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Jehovas Zeugen

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Erwachet!  |  Juni 2011

Eine Welt ohne Terrorismus: Nur ein Traum?

Eine Welt ohne Terrorismus: Nur ein Traum?

 Eine Welt ohne Terrorismus: Nur ein Traum?

„WIR müssen Herzen gewinnen . . . und an die Vernunft appellieren.“ Zu diesem Schluss kam ein Forscher, der die Persönlichkeitsprofile sogenannter Terroristen aus 20 Jahren untersucht hatte.

Doch was kann Menschen, deren Leben sich so sehr um Gewalt und Rache dreht, dazu bringen, ihr Denken und Empfinden zu ändern?

Ein Buch, das im Innersten berührt

In den 90er-Jahren kam Hafeni zum Nachdenken. Was war der Auslöser? Er begann seine religiösen Überzeugungen zu hinterfragen und beschloss, sich eine Bibel zu besorgen. Er erzählt: „Angefangen habe ich mit den Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die über das Leben Jesu berichten. Was ich da über die Persönlichkeit Jesu las, hat mich sofort angesprochen. Wie freundlich und unvoreingenommen er mit Menschen umging, das hat mich echt berührt.“

Beim Weiterlesen stieß Hafeni auf Apostelgeschichte 10:34, 35, wo es heißt, „dass Gott nicht parteiisch ist, sondern dass für ihn in jeder Nation  der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“. Seine Reaktion? „Da hat es bei mir klick gemacht.“

Hafeni erklärt, warum: „Ich begriff, dass Stammesdenken, Nationalismus und Rassismus von den Menschen selbst ausgehen. Mir wurde klar, dass die Bibel uns zum Umdenken bewegen kann und dass es nichts Wichtigeres gibt, als Gott zu gefallen. Das ist so viel wichtiger, als für Stamm, Hautfarbe oder Herkunft zu kämpfen.“

Joseba war Anführer einer kleinen militanten Gruppe, die plante, eine Polizeiwache in die Luft zu sprengen. „Bevor wir aber zuschlagen konnten“, so Joseba, „wurde ich festgenommen und landete für zwei Jahre im Gefängnis.“ Später kam seine Frau Luci mit Jehovas Zeugen in Kontakt und lernte die Bibel kennen. Nach einer Weile begann Joseba, sich an den Gesprächen zu beteiligen.

Was brachte ihm das? „Je mehr ich über Jesus lernte, desto mehr wurde er mein Vorbild. Eine Aussage Jesu ging mir besonders nahe: Wer Gewalt anwendet, wird durch Gewalt umkommen. Ich wusste nur zu gut, wie recht er hatte“ (Matthäus 26:52). Joseba erkannte: „Jemanden umzubringen tritt eine Spirale von Hass und Rache seitens der Angehörigen los. Gewalt bringt keine bessere Welt, sondern nur Schmerz und Tränen.“ Joseba fing an umzudenken.

Sowohl Hafeni als auch Joseba haben erlebt, wie stark die Lehren der Bibel einen Menschen verändern können. Wie die Bibel sagt, ist „das Wort Gottes lebendig und übt Macht aus“, ja es kann sogar „Gedanken und Absichten des Herzens beurteilen“ (Hebräer 4:12). Viele haben es nur durch die Macht der Bibel geschafft, ihr Denken zu verändern und ihr Leben komplett umzukrempeln. Bleibt zu fragen, ob echte Einheit auch weltweit möglich ist. Was verbindet denn all die Menschen, die nach der Bibel leben?

