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ERWACHET! DEZEMBER 2012

Geduld — ein Auslaufmodell?

Geduld — ein Auslaufmodell?

UNGEDULD gibt es nicht erst seit gestern. Im Stau oder in einer Warteschlange zu stehen war für manchen schon immer eine Geduldsprobe. Doch Fachleute sehen Anzeichen dafür, dass viele heute weniger Geduld aufbringen als noch vor einigen Jahren — und die Gründe dafür dürften manchen überraschen.

Ein immer häufiger genannter Grund: die Technik. Wie es in einem Zeitungsartikel hieß, beobachten Forscher, dass „die digitale Technik — vom Handy über Kameras, E-Mail und I-Pods — unser Leben mehr und mehr verändert. . . . Schnelle Technologien wie diese haben uns auf den Geschmack gebracht, jetzt auch in anderen Lebensbereichen die Sofortbefriedigung unserer Wünsche einzufordern“ (The Gazette, Montreal, Kanada).

Dazu einige ernüchternde Worte der Familienpsychologin Dr. Jennifer Hartstein: „Unsere Kultur ist mittlerweile ganz auf die Ich-alles-jetzt-Haltung gepolt. Immer soll alles schnell und effizient und so laufen, wie wir es wollen. Funktioniert das nicht, reagieren wir verstärkt frustriert und reizbar, alles Symptome von Ungeduld.“ Außerdem hat sie  beobachtet: „Langsam machen und den Augenblick genießen — diese Kunst haben wir verlernt.“

Ein Symptom für diesen Trend: E-Mails könnten bald der Vergangenheit angehören, denn schon heute schreiben immer weniger Leute E-Mails. Warum? Weil sie nicht die Geduld aufbringen, Stunden oder wenigstens einige Minuten auf eine Antwort zu warten. Außerdem gehört es sich, eine E-Mail, ähnlich wie einen Brief, mit einer freundlichen Anrede zu beginnen und mit einer Grußformel zu beenden. Für viele sind das einfach nur langweilige, zeitraubende Floskeln. Sie bevorzugen Instant Messaging, das ohne solche Formalitäten auskommt. Offenbar hat nicht jeder die Geduld, ein paar freundliche Grüße zu tippen! Zudem nehmen sich immer weniger Leute die Zeit, ihre Texte noch mal kurz auf Grammatik und Rechtschreibung zu prüfen. Deshalb landen etliche Briefe und E-Mails nicht nur bei den falschen Adressaten, sondern strotzen geradezu vor Fehlern.

Immer mehr Menschen haben nicht die nötige Geduld, längere Texte zu lesen

Schnelle Resultate — was in der Welt der digitalen Kommunikation so selbstverständlich erscheint, greift auch auf andere Lebensbereiche über. Den Menschen fällt es immer schwerer zu warten. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, zu schnell zu essen, zu schnell zu fahren, zu schnell zu reden oder sein Geld zu schnell auszugeben? Die paar Augenblicke, die es dauert, bis der Fahrstuhl kommt, die Ampel umschaltet oder der Computer hochfährt, können einem endlos vorkommen.

Eine weitere Beobachtung: Immer mehr Menschen haben nicht die nötige Geduld, längere Texte zu lesen. Woran liegt das? Sie sind gewohnt, zügig durch Webseiten zu navigieren und dabei von einer Schlagzeile oder Kurzinfo zur nächsten zu hüpfen, bis ihnen das Gesuchte quasi von selbst ins Auge springt.

Ist Geduld also tatsächlich ein Auslaufmodell? Selbst Fachleute rätseln noch über die tieferen Ursachen für Ungeduld. Eindeutiger ist die Faktenlage, wenn es um die Folgen geht. Auf den nächsten Seiten wird einmal untersucht, was Ungeduld alles anrichten kann, und gefragt, wie es einem gelingt, geduldiger zu werden.

Sie sind gewohnt, zügig durch Webseiten zu navigieren und dabei von einer Schlagzeile oder Kurzinfo zur nächsten zu hüpfen