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ERWACHET! NOVEMBER 2011

Tingatinga: Bilder, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Tingatinga: Bilder, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern

 Tingatinga: Bilder, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern

„TINGATINGA lässt uns die Welt mit den Augen eines Kindes sehen: fröhlich, bunt und voller guter Laune“, schreibt Daniel Augusta, Leiter der Tingatinga Arts Co-operative Society. Diese Kunstrichtung stellt die Natur und Kultur Afrikas dar. Speziell die von Tansania, wo alles anfing.

Edward Saidi Tingatinga, der 1932 in einem Dorf im Süden Tansanias geboren wurde, ist der Begründer dieser Kunst. Die Landschaft und Tierwelt seiner Umgebung muss bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Als junger Mann Mitte zwanzig ging Edward auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben von zu Hause weg. Später zog er in die Hauptstadt Daressalam, wo er als Gärtner arbeitete. Nach Feierabend verlieh er seiner künstlerischen Begabung in Musik und Tanz Ausdruck und wurde dafür sogar recht bekannt.

Der Wendepunkt in Edwards Leben kam 1968. Damals erhielt er eine feste Stelle als Stationshilfe im Muhimbili National Hospital von Daressalam. In dieser Zeit fand er Muße, die lebhaften Erinnerungen und Eindrücke aus seiner Kindheit in einem individuellen Malstil festzuhalten. Das war die Geburtsstunde der Tingatinga-Malerei. Edward hatte allerdings nicht die Möglichkeit, sich hochwertige Pinsel, Farben, Pigmente und andere Künstlerartikel zu kaufen. Also begnügte er sich mit Materialien, die es in jedem Haushaltswarenladen gab. Als Farbe benutzte er einfach Fahrradlack und anstelle von Leinwand Faserplatten mit einer glatten, glänzenden Oberfläche — ein idealer Untergrund, um die Farben zum Leuchten zu bringen.

Edwards Maltechnik war schlicht. Für den Hintergrund verwendete er höchstens zwei Farben und er malte auch nur ein einziges Objekt auf die Platte: ein farbenfrohes, leicht stilisiertes afrikanisches Tier. Auf Landschaftsmotive und andere Einzelheiten verzichtete er komplett.

 Eine Handvoll enge Freunde und Verwandte durften Edward beim Malen zuschauen. Schon bald wurden einige von ihnen seine „Schüler“ und seine Kunstwerke gewannen immer mehr an Beliebtheit.

Die Tingatinga-Malerei hat schon immer mit kräftigen Farben, vereinfacht dargestellten Figuren und klaren Konturen gearbeitet. Über die Jahre hat sich der Stil jedoch weiterentwickelt, sodass die Bilder jetzt mehr Details und mehr Motive enthalten. Manche Gemälde sind förmlich vollgepackt mit Menschen, Tieren und anderen Objekten.

Wovon lassen sich die Künstler inspirieren?

Die Tingatinga-Malerei hat eine nahezu unerschöpfliche Quelle der Inspiration: die Flora und Fauna Afrikas mit ihren Affen, Antilopen, Büffeln, Elefanten, Giraffen, Flusspferden, Zebras und ihren Blumen, Bäumen, Vögeln und Fischen — je bunter, desto besser. Ein beliebtes Hintergrundmotiv ist der höchste Berg Afrikas, der Kilimandscharo im Nordosten Tansanias.

Heute versucht die Tingatinga-Kunst, auch den Alltag der Menschen in Afrika festzuhalten: das Gewimmel auf dem Markt, die vielen Leute im Krankenhaus oder einfach Szenen aus dem Dorfleben.

Diese Kunstform ermöglicht es begabten Afrikanern, sich künstlerisch zu entfalten, und bietet gleichzeitig einen willkommenen Nebenverdienst. Die Maler haben sich inzwischen sogar in Daressalam zu einer Kooperative zusammengeschlossen. Ein Teil von ihnen hält nach wie vor an der Tradition fest, mit Fahrradlack zu malen. Wäre Tingatinga heute noch am Leben (er starb 1972), würde ihm die Beliebtheit seiner Kunst mit Sicherheit ein breites, zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern.