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 STUDIENARTIKEL 12

Lass dir die Gefühle anderer zu Herzen gehen

Lass dir die Gefühle anderer zu Herzen gehen

„Habt Mitgefühl“ (1. PET. 3:8, NW, 2013)

LIED 90 Uns gegenseitig Mut machen

VORSCHAU *

1. Warum sind wir gern mit Menschen zusammen, denen unsere Gefühle und unser Wohl am Herzen liegen? Beziehe 1. Petrus 3:8 mit ein.

WIR sind gern mit Menschen zusammen, denen unsere Gefühle und unser Wohl am Herzen liegen. Sie versuchen, sich in unsere Lage zu versetzen, also sich in uns hineinzudenken oder zu -fühlen. Sie erkennen Bedürfnisse und bieten Hilfe an – manchmal schon bevor wir darum bitten. Wir schätzen Menschen, die „Mitgefühl“ * zeigen. (Lies 1. Petrus 3:8.)

2. Warum schaffen wir es nicht immer, Mitgefühl zu zeigen?

2 Als Christen haben wir alle den Wunsch, Einfühlsamkeit oder Mitgefühl zu zeigen. Um ehrlich zu sein, schaffen wir das aber nicht immer. Warum? Ein Grund ist, dass wir unvollkommen sind (Röm. 3:23). Deshalb müssen wir die angeborene Neigung bekämpfen, hauptsächlich an uns selbst zu denken. Manchen steht auch ihre Erziehung oder die eigene Vergangenheit im Weg. Außerdem könnte uns die Einstellung der Menschen um uns herum beeinflussen. In den heutigen letzten Tagen lieben viele sich selbst und die Gefühle anderer sind ihnen egal (2. Tim. 3:1, 2). Was hilft uns, trotz alldem Mitgefühl zu zeigen?

3. (a) Was hilft uns, mitfühlender zu werden? (b) Worum geht es in diesem Artikel?

3 Das Beispiel von Jehova und seinem Sohn, Jesus Christus, hilft uns, mitfühlender zu werden. Jehova ist ein Gott der Liebe und das Paradebeispiel für Mitgefühl  (1. Joh. 4:8). Jesus spiegelte die Persönlichkeit seines Vaters vollkommen wider (Joh. 14:9). Als er auf der Erde war, lebte er vor, wie man als Mensch mit anderen mitfühlend umgeht. In diesem Artikel sehen wir uns zunächst an, wie mitfühlend Jehova und Jesus waren. Dann gehen wir darauf ein, wie wir uns an ihnen ein Beispiel nehmen können.

JEHOVA FÜHLT MIT ANDEREN

4. Wie geht aus Jesaja 63:7-9 hervor, dass Jehova die Gefühle seiner Diener am Herzen liegen?

4 Wie die Bibel zeigt, liegen Jehova die Gefühle seiner Diener am Herzen. Was empfand er zum Beispiel, als die Israeliten viel Leid durchmachten? „Während all ihres Leids litt auch er“, heißt es in Gottes Wort. (Lies Jesaja 63:7-9.) Durch den Propheten Sacharja erklärte Jehova später, er würde einen Angriff auf sein Volk als Angriff auf sich selbst empfinden. Er sagte zu seinen Dienern: „Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Sach. 2:8). Was für ein eindrucksvolles Bild für Jehovas Mitgefühl!

Jehova hatte Mitgefühl mit den Israeliten und befreite sie aus der Sklaverei in Ägypten (Siehe Absatz 5)