 Durch Liebe verbunden

Bei den Zusammenkünften der Zeugen Jehovas erlebte Hafeni zum ersten Mal, wie unwichtig die Hautfarbe sein kann. Er erinnert sich noch gut, wie tief ihn das berührt hat: „Neben Weißen zu sitzen! Das war total verrückt! Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann einmal zu einem Weißen ‚Bruder‘ sagen würde. Für mich stand fest: Das muss die wahre Religion sein. Nirgends sonst findet man diese Einheit und Liebe, nach der ich mich so gesehnt hatte, eine Liebe, die für Hautfarben blind ist.“

Jesus machte deutlich, woran seine wahren Nachfolger zu erkennen wären: an ihrer Liebe zueinander (Johannes 13:34, 35). Außerdem ließ er sich nicht in politische Konflikte hineinziehen und gebot auch seinen Jüngern, „kein Teil der Welt“ zu sein (Johannes 6:15; 15:19; Matthäus 22:15-22). Liebe und Neutralität waren damals Merkmale des wahren Christentums und sie sind es heute noch genauso.

Jesu Lehren umsetzen

Kann die Liebe tatsächlich die Kluft zwischen den Menschen überwinden, die den Terror ja erst ermöglicht? Wenn politische Streitereien zu Feindseligkeiten führen, wird oft an rassische, ethnische oder nationalistische Gefühle appelliert, um Einzelne oder ganze Nationen gegeneinander aufzubringen.

Ein Beispiel: Getrieben von Nationalstolz ermordete Gavrilo Prinčip 1914 den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Der Attentäter gehörte dem Geheimbund „Schwarze Hand“ an, dessen Verfassung dem „revolutionären Kampf den Vorzug gab vor . . . kulturellen Bemühungen“. Das Attentat stürzte viele sogenannt christliche Nationen in den Ersten Weltkrieg. Damals starben Millionen Soldaten, die vorgaben, Jesus zu folgen, dem „Fürsten des Friedens“ (Jesaja 9:6).

Nach Kriegsende warf der angesehene Geistliche Harry Emerson Fosdick den Kirchenführern vor, sie hätten versäumt, ihre Gläubigen zu lehren, dem Beispiel Jesu zu folgen. Er schrieb: „Wir haben Männer für den Krieg gezüchtet . . ., wir haben Krieger zu unseren Helden gemacht und haben sogar unsere Kirchen mit Feldzeichen geschmückt . . . Mit dem einen Mundwinkel haben wir den Fürsten des Friedens gepriesen, und mit dem anderen haben wir den Krieg verherrlicht.“

Eine soziologische Studie von 1975 belegt, dass es auch anders geht: „In zwei großen Weltkriegen und in den darauf folgenden militärischen Auseinandersetzungen während der Ära des Kalten Krieges haben Jehovas Zeugen konsequent ihre Stellung der gewaltlosen ‚christlichen Neutralität‘ bewahrt.“ Obwohl sie misshandelt und ins Gefängnis geworfen wurden, „griffen sie niemals zur Gewalt“. Wie haben sie das geschafft? „Jehovas Zeugen sind fest davon überzeugt, dass die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist, und leben auch danach“, so die Studie.

 Wenn alle nach der Bibel leben würden . . .

Vor einigen Jahren erhielt ein ehemaliger belgischer Premierminister von seinem Nachbarn ein Buch über das Leben Jesu mit dem Titel Der größte Mensch, der je lebte. * Was er darin las, sprach ihn sehr an und er schrieb seinem Nachbarn: „Würden sich die Menschen mehr für die Botschaft der Evangelien interessieren und nach den Grundsätzen Jesu leben, sähe unsere Welt mit Sicherheit völlig anders aus.“

Weiter hieß es in seinem Brief: „Dann brauchten wir keinen Sicherheitsrat. Es gäbe keine Terroranschläge und Gewalt wäre tabu.“ Dennoch bezeichnete er das Ganze als „reines Wunschdenken“. Ist es das wirklich? So sehr die heutige Welt auch von Gewalt durchdrungen ist: Mithilfe der Bibel haben viele Menschen unterschiedlichster Prägung und Herkunft der Gewalt den Rücken gekehrt; sie haben sogar ihren bitteren Hass überwunden, obwohl sie über Jahrzehnte mit ansehen mussten, wie unnötig Blut vergossen wurde.

