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Warum müssen wir immer streiten?

Warum müssen wir immer streiten?

 Junge Leute fragen sich:

Warum müssen wir immer streiten?

Blenden wir uns einmal in folgende Szene ein: Es kommt zum Streit zwischen Anna und ihrer Mutter. Fällt dir auf, was Anna falsch macht, und so den Streit noch zusätzlich anheizt? Schreibe die drei Punkte unten auf und vergleiche sie mit dem Kasten „Antworten“ am Ende des Artikels.

Es ist Mittwochabend. Geschafft! Anna (17) hat alles erledigt, was sie tun sollte. Jetzt kann sie endlich ganz gepflegt abhängen. Sie schmeißt sich in ihren Lieblingssessel und schaltet den Fernseher an.

Natürlich erscheint genau in diesem Moment ihre Mutter und ist alles andere als begeistert. „Anna! Du verplemperst ja schon wieder deine Zeit mit Fernsehen! Solltest du nicht deiner Schwester bei den Hausaufgaben helfen? Dass du nie machst, was man dir sagt!“

„Oh nee, nicht schon wieder“, murmelt Anna gerade noch laut genug, dass es ihre Mutter mitkriegt.

„Was meinst du da, mein Fräulein?“, fragt sie.

„Vergiss es, Mama“, sagt Anna und verdreht die Augen.

Jetzt wird die Mutter richtig böse. „Nicht in diesem Ton!“

„Ach, und wie sprichst du mit mir?“ schießt Anna zurück.

Und schon sind sie mitten drin im Streitgespräch . . . Schluss mit Abhängen.

1. ․․․․․․

2. ․․․․․․

3. ․․․․․․

KOMMT dir das irgendwie bekannt vor? Streitest du dich auch andauernd mit deinen Eltern? Wenn ja, dann denk doch mal einen Moment über Folgendes nach: Worüber streitet ihr euch denn am meisten? Kreuze das Zutreffende an oder schreibe deinen Grund in die freie Zeile.

Verhalten

◯ Hausarbeit

◯ Kleidung

◯ Pünktlichkeit

◯ Unterhaltung

◯ Freunde

◯ Mädchen/Jungs

․․․․․․

 Ganz egal, worum es geht, Streitgespräche sind Stress pur für alle Beteiligten — für dich und für deine Eltern. Klar, du könntest dir auch einfach auf die Zunge beißen und vor deinen Eltern eine Show abziehen und so tun, als sei alles bestens. Aber möchte Gott das? Bestimmt nicht. Es ist zwar richtig: In der Bibel heißt es einerseits, du sollst „deinen Vater und deine Mutter“ ehren (Epheser 6:2, 3). Andererseits aber möchte Gott, dass du „Denkvermögen“ entwickelst und deine „Vernunft“ gebrauchst (Sprüche 1:1-4; Römer 12:1). Tust du das, wirst du dir logischerweise deine eigene Meinung bilden. Manchmal ist die vielleicht komplett anders als die deiner Eltern. Doch in Familien, die nach der Bibel leben, können Eltern und Kinder friedlich miteinander reden, auch wenn man sich mal nicht einig ist (Kolosser 3:13).

Wie könntest du mit deinen Eltern reden, damit eine ganz normale Unterhaltung nicht in ein hitziges Wortgefecht ausartet? Sagst du jetzt: „Das ist ja wohl nicht mein Problem. Meine Eltern meckern nur rum und haben ständig was an mir auszusetzen.“ Dann machst du es dir zu leicht. Überleg einmal: Hast du die Macht deine Eltern oder andere zu ändern? Die einzige Person, an der du was ändern kannst, das bist du selbst. Doch hier kommt die gute Nachricht: Wenn du bei dir anfängst und versuchst, die Situation zu entschärfen, werden sich deine Eltern eher beruhigen und dich ausreden lassen.

Was könntest du denn tun, um den Ärger aus der Welt zu schaffen? Wirf mal einen Blick auf die folgenden Tipps und probier sie einfach aus. Überrasch damit doch mal deine Eltern — und auch dich selbst — und zeig, wie gut du kommunizieren kannst.

(Vorschlag: Mach einen Haken an die Punkte, an denen du arbeiten möchtest.)

◯ Denk nach, bevor du antwortest. In der Bibel heißt es: „Ein zuverlässiger Mensch überlegt sich, was er sagt“ (Sprüche 15:28, Hoffnung für alle). Hast du mal wieder Stress mit deinen Eltern, dann reagier nicht aggressiv. Egal was dir auf der Zunge liegt, halt dich zurück. Nehmen wir einmal an, deine Mutter schimpft: „Wieso hast du das Geschirr nicht gespült? Du machst doch nie, was man dir sagt!“ Dann könnte aus dir rausplatzen: „Hast du schon wieder was an mir auszusetzen?“ Tu’s nicht! Begriffe wie „immer“ oder „nie“ sind meistens nicht so gemeint. Überleg lieber, was hinter den Worten deiner Mutter steckt. Oft belastet sie irgendetwas. Aber was könnte denn dahinterstecken?

