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„Mayday! Mayday! Mayday!“ Ein Notruf, der Leben rettet

„Mayday! Mayday! Mayday!“ Ein Notruf, der Leben rettet

 „Mayday! Mayday! Mayday!“ Ein Notruf, der Leben rettet

Der Fischkutter war ein einziges Meer von Rauch und Flammen. Die ganze Besatzung schwebte in größter Gefahr. „Wenn der Kapitän nicht einen Notruf abgesetzt hätte“, so ein Verantwortlicher der Küstenwache, „dann hätte man die ,Nautical Legacy‘ nie gefunden.“ Die kanadische Küstenwache reagierte blitzschnell und die gesamte Crew konnte gerettet werden. *

„MAYDAY! Mayday! Mayday!“ Wenn diese Worte über Funk zu hören sind, dann ist jemand in Lebensgefahr und braucht dringend Hilfe. Hat sich dieser Notruf bewährt? Die US-Küstenwache war zum Beispiel im Jahr 2008 über 24 000 Mal im Einsatz. Sie rettete 4 910 Menschen das Leben (durchschnittlich 13 pro Tag) und konnte 31 000 Personen in Notsituationen helfen.

Warum wird aber gerade der Ausdruck „Mayday“ als Notruf verwendet? Und wie haben Schiffe vor der Ära der Funkübertragung Notsignale abgegeben?

Notrufe in früherer Zeit

Im Jahr 1588 feuerte die Santa Maria de la Rosa, ein Schiff der spanischen Armada, Kanonenschüsse als Notruf ab, als sie auf einen starken Sturm zutrieb. Das Schiff sank — soweit man weiß, ohne Überlebende. In anderen Fällen wurden Flaggen gehisst, um Seenot anzuzeigen. Noch heute gilt eine weiße Flagge mit rotem, diagonalem Kreuz in der Schifffahrt international als Notsignal: „Ich brauche Hilfe.“

In den 1760er-Jahren wurde auf Schiffen ein Code zur optischen Nachrichtenübermittlung eingeführt, das sogenannte Winkeralphabet. Der Winker hielt dabei zwei Flaggen in verschiedenen Uhrzeigerstellungen. Jede Stellung stand für einen bestimmten Buchstaben oder eine Ziffer.

Kanonenschüsse, Flaggen und andere visuelle Signale hatten natürlich nur Sinn, wenn jemand nahe genug war, um sie zu bemerken. Oft gab es  für die Besatzungen in Seenot wenig Hoffnung auf Rettung. Das sollte sich allerdings bald ändern. Wie?

Effektivere Notrufe

In den 1840er-Jahren machte die Entwicklung in der Kommunikationstechnik einen enormen Sprung nach vorn. Samuel Morse erfand einen Code, mit dem Funker über eine handbetätigte Morsetaste via Kabel Botschaften versenden konnten. Solange der Funker die Taste herunterdrückte, kam am anderen Ende ein elektrischer Impuls an. Morse wies jedem Buchstaben und jeder Ziffer eine spezielle Kombination von langen und kurzen Tönen beziehungsweise Punkten und Strichen zu.

Auf See wurde der Morsecode durch Lichtzeichen übermittelt und nicht akustisch wie beim Telegrafieren. Man ließ dazu einen Scheinwerfer kurz oder lang aufleuchten, um einen Punkt oder einen Strich zu signalisieren. Bald bürgerte sich ein einfacher, unverkennbarer Hilferuf ein, der aus drei Punkten, drei Strichen und nochmals drei Punkten zusammengesetzt war. Diese Abfolge stand für die Buchstaben SOS. *

Glücklicherweise waren die Möglichkeiten, Notsignale über weitere Distanzen zu senden, damit nicht erschöpft. Guglielmo Marconi gelang 1901 die erste transatlantische Funkübertragung. Jetzt konnten SOS-Rufe statt per Lichtsignal über Funk erfolgen. Mündlich konnten Funker einen Hilferuf jedoch nicht übermitteln. Bis zu dem Notruf „Mayday! Mayday! Mayday!“ war es noch ein Stück hin.

Gesprochene Worte drangen schließlich 1906 durch den Äther, als Reginald Fessenden eine Radiosendung mit Sprache und Musik ausstrahlte. Mit einem entsprechenden Empfangsgerät war sein Programm noch 80 Kilometer auf See zu hören. 1915 war bei vielen die Begeisterung groß, als die erste transatlantische Telefonverbindung zwischen Arlington (Virginia, USA) und dem Eiffelturm in Paris hergestellt wurde — eine Strecke von über 14 000 Kilometern! Und wie gebannt müssen 1922 die Matrosen auf der S.S. America gelauscht haben, als die erste Funksprechverbindung zwischen ihrem Schiff und dem über 600 Kilometer entfernten Deal Beach (New Jersey, USA) zustande kam.

Ein Notruf für alle

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde der Funk recht bald für die mündliche Kommunikation verwendet. Da auf Schiffen verschiedene Sprachen gesprochen wurden, stellte sich die Frage, wie da ein Kapitän mit einem Hilferuf durchdringen konnte, der überall auf der Welt verstanden wurde. Diesem Thema widmete sich die Internationale Funkkonferenz 1927 in Washington. Sie legte „Mayday“ als internationalen Notruf fest. *

Wir können froh sein, dass sich die Kommunikationsmöglichkeiten immer weiter verbessert haben. Kanonenschüsse und Flaggensignale sind beispielsweise durch Funk und GPS abgelöst worden. Außerdem gehören Funkausrüstungen mittlerweile zum Standard und Rettungsdienste, die auch den Funkverkehr überwachen, sind immer auf Abruf bereit. Egal wo und wann ein Notfall auftritt, der Notruf „Mayday! Mayday! Mayday!“ wird, wie im Fall der Nautical Legacy, wahrscheinlich nicht ins Leere gehen. Wenn man heute in Seenot gerät, braucht man sich nicht wie dereinst nur an einen Strohhalm der Hoffnung zu klammern, sondern man kann fest darauf zählen, dass Hilfe kommt.

[Fußnoten]

^ Abs. 2 Aus dem Buch True Stories of Rescue and Survival—Canada’s Unknown Heroes.

^ Abs. 11 Die Buchstaben SOS boten sich an, weil sie leicht zu merken und gut auszumachen waren. Sie hatten keine besondere Bedeutung.

^ Abs. 15 „Mayday“ muss drei Mal wiederholt werden, um die klare Absicht zu signalisieren und Missverständnisse zu vermeiden.

[Bild auf Seite 27]

Die „Nautical Legacy“ steht lichterloh in Flammen

[Bildnachweis]

Courtesy Fisheries and Oceans Canada, reproduced with the permission of © Her Majesty the Queen in Right of Canada, 2010

[Bild auf Seite 28]

Auf See wurde der Morsecode durch Lichtzeichen übermittelt und nicht akustisch wie beim Telegrafieren

[Bildnachweis]

© Science and Society/SuperStock