Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) SEPTEMBER 2012

Lerne von Jehova und Jesus, Geduld zu üben

Lerne von Jehova und Jesus, Geduld zu üben

Betrachtet die Geduld unseres Herrn als Rettung (2. PET. 3:15)

1. Was fragt sich so mancher treue Diener Jehovas?

„OB ICH das Ende wohl noch erleben werde?“ Das fragte ganz schüchtern eine treue Schwester, die über Jahrzehnte hinweg viel erduldet hat. Dieselbe Frage stellt sich bestimmt so mancher, der Jehova schon lange dient. Wir sehnen uns nach dem Tag, wo er „alle Dinge neu“ macht und uns von unseren Problemen erlöst (Offb. 21:5). So viele Beweise wir auch dafür haben, dass das Ende von Satans System sehr nahe ist — geduldig auf diesen Tag zu warten kann ziemlich schwerfallen.

2. Mit welchen Fragen wollen wir uns beschäftigen?

2 Und doch brauchen wir unbedingt Geduld, wie die Bibel zeigt. Wir werden — genau wie Diener Gottes früher — das erhalten, was Jehova versprochen hat, wenn wir einen starken Glauben haben und geduldig warten, bis für ihn die Zeit gekommen ist, seine Versprechen wahr zu machen. (Lies Hebräer 6:11, 12.) Jehova selbst übt schon lange Geduld. Er hätte dem Bösen jederzeit ein Ende setzen können, aber er wartet auf den richtigen Moment (Röm. 9:20-24). Warum ist er so geduldig? Wie hat Jesus die Geduld seines Vaters nachgeahmt und uns ein Beispiel hinterlassen? Warum tut es uns gut, wenn wir lernen, wie Jehova geduldig zu warten? Die Antworten darauf machen es uns leichter, Geduld zu üben und im Glauben stark zu bleiben, selbst wenn es uns so vorkommt, als würde sich Jehova verspäten.

WARUM ÜBT JEHOVA GEDULD?

3, 4. (a) Warum hat Jehova bei dem, was er mit der Erde vorhat, so viel Geduld geübt? (b) Wie ist Jehova mit der Rebellion im Garten Eden umgegangen?

3 Jehova ist aus gutem Grund so geduldig. Natürlich ist er absolut niemand Rechenschaft schuldig und kann durchsetzen, was er will und wann er es will. Aber durch die Rebellion im Garten Eden wurden außerordentlich  wichtige Fragen aufgeworfen, die alle angehen. Jehova hat Geduld geübt, weil er wusste: Um diese Fragen vollständig zu beantworten, ist Zeit nötig. Seine Vorgehensweise muss zu unserem Besten sein, da er ja mit allem, was jeder im Himmel und auf der Erde tut und denkt, gründlich vertraut ist (Heb. 4:13).

4 Jehova wollte, dass die Erde mit Nachkommen Adams und Evas bevölkert wird. Dieses Ziel hat er auch dann nicht aufgegeben, als der Teufel Eva verführte und auch Adam ungehorsam wurde. Jehova geriet nicht in Panik, traf keine übereilte Entscheidung. Er hat auch nicht überreagiert und die Menschheitsfamilie abgeschrieben. Im Gegenteil, er entwarf einen Lösungsweg, um das umzusetzen, was er ursprünglich mit der Menschheit und der Erde vorhatte (Jes. 55:11). Damit sein Vorsatz verwirklicht und seine Souveränität verteidigt wird, hat Jehova enorme Selbstbeherrschung und Geduld geübt — bereit, für eine bestmögliche Entwicklung mancher Details sogar Tausende von Jahren zu warten.

5. Was wird durch Jehovas Geduld an Gutem bewirkt?

5 Geduldig gewartet hat Jehova auch noch aus einem weiteren Grund: damit mehr Menschen ewiges Leben erhalten können. Gerade jetzt trifft er Vorbereitungen dafür, eine „große Volksmenge“ zu retten (Offb. 7:9, 14; 14:6). Durch das Predigtwerk lädt er Menschen ein, sein Königreich und seine gerechten Maßstäbe kennenzulernen. Die Königreichsbotschaft ist wirklich eine „gute Botschaft“ — die beste überhaupt! (Mat. 24:14). Jeder, den Jehova „zieht“, wird Teil einer weltweiten Bruderschaft echter Freunde, die alle Gerechtigkeit lieben (Joh. 6:44-47). Solchen Menschen hilft unser liebevoller Gott, ihm zu gefallen. Außerdem hat er die voraussichtlichen Mitglieder seiner himmlischen Regierung ausgewählt. Sie werden vom Himmel aus die Menschen, die auf Gott hören, zur Vollkommenheit und zu ewigem Leben führen. Während Jehova geduldig wartet, hat er also gleichzeitig ganz offensichtlich darauf hingearbeitet, seine Zusagen wahr zu machen — zu unserem Besten.

