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Jehovas Zeugen

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Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2016

 INDONESIEN

Gute Ergebnisse in Westjava

Gute Ergebnisse in Westjava

Theodorus Ratu

1933 bat Frank Rice einen Einheimischen von Nordsulawesi, Theodorus (Theo) Ratu, ihm zu helfen, das Literaturlager in Jakarta zu führen. Theo erzählt: „Das Königreichswerk beeindruckte mich so sehr, dass ich anfing, mit Bruder Rice predigen zu gehen. Ich begleitete auch Bill Hunter auf einer Predigttour nach Java und ging später mit der Crew der Lightbearer auf eine Reise nach Sumatra.“ Theo war der erste Indonesier, der die Wahrheit annahm. Er diente über Jahrzehnte als Pionier auf Java, Nordsulawesi und Sumatra.

Im Jahr darauf bekam Felix Tan, ein Student, der in Jakarta lebte, von Bill Hunter ein Exemplar der Broschüre Wo sind die Toten?. Als Felix zu seiner Familie in Bandung (Westjava) zurückzog, zeigte er seinem jüngeren Bruder Dodo die Broschüre. Beide waren erstaunt zu erfahren, dass der erste Mensch Adam keine unsterbliche Seele besaß, sondern eine Seele war (1. Mo. 2:7). Felix und Dodo waren jetzt auf den Geschmack gekommen. Auf der Suche nach weiteren Wachtturm-Publikationen durchstöberten sie alle Secondhand-Buchläden in Bandung. Sie erzählten auch ihrer Familie, was sie gelernt hatten. Nachdem sie sämtliche  Bücher und Broschüren verschlungen hatten, schrieben sie an das Literaturlager in Jakarta. Sie staunten nicht schlecht, als Frank Rice persönlich kam und ihnen neue Literatur brachte.

Familie Tan

Kurz nachdem Bruder Rice wieder in Jakarta war, besuchten Clem und Jean Deschamp, die gerade geheiratet hatten, für 15 Tage Bandung. Felix berichtet: „Bruder Deschamp fragte unsere Familie, ob wir uns nicht taufen lassen möchten. Vier aus meiner Familie wollten das: Dodo, meine jüngere Schwester Josephine (Pin Nio), meine Mutter (Kang Nio) und ich.“ * Diese vier begleiteten nach ihrer Taufe Clem und Jean bei einer 9-tägigen Predigtkampagne. Clem zeigte ihnen, wie man mit einer Zeugniskarte predigt, auf der in drei Sprachen in einfachen Worten  eine biblische Botschaft stand. Aus der kleinen Gruppe in Bandung wurde bald eine Versammlung — die zweite in Indonesien.

Die Bischofsmütze

Als das Predigtwerk in Schwung kam, wurde die Geistlichkeit hellhörig. Zusammen mit ihren Vertretern verfasste sie Zeitungsartikel, in denen sie die Glaubensansichten sowie die Tätigkeit von Jehovas Zeugen attackierte. Aufgrund dieser Artikel wurde Frank Rice von den Beamten des Religionsministeriums zu einer Befragung einbestellt. Nach einem zufriedenstellenden Gespräch gestatteten die Beamten den Brüdern, das Werk weiter durchzuführen. *

Anfang der 1930er-Jahre ignorierten oder tolerierten die meisten Kolonialbeamten die Predigttätigkeit. Doch als das NS-Regime in Europa an die Macht kam, schlugen einige Regierungsbeamte einen anderen Ton an, vor allem, wenn sie engagierte Katholiken waren. Clem Deschamp sagt: „Ein katholischer Zollbeamter, der uns nicht gut gesonnen war, beschlagnahmte eine Sendung unserer Bücher. Angeblich enthielten sie negative Anspielungen auf den Nationalsozialismus. Als ich bei der Zollbehörde anrief, um mich zu beschweren, befand sich der besagte Beamte gerade im Urlaub und wurde von einem freundlichen Nichtkatholiken vertreten. Er gab die Bücher sofort frei und meinte: ‚Nutzen Sie die Zeit, solange mein Kollege noch weg ist. Holen Sie, so viel Sie können!‘ “

„Ein andermal bestanden Beamte darauf, dass zwei Bilder aus dem Buch Feinde entfernt werden“, erzählt Jean Deschamp. „Das Problem waren zwei Karikaturen: eine sich vor Schmerz windende Schlange (Satan) und eine betrunkene Hure (falsche Religion). Beide trugen eine Bischofsmütze  (Mitra). * Da wir entschlossen waren, das Buch zu verbreiten, setzten sich drei von uns in der brütenden Hitze an den Kai und arbeiteten sich durch Tausende von Büchern, um die Bilder mit der Bischofsmütze zu schwärzen.“

Die Bilder aus dem Buch Feinde, die verboten wurden

Während Europa auf einen Krieg zusteuerte, stellten unsere Publikationen die Heuchelei der Christenheit und ihre Einmischung in die Politik weiter bloß. Die Geistlichkeit übte daraufhin noch mehr Druck auf die Behörden aus, unsere Tätigkeit einzuschränken. Mehrere Publikationen wurden verboten.

