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Jehovas Zeugen

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ERWACHET! APRIL 2013

 TITELTHEMA

NEIN zu häuslicher Gewalt

NEIN zu häuslicher Gewalt

Szene 1: Isabels * Eltern sind zu Besuch da. Sie verbringen einen schönen Abend mit Isabel und ihrem Mann und führen nette Gespräche. Welche Eltern wären nicht stolz auf einen Schwiegersohn wie ihn?! Er ist ja so lieb zu seiner Frau.

Szene 2: Frank kocht vor Wut — und wieder mal muss seine Frau herhalten: Er schlägt ihr ins Gesicht, tritt sie mit Füßen, zerrt an ihren Haaren und knallt sie mit dem Kopf mehrmals gegen die Wand.

DAS Ehepaar in diesen beiden Szenen ist ein und dasselbe. Überrascht?

Frank ist kein Einzelfall. Wie viele andere gewalttätige Ehemänner hat auch er zwei Gesichter. Wenn die Schwiegereltern oder andere dabei sind, mimt er den „lieben Ehemann“, doch wenn er mit seiner Frau allein ist, kann er furchtbar grausam sein.

Männer wie Frank kommen oft aus einem gewalttätigen familiären Umfeld und finden deshalb ihr Verhalten in Ordnung, ja sogar normal. Aber an häuslicher Gewalt ist  absolut nichts normal. Deshalb sind die meisten Menschen auch schockiert, wenn sie erfahren, dass ein Mann seine Frau schlägt.

Dennoch ist Gewalt in Ehe und Familie erschreckend weit verbreitet. „Jede vierte Frau in Deutschland wurde schon mindestens einmal Opfer häuslicher Gewalt“, das ergab eine Studie. Häusliche Gewalt hat weltweit epidemische Ausmaße angenommen und zieht sich quer durch alle Kulturen und Gesellschaftsschichten. Da viele Vorfälle nie aktenkundig werden, dürfte die Dunkelziffer groß sein. *

Berichte über familiäre Gewalt lassen Fragen aufkommen: Was bringt einen Mann dazu, jemand anders — noch dazu die eigene Frau — derart abscheulich zu behandeln? Kann Männern, die ihre Frau schlagen, geholfen werden?

Jehovas Zeugen, die Herausgeber dieser Zeitschrift, glauben, dass der praktische Rat der Bibel Menschen helfen kann, sich zum Guten zu ändern. Ist das leicht? Nein. Ist es möglich? Ja! Viele konnten durch die Bibel ihr gewalttätiges Naturell ablegen und sind zu freundlichen, respektvollen Menschen geworden (Kolosser 3:8-10). Fragen wir einmal Troy und Valerie, wie es bei ihnen war.

Wie sah eure Beziehung anfangs aus?

Valerie: An unserem Verlobungsabend hat mir Troy dermaßen ins Gesicht geschlagen, dass ich eine Woche lang grün und blau war. Er hat sich tausend Mal entschuldigt und geschworen, es nie wieder zu tun. Das hab ich in den folgenden Jahren noch oft von ihm gehört.

 Troy: Ich ging wegen allem Möglichen auf die Palme — zum Beispiel wenn das Essen nicht rechtzeitig fertig war. Einmal hab ich mit einer Pistole auf Valerie eingeschlagen. Ein anderes Mal habe ich sie so zugerichtet, dass ich dachte, sie wäre tot. Oder ich habe unserem Sohn das Messer an die Kehle gehalten, um Valerie einzuschüchtern.

Valerie: Ich lebte in ständiger Angst. Manchmal musste ich das Haus fluchtartig verlassen, bis sich Troy wieder beruhigt hatte. Bei all den Schlägen muss ich aber sagen: Die Beschimpfungen und Beleidigungen waren noch schwerer zu ertragen.

Troy, warst du schon immer gewalttätig?

Troy: Ja, schon als Kind. Ich bin in einem gewalttätigen Umfeld groß geworden. Meine Geschwister und ich mussten immer wieder mit ansehen, wie mein Vater meine Mutter verprügelte. Nachdem er sie verlassen hatte, ließ sie sich mit einem anderen Mann ein, der sie ebenfalls schlug. Außerdem hat er meine Schwester vergewaltigt — und mich. Dafür kam er ins Gefängnis. Mir ist natürlich klar, dass das mein Verhalten in keinster Weise entschuldigt.

Valerie, warum bist du bei Troy geblieben?

Valerie: Aus purer Angst. Mir ging immer im Kopf herum: Was ist, wenn er mich aufspürt und mich oder meine Eltern umbringt? Oder wenn ich ihn anzeige und alles noch schlimmer wird?

Wann hat sich das Blatt denn gewendet?

