Nach Johannes 5:1-47

5  Danach fand ein jüdisches Fest+ statt und Jesus ging nach Jerusalem hinauf.  In Jerusalem gibt es am Schaftor+ ein Wasserbecken, das auf Hebräisch Bethzạtha heißt, mit fünf Säulenhallen.  In diesen Hallen lagen eine Menge Kranke, Blinde, Lahme und Menschen mit verkümmerten* Körpergliedern.  ––  Doch es war auch ein Mann dort, der seit 38 Jahren krank war.  Jesus sah den Mann daliegen, und weil ihm bewusst war, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: „Willst du gesund werden?“+  Der Kranke antwortete: „Herr, ich habe niemanden, der mich ins Becken bringt, wenn das Wasser in Bewegung gerät. Und bis ich es dorthin geschafft habe, ist schon ein anderer hineingestiegen.“  Jesus sagte zu ihm: „Steh auf! Nimm deine Matte und geh umher.“+  Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Matte und ging umher. Das geschah an einem Sabbat.+ 10  Deshalb sagten die Juden zu dem Geheilten: „Es ist Sabbat! Du darfst die Matte nicht tragen.“+ 11  Doch er erwiderte: „Der Mann, der mich gesund gemacht hat, hat zu mir gesagt: ‚Nimm deine Matte und geh umher.‘“ 12  Da wollten sie wissen: „Wer war der Mann? Wer hat zu dir gesagt, du sollst sie nehmen und umhergehen?“ 13  Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war, denn Jesus war dort in der Menge verschwunden. 14  Später entdeckte Jesus ihn im Tempel und sagte: „Du siehst, du bist gesund. Sündige nicht mehr, damit dir nicht etwas noch Schlimmeres passiert.“ 15  Da ging der Mann weg und erzählte den Juden, dass es Jesus war, der ihn geheilt hatte. 16  Weil Jesus so etwas am Sabbat tat, verfolgten ihn die Juden.+ 17  Er erwiderte jedoch: „Mein Vater war bis jetzt unaufhörlich tätig, und auch ich bin unaufhörlich tätig.“+ 18  Da waren die Juden erst recht darauf aus, ihn zu töten, denn er missachtete nicht nur den Sabbat, sondern bezeichnete Gott auch noch als seinen Vater, wodurch er sich Gott gleichstellte.+ 19  Die Reaktion von Jesus war: „Eins steht fest: Der Sohn kann von sich aus gar nichts tun, sondern nur das, was er den Vater tun sieht.+ Was immer der Vater macht, das macht der Sohn genauso. 20  Denn der Vater hat den Sohn lieb+ und zeigt ihm alles, was er selbst macht. Und er wird ihm größere Werke zeigen als diese, sodass ihr staunen werdet.+ 21  Denn so, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht,+ so macht auch der Sohn lebendig, wen er will.+ 22  Der Vater spricht nämlich über niemanden ein Urteil, sondern er hat die gesamte Rechtsprechung dem Sohn übergeben,+ 23  damit alle den Sohn ehren, so wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch nicht den Vater, der ihn gesandt hat.+ 24  Eins steht fest: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben+ und wird nicht verurteilt, sondern ist vom Tod zum Leben hinübergewechselt.+ 25  Eins steht fest: Die Zeit kommt – ja sie ist schon da –, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und wer darauf gehört hat, wird leben. 26  Denn so, wie der Vater Leben in sich selbst hat,+ hat er auch dem Sohn gewährt, Leben in sich selbst zu haben.+ 27  Auch hat er ihn, weil er der Menschensohn ist,+ dazu autorisiert, Gericht zu halten.+ 28  Das sollte euch nicht wundern, denn es kommt die Zeit, wo alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören+ 29  und herauskommen werden. Für die, die Gutes getan haben, wird es eine Auferstehung zum Leben sein und für die, die Schlechtes getrieben haben, eine Auferstehung zum Gericht.+ 30  Ich kann gar nichts von mir aus tun. Ich urteile so, wie ich es höre, und meine Urteile sind gerecht,+ denn es geht mir nicht um meinen eigenen Willen, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.+ 31  Wenn nur ich allein als Zeuge für mich auftrete, dann ist meine Zeugenaussage nicht wahr*.+ 32  Es gibt einen anderen, der als Zeuge für mich auftritt, und ich weiß: Das, was er als Zeuge über mich aussagt, ist wahr.+ 33  Ihr habt Leute zu Johạnnes geschickt und er ist als Zeuge für die Wahrheit aufgetreten.+ 34  Ich akzeptiere jedoch keine Zeugenaussage von einem Menschen, sondern sage das, damit ihr gerettet werdet. 35  Dieser Mann war eine brennende, hell leuchtende Lampe, und für kurze Zeit wart ihr bereit, euch sehr an seinem Licht zu freuen.+ 36  Doch das Zeugnis, das ich vorbringe, ist größer als das von Johạnnes, denn die Taten*, die ich im Auftrag meines Vaters vollbringe, gerade diese Taten bezeugen, dass der Vater mich gesandt hat.+ 37  Auch hat der Vater, der mich gesandt hat, selbst als Zeuge für mich ausgesagt.+ Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört noch sein Erscheinungsbild gesehen,+ 38  und sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr genau dem, den er gesandt hat, nicht glaubt. 39  Ihr forscht in den Schriften,+ weil ihr denkt, dass ihr durch sie ewiges Leben haben werdet, und gerade sie sagen als Zeuge über mich aus.+ 40  Trotzdem wollt ihr nicht zu mir kommen,+ um Leben zu haben. 41  Ich akzeptiere keine Ehre von Menschen, 42  doch ich weiß genau, dass ihr keine Liebe zu Gott in euch habt. 43  Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, aber ihr nehmt mich nicht auf. Würde jemand anders in seinem eigenen Namen kommen, den würdet ihr aufnehmen. 44  Doch woher sollt ihr auch Glauben haben, wenn ihr voneinander Ehre annehmt+ und euch nicht um die Ehre bemüht, die von dem einzigen Gott kommt?+ 45  Denkt aber nicht, ich werde euch beim Vater anklagen. Es gibt jemanden, der euch anklagt: Moses,+ auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. 46  Würdet ihr nämlich Moses glauben, würdet ihr auch mir glauben, denn er hat über mich geschrieben.+ 47  Doch wenn ihr seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr dann glauben, was ich sage?“+

