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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) JANUAR 2013

Sie boten bereitwillig ihre Hilfe an — in Norwegen

Sie boten bereitwillig ihre Hilfe an — in Norwegen

VOR einigen Jahren in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens: Roald und Elsebeth, damals gingen sie auf die 50 zu, hatten ein angenehmes Leben und setzten sich mit ihren Kindern Isabel und Fabian treu in ihrer Versammlung ein. Roald war Ältester, Elsebeth Pionier und beide Kinder waren fleißige Verkündiger.

Dann kam der September 2009. Die Familie entschied sich dafür, einmal etwas ganz anderes zu machen: eine Woche lang in einem abgelegenen Gebiet zu predigen. Roald und Elsebeth gingen gemeinsam mit dem 18-jährigen Fabian auf Reisen. Ihr Ziel war Kjøllefjord, eine kleine Ortschaft auf der Halbinsel Nordkyn in der Provinz Finnmark. Dort predigten sie Seite an Seite mit anderen Zeugen, die ebenfalls extra deswegen in diese einsame Gegend nördlich des Polarkreises gekommen waren. Roald erinnert sich noch genau: „Anfang der Woche war ich rundum zufrieden, hatte ich doch meine Angelegenheiten so regeln können, dass ich bei dieser besonderen Aktion eine ganze Woche dabei sein  konnte.“ Aber sie war noch nicht zu Ende, da passierte etwas, womit Roald nicht gerechnet hatte.

EINE FRAGE AUS HEITEREM HIMMEL

Lassen wir Roald selbst erzählen: „Da kommt doch plötzlich ein Pionier aus der Finnmark namens Mario mit der Frage auf uns zu, ob wir nicht nach Lakselv ziehen und die 23 Verkündiger in dieser kleinen Stadt unterstützen könnten. Zwar hatten Elsebeth und ich bereits darüber nachgedacht, einmal dorthin zu gehen, wo mehr Hilfe gebraucht wird — aber erst später, wenn die Kinder aus dem Haus wären.“ Doch schon die wenigen Tage Predigtdienst in dieser entlegenen Gegend zeigten Roald, wie aufgeschlossen die Menschen hier für die Wahrheit waren. Sie benötigten jetzt Hilfe, nicht später. Es arbeitete in ihm: „Mein Gewissen ließ mir keine Ruhe und ich hatte deswegen sogar schlaflose Nächte.“ Dann fuhr Mario, der Pionier, die Gäste nach Lakselv, das rund 240 Kilometer südlich von Kjøllefjord liegt. Sie sollten sich selbst ein Bild von der kleinen Versammlung dort machen.

In Lakselv zeigte ihnen Andreas, einer der beiden Ältesten der Versammlung, die Gegend und auch den Königreichssaal. In der Versammlung nahm man sie sehr herzlich auf, und sie hörten von allen Seiten, wie schön es wäre, sie hier zur Unterstützung zu haben. Andreas sagte lächelnd, er habe auch schon ein Vorstellungsgespräch für Roald und Fabian arrangiert. Was nun?

WAS TUN?

Fabians erste Reaktion war: „Hierherziehen? Das ist nun wirklich nicht, was ich möchte.“ Der Gedanke, die guten Freunde, mit denen er in seiner Heimatversammlung aufgewachsen war, zurückzulassen und in so einem kleinen Ort zu wohnen, gefiel ihm gar nicht. Außerdem hatte er seine Ausbildung zum Elektriker ja noch nicht abgeschlossen. Die damals 21-jährige Isabel dagegen meinte spontan: „Genau so etwas wollte ich schon immer machen!“ Aber dann kam sie ins Nachdenken. „Ich fragte mich, ob so ein Umzug wirklich eine gute Idee war. Würde ich meine Freunde nicht sehr vermissen? Sollte ich nicht doch besser in meiner Versammlung bleiben, wo ich jeden kannte und mit allem vertraut war?“ Und was sagte eigentlich Elsebeth zu allem? „Ich hatte zwar das Gefühl, dass Jehova uns zeigte, wo er uns haben wollte. Aber ich dachte auch an unser gerade erst renoviertes Haus und an all die Sachen, die sich da in den letzten 25 Jahren angesammelt hatten.“

