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Erwachet!  |  Juni 2014

 TITELTHEMA

Was macht gute Freunde aus?

Was macht gute Freunde aus?

AM 25. Dezember 2010 postete eine 42-jährige Britin in einem bekannten sozialen Netzwerk, dass sie sich das Leben nehmen werde. Was sie schrieb, klang wie ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit. Und obwohl sie online mehr als 1000 „Freunde“ hatte, kam nicht einer zu Hilfe. Am nächsten Tag fand die Polizei ihren leblosen Körper. Die Frau hatte eine Überdosis Tabletten genommen.

Dank moderner Technologien kann man sich heute Hunderte oder sogar Tausende „Freunde“ auf sozialen Netzwerken zulegen: den Namen auf die Freundschaftsliste setzen — und fertig. Will man eine „Freundschaft“ beenden, löscht man den Namen einfach wieder. Traurige Realität ist aber: Wahre Freundschaft ist rar gesät, wie es tragischerweise auch die Frau in Großbritannien erlebt hat. Aus einer Umfrage geht hervor, dass sich die Zahl der engen Freunde sogar verringert hat, obwohl man mehr soziale Kontakte pflegt.

Wahrscheinlich sind für Sie wie für die meisten Menschen gute Freunde sehr wichtig. Und womöglich finden Sie auch, dass zu einer Freundschaft mehr gehört, als einfach nur Links auf dem Computer oder dem Smartphone anzuklicken. Wonach sucht man denn bei einem Freund? Und wie kann man selbst ein guter Freund sein? Was muss man tun, damit eine Freundschaft hält?

Interessant sind da vier praktische Orientierungshilfen, die uns die Bibel an die Hand gibt. Sie können uns sogar helfen, selbst so zu werden, dass andere uns gern als Freund hätten.

 1. Echtes Interesse zeigen

Wahre Freundschaft erfordert Engagement. Anders ausgedrückt: Ein guter Freund empfindet uns gegenüber ein Verantwortungsgefühl; ihm liegt wirklich etwas an uns. So ein Engagement muss natürlich von beiden Seiten kommen. Das kostet Mühe und verlangt Opfer, aber es lohnt sich! Man könnte sich fragen: Bin ich bereit, in eine Freundschaft Zeit und Mittel zu investieren? Möchte ich mich auch als Mensch einbringen? Eins steht fest: Wer einen echten Freund haben möchte, muss selbst einer sein.

WAS VIELEN BEI EINEM FREUND WICHTIG IST

Irene: „Um einen schönen Garten anzulegen, muss man viel Zeit und Mühe investieren, in eine Freundschaft auch. Zuerst muss man aber selbst ein Freund sein wollen. Da hilft es, ein großes Herz für andere zu haben und sich wirklich für sie zu interessieren. Es darf dir nicht zu viel sein, etwas von deiner Zeit zu opfern, wenn der andere dich braucht.“

Luis Alfonso: „In der heutigen Gesellschaft wird ja eher der Egoismus gefördert. Da bedeutet es wirklich viel, wenn jemand ehrlich an dir interessiert ist, ohne unbedingt eine Gegenleistung zu erwarten.“

WAS SAGT DIE BIBEL DAZU?

„Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut auch ihnen. Übt euch im Geben, und man wird euch geben“ (Lukas 6:31, 38). Jesus empfiehlt hier echte Selbstlosigkeit und großzügiges Verhalten: für gute Freundschaften der Nährboden überhaupt. Zu einem Menschen, der sich für seine Freunde einsetzt, ohne dafür etwas zu erwarten, fühlt man sich automatisch hingezogen.

2. Ein guter Gesprächspartner sein

Wahre Freundschaft lebt von regelmäßiger Kommunikation. Über gemeinsame Interessen zu reden ist also wichtig. Es gilt, gut hinzuhören, wenn ein Freund etwas zu sagen hat, und seine Ansichten dann auch zu respektieren. Wann immer möglich, anerkennende Worte zu finden und Mut zu machen — das tut einer Freundschaft gut. Manchmal braucht ein Freund Rat oder muss sogar korrigiert werden. Nicht immer leicht, aber ein echter Freund hat den Mut dazu. Er weist auf einen Fehler hin und bietet mit Feingefühl seine Hilfe an.

WAS VIELEN BEI EINEM FREUND WICHTIG IST

Juan: „Ein echter Freund sollte dir offen sagen können, wie er denkt, sich aber auch nicht ärgern, wenn du anderer Meinung bist.“

Eunice: „Was ich am meisten an Freunden schätze, ist, dass sie sich Zeit für mich nehmen und mir zuhören, besonders wenn ich in Problemen stecke.“

Silvina: „Echte Freunde sagen dir die Wahrheit, auch wenn sie wissen, dass das wehtut — denn sie wollen wirklich dein Bestes.“

WAS SAGT DIE BIBEL DAZU?

