Zurück zum Inhalt

Unseren Brüdern in Griechenland drohte wegen ihrer Neutralität Verbannung oder Gefängnis; trotzdem setzten sie wenn möglich ihre theokratischen Aktivitäten, wie den Besuch des Gedächtnismahls, fort

22. DEZEMBER 2022
GRIECHENLAND

Seit 100 Jahren den Krieg nicht mehr gelernt

Seit 100 Jahren den Krieg nicht mehr gelernt

Nikos und Eleni Abatzis

Für Jehovas Zeugen in Griechenland jähren sich 2022 gleich zwei besondere Ereignisse: Genau 100 Jahre sind seit der ersten dokumentierten Wehrdienst­verweigerung aus Gewissens­gründen vergangen und 25 Jahre seit der Einführung des Zivildienstes.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Griechenland von zahlreichen militärischen Konflikten betroffen. Das stellte unsere Glaubensbrüder wiederholt vor die Herausforderung, neutral zu bleiben. Nikos Abatzis und Nikolaos Rebebos waren die ersten beiden Zeugen Jehovas (damals Bibelforscher genannt) in Griechenland, die für ihr biblisch geschultes Gewissen einstanden.

Bruder Abatzis weigerte sich, im Griechisch-Türkischen Krieg von 1919-1922 zu kämpfen. Er erinnert sich: „Ich wurde zur Kaserne in Kleinasien geschickt … Dort fasste ich Mut und begann den Soldaten zu predigen. Ich sagte ihnen, dass Krieg unvereinbar mit dem Evangelium ist, in dem wir ja aufgefordert werden, unsere Feinde zu lieben.“ Als der Krieg zu Ende war, predigte Bruder Abatzis die Botschaft der Bibel weiter in vielen Gegenden Griechenlands.

Nikolaos Rebebos und seine Frau

Nikolaos Rebebos diente als Soldat im Griechisch-Türkischen Krieg. Als er jedoch die Bibel und ein Traktat las, das er von den Bibelforschern bekommen hatte, änderte sich seine Einstellung zum Krieg. Er teilte seinen Vorgesetzten schließlich mit, dass er nicht länger kämpfen werde, obwohl er wusste, dass dies seine Hinrichtung durch ein Erschießungs­kommando bedeuten konnte. Nikolaos erklärte mutig, dass ihm kein Haar gekrümmt werden würde, sofern Gott es nicht zuließe. Nach dem Krieg machte er die Bibelforscher ausfindig und ließ sich 1925 taufen.

Nikos Abatzis und Nikolaos Rebebos waren lediglich die ersten von vielen griechischen Brüdern, die sich trotz großen Drucks weigerten, zu den Waffen zu greifen. Auch im Zweiten Weltkrieg und im Griechischen Bürgerkrieg von 1946-1949 blieben unsere Brüder standhaft und traten weder dem Militär noch der Guerilla bei – und einige wurden deswegen hingerichtet. Ungeachtet der Verfolgung predigten sie weiter die Friedensbotschaft der Bibel, sodass die Zahl der Zeugen Jehovas in Griechenland von 178 im Jahr 1940 auf 2808 im Jahr 1949 stieg.

Zeugen Jehovas predigen heute eifrig die gute Botschaft in Griechenland

Wer aus Gewissens­gründen den Wehrdienst verweigerte, wurde inhaftiert. Insgesamt verbüßten 3788 Brüder Freiheitsstrafen wegen ihrer Neutralität. Im Jahr 1997 wurde in Griechenland endlich der Zivildienst gesetzlich eingeführt. Zurzeit leisten etwa 100 unserer Brüder dort Zivildienst.

Im Dienstjahr 2022 hatte Griechenland eine Höchstzahl von 27 995 Verkündigern und 420 ließen sich taufen.

Im Lauf des vergangenen Jahrhunderts ist deutlich geworden, dass Jehova unseren Brüdern in Griechenland in ihrem Entschluss, den Krieg nicht zu lernen, beisteht (Jesaja 2:4).