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Jehovas Zeugen

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Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2016

 INDONESIEN

Unter japanischer Herrschaft

Unter japanischer Herrschaft

Anfang 1942 rollte die japanische Militärmaschinerie durch Indonesien und riss gewaltsam die Macht an sich. Viele Brüder wurden zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen, wie dem Bau von Straßen oder dem Ausheben von Gräben. Andere internierte man in heruntergekommenen Gefangenenlagern und folterte sie, weil sie den Krieg nicht unterstützen wollten. Mindestens drei Brüder verloren dort ihr Leben.

Johanna Harp, ihre zwei Töchter und Beth Godenze, eine Freundin der Familie (Mitte)

Johanna Harp, eine niederländische Schwester, lebte in einem abgelegenen Bergdorf in Ostjava. In den ersten zwei Kriegsjahren konnte sie einer Inhaftierung entgehen. Sie  und ihre drei Teenager nutzten die Freiheit und übersetzten das Buch Die Rettung und Ausgaben des Wachtturms vom Englischen ins Niederländische. * Die Publikationen wurden dann vervielfältigt und nach Java geschmuggelt.

Die wenigen Brüder, die noch frei waren, trafen sich in kleinen Gruppen und predigten vorsichtig. „Ich suchte immer nach Gelegenheiten, informell Zeugnis zu geben“, erzählt Josephine Elias (geborene Tan). „Wenn ich jemand besuchte, der an der Bibel interessiert war, hatte ich immer ein Schachbrett dabei, damit es so aussah, als ob wir nur Schach spielten.“ Während Felix Tan und seine Frau Bola von Haus zu Haus predigten, gaben sie vor, Seife zu verkaufen. Felix sagt: „Wir wurden oft von Spitzeln der kempeitai verfolgt, der gefürchteten japanischen Militärpolizei. Um keinen Verdacht zu erregen, besuchten wir unsere Bibelschüler zu verschiedenen Zeiten. Sechs von ihnen machten sehr gute Fortschritte und ließen sich noch während des Krieges taufen.“

Unstimmigkeiten in Jakarta

Kaum hatten sich die Brüder auf die Härten des Krieges eingestellt, kam eine weitere schwere Prüfung auf sie zu. Die japanischen Behörden verlangten von allen Ausländern (auch von Indonesiern chinesischer Abstammung), sich registrieren zu lassen und einen Ausweis bei sich zu tragen, der einen Treueid auf das japanische Reich enthielt. Viele Brüder fragten sich, ob sie das tun sollten.

Josephine Elias mit ihrem Bruder Felix

Felix Tan erklärt: „Die Brüder in Jakarta wollten uns in Sukabumi unbedingt davon abhalten, den Ausweis zu unterschreiben. Doch wir fragten die Behörden, ob wir den Wortlaut im Ausweis ändern konnten, von ‚die Unterzeichneten haben der japanischen Armee Treue geschworen‘ auf  ‚die Unterzeichneten werden die japanische Armee nicht behindern‘. Überraschenderweise waren sie einverstanden und alle erhielten einen Ausweis. Als die Brüder in Jakarta das hörten, bezeichneten sie uns als Abtrünnige und brachen den Kontakt ab.“

Traurigerweise kamen die meisten der Hardliner aus Jakarta in Haft und sagten sich von der Wahrheit los. Ein Bruder, der sich geweigert hatte, den geänderten Ausweis zu unterschreiben, traf im Gefängnis André Elias. André berichtete: „Wir tauschten unsere Meinung zum Thema Registrierung aus, und ich half ihm, das Ganze ausgeglichener zu sehen. Er bat demütig um Verzeihung, dass er den Kontakt zu uns abgebrochen hatte. Wir verbrachten noch eine großartige Zeit zusammen und stärkten uns gegenseitig. Leider starb er aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen.“

merdeka!

Als der Krieg 1945 endete, waren die Brüder und Schwestern entschlossen, mit dem Predigen weiterzumachen. Ein Bruder, den man im Gefängnis misshandelt hatte,  schrieb an das Zweigbüro in Australien: „Nach vier langen schweren Jahren bin ich nun wieder hier — ungebrochen. An meiner Haltung hat sich nichts geändert. Trotz all der Schwierigkeiten habe ich meine Brüder nie vergessen. Könnt ihr mir bitte einige Bücher senden?“

Schon bald traf in Indonesien die ersehnte Literatur ein — zunächst nur spärlich, dann immer mehr. In Jakarta gab es zehn Verkündiger, die wieder anfingen, Publikationen ins Indonesische zu übersetzen.

Am 17. August 1945 erklärten die Anführer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung Indonesien zur unabhängigen Republik und lösten damit eine vierjährige Revolution aus, die sich gegen die niederländische Kolonialherrschaft richtete. Zehntausende starben in dem anschließenden Chaos und über sieben Millionen Menschen wurden vertrieben.

Während der Revolution predigten die Brüder weiter von Haus zu Haus. Josephine Elias erzählt: „Patrioten wollten uns zwingen, ihren Schlachtruf ‚merdeka‘ zu rufen, was ‚Freiheit‘ bedeutet. Doch wir erklärten ihnen, dass wir uns in politischen Angelegenheiten neutral verhalten.“ Nach langjähriger Kolonialherrschaft übertrugen die Niederlande 1949 ihren Souveränitätsanspruch auf die Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien (heute Republik Indonesien). *

Im Jahr 1950 hatten die Brüder in Indonesien etwa zehn konfliktreiche Jahre überstanden. Aber es lag noch viel Arbeit vor ihnen. Wie sollten sie den Millionen von Menschen die gute Botschaft verkündigen? Vom menschlichen Standpunkt aus schien das unmöglich. Doch voller Vertrauen begannen sie mit dieser Tätigkeit, weil sie überzeugt waren, dass Jehova „Arbeiter in seine Ernte aussenden“ würde (Mat. 9:38). Und genau das tat Jehova.

^ Abs. 2 Die jüngere Tochter von Schwester Harp, Hermine (Mimi), besuchte nach dem Krieg die Gileadschule und kam als Missionarin nach Indonesien zurück.

^ Abs. 3 Die Niederländer verwalteten Westpapua (später Westneuguinea) noch bis 1962.

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