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Jehovas Zeugen

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ERWACHET! DEZEMBER 2014

 INTERVIEW | STEPHEN TAYLOR

Ein Professor für Finanzen spricht über seinen Glauben

Ein Professor für Finanzen spricht über seinen Glauben

Professor Stephen Taylor lehrt und forscht an der University of Technology in Sydney (Australien). Er führt Analysen am Kapitalmarkt durch und untersucht, wie dieser effektiv reguliert werden kann. Wie hat seine Arbeit am Ende sogar seinen Glauben beeinflusst? Erwachet! hat nachgefragt.

Erzählen Sie doch etwas über sich.

Meine Eltern waren ehrliche, fleißige Leute, die regelmäßig zur Kirche gingen. Sie wollten, dass ich eine gute Ausbildung bekam. Also ging ich an die Universität in Neusüdwales und fing mit einem Studium im Bereich Wirtschaft an. Dabei entdeckte ich meine Vorliebe für analytische Arbeiten und ging ganz in meiner akademischen Laufbahn auf.

Worauf haben Sie sich bei Ihrer Arbeit spezialisiert?

Besonders hat mich interessiert, wie der Aktienmarkt funktioniert. Dort kann man Unternehmensanteile kaufen und verkaufen, und die Unternehmen arbeiten dann mit dem Kapital ihrer Aktionäre. Ich beschäftige mich unter anderem mit Kriterien, die die Aktienkurse beeinflussen.

Könnten Sie das etwas näher erklären?

Von Unternehmen wird erwartet, dass sie ihre Gewinne regelmäßig veröffentlichen. Anleger greifen auf diese Informationen zurück, um sich zu vergewissern, wie gesund ein Unternehmen ist. Doch einige Bilanzrichtlinien sind nicht standardisiert. Kritische Analysten sehen darin ein Schlupfloch für Unternehmen, um den wahren Unternehmenswert und deren Ertragskraft zu verschleiern. Wie kommen Anleger an zuverlässige und vollständige Informationen heran? Welche Angaben benötigen die Aufsichtsbehörden, um einen fairen Wettbewerb auf dem Kapitalmarkt zu gewährleisten? Meine Kollegen und ich versuchen zurzeit, Antworten auf solche Fragen zu finden.

 Was können Sie zu Ihrem religiösen Background erzählen?

Als Kind bin ich mit meinen Eltern zur presbyterianischen Kirche gegangen, habe aber als Teenager immer weniger für Religion übrig gehabt. Ich glaubte schon, dass Gott die Erde geschaffen hat, und hatte eine hohe Meinung von der Bibel. Doch im täglichen Leben fand ich Glauben mehr oder weniger überflüssig. Religionsgemeinschaften kamen mir eher wie Vereine vor, in denen man einfach Gemeinschaft sucht. Als ich in Europa ein paar große Kirchen besichtigte, konnte ich nicht verstehen, warum dort so ein Reichtum gehortet wird, wo es doch so viel Armut auf der Welt gibt. Dieser Kontrast hat mir wirklich zu schaffen gemacht und ich bekam meine Zweifel an dem Konzept Religion.

Warum ist das heute anders?

Als meine Frau Jennifer anfing, mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren und ihre Treffen zu besuchen, wollte ich mir diese Leute lieber mal genauer anschauen und ging mit. Schon bald merkte ich, dass ich mich so gut wie gar nicht in der Bibel auskannte. Da war ich erst mal geschockt, das können Sie glauben! Also wollte ich die Bibel genauer kennenlernen. Und die Zeugen Jehovas haben mir dabei geholfen.

Es hat mich beeindruckt, wie Jehovas Zeugen die Bibel so richtig studieren. Sie werfen Fragen auf, tragen Beweise zusammen, analysieren sie und ziehen dann logische Schlüsse — genau wie ich bei meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit! 1999 ließ ich mich dann als Zeuge Jehovas taufen, so wie meine Frau Jennifer schon einige Jahre zuvor.

Vertrauen Sie der Bibel auch aus der Sicht eines Finanzexperten?

Definitiv! Das Gesetz Gottes für das Volk Israel in biblischer Zeit zum Beispiel bot Lösungen für Probleme, die auch heute noch Wirtschaftswissenschaftler vor Herausforderungen stellen. Die Israeliten sollten einen Teil von ihrem Ertrag für Ärmere reservieren (eine Form der sozialen Absicherung), das Gesetz gewährleistete zinsfreie Darlehen für Bedürftige (Kreditsicherheit war garantiert) und es legte fest, dass Erbgrundbesitz alle 50 Jahre wieder in den Besitz des ursprünglichen Eigentümers gelangte (Sicherung der Eigentumsrechte) (3. Mose 19:9, 10; 25:10, 35-37; 5. Mose 24:19-21). Diese und andere Vorkehrungen kamen dem Volk speziell auf drei wichtigen Gebieten zugute: 1. Sie boten Hilfe bei finanziellen Engpässen, 2. sie verhinderten dauerhafte Armut und 3. sie glichen Unterschiede zwischen Arm und Reich aus — und all das, sage und schreibe 3 000 Jahre bevor Wirtschaft zu einer Wissenschaft wurde!

Außerdem verhilft die Bibel zu einem Sozialverhalten, das der wirtschaftlichen Sicherheit förderlich ist. Sie lässt Menschen ehrlicher, vertrauenswürdiger, mitfühlender und großzügiger werden (5. Mose 15:7-11; 25:15; Psalm 15). Im Kontext der jüngsten globalen Finanzkrise haben interessanterweise manche Business Schools und andere Institutionen mehrfach darauf gedrängt, dass Unternehmen und Finanzleute sich zu bestimmten ethischen Standards verpflichten sollten. So gut die dabei angestrebte Geschäftsmoral auch sein mag, die Moralstandards der Bibel bleiben für mich unschlagbar!

Wie hat der Glaube den Menschen Stephen Taylor verändert?

Die Bibel zu studieren war die beste „Investition“, die ich je gemacht habe

Meine Frau sagt ja, ich wär entspannter geworden. Früher hatte ich einen Hang zum Perfektionismus und zum Schwarz-Weiß-Denken. Vielleicht hat mir deswegen die Welt der Buchhaltung von Anfang an so gut gelegen. Auf jeden Fall: Nach dem zu leben, was die Bibel sagt, hat mir sehr geholfen, ausgeglichener zu sein. Heute bin ich wirklich viel glücklicher, und auch meine Familie ist glücklicher. Wir zeigen die geniale Anleitung aus der Bibel auch gern anderen. Ja, die Bibel zu studieren war die beste „Investition“, die ich je gemacht habe!