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Erziehung — ein Beweis für Gottes Liebe

Erziehung — ein Beweis für Gottes Liebe

„Jehova erzieht die, die er liebt“ (HEB. 12:6, NW, 2013)

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1. Womit verbindet die Bibel Zucht oder Erziehung?

WORAN denkst du bei Zucht oder Erziehung? Vielleicht an eine Bestrafung. Die Bibel betont allerdings, wie nützlich Zucht oder Erziehung ist. Sie erwähnt sie in Verbindung mit Erkenntnis, Weisheit, Liebe und Leben (Spr. 1:2-7; 4:11-13). Wenn Gott uns erzieht, geschieht das immer aus Liebe und aus dem Wunsch heraus, dass wir einmal ewig leben (Heb. 12:6). Zur Erziehung gehört zwar manchmal Strafe, aber niemals Beleidigung oder Gewalt. In der Bibel bezieht sich Erziehung vor allem auf Schulung, wie sie beispielsweise ein heranwachsendes Kind bekommt.

2, 3. Was schließt Erziehung ein? (Siehe Anfangsbild.)

2 Ein Beispiel: Tim spielt in der Wohnung mit einem Ball. Seine Mutter sagt: „Tim! Du sollst doch in der Wohnung nicht Ball spielen. Sonst machst du noch etwas kaputt.“ Aber er hört nicht auf sie. Er spielt weiter und macht eine Vase kaputt. Wie wird die Mutter jetzt wohl reagieren? Zuerst erklärt sie ihm, was er falsch gemacht hat, und dass es wichtig ist  zu gehorchen. Die Regeln der Eltern sind notwendig und vernünftig. Damit Tim etwas aus der Sache lernt, nimmt sie ihm zur Strafe den Ball eine Zeit lang weg. So lernt er: Wenn er nicht gehorcht, hat das Folgen.

3 Wir gehören zur Christenversammlung, dem „Haus Gottes“ (1. Tim. 3:15). Daher respektieren wir Jehovas Recht, Regeln aufzustellen und uns liebevoll zu korrigieren, wenn wir sie verletzen. Wenn wir etwas Falsches getan haben und wir die Folgen davon tragen müssen, erinnern uns Jehovas Erziehungsmaßnahmen daran, wie wichtig es ist, ihm als unserem himmlischen Vater zu gehorchen (Gal. 6:7). Er interessiert sich aufrichtig für uns und möchte uns Sorgen ersparen (1. Pet. 5:6, 7).

4. (a) Welche Art Schulung segnet Jehova? (b) Was werden wir in diesem Artikel besprechen?

4 Mit Schulung oder „Erziehung“, die sich auf biblische Grundsätze stützt, helfen wir unserem Kind oder Bibelschüler, ein Jünger Jesu zu werden. Die Bibel ist das wichtigste Lehrmittel zur „Erziehung in der Gerechtigkeit“. Wenn wir sie beim Lehren verwenden, lernt unser Kind oder Bibelschüler, alles zu verstehen und zu halten, was Jesus geboten hat (2. Tim. 3:16; Mat. 28:19, 20). Jehova segnet diese Schulung, die Neue ausrüstet, wiederum anderen zu helfen, Jünger zu werden. (Lies Titus 2:11-14.) Im Folgenden besprechen wir drei wichtige Fragen: 1. Wie lassen Gottes Erziehungsmaßnahmen seine Liebe erkennen? 2. Was können wir von denen lernen, die von Gott korrigiert wurden? 3. Wie können wir uns an Jehova und seinem Sohn orientieren, wenn wir andere korrigieren müssen?

GOTT ERZIEHT UNS, WEIL ER UNS LIEBT

5. Wie zeigt sich Jehovas Liebe in der Art, wie er uns erzieht?

5 Aus Liebe korrigiert und schult Jehova uns. So können wir in seiner Liebe und auf dem Weg zum Leben bleiben (1. Joh. 4:16). Er erniedrigt oder beschimpft uns aber nie noch vermittelt er den Eindruck, wir seien wertlos (Spr. 12:18). Stattdessen ehrt Jehova uns. Er konzentriert sich auf unsere guten Eigenschaften und respektiert unsere Willensfreiheit. Erkennst du Jehovas Liebe in seiner Erziehung, ob sie nun durch sein Wort erfolgt, durch biblische Veröffentlichungen, durch Eltern oder Älteste? Älteste, die uns sanft und liebevoll helfen möchten, wenn wir vielleicht unbewusst einen „Fehltritt tun“, spiegeln in Wirklichkeit Jehovas Liebe zu uns wider (Gal. 6:1).