„Jeder Mensch soll schnell bereit sein zuzuhören. Aber er soll sich Zeit lassen, bevor er selbst etwas sagt oder gar in Zorn gerät“ (Jakobus 1:19, BasisBibel). Wer hat nicht gern einen Freund, der zuhören kann? Hat man so jemanden als Freund, muss man aber aufpassen, die Unterhaltung nicht zu dominieren, denn das würde signalisieren, dass man seine eigene Meinung viel höher bewertet als die des anderen. Möchte ein Freund einem gern sein Herz ausschütten, sollte man wirklich ganz Ohr sein! Und wenn er einem ehrlich sagt, was Sache ist, sollte man auch nicht beleidigt sein. Heißt es doch in Sprüche 27:6: „Treu gemeint sind die von einem . . . Freund zugefügten Wunden.“

 3. Realistisch sein

Je enger man mit jemand befreundet ist, desto eher fallen einem seine Schwächen auf. Den perfekten Freund gibt es einfach nicht, man ist ja selbst auch nicht perfekt. Von Freunden darf man darum nicht erwarten oder gar einfordern, dass sie immer alles richtig machen. Viel besser ist es, die Qualitäten des anderen zu schätzen, Fehler einzukalkulieren und nachsichtig zu sein.

WAS VIELEN BEI EINEM FREUND WICHTIG IST

Samuel: „Oft erwartet man von anderen mehr als von sich selbst. Ihnen zu verzeihen fällt viel leichter, wenn man sich an die eigene Nase fasst und daran denkt, dass andere einem ja auch verzeihen müssen.“

Daniel: „Es ist, wie es ist: Freunde machen nun mal Fehler. Wenn Probleme entstehen, sollte man sie so schnell wie möglich lösen und dann versuchen, die ganze Sache zu vergessen.“

WAS SAGT DIE BIBEL DAZU?

Auch wenn es nicht leicht ist, Verzeihen ist ganz wichtig (Kolosser 3:13, 14)

„Wir alle machen ja immer wieder Fehler. Wer nie ein verkehrtes Wort sagt, der ist wirklich als Mensch vollkommen. Er ist fähig, seinen ganzen Körper im Zaum zu halten“ (Jakobus 3:2, BasisBibel). Diese Tatsache anzuerkennen, erleichtert es sehr, Verständnis für seine Freunde zu haben. Dann kann man bei kleineren Fehlern und Schwächen, die einem vielleicht auf die Nerven gehen, ein Auge zudrücken. Dazu die Bibel: „Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben, wenn jemand Ursache zu einer Klage gegen einen anderen hat . . . Außer allen diesen Dingen aber kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einheit“ (Kolosser 3:13, 14).

 4. Den Freundeskreis erweitern

Es stimmt, man sollte sich seine Freunde gut aussuchen. Das heißt aber nicht, dass man sich nur Freunde sucht, die in einem bestimmten Alter sind oder aus einem bestimmten Umfeld kommen. Es kann das Leben ungemein bereichern, wenn man sich für Menschen aller Altersgruppen interessiert, egal, welchen kulturellen Hintergrund oder welche Nationalität sie haben.

WAS VIELEN BEI EINEM FREUND WICHTIG IST

Unai: „Sich nur Freunde im gleichen Alter zu suchen, die das Gleiche mögen wie man selbst, das wäre so, als ob man immer nur seine Lieblingsfarbe tragen würde. Egal, wie sehr sie einem gefällt, irgendwann findet man es langweilig.“

Funke: „Es hat mich menschlich weitergebracht, meinen Freundeskreis auszubauen. Ich habe gelernt, mit Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Herkunft zurechtzukommen. Dadurch bin ich viel aufgeschlossener und flexibler geworden. Genau das mögen meine Freunde an mir.“

Sich für ganz unterschiedliche Menschen zu öffnen erweitert den Freundeskreis (2. Korinther 6:13)

WAS SAGT DIE BIBEL DAZU?

„Macht es doch wie wir — ich spreche zu euch als zu meinen Kindern — und öffnet auch ihr euch weit“ (2. Korinther 6:13, Neue Genfer Übersetzung). Die Bibel empfiehlt ein offenes, unvoreingenommenes Miteinander. Dadurch wird nicht nur unser eigenes Leben bunter und interessanter, wir selbst werden auch beliebter.