6. (a) Woran zeigte sich Jehovas Geduld in den Tagen Noahs? (b) Woran zeigt sich Jehovas Geduld heute?

6 Jehova bleibt auch dann geduldig, wenn er bis aufs Äußerste gereizt wird. Denken wir nur daran, wie er sich verhielt, als in den Tagen Noahs so viel Bosheit herrschte. Die Erde war voller Unmoral und Gewalt, und die Schlechtigkeit der Menschen „schmerzte ihn in seinem Herzen“ (1. Mo. 6:2-8). Diese Zustände konnte er nicht auf Dauer zulassen, weshalb er beschloss, die Bösen durch eine Sintflut zu vernichten. Während „die Geduld Gottes in den Tagen Noahs wartete“, traf er Vorbereitungen, Noah und seine Familie zu retten (1. Pet. 3:20). Rechtzeitig informierte er Noah darüber und wies ihn an, eine Arche zu bauen (1. Mo. 6:14-22). Als „Prediger der Gerechtigkeit“ sollte Noah auch vor der drohenden Vernichtung warnen (2. Pet. 2:5). Jesus verglich unsere Zeit mit den Tagen Noahs. Jehova hat entschieden, wann er dem heutigen bösen System ein Ende setzen wird. „Jenen Tag und jene Stunde“ kennt kein Mensch (Mat. 24:36). Im Moment haben wir von Jehova den Auftrag, die Menschen zu warnen und ihnen zu sagen, wie sie gerettet werden können.

7. Wie würdest du erklären, dass Jehova die Erfüllung seiner Zusagen nicht hinauszögert?

7 Somit ist klar: Jehovas Geduld hat nichts damit zu tun, dass er einfach Zeit verstreichen lässt. Wir dürfen sie nie mit mangelnder Aufmerksamkeit oder Desinteresse verwechseln! Das aber im Sinn zu behalten ist natürlich nicht immer so einfach, gerade wenn man älter wird oder viel durchmacht. Wir könnten den Mut verlieren oder den Eindruck gewinnen, Jehova zögere die Erfüllung seiner Zusagen hinaus (Heb. 10:36). Vergessen wir nie:  Er hat gute Gründe dafür, geduldig zu warten — und er nutzt die Zeit, für seine treuen Diener das Beste zu bewirken (2. Pet. 2:3; 3:9). Schauen wir uns jetzt an, wie Jesus die Geduld seines Vaters nachahmte.

JESUS — EIN AUSGEZEICHNETES VORBILD AN GEDULD

8. Unter welchen Umständen bewies Jesus Geduld?

8 Jesus tut gern den Willen seines Vaters, und das schon seit unzähligen Jahrtausenden. Als der Teufel rebellierte, entschied Jehova, dass sein einziggezeugter Sohn zur Erde kommen und der Messias werden sollte. Für Jesus hieß das: Erst einmal Tausende von Jahren geduldig warten, bis es so weit war. (Lies Galater 4:4.) Hat er die ganze Zeit untätig gewartet? Nein. Er war vollauf mit dem beschäftigt, was ihm Jehova auftrug. Als er schließlich auf die Erde kam, wusste er, der Teufel würde ihn — wie vorhergesagt — umbringen lassen (1. Mo. 3:15; Mat. 16:21). Obwohl er deswegen qualvolle Schmerzen erleiden musste, ordnete er sich geduldig dem Willen Gottes unter. Das war Treue in höchster Vollendung! Jesus konzentrierte sich nicht auf sich selbst oder auf seine Stellung, und daran können wir uns ein Beispiel nehmen (Heb. 5:8, 9).

9, 10. (a) Was hat Jesus getan, während er geduldig auf Jehova wartete? (b) Was ist die richtige Einstellung zum Zeitplan Jehovas?

9 Nach seiner Auferstehung erhielt Jesus „Gewalt im Himmel und auf der Erde“ (Mat. 28:18). Er gebraucht diese Macht und Autorität dazu, Jehovas Vorsatz seinem Zeitplan entsprechend umzusetzen. Geduldig wartete er zur Rechten seines Vaters, bis dieser ihm 1914 „seine Feinde als Schemel für seine Füße“ hinlegen würde (Ps. 110:1, 2; Heb. 10:12, 13). Bald wird er zur Tat schreiten und Satans System beseitigen. Bis dahin kümmert er sich geduldig um Menschen und leitet sie zu „Wasserquellen des Lebens“ (Offb. 7:17).