Wie auf Seite 3 geschildert, wäre Andre beinahe von der Bombe getötet worden, die einige seiner Bekannten in den Tod riss. Hinter dem Anschlag steckte eine militante Gruppierung. Als Andre aber bewusst wurde, dass die Bibel dazu auffordert, „bereitwillig zu vergeben“, gelang es ihm, seiner Gefühle Herr zu werden (Kolosser 3:13). Auch Hafeni, der sich Jahre nach dem Anschlag genau dieser militanten Gruppe anschloss, lernte später, nach biblischen Grundsätzen zu leben und er brach mit der Gewalt (Psalm 11:5). Heute sind beide Zeugen Jehovas und arbeiten Seite an Seite in einem Übersetzungsbüro der Zeugen in Afrika.

Eine beruhigende Perspektive

Millionen Menschen in aller Welt haben aus der Bibel eine überzeugende Perspektive für eine sichere Zukunft kennengelernt — beispielsweise die Verheißung einer gerechten neuen Welt (Jesaja 2:4; 11:6-9; 65:17, 21-25; 2. Petrus 3:13). Eines Tages sprach Andre gerade mit einem Mann in der Nachbarschaft über genau diesen Gedanken, als plötzlich bewaffnete Soldaten das Haus umstellten und ihn aufforderten herauszukommen. Als sie erfuhren, dass Andre ein Bibellehrer war, der in diesem Haus sehr gern gesehen war, zogen sie ab.

Andre hatte gerade erklärt, dass Gott in das Weltgeschehen eingreifen wird, so wie er es schon einmal zur Zeit Noahs getan hat, als die Erde voller Unrecht und Gewalt war (1. Mose 6:11). Als Gott diesen Verhältnissen durch eine globale Flut ein Ende machte, sorgte er dafür, dass der friedliebende Noah samt seiner Familie überlebte. Interessanterweise hatte Jesus gesagt: „Geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24:37-39). Was meinte er damit?

Bald wird Jesus, der „Menschensohn“, von Gott den Auftrag erhalten, zusammen mit Gottes Engeln gegen sämtliche Gewalt in der Welt vorzugehen. Als von Gott autorisierter König der himmlischen Regierung — dem Reich Gottes — wird Jesus nicht willkürlich handeln, sondern fair. Er wird seine Untertanen von Unterdrückung und Gewalttat befreien und so für Frieden sorgen (Lukas 4:43, Psalm 72:7, 14).

Was kommt danach? Die Bibel verspricht: „Dann tragen die Berge Frieden für das Volk und die Höhen Gerechtigkeit“ (Psalm 72:1-3, Einheitsübersetzung). Wie hier in poetischer Sprache beschrieben, wird dann auf der ganzen Erde Frieden herrschen — für alle, die das Gute lieben und sich gern von Jesus regieren lassen (Lukas 23:42, 43).

Das möchte doch bestimmt jeder erleben! Eine Welt ohne Terrorismus ist nicht nur ein Traum. Sie wird Wirklichkeit werden.

[Fußnote]

^ Abs. 20 Herausgegeben von Jehovas Zeugen.

[Herausgestellter Text auf Seite 7]

Sowohl Hafeni als auch Joseba haben selbst erlebt, wie stark die Lehren der Bibel einen Menschen verändern können

[Herausgestellter Text auf Seite 9]

„Würden . . . die Menschen . . . nach den Grundsätzen Jesu leben, sähe unsere Welt mit Sicherheit völlig anders aus. Dann brauchten wir keinen Sicherheitsrat. Es gäbe keine Terroranschläge und Gewalt wäre tabu“ (Ein ehemaliger belgischer Premierminister)

[Bild auf Seite 8]

Was Hafeni und Andre aus der Bibel gelernt haben, hat sie zu echten Freunden werden lassen