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Jehovas Zeugen

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Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2016

Ein Kongress unter Verbot, den ein Teil der Anwesenden vom Boot aus mitverfolgt

 INDONESIEN

Entschlossen, weiterzumachen

Entschlossen, weiterzumachen

Als die Brüder im Zweigbüro in Jakarta von dem Verbot erfuhren, traten sie in Aktion. Ronald Jacka berichtet: „Wir brachten unsere vertraulichen Unterlagen, die Literaturvorräte und die Geldmittel des Zweiges in Sicherheit. Dann verlegten wir das Zweigbüro an einen geheimen Ort und verkauften unauffällig die ehemaligen Zweiggebäude.“

Die meisten Brüder predigten unerschrocken weiter. Schon vor dem Verbot hatten sie schwere Prüfungen bewältigt, und sie vertrauten weiter auf Jehova. Manche wurden von dem Verbot aber auch überrascht. Einige Älteste bekamen es mit der Angst zu tun und unterschrieben eine Erklärung, in der sie einwilligten, mit dem Predigen aufzuhören. Andere verrieten die Namen von Glaubensbrüdern. Das Zweigbüro sandte reife Brüder, um die Versammlungen zu stärken und denen zu helfen, die sich auf Zugeständnisse eingelassen hatten. Auch John Booth, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, besuchte Indonesien und gab dringend benötigten väterlichen Rat.

Ganz offensichtlich war es Jehova, der große Hirte, der sein Volk stärkte und tröstete (Hes. 34:15). Die Ältesten übernahmen wieder die Führung und die Verkündiger fanden neue Mittel und Wege, unauffällig zu predigen (Mat. 10:16). Viele Brüder kauften bei der Indonesischen Bibelgesellschaft moderne, erschwingliche Bibeln und boten sie den Leuten an der Tür an. Wo es möglich war, sprachen sie auch über die Königreichsbotschaft. Andere Verkündiger entfernten aus unseren Veröffentlichungen das Impressum und verteilten sie an interessierte Personen.  Um weiter predigen zu können, gaben sich viele Pioniere auch als Haustürverkäufer aus, so wie es die Brüder schon unter der japanischen Besetzung gemacht hatten.

Margarete und Norbert Häusler

Im Jahr 1977 legte das Religionsministerium den Brüdern weitere Steine in den Weg: Die Visa der Missionare wurden nicht verlängert. Die meisten Missionare schickte man in andere Länder. * So erging es auch Norbert Häusler, der zusammen mit seiner Frau Margarete in Manado (Nordsulawesi) diente: „Hunderte von Brüdern und Schwestern kamen zum Flughafen, um uns zu verabschieden. Als wir Richtung Gangway liefen und uns noch einmal umdrehten, sahen wir ein Meer von Händen. Wie aus  einem Mund schallte es zu uns herüber: ‚Vielen Dank. Danke, dass ihr hier wart!‘ — wir gingen an Bord und weinten.“

Skandal auf Sumba

Als sich das Verbot auf dem Archipel herumsprach, forderte die Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien ihre Mitglieder auf, jegliche Aktivität der Zeugen den Behörden zu melden. Das löste auf vielen Inseln eine Welle von Verhaftungen und Verhören aus.

Auf der Insel Sumba wurden 23 Brüder vom Militärbefehlshaber in Waingapu zum Militärlager bestellt. Sie sollten eine Erklärung unterschreiben und sich von ihrem Glauben lossagen. Da die Brüder das verweigerten, verlangte der Befehlshaber, dass sie am nächsten Tag wiederkommen. Das bedeutete hin und zurück einen Fußmarsch von 13 Kilometern.

