, und mir fiel auf, dass ihre Ziele im Dienst für Jehova dabei zu kurz kamen. Ich sah auch, wie sie sich schließlich frustriert mit Problemen herumschlagen mussten, weil sie sich immer mehr von der Welt vereinnahmen ließen. Ich wollte jedoch meine Jugend voll und ganz im Dienst für Jehova einsetzen.“

Racquel und Phillip

Essly absolvierte einige Weiterbildungskurse. Das half ihr, eine Arbeit zu finden, um sich den Lebensunterhalt zu sichern und im Pionierdienst zu  stehen. Dann zog sie in ein Gebiet, wo dringend Hilfe benötigt wurde. Sie lernte sogar die Sprachen, die von den Otomí und den Tlapaneco gesprochen wurden. Im Rückblick auf drei Jahre Dienst in abgelegenen Gebieten erklärt sie: „Sich dort einzusetzen, wo Not am Mann ist, war sehr befriedigend und hat meinem Leben echten Sinn gegeben. Vor allem aber fühlte ich mich Jehova näher.“ Das bestätigen auch Phillip und Racquel, ein Ehepaar Anfang 30 aus den Vereinigten Staaten. „Die Welt ändert sich heute rasant und das Leben vieler ist aus den Fugen geraten. Der Dienst an Orten, wo noch viele auf die biblische Botschaft reagieren, ist echt erfüllend!“

HÜRDEN ÜBERWINDEN — WIE?

Verónica

Es stimmt, wer an Orten dienen will, wo mehr Prediger gebraucht werden, muss so manche Hürde überwinden. Dazu gehört die Finanzierung des Lebensunterhalts. Das wiederum setzt voraus, bereit zu sein, sich an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Verónica, eine Pionierin, hat darin Erfahrung und berichtet: „An einem Ort habe ich kleine Gerichte gekocht und sie preiswert verkauft. Woanders habe ich Textilien verkauft und Haare geschnitten. Im Moment geh ich putzen und gebe jungen Eltern Unterricht, wie sie mit ihren Kindern besser kommunizieren können.“

Sich einer anderen Kultur und ungewohnten Bräuchen anzupassen ist alles andere als leicht, besonders unter Ureinwohnern fernab der modernen Zivilisation. Das bestätigen auch Phillip und Racquel, die in einem Gebiet der Nahua lebten. „Es ist eine völlig andere Kultur“, erzählt Phillip. Was half ihnen, diese Hürde zu nehmen? „Wir haben uns auf all das Gute konzentriert — den Zusammenhalt in den Familien, ihre Offenheit und ihre Freigebigkeit.“ Racquel fügt hinzu: „Dort zu leben und mit unseren Brüdern und Schwestern zusammenzuarbeiten, hat uns viel gebracht.“

SICH DARAUF VORBEREITEN

Möchtest du auch gern in abgelegenen Gebieten tätig sein, wo Hilfe benötigt wird? Wie kannst du dich darauf vorbereiten? Brüder und Schwestern, die das schon getan haben, empfehlen: Fang schon jetzt an, dein Leben zu vereinfachen und mit dem, was du hast, zufrieden zu sein (Phil. 4:11, 12). Was könntest du noch tun? Leticia erzählt: „Arbeit, bei der ich verpflichtet gewesen wäre, an einem Ort zu bleiben, hab ich nicht angenommen. Ich wollte flexibel sein und umziehen können, wann und wohin es auch immer nötig war.“ Hermilo berichtet: „Ich lernte kochen, waschen und bügeln.“ Verónica erinnert sich: „Zu Hause bei meinen Eltern und Geschwistern hab ich beim Putzen geholfen, hab gelernt, einfach und gesund zu kochen, aber auch, wie man spart.“

Amelia und Levi

Levi und Amelia aus den Vereinigten Staaten, die nun acht Jahre verheiratet sind, erklären, wie wichtig konkrete Gebete bei den Vorbereitungen für ihren Umzug nach Mexiko waren. Levi sagt: „Wir rechneten aus, wie viel Geld wir für ein Jahr im Ausland brauchen würden, und baten dann Jehova, uns dabei zu unterstützen, genau den Betrag zu verdienen.“ Nach einigen Monaten hatten sie eben diese Summe zusammen und machten sich unverzüglich auf nach Mexiko. Levi erinnert sich: „Jehova hat uns genau das gegeben, worum wir ihn gebeten hatten. Jetzt waren wir dran.“ Amelia fügt hinzu: „Wir dachten zunächst, wir würden nur ein Jahr bleiben können, aber nun sind wir schon sieben Jahre hier, und wir denken gar nicht daran, zu gehen! Hier können wir Jehova ganz nah erleben. Er beschenkt uns jeden Tag mit so viel Gutem.“

Adam und Jennifer

Ein anderes Ehepaar aus den Vereinigten Staaten, Adam und Jennifer, ist im englischen Gebiet in Mexiko unterwegs. Auch für sie spielte das Gebet eine wichtige Rolle. Sie empfehlen: „Warte nicht auf die perfekten Umstände. Sag Jehova, dass du ihm gern in einem anderen Land dienen möchtest, und dann handle danach. Vereinfache dein Leben, schreib an das Zweigbüro des Landes, wo du dich gern einsetzen würdest, und nachdem du die Kosten berechnet hast, mach dich auf den Weg.“ * Was erwartet dich? Ein spannendes und erfülltes Leben im Dienst für Jehova!

^ Abs. 21 Mehr zu diesem Thema findest du in dem Artikel „Kannst du nach ‚Mazedonien‘ herüberkommen?“ im Königreichsdienst für August 2011.