Troy: Meine Frau fing ein Bibelstudium mit Jehovas Zeugen an. Am Anfang war ich auf ihre neuen Freunde eifersüchtig und dachte, ich müsste Valerie vor dieser seltsamen „Sekte“ schützen. Also wurde ich noch gewalttätiger, sowohl ihr als auch den Zeugen gegenüber. Eines Tages kam dann unser Sohn Daniel, der damals vier Jahre alt war und an Krampfanfällen litt, für fast drei Wochen ins Krankenhaus. Die Zeugen haben in der Zeit wirklich viel für uns getan. Sie haben sich sogar um Desiree, unsere sechsjährige Tochter, gekümmert. Ein Zeuge verbrachte nach seiner Nachtschicht den Tag bei Daniel, damit Valerie etwas Schlaf bekam. Ich war so unmöglich zu diesen Menschen gewesen und sie waren so nett — das hat mich schwer beeindruckt. Mir wurde bewusst: Das war echtes Christentum. Deswegen bat ich die Zeugen um  ein Bibelstudium. Dabei lernte ich, wie ein Mann seine Frau behandeln beziehungsweise nicht behandeln sollte. Ich habe mein gewalttätiges Verhalten komplett abgelegt und wurde schließlich Zeuge Jehovas.

Welche biblischen Grundsätze haben dir geholfen, dich zu ändern?

Troy: Da gibt es viele. In 1. Petrus 3:7 steht zum Beispiel, dass ich meiner Frau „Ehre“ erweisen soll. Galater 5:23 rät zu „Milde“ und „Selbstbeherrschung“. Epheser 4:31 verurteilt „lästerliches“ oder verletzendes Reden. Und in Hebräer 4:13 heißt es, dass vor Gott alles „bloßgelegt“ ist. Er sieht also alles, was ich tue, auch wenn andere es nicht sehen. Außerdem erkannte ich, dass ich an meinem Umgang etwas ändern musste, denn „schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“ (1. Korinther 15:33). Meine früheren Freunde hatten nämlich keinen guten Einfluss auf mich. Sie fanden es richtig, Frauen zu schlagen, um sie „unter Kontrolle“ zu halten.

Wie denkt ihr heute über eure Ehe?

Valerie: Troy ist vor 25 Jahren Zeuge Jehovas geworden. Seitdem ist er immer richtig lieb, nett und rücksichtsvoll zu mir gewesen.

Troy: Ich kann nicht rückgängig machen, was ich meiner Familie angetan habe, und meine Frau hat es wirklich nicht verdient, wie ich sie behandelt habe. Doch ich freue mich schon auf die Zeit, in der sich Jesaja 65:17 erfüllt und dieses dunkle Kapitel unserer Vergangenheit aus der Erinnerung verschwindet.

Welchen Rat würdet ihr Familien geben, in denen häusliche Gewalt ein Problem ist?

Troy: Wer seine Familie physisch oder psychisch misshandelt, sollte sich eingestehen, dass er Hilfe braucht, und sich darum bemühen. Es gibt da viele Möglichkeiten. Das Bibelstudium mit Jehovas Zeugen und auch ihre Zusammenkünfte haben mir persönlich geholfen, meine tief verwurzelten Neigungen zur Gewalttätigkeit zu überwinden.

Valerie: Man darf nicht gleich die eigene Lage mit der von irgendjemand anders vergleichen oder Rat von jemand annehmen, der glaubt, er wüsste, was gut für einen ist. Es wird zwar nicht bei jedem genauso ausgehen wie bei Troy und mir, aber wenn ich bedenke, was für ein gutes Verhältnis wir jetzt haben, bin ich froh, dass ich unsere Ehe nicht aufgegeben habe.

NEIN SAGEN ZU HÄUSLICHER GEWALT

Durch ein Bibelstudium konnten viele Männer die nötigen Änderungen vornehmen

In der Bibel heißt es: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge“ (2. Timotheus 3:16). Wie Troy haben auch viele andere gewalttätige Ehepartner den Rat der Bibel angewendet und es geschafft, ihre Einstellung und ihr Verhalten zu ändern.

Die Bibel hat eine Menge Tipps für die Ehe parat. Möchten Sie gern mehr darüber wissen? Dann fragen Sie einfach Zeugen Jehovas in Ihrer Gegend oder gehen Sie auf www.jw.org.

^ Abs. 3 In diesem Artikel wurden Namen geändert.

^ Abs. 8 In den meisten gemeldeten Fällen von häuslichen Übergriffen sind Frauen die Opfer, was jedoch nicht heißt, dass es nicht auch eine beträchtliche Zahl von männlichen Gewaltopfern gibt.