Die Brüder meldeten sich frühmorgens bei dem Befehlshaber und wurden nacheinander aufgerufen, um die Erklärung zu unterschreiben. Wer sich weigerte, wurde von Soldaten mit dornigen Zweigen geschlagen. Die Soldaten vergaßen sich völlig und schlugen einige Brüder sogar bewusstlos. Die anderen Brüder warteten ab, bis sie an der Reihe waren. Zuletzt trat der junge Mone Kele nach vorne und schrieb etwas auf die Erklärung. Den Brüdern blieb fast das Herz stehen, während der Befehlshaber die Nerven verlor. Mone hatte geschrieben: „Ich bin entschlossen, für immer ein Zeuge Jehovas zu bleiben!“ Obwohl man ihn krankenhausreif schlug, blieb er in seiner Überzeugung ungebrochen.

Der Befehlshaber versuchte 11 Tage lang, die Treue der Brüder zu brechen. Er zwang sie, den ganzen Tag in der sengenden tropischen Sonne zu stehen. Außerdem mussten sie mehrere Kilometer auf allen vieren kriechen  und über lange Strecken schwere Lasten tragen. Er hielt ihnen eine Stichwaffe an die Kehle und befahl ihnen, die Fahne zu grüßen — doch sie weigerten sich. Daraufhin ordnete er an, sie noch mehr zu schlagen.

Morgens schleppten sich die Brüder ins Lager und fragten sich, welche neuen Schikanen wohl heute auf sie warten würden. Unterwegs beteten sie gemeinsam und machten sich gegenseitig Mut, treu zu bleiben. Abends schleppten sie sich blutig geschlagen wieder nach Hause. Im Herzen empfanden sie aber die Freude, treu zu Jehova gestanden zu haben.

Als die Brüder im Zweigbüro von diesen Misshandlungen erfuhren, telegrafierten sie sofort Protestbriefe an den Militärbefehlshaber in Waingapu, den örtlichen Militärkommandanten in Timor, den Divisionskommandeur auf Bali, den militärischen Oberbefehlshaber in Jakarta und an andere Schaltstellen der Regierung. Dem Militärbefehlshaber in Waingapu war es peinlich, dass sein niederträchtiges Verhalten im ganzen Land publik geworden war, und so hörte er auf, die Brüder zu verfolgen.

„Jehovas Zeugen sind wie Nägel“

In den folgenden Jahren wurden unzählige Zeugen in Indonesien festgenommen, verhört oder körperlich misshandelt. „In einer Region schlug man den Brüdern die Vorderzähne aus“, erinnert sich der Missionar Bill Perrie. „Trafen die Brüder jemand, der seine Vorderzähne noch hatte, fragten sie scherzhaft: ‚Bist du neu? Oder hast du unterschrieben?‘ Obwohl die Brüder so viel durchmachen  mussten, verloren sie nie ihre Freude und Begeisterung im Dienst für Jehova.“

„Im Gefängnis habe ich gelernt, mich noch mehr auf Jehova zu verlassen. Mein Glaube ist stärker als je zuvor“

Die unmenschliche Behandlung bestärkte sie noch mehr in ihrer Entschlossenheit, Jehova treu zu bleiben. Innerhalb von 13 Jahren wurden 93 Zeugen zu Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis zu vier Jahren verurteilt. Nachdem Musa Rade eine achtmonatige Gefängnisstrafe verbüßt hatte, besuchte er die Brüder in seiner Gegend und ermunterte sie weiterzupredigen. Er sagt: „Im Gefängnis habe ich gelernt, mich noch mehr auf Jehova zu verlassen. Mein Glaube ist stärker als je zuvor.“ Kein Wunder, dass einige Beobachter zu dem Schluss kamen: „Jehovas Zeugen sind wie Nägel. Je mehr man auf sie ‚schlägt‘, desto fester wird ihr Glaube.“

Verkündiger auf dem Weg zum Predigen auf Ambon (Molukken)

^ Abs. 1 Da sich die langjährigen Missionare Peter Vanderhaegen und Len Davis schon im Rentenalter befanden und Marian Tambunan (geborene Stoove) mit einem Indonesier verheiratet war, konnten sie im Land bleiben. Alle drei blieben während des Verbots eifrig tätig und erzielten schöne Ergebnisse beim Predigen.