5. Wie wurde Jehova aktiv, um seinen Dienern in der Not zu helfen?

5 Jehova empfindet nicht nur Mitgefühl, wenn seine Diener Schlimmes durchmachen. Er wird aktiv, um ihnen zu helfen. Als die Israeliten zum Beispiel Sklaven in Ägypten waren, wusste Jehova, wie sehr sie litten, und wollte ihr Leid lindern. Er sagte zu Moses: „Ich habe sehr wohl gesehen, wie schlecht es meinem Volk in Ägypten geht. Ich habe sie . . . schreien hören, und ich weiß genau, wie sehr sie leiden. Ich werde hinuntergehen, um sie aus der Hand der Ägypter zu befreien“ (2. Mo. 3:7, 8, NW, 2013). Aus Mitgefühl befreite Jehova sein Volk aus der Sklaverei. Viele Jahre später wurden die Israeliten im Land der Verheißung von ihren Feinden angegriffen. Wie reagierte Jehova? Er hatte „Mitleid, wenn sie stöhnten, weil man sie unterdrückte und misshandelte“. Wieder kam Jehova seinem Volk aus Mitgefühl zu Hilfe. Er sandte Richter, um die Israeliten vor ihren Feinden zu retten (Ri. 2:16, 18, NW, 2013).

6. Welches Beispiel zeigt, wie Jehova auf jemand einging, dessen Denkweise nicht richtig war?

 6 Jehova nimmt die Gefühle seiner Diener ernst – selbst wenn ihre Denkweise nicht immer richtig ist. Das zeigt das Beispiel des Propheten Jona. Er bekam von Gott den Auftrag, den Niniviten eine Gerichtsbotschaft zu überbringen. Als sie bereuten, entschied Gott, sie zu verschonen. Jona gefiel das aber gar nicht. Er „entbrannte von Zorn“, weil die Vernichtung, die er prophezeit hatte, nicht kam. Doch Jehova war geduldig mit Jona und half ihm umzudenken (Jona 3:10 bis 4:11). Jona lernte seine Lektion, und Jehova ließ ihn sogar seine Erlebnisse zu unserem Nutzen aufschreiben (Röm. 15:4). *

7. Was zeigt Jehovas Umgang mit seinen Dienern?

7 Wie Jehova mit seinem Volk umgeht, zeigt deutlich: Er fühlt mit seinen Dienern mit. Er weiß, was jeder von uns durchmacht. Jehova kennt das Herz der Menschen durch und durch (2. Chr. 6:30). Er kennt unsere innersten Gedanken, unsere Gefühle und auch unsere Grenzen. Und er wird nicht zulassen, dass wir über unsere Kraft hinaus versucht werden (1. Kor. 10:13). Was für ein beruhigender Gedanke!

JESUS FÜHLT MIT ANDEREN

8-10. Was muss dazu beigetragen haben, dass Jesus mit anderen mitfühlen konnte?

8 Als Jesus auf der Erde lebte, lagen ihm die Menschen sehr am Herzen. Dazu müssen mindestens drei Umstände beigetragen haben. Erstens: Jesus spiegelte die Persönlichkeit seines Vaters vollkommen wider. Wie sein Vater liebte er die Menschen. Zwar freute er sich über alles, was Jehova mit seiner Hilfe gemacht hatte, aber die Menschen hatte er besonders lieb (Spr. 8:31). Und deswegen waren ihm ihre Gefühle wichtig.

9 Zweitens: Jesus konnte ins Herz sehen wie Jehova. Er konnte die Gefühle und Beweggründe der Menschen erkennen (Mat. 9:4; Joh. 13:10, 11). Wenn er ein gebrochenes Herz sah, fühlte er sich gedrängt, zu trösten und zu helfen (Jes. 61:1, 2; Luk. 4:17-21).

10 Drittens: Jesus hatte Herausforderungen zu bewältigen, vor denen auch andere Menschen standen. Zum Beispiel wuchs er offensichtlich in einer armen Familie auf. Bei der Zusammenarbeit mit seinem Adoptivvater Joseph lernte er harte körperliche Arbeit kennen (Mat. 13:55; Mar. 6:3). Joseph scheint einige Zeit vor Beginn des Dienstes Jesu gestorben zu sein. Also spürte Jesus wahrscheinlich, wie weh es tut, einen lieben Menschen zu verlieren. Und er wusste, wie es ist, wenn in der Familie nicht alle die gleichen religiösen Ansichten haben (Joh. 7:5). Aus diesen und anderen Gründen konnte Jesus die Probleme und Gefühle einfacher Menschen sicher verstehen.

