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ERWACHET! SEPTEMBER 2013

 BLICK IN DIE VERGANGENHEIT

Zheng He

Zheng He

„Wir legten mehr als 100 000 Li * über gewaltige Wasserflächen zurück und erblickten auf dem Ozean riesige Wellen, die sich wie Berge himmelhoch türmten, und in weiter Ferne sichteten wir barbarische Gefilde . . . , während sich unsere Segel tags und nachts wolkengleich bauschten und in sternenschneller Bahn diese wilden Wogen durchquerten, als schritten wir auf einer breiten Straße dahin“ (Inschrift aus dem 15. Jahrhundert in Changle, Provinz Fujian, China; sie wird Zheng He zugeschrieben).

CHINA ist ein Land der Superlative. Es hat die größte Einwohnerzahl der Welt und zählt flächenmäßig zu den größten Ländern. Die Chinesen errichteten die Chinesische Mauer, eines der ehrgeizigsten Bauwerke der Geschichte. Die Ming-Kaiser Yongle und Xuande ließen eine Armada riesiger Schiffe bauen, die in den 500 Jahren danach in ihrer Größe unerreicht bleiben sollte. Kommandeur der Flotte war ein Muslim aus Südwestchina. Sein Name: Zheng He.

MACHT, HANDEL UND TRIBUT

Laut der zu Beginn dieses Artikels auszugsweise zitierten Inschrift bestand Zheng Hes Mission darin, die verändernde Kraft der kaiserlichen Tugend offenbar zu machen und ferne Völker freundlich zu behandeln. Wie es in dem Text heißt, führten die Reisen dazu, dass Länder jenseits des Horizonts und bis an die Enden der Erde Untertanen Chinas wurden und „Barbaren“ von jenseits der Meere mit kostbaren Gegenständen und Geschenken dem kaiserlichen Hof offizielle Besuche abstatteten.

Einige der Häfen, die Zheng Hes Flotte anlief

Über den Zweck der Reisen Zheng Hes streiten sich die Gelehrten. Manche sehen in ihm einen kulturellen Botschafter, einen Boten der Freundschaft, ausgesandt von einer mächtigen, doch friedfertigen Nation. Für andere war  das Motiv ein aggressives Streben der Ming-Kaiser nach Herrschaft über Vasallenstaaten. Und in der Tat: Wer Zheng He freundlich empfing, erhielt prächtige Geschenke und politischen Schutz. Doch wer nicht wenigstens symbolisch seine Unterwerfung bekundete und dem Kaiser Tribut zahlte, wurde überwältigt und gefangen genommen. Als Folge von Zheng Hes beeindruckenden Expeditionen schickten viele Herrscher rund um den Indischen Ozean Gesandte nach China, um dem Kaiser Reverenz zu erweisen.

Was auch immer die Motivation hinter den Reisen war, durch Zheng Hes Schiffe gelangten Lackwaren, Porzellan, Seide und andere auserlesene Handwerksprodukte der Ming-Epoche in ferne Häfen. Mit nach Hause brachten sie gefragte Luxusgüter wie Edelsteine, Elfenbein, Gewürze und tropische Hölzer — einmal sogar eine Giraffe, die in China für einiges Aufsehen gesorgt haben soll. Durch den Austausch von Waren und Gedankengut bekam die Welt einen winzigen Einblick in die beeindruckende Kultur Chinas im 15. Jahrhundert.

Die bemerkenswerten Reisen Zheng Hes fanden schließlich ein Ende. Innerhalb weniger Jahrzehnte danach kehrte China dem Außenhandel und der internationalen Diplomatie den Rücken. Der neue Kaiser und seine konfuzianischen Berater sahen keine Notwendigkeit, über die Grenzen hinauszublicken, und versuchten, das Land nach außen abzuschotten. Die Erinnerung an die Schatzflotte wurde ausgelöscht. Wie es scheint, hat man die Schiffe sowie Berichte über ihre legendären Fahrten vernichtet. Erst in jüngerer Zeit fiel innerhalb und außerhalb Chinas Licht auf die glanzvolle Epoche, in der Zheng Hes gigantische Flotte die Meere befuhr.

^ Abs. 3 „Li“ ist ein chinesisches Längenmaß, das über die Jahrhunderte unterschiedlich berechnet wurde. Man nimmt an, dass ein Li zur Zeit Zheng Hes annähernd 500 Metern entsprach.