6. Wieso ist auch der Verlust von Vorrechten oder ein Gemeinschaftsentzug ein Zeichen von Gottes Liebe?

6 Manchmal gehört zur Erziehung mehr als Rat oder Zurechtweisung. Schwerwiegende Sünden können zum Verlust von Dienstvorrechten führen. Selbst diese Maßnahme ist ein Zeichen für Jehovas Liebe. Sie kann verdeutlichen, wie wichtig es ist, mehr zu studieren, nachzudenken und zu beten. Dadurch kann man Jehova wieder näher kommen, und mit der Zeit bekommt man vielleicht wieder Vorrechte (Ps. 19:7). Sogar ein Gemeinschaftsentzug spiegelt Jehovas Liebe wider, denn er schützt die Versammlung vor schlechten Einflüssen (1. Kor. 5:6, 7, 11). Jehova erzieht uns immer im richtigen Maß; ein Gemeinschaftsentzug kann einem Sünder bewusst machen, wie schwer seine Sünde war. Das kann ihn zur Reue bewegen (Apg. 3:19).

 SIE ZOGEN NUTZEN AUS JEHOVAS ERZIEHUNG

7. Wer war Schebna, und welche schlechte Eigenschaft entwickelte er?

7 Wie wertvoll Erziehung ist, zeigen die Beispiele von zwei Männern, die Jehova zurechtwies: Schebna, der zur Zeit König Hiskias lebte, und Graham, ein Bruder aus der Neuzeit. Schebna war als Verwalter „über das Haus gesetzt“ — vermutlich Hiskias Palast. Er hatte somit beachtliche Autorität (Jes. 22:15). Doch er suchte seine eigene Ehre und wurde stolz: Er ließ sich ein stattliches Grabmal aushauen und besaß Prunkwagen (Jes. 22:16-18).

Uns demütig korrigieren zu lassen wird gesegnet (Siehe Absatz 8—10)

8. Wie korrigierte Jehova Schebna, und mit welchem Ergebnis?

8 Weil Schebna seine eigene Ehre suchte, setzte Gott ihn ab und ersetzte ihn durch Eljakim (Jes. 22:19-21). Dieser Wechsel geschah, als der assyrische König Sanherib Jerusalem angreifen wollte. Später sandte Sanherib eine Streitmacht und hohe Beamte nach Jerusalem. Er wollte die Juden einschüchtern und versuchte, Hiskia zur Kapitulation zu zwingen (2. Kö. 18:17-25). Eljakim wurde beauftragt, mit den Beamten zu sprechen. Er war aber nicht allein, er hatte zwei Begleiter. Einer von ihnen war Schebna, der jetzt Sekretär war. Offensichtlich war Schebna nicht verbittert, sondern hatte seine weniger wichtigen Aufgaben demütig angenommen. Was lernen wir aus diesem Bericht?

9—11. (a) Was können wir aus dem Bericht über Schebna lernen? (b) Wie möchtest du Jehova nachahmen?

9 Erstens: Dass Schebna seine Stellung verlor, bestätigt, was in Sprüche 16:18 beschrieben wird: „Stolz geht einem Sturz voraus und ein hochmütiger Geist dem Straucheln“. Hast du Vorrechte in der Versammlung, vielleicht auch ein gewisses Ansehen? Bemühst du dich dann besonders, demütig zu bleiben? Schreibst du deine Fähigkeiten oder das, was du erreicht hast, Jehova zu? (1. Kor. 4:7). Der Apostel Paulus schrieb: „[Ich sage] jedem, der sich unter euch befindet, nicht höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist, sondern so zu denken, dass er gesunden Sinnes sei“ (Röm. 12:3).