Aus Mitgefühl heilt Jesus einen Gehörlosen abseits einer Menschenmenge (Siehe Absatz 11)

11. Wann wurde Jesu Mitgefühl besonders deutlich? (Siehe Titelbild.)

11 Jesu Mitgefühl wurde besonders deutlich, wenn er Wunder wirkte. Er tat das nicht aus reinem Pflichtgefühl, sondern hatte Mitleid mit den Menschen, die litten (Mat. 20:29-34; Mar. 1:40-42). Stellen wir uns vor, was er empfand, als er einen gehörlosen Mann von  der Menschenmenge wegführte und heilte oder als er den einzigen Sohn einer Witwe auferweckte (Mar. 7:32-35; Luk. 7:12-15). Jesus hatte ein Herz für diese Menschen und wollte ihnen helfen.

12. Wie geht aus Johannes 11:32-35 Jesu Mitgefühl für Maria und Martha hervor?

12 Jesus zeigte auch Mitgefühl für Martha und Maria. Als er sah, wie sie um ihren verstorbenen Bruder trauerten, brach er in Tränen aus. (Lies Johannes 11:32-35.) Er weinte nicht einfach, weil er nun mit einem guten Freund nicht mehr zusammen sein konnte. Schließlich wusste er, dass er Lazarus auferwecken würde. Jesus weinte vielmehr, weil er den Kummer und Schmerz seiner lieben Freunde nachempfinden konnte.

13. Warum gibt es uns viel, uns mit Jesu Mitgefühl zu befassen?

13 Uns mit Jesu Mitgefühl zu befassen gibt uns sehr viel. Natürlich sind wir nicht vollkommen wie er, doch wir lieben ihn für seine mitfühlende Art (1. Pet. 1:8). Es tut gut, zu wissen, dass er jetzt als König von Gottes Königreich regiert. Er wird bald allem Leid ein Ende machen. Da er als Mensch auf der Erde lebte, kann er der Menschheit am besten helfen, sich von den Wunden zu erholen, die ihr durch Satans Herrschaft zugefügt wurden. In ihm haben wir wirklich einen Herrscher, der „mitfühlen kann mit unseren Schwachheiten“ (Heb. 2:17, 18; 4:15, 16).

NIMM DIR EIN BEISPIEL AN JEHOVA UND JESUS

14. Wozu fühlen wir uns gemäß Epheser 5:1, 2 motiviert?

14 Über das Beispiel von Jehova und Jesus nachzudenken motiviert uns, mehr Mitgefühl zu zeigen. (Lies Epheser 5:1, 2.) Wir können niemandem ins Herz sehen wie sie. Aber wir können versuchen, Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu entwickeln (2. Kor. 11:29). Im Gegensatz zu der egoistischen Welt um uns herum wollen wir nicht nur unsere eigenen Interessen im Auge haben, sondern auch die der anderen (Phil. 2:4).

(Siehe Absatz 15-19) *

15. Für wen ist Mitgefühl besonders notwendig?

15 Besonders für Älteste ist es notwendig, Mitgefühl zu zeigen. Sie wissen, dass sie Rechenschaft über die Schafe ablegen müssen, die ihnen anvertraut wurden (Heb. 13:17). Um ihren Brüdern und Schwestern zu helfen, müssen Älteste verständnisvoll und einfühlsam sein. Wie würde sich das zeigen?

16. Was tut ein mitfühlender Ältester, und warum ist das wichtig?

16 Ein mitfühlender Ältester nimmt sich Zeit für seine Glaubensbrüder. Er stellt Fragen und hört dann aufmerksam und geduldig zu. Das ist besonders wichtig, wenn sich eines dieser lieben Schafe etwas vom Herzen reden möchte, aber nicht die richtigen Worte findet (Spr. 20:5). Schenkt ein Ältester anderen gern Zeit, stärkt er das Vertrauen, die Freundschaft und die Liebe zwischen ihm und den Brüdern (Apg. 20:37).