Elsebeth und Isabel

Als die besondere Woche vorbei war, ging es wieder zurück nach Bergen. Der ganzen Familie gingen die Glaubensbrüder und -schwestern in dem 2 100 Kilometer entfernten Lakselv jedoch nicht mehr aus dem Kopf. Die Mutter erzählt: „Ich betete viel und bin mit den Brüdern in Kontakt geblieben, habe mit ihnen Fotos und Erfahrungen ausgetauscht.“ Der Vater sagt: „Ich brauchte Zeit, damit sich der Gedanke an einen Umzug erst einmal setzen konnte. Außerdem musste ich ja auch überlegen, ob das Ganze überhaupt machbar war. Wovon sollten wir leben? Ich habe viel gebetet und mit meiner Familie und erfahrenen Brüdern darüber geredet.“ Und der Sohn des Hauses? „Je länger ich nachdachte, desto mehr ging mir auf, dass ich eigentlich keinen Grund hatte, Nein zu sagen. Ich betete oft zu Jehova und freundete mich immer mehr mit so einem Umzug an.“ Und Isabel? Um sich auf die eventuelle Veränderung vorzubereiten, fing sie in ihrer Heimatversammlung schon mal mit dem Pionierdienst an. Nach einem halben Jahr, in dem sie sich auch viel Zeit für ihr persönliches Bibelstudium nahm, fühlte sie sich dem großen Schritt gewachsen.

SCHRITT FÜR SCHRITT DEM ZIEL ENTGEGEN

Als der Wunsch, dorthin zu gehen, wo Unterstützung im Dienst gebraucht wurde, bei allen immer stärker wurde, machte man Nägel mit Köpfen. Roald beantragte eine Freistellung von seiner Arbeit für ein Jahr, obwohl er sie wirklich liebte und auch ausgesprochen gut verdiente. Sein Arbeitgeber bat ihn allerdings zu bleiben, und zwar in Teilzeit: zwei Wochen Arbeit, sechs Wochen frei. Dazu Roald: „Wir hatten jetzt weitaus weniger Geld, aber wir kamen klar damit.“

„Mein Mann beauftragte mich, ein Haus in Lakselv zu finden und das in Bergen zu vermieten. Es kostete viel Zeit und Mühe, aber letztendlich klappte alles gut“, erzählt Elsebeth. „Nach einer Weile hatten auch die Kinder eine Teilzeitarbeit gefunden. So können sie mithelfen, die Essens- und Fahrtkosten zu decken.“

Isabel sagt im Rückblick: „Am schwersten für mich war, in einer so kleinen Ortschaft Arbeit zu finden,  um meinen Pionierdienst zu finanzieren. Manchmal sah es richtig hoffnungslos aus.“ Aber es gelang ihr, ihren Lebensunterhalt als Pionier zu bestreiten, denn sie nahm alles an, was sie an Teilzeitarbeit finden konnte, und wenn es nur stundenweise war — allein im ersten Jahr hatte sie neun Teilzeitstellen. Und wie lief es bei Fabian? „Meine Elektrikerausbildung habe ich in einem Betrieb in Lakselv zu Ende gemacht. Nachdem ich dann die Prüfung abgelegt hatte, fand ich auch einen Teilzeitjob als Elektriker.“

WIE ANDERE IHREN DIENST AUSWEITETEN

Marelius und Kesia predigen einer samischen Frau in Norwegen

Auch Marelius (jetzt 29) und seine Frau Kesia (26) wollten gern in eine Versammlung ziehen, die Unterstützung brauchte. Marelius erzählt: „Mich haben Pioniervorträge und Interviews auf Kongressen zum Nachdenken gebracht. Ich fragte mich, ob ich nicht auch mehr tun könnte.“ Kesia mochte allerdings gar nicht daran denken, weit wegzuziehen. Sie erklärt: „Ich hatte schlicht Angst davor, die Menschen, die ich liebe, nicht mehr in meiner Nähe zu wissen.“ Was dazukam: Die beiden hatten ein Haus abzubezahlen und Marelius arbeitete daher Vollzeit. Er sagt: „Wir haben viel gebetet und Jehova immer wieder gesagt, dass wir seine Hilfe brauchen, damit wir die nötigen Änderungen vornehmen können. Dank seiner Hilfe haben wir den Schritt dann wirklich gewagt.“ Erst nahmen sie sich mehr Zeit für das Bibelstudium. Später verkauften sie ihr Haus, kündigten ihre Arbeit und zogen im August 2011 hoch in den Norden nach Alta. Marelius arbeitet dort als Buchhalter, Kesia in einem Geschäft und beide sind im Pionierdienst.

Knut und Lisbeth, jetzt so Mitte dreißig, waren immer ganz davon angetan, wenn sie im Jahrbuch von anderen lasen, die dort predigten, wo Hilfe benötigt wurde. Lisbeth erzählt: „Ihre Erfahrungen brachten uns überhaupt erst dazu, über den Dienst im Ausland nachzudenken. Ich zögerte allerdings, weil ich mich fragte, ob das für jemand wie mich vielleicht doch eine Nummer zu groß war.“ Trotzdem gingen sie ihr Ziel Schritt für Schritt an. Dazu Knut: „Erst wurde die Wohnung verkauft, dann sind wir, um zu sparen, zu meiner Mutter gezogen und danach für ein Jahr zu meiner Schwiegermutter nach Bergen. In der englischen Versammlung dort bekamen wir schon mal einen Vorgeschmack auf unseren späteren Dienst.“ Bald fühlten sich Knut und Lisbeth einem noch größeren Umzug gewachsen. Es ging bis nach Uganda! Jedes Jahr kommen sie für zwei Monate zum Geldverdienen nach Norwegen zurück. Davon können sie dann den Rest des Jahres in Uganda als Vollzeitprediger leben.

