Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

ERWACHET! NR. 3 2016

Allergie und Unverträglichkeit: Was ist der Unterschied?

Allergie und Unverträglichkeit: Was ist der Unterschied?

Emily: „Ich hatte die Gabel noch in der Hand, da ging es schon los. Im Mund hat alles gejuckt und meine Zunge ist angeschwollen. Mir wurde schwindelig und ich konnte kaum noch atmen. An den Armen und am Hals, überall Ausschlag. Ich hab gedacht: Bloß keine Panik! Aber eins war klar: Ich musste ins Krankenhaus, und zwar schnell!“

ESSEN ist etwas Schönes — für die meisten. Aber manche müssen bestimmte Lebensmittel wie „Feinde“ behandeln. Der Grund? Lebensmittelallergien. Emily hatte eine besonders schwere allergische Reaktion, eine sogenannte Anaphylaxie. Zum Glück löst nicht jede Lebensmittelallergie so heftige Reaktionen aus.

Seit einigen Jahren klagen immer mehr Menschen über Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten. Viele meinen zwar an einer Allergie zu leiden, doch einige Studien legen nahe, dass in den seltensten Fällen tatsächlich eine Allergie vorliegt.

Was ist eine Lebensmittelallergie?

„Für Lebensmittelallergie gibt es keine allgemein anerkannte Definition“, schrieb die Forschergruppe um Dr. Jennifer J. Schneider Chafen im Journal of the American Medical Association. Allerdings gehen die meisten Spezialisten davon aus, dass allergische Reaktionen hauptsächlich vom Immunsystem ausgelöst werden.

Eine allergische Reaktion auf ein bestimmtes Lebensmittel wird normalerweise durch ein darin enthaltenes Protein verursacht. Das Immunsystem identifiziert das Protein fälschlicherweise als Feind. Gelangt dieses Protein in den Körper, produziert das Immunsystem Antikörper vom Typ IgE (Immunoglobin E), um den Eindringling unschädlich zu machen. Nimmt man das Protein später erneut in sich auf, können die gebildeten Antikörper die Freisetzung von chemischen Substanzen auslösen, unter anderem von Histamin.

Normalerweise übernimmt Histamin im Immunsystem eine sehr nützliche Funktion. Bis heute versteht man jedoch nicht genau, warum manche Menschen auf bestimmte Proteine mit der Produktion von IgE und der anschließenden Freisetzung von Histamin reagieren, was dann eine allergische Reaktion auslöst.

Diese Reaktionskette erklärt allerdings, warum man bestimmte Nahrungsmittel das erste Mal ohne Probleme essen kann, später aber allergisch reagiert.

Was ist eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Bei einer Unverträglichkeit kommt es im Körper ebenfalls zu einer unerwünschten Reaktion auf ein Lebensmittel. Doch im Gegensatz zu einer Allergie wird eine Unverträglichkeit nicht vom Immunsystem ausgelöst, sondern vom Verdauungssystem; es sind also keine Antikörper im Spiel. Grundsätzlich  besteht das Problem darin, dass der Körper bestimmte Lebensmittel nur schwer verarbeiten kann — entweder wegen Enzymmangels oder weil bestimmte Bestandteile schwer verdaulich sind. Eine Laktoseintoleranz entsteht zum Beispiel, wenn im Darm nicht die nötigen Enzyme zur Verarbeitung von Milchzucker produziert werden.

Da bei einer Lebensmittelunverträglichkeit die Produktion von Antikörpern keine Rolle spielt, kann sie schon auftreten, wenn man etwas zum ersten Mal isst. Oft ist die Menge entscheidend: Kleine Mengen werden vom Körper meist noch toleriert, größere werden problematisch. Das unterscheidet die Unverträglichkeit von der Allergie, bei der selbst kleinste Mengen eine lebensbedrohliche Reaktion auslösen können.

Mögliche Symptome

Bei Lebensmittelallergien können Symptome auftreten, wie: Anschwellen von Hals, Augen oder Zunge, Juckreiz, Ausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall; in schweren Fällen auch Blutdruckabfall, Schwindel, Ohnmacht oder sogar Herzstillstand. Anaphylaktische Reaktionen können sehr schnell und schlimmstenfalls tödlich verlaufen.

Grundsätzlich könnte jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Doch für die meisten schweren Allergien sind nur wenige verantwortlich, wie Milch, Eier, Fisch, Schalentiere, Erdnüsse, Sojabohnen, Nüsse und Weizen. Allergien können in jedem Alter auftreten. Wie Studien zeigen, spielen die Gene dabei eine Rolle: Haben ein oder beide Elternteile eine Allergie, treten auch bei den Kindern häufiger Allergien auf. Oft bilden sich Allergien bei Kindern aber wieder zurück.

Die Symptome einer Lebensmittelunverträglichkeit sind in der Regel nicht so heftig wie bei einer schweren allergischen Reaktion. Zu den Symptomen zählen Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Krämpfe, Kopfschmerzen, Ausschlag, Müdigkeit oder allgemeines Unwohlsein. Unverträglichkeiten können auf verschiedenste Lebensmittel zurückgehen, am häufigsten auf Milchprodukte, Weizen, Gluten, Alkohol und Hefe.

Diagnose und Therapie

Vermutet man bei sich eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit, kann es ratsam sein, einen Facharzt aufzusuchen. Die Diagnose selbst zu stellen und dann bestimmte Lebensmittel wegzulassen, könnte schädliche Folgen haben, weil man seinem Körper dadurch vielleicht lebensnotwendige Nährstoffe vorenthält.

Bisher gibt es keine bewährte Behandlungsmethode für schwere Lebensmittelallergien — außer komplett auf das jeweilige Nahrungsmittel zu verzichten. * Handelt es sich aber um eine leichtere Allergie oder Unverträglichkeit, fühlt man sich meist schon besser, wenn man bestimmte Lebensmittel seltener und in geringeren Mengen isst. Aber oft bleibt Betroffenen nichts anderes übrig, als der vollständige oder vorübergehende Verzicht, je nach Schwere der Intoleranz.

Wer eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit hat, braucht aber nicht zu verzweifeln. Viele, die daran leiden, haben jede Menge leckere und nahrhafte Alternativen gefunden, die sie genießen können.

^ Abs. 19 Patienten mit schweren Allergien wird häufig empfohlen, für den Notfall einen Adrenalin-Pen zur Selbstinjektion bei sich zu tragen. Fachärzte empfehlen oft, dass Kinder einen Hinweis bei sich tragen sollten, der Lehrer oder Betreuer über ihre Allergien informiert.