Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

ERWACHET! NOVEMBER 2012

Der Eistaucher und sein wildromantischer Ruf

Der Eistaucher und sein wildromantischer Ruf

WER ihn einmal gehört hat, vergisst ihn nie wieder: den schaurig-schönen Ruf des Eistauchers. Bei seinem Klang spürt man regelrecht die Einsamkeit der Wildnis. Er hallt über abgelegene Seen und Flüsse im Norden der USA, in Kanada und auch in Teilen Europas.

Das prächtige Tier ist der Staatsvogel von Minnesota (USA). Man findet ihn auch auf der kanadischen 1-Dollar-Münze, die nach dem englischen Namen des Eistauchers „Loonie“ genannt wird. Als Zugvogel zieht es ihn im Winter meist in weiter südlich gelegene Küstengebiete. Dann ist sein wildromantischer Ruf auch dort zu hören.

Heulen, Hupen, Lachen, Jodeln

Ein Eistaucher macht sich bemerkbar

Eistaucher sind wahre Klangkünstler. In den Abend- und Nachtstunden ist ihr durchdringendes melancholisches Heulen meilenweit zu hören. Sind Eistaucher zusammen auf ein und demselben See, verständigen sie sich durch leisere Huptöne und rufen so ihren Partner oder ihre Jungen. Als Warnsignal lassen sie das Tremolo erschallen, was schon als „manisches Gelächter“ beschrieben wurde. Das ist der einzige Ruf, den sie auch im Flug ausstoßen.

Jodeln können nur die Männchen und sie setzen es „offensichtlich zur Verteidigung ihres Reviers“ ein, so die Zeitschrift BirdWatch Canada. Außerdem heißt es, dass „jedes Männchen seine ganz eigene Art hat zu jodeln . . . Je schwerer der Vogel, desto tiefer die Tonlage.“ Interessanterweise „ändert er seinen Jodler aber, wenn er das Revier wechselt“. Dann „weicht sein Jodeln so stark wie nur möglich von dem seines Vorgängers ab“.

Schick, geschickt und doch ungeschickt

Die rötlichen Augen des Eistauchers werden von fast schwarzen, grünlich schillernden Federn umrahmt. Sein schwarzer Schnabel ist lang und spitz. Die Färbung des Gefieders ändert sich je nach Jahreszeit.

Seine kräftigen Schwimmfüße machen ihn zu einem begnadeten Schwimmer, wendigen Taucher und geschickten Jäger. Bei seinen Tauchgängen, die manchmal sogar mehrere Minuten dauern können, schafft er es mitunter auf eine Tiefe von 60 Metern.

 Mit dem Starten und Landen hat er aber so seine Probleme. Um sein beträchtliches Gewicht in die Lüfte zu schwingen, braucht er eine etwas längere „Startbahn“. Er schlägt über Hunderte von Metern mit den Flügeln und läuft übers Wasser, bis er schließlich abhebt. Deshalb zieht er weitläufige Gewässer vor. Bei seinem Landeanflug hat er eine ziemliche Geschwindigkeit drauf. Seine Füße sind dabei angelegt, und es sieht fast so aus, als hätte er vergessen, sein „Fahrgestell“ auszufahren. Dann setzt er mit dem Bauch voran auf der Wasseroberfläche auf, schlittert noch ordentlich und bremst ab.

Die Schwimmfüße des Eistauchers sind recht groß und sitzen weit hinten am Körper. Das ist im Wasser von Vorteil, an Land wirkt er dadurch aber recht unbeholfen und hat sogar Schwierigkeiten beim Stehen. Deshalb baut er sein Nest dort, wo er schnell ins Wasser gleiten kann.

Mitfahrgelegenheit für Eistaucherküken

Im Nest liegen während der Brutzeit normalerweise zwei olivgrüne Eier, die zur Tarnung dunkel getupft sind. Die Eltern wechseln sich beim Brüten ab. Es dauert in der Regel 29 Tage, bis die Kleinen schlüpfen. Nach zwei Tagen im Nest fangen sie an zu schwimmen und ein bisschen zu tauchen. Brauchen sie mal eine Pause, nutzen sie die Mitfahrgelegenheit auf dem Rücken von Mama oder Papa. In zwei bis drei Monaten können sie fliegen und flattern den Eltern davon.

Zu den Feinden des Eistauchers gehören Adler, Möwen, Waschbären und — was noch schlimmer ist — der Mensch. Bleisenker an Netzen und Angeln sowie Öllachen sind Gift für die Vögel. Die Fischbestände, von denen das Überleben des Eistauchers abhängt, gehen durch sauren Regen immer weiter zurück. Seine Nester werden häufig von den Bugwellen vorbeifahrender Boote überschwemmt. Und durch die Erschließung der Seeufer wird dieser scheue Geselle zusehends aus seinem Lebensraum vertrieben.

Trotz allem ist der Bestand des Eistauchers relativ stabil. Vogelliebhaber können also darauf hoffen, dass dieser schmucke Kerl sie noch viele Jahre mit seiner unbeholfenen Art und seinen einmaligen Lauten bezaubern wird.