„SCHMECKT UND SEHT, DASS JEHOVA GUT IST“

„Wir sind uns noch näher gekommen“ (Roald)

Wie ist es all diesen einsatzfreudigen Brüdern und Schwestern ergangen? Roald sagt: „Als Familie verbringen wir hier in dieser abgelegenen Gegend viel mehr Zeit miteinander als in Bergen. Dadurch sind wir uns noch näher gekommen. Den geistigen Fortschritt unserer Kinder zu sehen ist ein wahres Geschenk. Außerdem gehen wir mit materiellen Dingen viel gelassener um. Sie bedeuten uns weniger, als wir gedacht haben.“

 Elsebeth fand, es wäre gut, eine Fremdsprache zu lernen. Wieso? Zum Gebiet der Versammlung Lakselv gehört die kleine Ortschaft Karasjok, ein kultureller Mittelpunkt der Samen. Dieser Volksstamm, der die nördlichen Regionen von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland bewohnt, spricht Sami. Um besser an diese Menschen heranzukommen, nahm Elsebeth also einen Samikurs, und inzwischen kann sie sich schon in einfachen Worten mit den Ureinwohnern verständigen. Fühlt sich Elsebeth in ihrem neuen Gebiet wohl? Strahlend meint sie: „Ich habe sechs Bibelstudien. Wo könnte es mir da besser gefallen als hier!“

Fabian ist heute Pionier und Dienstamtgehilfe. Er erzählt, dass er und seine Schwester in der neuen Versammlung drei Jugendlichen helfen konnten, die ein wenig Motivation brauchten, um sich mehr in der Versammlung einzubringen. Alle drei sind jetzt aktiv. Zwei sind sogar getauft und waren im März 2012 im Hilfspionierdienst. Eine der Jugendlichen, die in der Wahrheit nachgelassen hatte, bedankte sich bei Fabian und Isabel dafür, dass sie ihr geholfen hatten, „wieder in Gang zu kommen“. Dazu Fabian: „Das von ihr zu hören hat mich berührt. Helfen zu können tut einfach gut!“ Isabel sagt: „In diesem Gebiet habe ich wirklich ‚geschmeckt und gesehen, dass Jehova gut ist‘ “ (Ps. 34:8). Und was noch dazukommt: „Der Dienst hier macht echt Spaß.“

Der Lebensstandard von Marelius und Kesia ist jetzt zwar niedriger, ihr Leben aber viel reicher. In ihrer Versammlung in Alta gibt es nun 41 Verkündiger. Dazu Marelius: „Wenn wir zurückblicken und sehen, was sich in unserem Leben alles getan hat, freuen wir uns sehr. Wir danken Jehova dafür, dass wir uns hier als Pioniere für ihn einsetzen dürfen. Nichts könnte uns mehr erfüllen.“ Und Kesia? „Ich habe gelernt, mich mehr auf Jehova zu verlassen, und er hat es wirklich gut mit uns gemeint. Und dadurch, dass ich meine Verwandten jetzt weniger sehe, schätze ich die kostbaren Momente mit ihnen nur umso mehr. Ich habe diesen Schritt nie bereut.“

Knut und Lisbeth beim Studium mit einer Familie in Uganda

Und wie geht es Knut und Lisbeth in Uganda? Knut erzählt: „Sich auf die neue Umgebung und eine andere Kultur einzustellen hat seine Zeit gebraucht. Wir haben immer mal wieder Probleme mit dem Wasser, mit dem Strom oder auch mit dem Magen — aber wir können so viele Bibelstudien durchführen, wie wir nur wollen!“ Lisbeth sagt: „Nur eine halbe Stunde von uns entfernt liegen Gebiete, da hat man noch nie etwas von der guten Botschaft gehört. Kommen wir dorthin, treffen wir aber Menschen an, die gerade in der Bibel lesen und uns bitten, sie ihnen zu erklären. Die Freude, solche demütigen Menschen mit der biblischen Botschaft vertraut zu machen, lässt sich mit nichts vergleichen!“

Es muss Christus Jesus, der uns leitet, sehr glücklich machen, vom Himmel aus zu beobachten, wie das von ihm in Gang gesetzte Predigtwerk in immer mehr Gebiete vordringt. Das Volk Jehovas besteht wirklich aus lauter willigen Menschen, die von Herzen gern dem Gebot Jesu nachkommen: „Macht Jünger aus Menschen aller Nationen“ (Mat. 28:19, 20).

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