Könnte es sein, dass deine Mutter das Gefühl hat, ihr wächst die Arbeit im Haushalt über den Kopf, und sie das voll frustriert? Vielleicht möchte sie einfach nur von dir hören, dass sie sich auf dich verlassen kann und du sie unterstützt. Oder mal ganz ehrlich: Hast du dich vielleicht in letzter Zeit erfolgreich um deine Aufgaben im Haushalt gedrückt? Wie auch immer. Wenn du jetzt  Kontra gibst und sagst: „Hast du schon wieder was an mir auszusetzen?“, bringt das absolut nichts — außer Zoff! Versuch doch mal, auf deine Mutter einzugehen. Sei verständnisvoll und sag so etwas wie: „Mama, sei nicht böse. Weißt du was? Ich machs gleich.“ Aber Vorsicht: Vermeide jeden ironischen Unterton. Du erreichst viel mehr, wenn du versuchst, sie zu verstehen, und ihr liebevoll antwortest.

Schreibe auf, welche Aussage deine Mutter oder deinen Vater provozieren könnte.

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Überlege jetzt, wie du auf die Gefühle eingehen könntest, die hinter ihren Worten stecken.

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◯ Sprich respektvoll. Michelle ist klar geworden, dass viel davon abhängt, wie sie mit ihrer Mutter spricht. Sie sagt: „Es kommt gar nicht so sehr auf das Problem an. Meine Mutter ärgert sich vielmehr über meinen Tonfall.“ Kommt das oft vor, dann versuch doch mal ruhig und nicht zu schnell zu sprechen. Verdreh nicht die Augen und zeig auch sonst nicht irgendwie, dass du genervt bist (Sprüche 30:17). Hast du das Gefühl, gleich an die Decke gehen zu müssen, dann bete kurz leise (Nehemia 2:4). Natürlich bittest du Gott nicht darum, dafür zu sorgen, dass dich deine Eltern in Ruhe lassen und nichts mehr an dir auszusetzen haben. Du willst doch vielmehr, dass er dir dabei hilft, dich zu beherrschen und nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen (Jakobus 1:26).

Schreib einmal auf, was du besser lassen solltest.

Das sollte ich besser nicht sagen:

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So sollte ich besser nicht reagieren (Gesichtsausdruck/Körpersprache):

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◯ Hör gut zu. In der Bibel wird gesagt: „Wer viele Worte macht, wird sicher schuldig“ (Sprüche 10:19, Hoffnung für alle). Sei ganz Ohr, was deine Eltern dir zu sagen haben. Könntest du nicht deine Musik ausmachen, aufhören zu lesen und ihnen in die Augen schauen? Unterbrich sie auch nicht, um dich zu rechtfertigen. Hör einfach nur zu. Danach bist du dran, kannst in aller Ruhe Fragen stellen und deinen Standpunkt erklären. Du würdest die Sache nur schlimmer machen, wenn du auf stur stellst und gleich energisch protestierst. Vielleicht würdest du auch gern noch mehr sagen. Manchmal passt das aber gerade nicht. Dann ist das eine „Zeit zum Schweigen“ (Prediger 3:7).

◯ Sei bereit, dich zu entschuldigen. Hast du irgendwie schuld daran, dass es zum Streit gekommen ist, dann sag einfach: „Es tut mir leid.“ Damit liegst du immer richtig (Römer 14:19). Du könntest dich sogar dafür entschuldigen, dass ihr überhaupt aneinandergeraten seid. Fällt dir das in dem Moment schwer, dann versuch doch aufzuschreiben,  was du fühlst. Und noch was: Geh statt einer Meile lieber „zwei Meilen“ — ändere das, was zu dem Konflikt beigetragen hat (Matthäus 5:41). Angenommen es gibt Ärger, weil du die Hausarbeit vernachlässigt hast. Überrasch doch deine Eltern und bring die Arbeit hinter dich. Auch wenn du gerade keine Lust dazu hast, ist das in jedem Fall besser, als der Stress, der bestimmt folgt, wenn deine Eltern merken, dass du deine Aufgaben noch immer nicht erledigt hast (Matthäus 21:28-31).

Eins ist jedenfalls klar: Bemühst du dich, Konflikte zu lösen oder dem Streit ganz aus dem Weg zu gehen, hast du es leichter in deinem Leben. In der Bibel wird gesagt: „Wer freundlich zu anderen ist, hilft sich selbst damit“ (Sprüche 11:17, Hoffnung für alle). Überlege einmal, um wie viel besser es dir geht, wenn du dazu beiträgst, Stresssituationen in der Familie zu entschärfen.

