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Jehovas Zeugen

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Erwachet!  |  November 2013

 INTERVIEW | ELDAR NEBOLSIN

Ein Konzertpianist spricht über seinen Glauben

Ein Konzertpianist spricht über seinen Glauben

Eldar Nebolsin aus Usbekistan ist ein international anerkannter Pianist, der bereits als Solist mit Orchestern in London, Moskau, Sankt Petersburg, New York, Paris, Rom, Sydney, Tokio und Wien spielte. Er wuchs in der Sowjetunion auf und war Atheist. Doch mit der Zeit kam er zu dem Schluss, dass der Mensch das Werk eines liebevollen Schöpfers ist. Erwachet! sprach mit ihm über seine Musik und seinen Glauben.

Wie kamen Sie zur Musik?

Meine Eltern sind beide Pianisten. Schon mit fünf Jahren gaben sie mir Unterricht. Später ging ich dann an die Musikhochschule in Taschkent.

Welche Herausforderungen gibt es, wenn man mit einem Orchester spielt?

Kein Orchester ist gleich. Jedes wird vom Dirigenten quasi wie ein riesiges Instrument „gespielt“. Die größte Herausforderung für den Solisten besteht wohl darin, gut mit dem Dirigenten zusammenzuarbeiten. Wie bei einer Unterhaltung zwischen Freunden müssen beide aufeinander zugehen, keiner darf dominieren. Und man hat normalerweise nur ein bis zwei Proben, um sich so aufeinander abzustimmen.

Wie lange üben Sie täglich?

Mindestens drei Stunden, in denen ich aber nicht nur schwierige Passagen übe. Ich studiere auch die Struktur eines Stücks, wobei ich es dann allerdings nicht spiele. Außerdem höre ich mir andere Werke des Komponisten an, um so tiefer in das Stück, an dem ich gerade arbeite, eintauchen zu können.

Was zeichnet einen guten Pianisten Ihrer Meinung nach aus?

Er muss das Instrument zum „Singen“ bringen. Ich will das mal so erklären: Das Klavier ist eine Art Schlaginstrument. Sobald man einen Ton angeschlagen hat, wird er leiser. Das ist bei einem Blasinstrument oder unserer Stimme anders, man kann den Ton in gleicher Intensität halten oder ihn sogar anschwellen lassen. Als Pianist steht man vor der Herausforderung, den Ton nicht einfach nur verklingen zu lassen. Dabei kommt es auf die sensible Bewegung der Finger und der Handgelenke in einem komplexen Zusammenspiel mit dem rechten Pedal an, mit dem man Töne dehnen und den Klang verändern  kann. Wenn ein Pianist diese komplizierten Techniken beherrscht, kann sich das Klavier oder der Flügel wie eine Flöte, ein Horn oder tatsächlich wie ein ganzes Orchester anhören. Man kann sogar das großartigste aller Musikinstrumente imitieren: die menschliche Stimme.

Man spürt richtig Ihre tiefe Liebe zur Musik.

Musik ist für mich die Sprache, die ganz unmittelbar Gefühle ausdrückt und wachruft, die sich sonst kaum, wenn überhaupt, in Worte kleiden lassen.

Woher kam Ihr Interesse an religiösen Themen?

In unserem Haus gab es immer viele Bücher, die mein Vater aus Moskau mitbrachte. Ein Buch mit Erzählungen aus der Bibel über die Anfänge der Menschheit und die Geschichte der Israeliten fand ich besonders interessant. Außerdem stieß ich auf das Buch Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben, das Jehovas Zeugen herausgegeben hatten. * Mich beeindruckte, wie übersichtlich die biblischen Lehren darin erklärt wurden. Als ich 1991 nach Spanien zog, um Musik zu studieren, nahm ich es mit und las es mehrere Male durch. Ich war auf eine Religion gestoßen, in der Glaube nicht lediglich eine Gefühlssache ist, sondern sich auf logische Schlussfolgerungen und stichhaltige Beweise stützt.

Richtig faszinierend fand ich, dass die Bibel verspricht, dass wir Menschen für immer auf der Erde leben können. Das war so einleuchtend! Übrigens hatte ich bis dahin noch keinen einzigen Zeugen Jehovas getroffen. Aber ich nahm mir fest vor, sie um Bibelunterricht zu bitten, sobald ich ihnen begegnen würde.

Wie kamen Sie mit den Zeugen in Kontakt?

Nur ein paar Tage nachdem ich mir das vorgenommen hatte, sah ich zwei Damen, die beide eine Bibel in der Hand hielten. Ich dachte: „Von solchen Leuten habe ich doch in meinem Buch gelesen. Sie predigen genauso wie die Christen damals.“ Und schon kurz danach studierte ein Zeuge mit mir die Bibel. Heute gibt es nichts Schöneres für mich, als anderen zu zeigen, wer unser Schöpfer ist.

Was brachte Sie als Atheist dazu, an einen Schöpfer zu glauben?

Es war die Musik. Eigentlich empfindet jeder Mensch Musik als schön, und das auf eine Art, wie es kein Tier kann. Durch Musik lässt sich Freude, Entschlossenheit, Zärtlichkeit und fast jedes andere Gefühl ausdrücken. Und es ist ganz natürlich, dass wir uns zu Rhythmen bewegen. Aber ist Musik überlebenswichtig? Passt sie zu der evolutionistischen Idee vom „Überleben des am besten Angepassten“? Ich denke nicht. Für mich ist die Vorstellung völlig abwegig, dass das menschliche Gehirn ein Produkt der Evolution sein soll, zumal es uns doch befähigt, Musik zu schaffen und zu genießen, wie zum Beispiel von Mozart oder Beethoven. Viel einleuchtender ist da die Erklärung, dass unser Gehirn von einem weisen, liebevollen Schöpfer erschaffen wurde.

Die Bibel ist wie eine klar strukturierte, meisterhafte Sinfonie, mit einer bewegenden Botschaft für die ganze Menschheit

Was überzeugt Sie davon, dass die Bibel von Gott ist?

Die Bibel ist eine Sammlung von 66 kleinen Büchern, an der im Verlauf von rund 1 600 Jahren (!) mehr als 40 Männer geschrieben haben. Ich fragte mich: „Wer kann so ein in sich stimmiges Meisterwerk zusammengestellt haben?“ Da kommt man an Gott einfach nicht vorbei. Für mich ist die Bibel wie eine klar strukturierte, meisterhafte Sinfonie, mit einer bewegenden Botschaft für die ganze Menschheit.

^ Abs. 15 Heute bringen Jehovas Zeugen anderen die Bibel mithilfe des Buches Was lehrt die Bibel wirklich? näher, das man auch auf www.jw.org findet.