10 Erkennst du an Jesu Beispiel die richtige Einstellung zum Zeitplan Jehovas? Jesus hatte bestimmt den starken Drang, alles auszuführen, worum ihn sein Vater bat. Trotzdem war er bereit, die von Gott vorgesehene Zeit abzuwarten. Genau diese Geduld braucht auch jeder von uns, während wir auf das Ende des bösen Systems warten. Wir dürfen Jehova weder vorauseilen noch dürfen wir entmutigt aufgeben. Wie können wir lernen, so geduldig zu sein?

WAS ES UNS LEICHTER MACHT, WIE JEHOVA GEDULD ZU ÜBEN

11. (a) In welchem Zusammenhang steht Geduld mit Glauben? (b) Welche stabile Grundlage haben wir für einen starken Glauben?

11 Bevor Jesus zur Erde kam, hatten Propheten und andere treue Diener Gottes bewiesen, dass sogar unvollkommene Menschen geduldig durchhalten können. Ihre Geduld stand in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrem Glauben. (Lies  Jakobus 5:10, 11.) Hätten sie Jehovas Zusagen nicht wirklich geglaubt, hätten sie dann geduldig auf ihre Erfüllung gewartet? Ein ums andere Mal bewältigten sie schwere, teils bedrohliche Glaubensprüfungen in dem festen Vertrauen darauf, dass ihr Gott zu seiner Zeit Wort halten würde (Heb. 11:13, 35-40). Wir haben noch viel mehr Gründe für einen starken Glauben, denn Jesus ist heute der „Vervollkommner unseres Glaubens“ (Heb. 12:2). Er erfüllte zahllose Prophezeiungen und offenbarte, worauf Jehova hinarbeitet — eine unerschütterliche Grundlage für unseren Glauben.

12. Was können wir tun, um unseren Glauben zu stärken?

12 Was können wir konkret tun, um unseren Glauben zu stärken und dadurch geduldiger zu werden? Der Schlüssel liegt darin, das zu tun, was Jehova sagt. Denk doch zum Beispiel über Gründe dafür nach, das Königreich im Leben voranzustellen. Könntest du den Rat aus Matthäus  6:33 noch besser ausleben — eventuell durch mehr Einsatz im Predigtdienst oder indem du deinen Lebensstil teilweise überdenkst? Verlier dabei nicht aus den Augen, wie Jehova dich ganz persönlich bis hierher gesegnet hat, weil du auf ihn gehört hast. Vielleicht konntest du dank seiner Hilfe ein neues Bibelstudium einrichten. Oder er hat dir seinen „Frieden . . . , der alles Denken übertrifft“, geschenkt. (Lies Philipper 4:7.) Konzentrierst du dich auf solche Segnungen, wird dir stärker bewusst, wie wertvoll Geduld ist (Ps. 34:8).

13. Wie lässt sich veranschaulichen, dass ein starker Glaube geduldiger machen kann?

13 Vergleichen lässt sich das mit dem Kreislauf vom Säen und Ernten in der Natur. Bringt ein Landwirt eine gute Ernte ein, bestärkt ihn das jedes Mal darin, im nächsten Jahr wieder zu säen. Natürlich muss er dann geduldig auf die Ernte warten, aber das Warten hält ihn nicht vom Säen ab. Vielleicht sät er sogar eine größere Fläche ein als im Jahr zuvor. Zuversichtlich rechnet er damit zu ernten. Uns geht es ähnlich, wenn wir Jehovas Anleitung hören, befolgen und dann Erfolg ernten. Je öfter wir diesen Kreislauf wiederholen, desto mehr wächst unser Vertrauen zu Jehova. Auch unser Glaube wächst, und dann fällt es uns leichter, geduldig auf den Segen zu warten, von dem wir wissen: Er wird kommen! (Lies Jakobus 5:7, 8.)

Wer Geduld übt, konzentriert sich auf das Königreich und wird gesegnet

14, 15. Was ist die richtige Einstellung zu menschlichem Leid?