10 Zweitens: An Jehovas Vorgehensweise ist zu erkennen, dass Schebna für ihn kein hoffnungsloser Fall war (Spr. 3:11, 12). Was kann jemand, der Dienstvorrechte verloren hat, daraus lernen?  Statt verärgert oder verbittert zu sein, sollte er Jehova in der neuen Situation weiter nach besten Kräften dienen. Von Jehova korrigiert zu werden ist ein Zeichen seiner Liebe. Denken wir daran: Wenn wir uns demütigen, gibt er uns nicht auf. (Lies 1. Petrus 5:6, 7.) Durch seine liebevolle Erziehung formt uns Jehova. Bleiben wir weicher Ton in seinen Händen. Bleiben wir demütig.

11 Drittens: Jehovas Vorgehensweise mit Schebna zeigt, dass er Sünde hasst, gleichzeitig aber um den Menschen besorgt ist, der gesündigt hat. Was können Eltern und Älteste daraus lernen? Ahmen wir Jehova nach, wenn wir jemand zurechtweisen müssen. Haben wir tiefe Abneigung gegen das Vergehen, aber suchen wir gleichzeitig nach dem Guten in unserem Kind oder Bruder (Jud. 22, 23).

12—14. (a) Wie reagieren einige auf Zurechtweisung? (b) Wie half die Bibel einem Bruder, seine Einstellung zu korrigieren, und wie ging die Sache aus?

12 Leider sind einige nach einer Zurechtweisung so enttäuscht, dass sie sich von Gott und seinem Volk zurückziehen (Heb. 3:12, 13). Heißt das, ihnen kann nicht mehr geholfen werden? Wie war es bei Graham, dem die Gemeinschaft entzogen werden musste? Er wurde wiederaufgenommen, wurde dann aber untätig. Einige Jahre später bat er einen Ältesten, der ihm als Freund zur Seite gestanden hatte, um ein Bibelstudium.

13 Der Älteste erinnert sich: „Graham hatte ein Problem mit Stolz. Er hatte eine kritische Einstellung gegenüber den Ältesten, die an seinem Gemeinschaftsentzug beteiligt waren. Also besprachen wir bei unseren nächsten Treffen Bibeltexte, in denen es um Stolz und dessen Auswirkungen geht. Graham blickte in den Spiegel des Wortes Gottes, und was er sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Die Wirkung war erstaunlich. Er gab zu, dass ihn sein Stolz wie ein ,Balken‘ im Auge blind gemacht hatte. Nicht die Ältesten waren das Problem, sondern seine Einstellung. Von da an machte er schnell Fortschritte. Er besuchte regelmäßig die Zusammenkünfte, studierte eifrig und betete täglich. Außerdem kam er seiner Verantwortung als Familienoberhaupt nach, was seine Frau und Kinder sehr freute“ (Luk. 6:41, 42; Jak. 1:23-25).

14 Der Älteste erzählt weiter: „Eines Tages sagte Graham etwas, was mich tief berührte: ,Ich kenne die Wahrheit seit Jahren und war sogar schon Pionier. Aber erst jetzt kann ich wirklich sagen, dass ich Jehova liebe.‘ Seit Kurzem darf er im Königreichssaal die Mikrofone reichen, was er sehr schätzt. Sein Beispiel zeigt mir: Wenn sich jemand vor Gott demütigt und Zurechtweisung annimmt, fließen die Segnungen nur so über!“

UNS AN GOTT UND CHRISTUS EIN BEISPIEL NEHMEN

15. Wie erleichtern wir es anderen, Rat von uns anzunehmen?

15 Wer ein guter Lehrer sein möchte, muss zuerst ein guter Schüler sein (1. Tim. 4:15, 16). Gebraucht Jehova dich, um anderen Rat zu geben? Dann musst auch du bereit sein, dich von ihm anleiten zu lassen. Sehen andere, wie demütig du bist, dann fällt es ihnen leichter, dich zu respektieren und Rat von dir anzunehmen. Sehen wir uns dazu das Beispiel Jesu an.