In jeder Familie kommt es mal zu Spannungen. Die Kunst ist, dennoch friedlich miteinander umzugehen. Probier die vorgeschlagenen Strategien einmal aus, und du wirst sehen, dass es dir gelingt, sogar schwierige Themen mit deinen Eltern zu besprechen — und das ohne jeglichen Stress.

Weitere Artikel aus der Reihe „Junge Leute fragen sich“ findest du unter www.watchtower.org/ypx

ETWAS ZUM NACHDENKEN

● Warum macht es manchen Jugendlichen Spaß, sich zu streiten?

● Warum ist jemand, der gern streitet, in den Augen Jehovas dumm? (Sprüche 20:3)

[Kasten/Bilder auf Seite 27]

WAS ANDERE JUGENDLICHE SAGEN

“Ich musste mir das erst mal klarmachen: Obwohl ich schon mein eigenes Geld verdiene, lebe ich immer noch im Haus meiner Mutter und sollte darum auch auf sie hören. Sie hat sich viele Jahre um mich gekümmert. Ich kann absolut nachvollziehen, wenn sie wissen will, was ich tue und wann ich heimkomme.”

“Wenn wir uns in der Familie mal nicht einig sind, sagen wir es Jehova im Gebet, lesen alles Mögliche darüber nach und besprechen es. So finden wir immer eine Lösung, die allen gefällt. Mit Jehova klappt das einfach immer.”

[Bilder]

Daniel

Cameron

[Kasten auf Seite 29]

ANTWORTEN

1. Durch ihre ironische Bemerkung („Oh nee, nicht schon wieder“) hat Anna Öl ins Feuer gegossen und die Mutter noch mehr verärgert.

2. Annas Mimik (Verdrehen der Augen) forderte den Ärger geradezu heraus.

3. Mit Widerrede („Ach, und wie sprichst du mit mir?“) erreicht man eher das Gegenteil.

[Kasten auf Seite 29]

EIN WORT AN DIE ELTERN

Blenden wir uns noch einmal in die eingangs beschriebene Szene ein. Fällt euch auf, wodurch Annas Mutter den Streit zusätzlich anheizte? Wie könntet ihr Auseinandersetzungen mit euren Kindern aus dem Weg gehen? Hier einige Anregungen.

Vermeidet pauschale Schuldzuweisungen wie zum Beispiel: „Du musst immer . . .“ oder: „Du machst nie . . .“ Bei derartigen Behauptungen fühlen sich die Jugendlichen nur angegriffen und versuchen, sich zu verteidigen. Außerdem sind solche Aussagen sicherlich übertrieben und das wissen sie auch. Wahrscheinlich ist ihnen auch klar, dass ihr hinter diesen Pauschalaussagen nur euren Ärger verbergt und es gar nicht so sehr darum geht, dass sie etwas falsch gemacht und ihre Pflichten vernachlässigt haben.

Greift den Jugendlichen nicht persönlich an durch Sätze, die mit „Du“ beginnen, und ihn verletzen. Erklärt lieber, wie die Handlung euch berührt. Zum Beispiel so: „Wenn du das und das tust . . ., dann fühle ich mich . . .“ Ob ihr es glaubt oder nicht: Tief im Innern ist es eurem Kind wichtig, zu wissen, wie ihr empfindet. Erklärt ihr es ihm, habt ihr bessere Chancen, es zu erreichen.

Auch wenn es schwerfällt, haltet eure Gefühle im Zaum und wartet bis euer Zorn verraucht ist (Sprüche 10:19). Geht es um Aufgaben im Haushalt, sprecht das Thema offen an. Ihr könntet genau aufschreiben, was erledigt werden soll und deutlich machen, welche Konsequenzen es hat, wenn die Pflichten nicht erfüllt werden. Lasst euer Kind ausreden und sagen, was es denkt — auch dann, wenn es eurer Meinung nach falsch liegt. Die meisten Jugendlichen reagieren besser auf ein verständnisvolles Ohr als auf eine Strafpredigt.

Ihr könntet zwar schnell meinen: „Jetzt hat der rebellische Geist der Welt Besitz von meinem Kind ergriffen.“ Aber vieles, was ihr an eurem Kind beobachtet, ist eine ganz natürliche Entwicklung. Vielleicht diskutiert der Jugendliche etwas nur, um klarzumachen, dass er ja schon erwachsen genug ist. Widersteht der Versuchung, euch in ein Streitgespräch ziehen zu lassen. Denn: Wie ihr mit einer Stresssituation umgeht, färbt auch auf euer Kind ab. Seid ihr geduldig und langmütig, gebt ihr ein gutes Beispiel (Galater 5:22, 23).

[Bild auf Seite 28]

Sich mit den Eltern zu streiten ist so, als würde man beim Laufen auf der Stelle treten — man verschwendet viel Energie und kommt nicht vorwärts