Doch die Brüder waren entschlossen, nicht aufzugeben, und machten guten Gebrauch von einer Druckpresse, die sie aus Australien erhalten hatten (Apg. 4:20). Jean Deschamp beschreibt eine ihrer Strategien: „Von jeder Broschüre oder Zeitschrift, die wir druckten, mussten wir den Behörden ein Exemplar zur Genehmigung vorlegen. Wir  druckten und verteilten die Publikationen gleich zu Beginn der Woche und erst am Ende der Woche brachten wir ein Exemplar zum Büro des Generalstaatsanwalts. Wurde die Publikation abgelehnt, senkten wir enttäuscht die Köpfe und eilten dann schnell zurück, um die nächste Publikation zu drucken.“

Brüder und Schwestern, die verbotene Literatur verbreiteten, lieferten sich mit der Polizei oft ein Katz-und-Maus-Spiel. Als Charles Harris beispielsweise in Kediri (Ostjava) predigte, sprach er versehentlich bei dem Polizeiinspektor vor.

Der Inspektor sagte: „Ich hab schon den ganzen Tag nach Ihnen gesucht. Warten Sie. Ich hol mal die Liste mit den verbotenen Büchern.“

Charles erzählt weiter: „Während der Inspektor in seiner Wohnung nach der Liste suchte, steckte ich die verbotene Literatur in die geheimen Innentaschen meines Mantels. Als er wiederkam, gab ich ihm 15 Broschüren, die nicht verboten waren. Er nahm sie und gab mir widerwillig eine Spende dafür. Die verbotene Literatur verbreitete ich weiter unten in der Straße.“

Drucken trotz Schwierigkeiten

Als der Zweite Weltkrieg Europa erfasste, wurde auch der Literaturversand von den Niederlanden nach Indonesien eingestellt. Die Brüder hatten das aber schon kommen sehen und wohlweislich alles so geregelt, dass eine Druckerei in Jakarta die Zeitschriften druckte. Die erste Ausgabe der Zeitschrift Trost (heute Erwachet!) in Indonesisch erschien im Januar 1939 und Der Wachtturm folgte kurz darauf. Später kauften die Brüder eine kleine Druckpresse und produzierten selbst die Zeitschriften. 1940 erhielten sie aus Australien eine Flachformpresse, auf der sie Broschüren und Zeitschriften in Indonesisch und Niederländisch herstellten. Die Ausgaben bestritten sie aus eigener Tasche.

Die erste Druckpresse kommt in Jakarta an

 Doch am 28. Juli 1941 wurden schließlich alle Wachtturm-Publikationen offiziell verboten. Jean Deschamp erinnert sich: „Ich saß eines Morgens an der Schreibmaschine, als die Bürotüren aufflogen. Hereinmaschiert kamen drei Polizisten sowie ein hoher niederländischer Beamter in voller Montur — Orden, weiße Handschuhe, Degen und Federhelm. Wir waren nicht überrascht. Drei Tage zuvor hatte uns jemand die Information gegeben, dass unsere Publikationen bald verboten werden würden. Der großspurige Beamte verlas eine lange Erklärung und bestand darauf, zur Druckpresse gebracht zu werden, um sie zu verplomben. Aber mein Mann sagte ihm, er sei zu spät. Die Presse war am Vortag verkauft worden.“

Was allerdings nicht verboten wurde, war die Bibel. Mit ihr konnten die Brüder weiter von Haus zu Haus predigen und auch Bibelstudien durchführen. Da sich inzwischen auch in Asien Krieg abzeichnete, wurden die Pioniere aus Australien aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren.

^ Abs. 1 Später wurden auch drei jüngere Brüder von Felix und sein Vater Zeugen Jehovas. Seine Schwester Josephine heiratete André Elias und besuchte die Wachtturm-Bibelschule Gilead. Ihr Lebensbericht erschien im Erwachet! vom September 2009.

^ Abs. 1 Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Frank nach Australien zurück und gründete eine Familie. Bruder Rice vollendete sein Leben auf der Erde im Jahr 1986.

^ Abs. 3 Die Bilder stützten sich auf Offenbarung 12:9 und 17:3-6.