16. Was können wir von Jesus lernen?

16 Jesus gehorchte seinem Vater immer — selbst, wenn ihm das sehr schwer  fiel (Mat. 26:39). Und demütig betonte er stets, dass seine Lehren und seine Weisheit von seinem Vater kamen (Joh. 5:19, 30). Jesu Gehorsam und Demut machten ihn zu einem mitfühlenden und freundlichen Lehrer, von dem aufrichtige Menschen gern lernten. (Lies Matthäus 11:29.) Seine gewinnenden Worte ermutigten diejenigen, die wie ein geknicktes Schilfrohr oder ein glimmender Docht einer Öllampe waren (Mat. 12:20). Jesus blieb auch dann freundlich und zugänglich, wenn seine Geduld auf die Probe gestellt wurde, beispielsweise als er die Apostel wegen ihrer selbstsüchtigen und ehrgeizigen Einstellung korrigieren musste (Mar. 9:33-37; Luk. 22:24-27).

17. Was zeichnet gute Hirten aus?

17 Für Älteste, die andere anhand biblischer Grundsätze korrigieren, ist es wichtig Jesus nachzuahmen. Dadurch zeigen sie, dass sie sich von Gott und seinem Sohn formen lassen möchten. Der Apostel Petrus schrieb: „Hütet die Herde Gottes, die in eurer Obhut ist, nicht aus Zwang, sondern freiwillig; auch nicht aus Liebe zu unehrlichem Gewinn, sondern voll Eifer; auch nicht als solche, die über die herrschen, die Gottes Erbe sind, sondern indem ihr Vorbilder für die Herde werdet“ (1. Pet. 5:2-4). Wenn sich Aufseher Gott und Christus, dem Haupt der Versammlung, gern unterordnen, nützt das sowohl ihnen selbst als auch denen, die in ihrer Obhut sind (Jes. 32:1, 2, 17, 18).

18. (a) Was erwartet Jehova von Eltern? (b) Wie unterstützt Jehova Eltern?

18 Dieselben Grundsätze gelten für die Familie. Familienoberhäupter werden aufgefordert, ihre Kinder weiter nach den Maßstäben und der Anleitung Jehovas zu erziehen (Eph. 6:4). Warum ist das so wichtig? In der Bibel lesen wir: „Erzieh deinen Sohn, solange noch Hoffnung besteht, und mach dich nicht schuldig an seinem Tod“ (Spr. 19:18, NW, 2013). Wenn Eltern ihre Kinder nicht so erziehen, wie es nötig wäre, müssen sie sich vor Jehova dafür verantworten (1. Sam. 3:12-14). Bitten sie Jehova allerdings demütig um Unterstützung und lassen sich von seinem Wort und dem heiligen Geist leiten, dann gibt er ihnen die nötige Weisheit und Kraft. (Lies Jakobus 1:5.)

VORBEREITUNG AUF EINE FRIEDLICHE ZUKUNFT

19, 20. (a) Welche guten Auswirkungen hat es, sich von Gott erziehen zu lassen? (b) Worum geht es im nächsten Artikel?

19 Lassen wir uns gern von Jehova erziehen. Und nehmen wir uns an ihm und an Jesus ein Beispiel, wenn wir jemand korrigieren müssen. Dann erwarten uns viele Segnungen. Familien und Versammlungen werden zu einem Ort des Friedens, wo sich jeder geliebt und geborgen fühlt — ein Vorgeschmack auf künftige Segnungen (Ps. 72:7). Es ist also keine Übertreibung zu sagen: Von unserem himmlischen Vater erzogen zu werden bereitet uns darauf vor, ewig als friedliche und vereinte Familie zusammenzuleben. (Lies Jesaja 11:9.) Wenn wir die von Gott kommende Erziehung in diesem Licht sehen, kann sie für uns das sein, was sie wirklich ist: ein Beweis für Gottes unvergleichliche Liebe!

20 Der folgende Artikel bespricht weitere Aspekte der Erziehung innerhalb der Familie und der Versammlung. Außerdem geht es um Selbstdisziplin und etwas, was schlimmer ist als der Schmerz einer Zurechtweisung.