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Erwachet!  |  Juli 2011

Von der Eiche in die Flasche: Die Geschichte des Korkens

Von der Eiche in die Flasche: Die Geschichte des Korkens

 Von der Eiche in die Flasche: Die Geschichte des Korkens

Welche Rinde spielt eine Schlüsselrolle bei der Herstellung von Motoren, Kricket- und Basebällen oder auch Champagner? Welche Rinde wurde schon vor Jahrtausenden sowohl von Fischern als auch von vornehmen Damen geschätzt und hat es sogar bis ins Weltall geschafft? Und ob man’s glaubt oder nicht, dafür musste noch nie ein Baum gefällt werden.

KORK bildet die äußere Schicht der Korkeichenrinde. Das Besondere an dieser Rinde ist ihre Leichtigkeit, Feuerbeständigkeit und Elastizität.

Die robuste Rinde der Korkeiche wird mit jedem Jahr ein ganzes Stück dicker. Sie kann bis zu 25 Zentimeter stark werden und wirkt wie ein schützender Mantel, der den Baum gegen Hitze, Kälte und Waldbrände abschirmt. Kork wird durch Abschälen der Rinde geerntet. Es dauert dann ungefähr zehn Jahre, bis der Baum wieder beerntet werden kann.

Portugal ist mit etwa 55 Prozent an der weltweiten Korkproduktion beteiligt, Spanien mit rund 30 Prozent, und die restlichen 15 Prozent entfallen auf andere Länder wie Algerien, Frankreich, Italien, Marokko und Tunesien. *

Vielseitig verwendbar

Schon die Römer und Griechen entdeckten, dass sich Kork hervorragend als Schwimmer für Fischernetze eignet und bequeme Sohlen für Sandalen abgibt. Offensichtlich benutzten sie auch Korkverschlüsse für Krüge. Da Kork selbst bei hohen Temperaturen nichts an Elastizität einbüßt, wird er unter anderem zu Motordichtungen verarbeitet. Er ist außerdem Bestandteil der Hitzekacheln von Raumfähren.

Korkplatten sind wegen ihrer Optik und ihrer isolierenden Eigenschaften als Bodenbelag oder Wandverkleidung beliebt. Auch bei Sportgeräten kommt Kork zum Einsatz, so zum Beispiel in Angelgriffen oder als Kern von Basebällen. Aber am besten kennt man ihn wohl als Verschluss von Wein-, Sekt- oder Champagnerflaschen. (Siehe den Kasten „Der ideale Verschluss“.)

Umweltfreundlich

Ein gut gepflegter Korkeichenwald ist der lebende Beweis dafür, dass der Mensch die Schätze der Natur nutzen kann, ohne Raubbau zu treiben. Alte Korkeichen sind nicht nur die reinste Augenweide, sondern spenden den Rindern, die in ihrem Schatten grasen, auch Futter  und schützen zudem die Landschaft vor Versteppung.

Mehrere vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie der Kaiseradler, der Mönchsgeier und der Schwarzstorch nisten in den Kronen großer Korkeichen. Auch der selten gewordene Iberische Luchs findet in den Korkwäldern seine letzten Rückzugsgebiete. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF steht das Überleben dieser Tierart in direktem Zusammenhang mit dem Korkanbau in Spanien und Portugal.

Wenn man das nächste Mal eine Flasche Wein öffnet, dann weiß man den Korken wahrscheinlich noch viel mehr zu schätzen — als Naturprodukt, das biologisch abbaubar ist, sich ständig selbst erneuert und einen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Das soll mal einer nachmachen!

[Fußnote]

^ Abs. 5 Die Korkeiche wächst auch in anderen Regionen der Erde, doch ihre kommerzielle Nutzung konzentriert sich auf den Mittelmeerraum, wo sie heimisch ist.

[Kasten/Bild auf Seite 20]

Der ideale Verschluss

Miguel Elena, Leiter des Instituts für Kork, Holz und Holzkohle in Extremadura (Spanien), weiß noch mehr über die Vorteile von Naturkorken zu berichten.

Wie gut eignet sich Kork als Verschluss?

Ich hab schon miterlebt, wie 100 Jahre alte Weinflaschen geöffnet wurden — und der Wein war noch gut! Kork ist der ideale Verschluss.

Wie alt muss eine Korkeiche werden, bis man aus ihrer Rinde Korken gewinnen kann?

Eine Korkeiche muss mindestens 50 Jahre alt sein, bis man hochwertige Korken aus ihr gewinnen kann, aber die erste Ernte kann schon erfolgen, wenn der Baum 25 Jahre alt ist. Natürlich ist der Anreiz, in ein Produkt zu investieren, das erst nach 50 Jahren Profit abwirft, nicht besonders groß. Ich kenne kein Wirtschaftsunternehmen, das so lange warten muss, bis sich das Geschäft rentiert.

Wie lange lebt eine Korkeiche?

Korkeichen leben normalerweise 200 Jahre, einzelne Exemplare können jedoch ein viel höheres Alter erreichen. Alle 9 Jahre werden die Bäume beerntet.

Was wird getan, um den Nachschub zu sichern?

Der Korkanbau wird von der EU und unserer Provinzregierung subventioniert. Deswegen haben wir in den letzten Jahren neue Pflanzungen angelegt und die alten Wälder wieder aufgeforstet.

Welche neuen Entwicklungen gibt es in der Korkproduktion?

In den vergangenen 20 Jahren wurde intensiv geforscht, um herauszufinden, welche Eicheln sich am besten für das Ziehen neuer Bäume eignen. Wir arbeiten auch eng mit anderen Kork produzierenden Ländern zusammen, um die Qualität des Korks zu verbessern. Außerdem haben wir eine Handsäge auf den Markt gebracht, mit der sich die Rinde besser abschälen lässt. Diese Arbeit wurde jahrhundertelang mit der Axt erledigt.

 [Bild auf Seite 19]

Die Rinde wächst nach jeder Ernte wieder nach

[Bild auf Seite 19]

Erfahrene Arbeiter schälen die Rinde mit großer Sorgfalt ab

[Bild auf Seite 19]

Der Kork wird für die Weiterverarbeitung gestapelt

[Bild auf Seite 19]

Hochwertige Korken werden immer noch von Hand ausgestochen

[Bild auf Seite 18, 19]

Reste werden gesammelt und zu Presskork oder anderen Produkten verarbeitet