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ERWACHET! DEZEMBER 2013

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Kann man den Nachrichtenmedien vertrauen?

Kann man den Nachrichtenmedien vertrauen?

VIELE Menschen stehen dem, was in den Medien berichtet wird, skeptisch gegenüber. In den Vereinigten Staaten wurde dazu im Jahr 2012 eine Gallup-Umfrage durchgeführt. Es ging darum, „wie viel Vertrauen“ die Teilnehmer in Genauigkeit, Fairness und Vollständigkeit der Berichterstattung in Presse, Rundfunk und Fernsehen hätten. Sechs von zehn Befragten hatten „nicht sehr viel“ oder „gar kein“ Vertrauen. Ist ein solches Misstrauen berechtigt?

Viele Journalisten und ihre Arbeitgeber haben sich ausdrücklich zu einer genauen und informativen Berichterstattung verpflichtet. Doch es gibt auch Anlass zur Besorgnis. Hier verschiedene Problembereiche:

  • MEDIENMOGULE. Wichtige Medienkanäle sind in der Hand von einigen wenigen, sehr mächtigen Unternehmen. Sie bestimmen maßgeblich, worüber und wie berichtet wird und wo ein Beitrag platziert wird. Da sie meist profitorientiert arbeiten, können ihre Entscheidungen von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst sein. Oft werden profitmindernde Berichte nicht gebracht.

  • POLITISCHE ASPEKTE. In den Medien geht es viel um Politiker und politische Sachverhalte. Herrschende Kräfte wollen die Öffentlichkeit für bestimmte Personen oder einen bestimmten politischen Kurs gewinnen. Und da die Medien auf Informationen von Regierungsseite angewiesen sind, arbeiten beide immer wieder Hand in Hand.

  •  WERBUNG. In den meisten Ländern unterliegen die Medien dem finanziellen Wettbewerb. Zu einem großen Teil finanzieren sie sich über Werbung. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel kommen im Zeitschriftensektor zwischen 50 und 60 Prozent der Einkünfte aus der Werbung, bei Zeitungen sind es 80 Prozent und bei kommerziellen Fernseh- und Radiosendern 100 Prozent. Verständlicherweise liegt es nicht im Interesse von Werbekunden, dort zu investieren, wo ihre Produkte oder ihr Management in ein negatives Licht gerückt werden. Sind sie mit dem, was ein Nachrichtenkanal bringt, nicht zufrieden, können sie ihre Werbung woanders platzieren. Das kann dazu führen, dass Meldungen, in denen ein schlechtes Licht auf Werbekunden fällt, nicht erscheinen.

  • UNEHRLICHKEIT. Nicht alle Journalisten sind ehrlich. Manche erfinden einfach Berichte. So wollte ein Reporter in Japan vor einigen Jahren über die Zerstörung der Korallenriffe Okinawas durch Taucher berichten. Als er keine beschädigten Korallen vorfand, zerstörte er selbst welche und machte dann Fotos davon. Bilder können auch bewusst verändert werden, um den Betrachter zu täuschen. Bildbearbeitungstechniken sind inzwischen so ausgefeilt, dass manche Manipulationen praktisch nicht erkennbar sind.

  • ART DER DARSTELLUNG. Selbst wenn Fakten hieb- und stichfest sind, liegt es doch im Ermessen des Journalisten, wie er sie darstellt. Welche Informationen sollen in den Bericht aufgenommen werden, welche nicht? Hat zum Beispiel eine Fußballmannschaft ein Spiel 2 : 0 verloren, ist das eine Tatsache. Aber die Gründe für die Niederlage kann der Journalist auf ganz verschiedene Art und Weise kommentieren.