17. Was schätzen viele Brüder und Schwestern an Ältesten am meisten? Gib ein Beispiel.

17 Viele Brüder und Schwestern bringen zum Ausdruck, dass sie es an Ältesten am meisten schätzen, wenn sie einfühlsam sind. Adelaide erklärt, warum: „Man spricht lieber mit ihnen, weil man weiß, dass sie einen verstehen.“ Weiter meint sie: „Man spürt ihr Mitgefühl an der Art, wie sie auf einen eingehen.“ Ein  Bruder erinnert sich dankbar: „Als ein Ältester über meine Lage nachdachte, stiegen ihm Tränen in die Augen. Dieses Bild werde ich nie vergessen“ (Röm. 12:15).

18. Wie können wir Mitgefühl für andere entwickeln?

18 Natürlich ist Mitgefühl nicht nur für Älteste wichtig. Wir alle können diese Fähigkeit entwickeln. Wie? Versuch zu verstehen, was deine Familie oder deine Glaubensbrüder durchmachen. Interessiere dich für die Jugendlichen in deiner Versammlung, die Kranken, die Älteren und die, die einen lieben Menschen verloren haben. Frag sie, wie es ihnen geht. Hör wirklich zu, wenn sie über ihre Gefühle sprechen. Lass sie spüren, dass du echtes Verständnis für ihre Lage hast. Biete an, ihnen zu helfen, wo du kannst. Wenn wir das tun, zeigen wir echte Liebe (1. Joh. 3:18).

19. Warum müssen wir flexibel sein, wenn wir anderen helfen wollen?

19 Wenn wir anderen helfen wollen, müssen wir flexibel sein. Schließlich reagiert in schwierigen Situationen nicht jeder gleich. Manche reden dann gern, andere eher nicht. Wir wollen zwar helfen, aber wir sollten keine unangenehmen Fragen stellen (1. Thes. 4:11). Selbst wenn sich andere öffnen, kann es sein, dass wir ihre Ansicht nicht immer teilen. Dann müssen wir daran denken: Das sind ihre Empfindungen. Seien wir schnell zum Hören, langsam zum Reden (Mat. 7:1; Jak. 1:19).

20. Worum geht es im nächsten Artikel?

20 Außer in der Versammlung möchten wir auch im Predigtdienst mitfühlend sein. Wie kann diese schöne Eigenschaft zum Ausdruck kommen, wenn wir Menschen helfen, Jünger zu werden? Darum geht es im nächsten Artikel.

LIED 130 Gerne verzeihen

^ Abs. 5 Jehova und Jesus sind die Gefühle anderer wichtig. Dieser Artikel zeigt, was wir aus ihrem Beispiel lernen können. Außerdem werden wir besprechen, warum wir Mitgefühl zum Ausdruck bringen sollten und wie wir das tun können.

^ Abs. 1 KURZ ERKLÄRT: Mitgefühl zu zeigen bedeutet, zu versuchen, die Gefühle anderer zu verstehen und so zu fühlen wie sie (Röm. 12:15).

^ Abs. 6 Jehova ging auch mitfühlend auf die starken Empfindungen anderer treuer Menschen ein. Das zeigen die Berichte über Hanna (1. Sam. 1:10-20), Elia (1. Kö. 19:1-18) und Ebed-Melech (Jer. 38:7-13; 39:15-18).

^ Abs. 65 BILDBESCHREIBUNGEN: Bei den Zusammenkünften gibt es viele Möglichkeiten, eine herzliche Atmosphäre zu schaffen. Die Bilder zeigen 1. einen Ältesten, der nett mit einem jungen Verkündiger und seiner Mutter spricht, 2. einen Vater mit seiner Tochter, die einer älteren Schwester zum Auto helfen, 3. zwei Älteste, die einer Schwester aufmerksam zuhören, als sie um Rat bittet.