14 Eine weitere Hilfe, geduldiger zu werden, ist die richtige Einstellung zur Welt und zu unseren Lebensumständen — also zu lernen, die Dinge aus der Sicht Jehovas zu sehen. Wie berührt es denn ihn, wenn er Menschen leiden sieht? Das hat ihm von jeher wehgetan. Hat er sich aber durch Trauer über das Leid lähmen und davon abhalten lassen, Gutes zu tun? Nein. Er sandte seinen einziggezeugten Sohn, „die  Werke des Teufels abzubrechen“ und den über die Menschen gebrachten Schaden vollständig wiedergutzumachen (1. Joh. 3:8). Am Ende wird sich herausstellen: Das Leid war nur eine vorübergehende Erscheinung, Gottes Lösung aber bleibt für immer. Statt uns also von den heutigen Verhältnissen unter der bösen Herrschaft Satans lähmen zu lassen oder die Geduld zu verlieren, weil ihr Ende immer noch nicht da ist, wollen wir fest auf das vertrauen, was für immer bestehen bleibt, auch wenn wir es noch nicht sehen können. Jehova hat das Ende des Bösen genau festgelegt und wird genau zum richtigen Zeitpunkt handeln (Jes. 46:13; Nah. 1:9).

15 Wir können nicht ausschließen, dass unser Glaube in den kritischen letzten Tagen des heutigen Systems noch auf so manch harte Probe gestellt wird. Statt verbittert zu reagieren, wenn wir Opfer von Gewalt werden oder liebe Angehörige leiden müssen, wollen wir uns fest vornehmen, voll und ganz auf Jehova zu vertrauen. Da wir unvollkommen sind, ist das leichter gesagt als getan. Denken wir aber an Jesu Beispiel, wie es in Matthäus 26:39 beschrieben wird. (Lies.)

16. Wovor müssen wir uns in der verbleibenden Zeit hüten?

16 Wir könnten es uns jedoch auch selbst schwer machen, wie Jehova Geduld zu üben. Wodurch? Durch die Denkweise: „Warten wir mal ab, was passiert.“ Wer nicht so recht glaubt, dass das Ende nahe ist, fängt womöglich an, sich nach „Alternativen“ umzuschauen für den Fall, dass es anders ausgeht als von Jehova vorhergesagt — nach dem Motto: „Schaun wir mal, ob Jehova wirklich Wort hält.“ Folglich strebt er vielleicht danach, in der Welt groß herauszukommen; versucht, sich finanziell abzusichern, statt Gottes Königreich allem voranzustellen; oder baut auf höhere Bildung, um sich schon heute ein möglichst angenehmes Leben zu sichern. Würde das aber nicht verraten, dass es ihm an Glauben fehlt? Denken wir an den Rat des Paulus, uns an denen ein Beispiel zu nehmen, die „durch Glauben und Geduld“ von Jehova „Verheißungen erben“ durften (Heb. 6:12). Jehova wird das böse System keinen Augenblick länger bestehen lassen als für seinen Vorsatz unbedingt nötig (Hab. 2:3). Bis dahin müssen wir aufpassen, im Dienst für Jehova nicht in eine bloße Routine zu verfallen. Vielmehr heißt es wach bleiben und fleißig die gute Botschaft predigen — eine Aufgabe, die schon heute glücklicher macht als alles andere (Luk. 21:36).

WIE KOMMT UNS GEDULD ZUGUTE?

17, 18. (a) Welche Gelegenheit bietet sich heute, während wir geduldig warten? (b) Wie kommt es uns zugute, wenn wir heute Geduld üben?

17 Ob wir Jehova erst seit einigen Monaten dienen oder schon seit Jahrzehnten: Wir möchten ihm für immer dienen! Geduld hilft uns auszuharren, bis wir gerettet werden, ganz gleich, wie viel Zeit noch bis zum Ende vergeht. Jehova schenkt uns jetzt die Gelegenheit, zu beweisen, dass wir seinen Entscheidungen völlig vertrauen und für seinen Namen wenn nötig auch Leiden auf uns nehmen (1. Pet. 4:13, 14). Außerdem schult er uns darin, die erforderliche Geduld aufzubringen, damit wir gerettet werden können (1. Pet. 5:10).

18 Jesus ist alle Gewalt im Himmel und auf der Erde übertragen worden. Bleibst du treu, dann kann nichts und niemand dich aus seinen schützenden Händen reißen (Joh. 10:28, 29). Wir brauchen wirklich keine Angst vor der Zukunft zu haben, ja nicht einmal vor dem Tod. Wer geduldig bis zum Ende ausharrt, wird gerettet werden. Setzen wir deshalb alles daran, uns nicht von der Denkweise der Welt anstecken und in unserem Vertrauen zu Jehova erschüttern zu lassen. Bleiben wir fest entschlossen, im Glauben zu wachsen und die Zeit, in der Jehova Geduld übt, weise zu nutzen (Mat. 24:13). (Lies 2. Petrus 3:17, 18.)