  • UNVOLLSTÄNDIGKEIT. Damit Berichte publikumswirksam sind, lassen Journalisten oft Details weg, durch die Probleme oder ungelöste Fragen in den Blickpunkt gerückt würden. So wird manches aufgebauscht, anderes wiederum heruntergespielt. Da Fernsehmoderatoren und Reporter manchmal in kürzester Zeit über vielschichtige Sachverhalte berichten müssen, kann es sein, dass wichtige Einzelheiten nicht erwähnt werden.

  •  KONKURRENZ. In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Fernsehkanäle stark zugenommen. Bei der großen Auswahl wechseln die Zuschauer viel häufiger das Programm. Um sie nicht zu verlieren, müssen die Sender immer wieder etwas Besonderes oder Unterhaltsames bieten. In einem Buch zum Thema Medien heißt es: „Als Folge [dieser Entwicklung] wurden die Nachrichten zu einer einzigen Bilderflut, teils mit Schock- und Nervenkitzeleffekten. Auch wurden Berichte gekürzt, um der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer Rechnung zu tragen.“

  • FEHLER. Journalisten sind Menschen, und deshalb unterlaufen ihnen Fehler. Ein Rechtschreibfehler, ein falsches Komma, ein Schnitzer in der Grammatik, all das kann die Bedeutung eines Satzes verändern. Vielleicht werden Fakten nicht sorgfältig geprüft. Auch Zahlen können leicht zur Stolperfalle werden. Sitzt einem die Zeit im Nacken, wird aus 100 000 schnell einmal 10 000.

  • FALSCHE SICHTWEISEN. Genau zu berichten ist schwerer, als man vielleicht denkt. Was heute als Tatsache gilt, entpuppt sich morgen womöglich als Irrtum. Früher hielt man zum Beispiel die Erde für den Mittelpunkt unseres Sonnensystems. Heute wissen wir, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

 Ein gutes Mittelmaß

Es ist zwar klug, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was in den Nachrichtenmedien berichtet wird, doch das bedeutet nicht, dass man gar nichts glauben kann. Das Beste ist wahrscheinlich, einerseits aufgeschlossen zu bleiben, sich aber andererseits eine gesunde Skepsis zu bewahren.

Die Bibel sagt: „Prüft nicht das Ohr selbst Worte, wie der Gaumen Speise kostet?“ (Hiob 12:11). Hier ein paar Tipps, die einem helfen, zu „prüfen“, was man hört und liest.

  • ANBIETER: Stammt der Bericht von einer glaubwürdigen, maßgeblichen Person oder Organisation? Ist der Kanal, die Zeitung oder die Zeitschrift für seriöse oder für reißerische Berichterstattung bekannt? Wie wird das Ganze finanziert?

  • QUELLEN: Lässt sich erkennen, dass gründlich recherchiert worden ist? Stützt sich die Meldung auf nur eine Quelle? Sind die Quellen verlässlich, fair und objektiv? Sind sie ausgewogen oder einseitig?

  • ZWECK: Soll die Nachrichtenmeldung in erster Linie informieren oder ist das Ziel eher zu unterhalten? Wird versucht, etwas zu verkaufen oder zu unterstützen?

  • TON: Wenn bei der Berichterstattung Verärgerung, Gehässigkeit oder scharfe Kritik mitschwingt, deutet das eher auf einen Angriff als auf eine sachliche Argumentation hin.

  • EINHEITLICHKEIT: Stimmen die Angaben mit denen in anderen Artikeln oder Berichten überein? Falls sich Meldungen widersprechen, ist Vorsicht geboten.

  • AKTUALITÄT: Ist die Information aktuell genug? Was vor 20 Jahren noch als richtig galt, ist heute womöglich überholt. Wird dagegen von einem Ereignis berichtet, das gerade im Gang ist, kann es sein, dass die Informationen dazu nicht vollständig und umfassend sind.

Kann man den Nachrichtenmedien also vertrauen? In den weisen Aussprüchen Salomos findet sich der gute Rat: „Ein Unerfahrener glaubt jedem Wort, aber der Kluge achtet auf seine Schritte“ (Sprüche 14:15).