Fußnoten

Oder „gelähmten“. Wtl. „vertrockneten“.
Oder „glaubwürdig“, „gültig“.
Oder „Werke“.

Studienanmerkungen

Das Passahfest: Das hier erwähnte Passahfest in der frühen Phase von Jesu Dienst muss das Passah im Frühjahr 30 u. Z. gewesen sein, da er seine Predigt­tätigkeit im Herbst 29 u. Z., nach seiner Taufe, aufnahm. (Siehe Anm. zu Luk 3:1 und Anh. A7.) Ein Vergleich der vier Evangelien zeigt, dass in der Zeit von Jesu irdischem Dienst vier Passahfeste stattfanden. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Jesu Dienst dreieinhalb Jahre dauerte. Die Berichte von Matthäus, Markus und Lukas (oft als synoptische Evangelien bezeichnet) sprechen nur von Jesu letztem Passah. Johannes dagegen erwähnt drei Passahfeste direkt (Joh 2:13; 6:4; 11:55); bei dem vierten handelte es sich höchst­wahrscheinlich um das „jüdische Fest“ in Joh 5:1. Dieses Beispiel macht deutlich, dass man die vier Evangelien miteinander vergleichen muss, um ein vollständigeres Bild von Jesu Leben zu bekommen. (Siehe Anm. zu Joh 5:1; 6:4; 11:55.)

ein jüdisches Fest: Johannes sagt nicht, um welches Fest es sich genau handelte, aber es spricht einiges dafür, dass er vom Passahfest 31 u. Z. sprach. Im Großen und Ganzen ist der Bericht von Johannes in chronologischer Reihenfolge verfasst. Der Kontext ordnet das Fest nicht lange nach Jesu Aussage ein, „dass es noch vier Monate bis zur Ernte sind“ (Joh 4:35). Und die Erntesaison, speziell die Gerstenernte, begann um die Zeit des Passahs, das am 14. Nisan (März/April) stattfand. Jesus scheint seine Aussage also im Monat Kislew (November/Dezember) gemacht zu haben. Dazwischen lagen noch das Fest der Einweihung und das Purimfest. Bei diesen Festen war ein Israelit aber nicht verpflichtet, nach Jerusalem hinaufzugehen. Anders beim Passah. Nach Gottes Gesetz hätte Jesus die Verpflichtung gehabt, bei diesem Fest in Jerusalem zu sein (5Mo 16:16). Deshalb ist es am wahrscheinlichsten, dass mit dem „jüdischen Fest“ das Passah gemeint ist. Es stimmt zwar, dass Johannes nur wenig über die Zeit bis zum nächsten Passahfest berichtet (Joh 6:4), doch wie die Übersicht in Anh. A7 zeigt, schreibt er generell nur sehr wenig über die frühe Phase von Jesu Dienst. Viele Ereignisse aus dieser Zeit, die er auslässt, waren bereits in den anderen drei Evangelien zu finden. Tatsächlich berichten diese über so viele Aktivitäten von Jesus, dass es schlüssig erscheint, dass zwischen dem in Joh 2:13 erwähnten Passah und dem in Joh 6:4 erwähnten noch ein weiteres Passahfest stattfand. (Siehe Anh. A7 und Anm. zu Joh 2:13.)

Hebräisch: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnen die inspirierten Bibelschreiber mit „Hebräisch“ die Sprache der Juden (Joh 19:13, 17, 20; Apg 21:40; 22:2; Off 9:11; 16:16) sowie die Sprache, in der der auferstandene und verherrlichte Jesus mit Saulus von Tarsus redete (Apg 26:14, 15). In Apg 6:1 wird ein Unterschied gemacht zwischen „Hebräisch sprechenden Juden“ und „Griechisch sprechenden Juden“. Einige Bibel­wissenschaftler sind der Ansicht, dass an allen diesen Stellen statt „Hebräisch“ „Aramäisch“ stehen sollte. Es spricht jedoch einiges dafür, dass tatsächlich die hebräische Sprache gemeint ist. Wenn es z. B. in Apg 21:40; 22:2 heißt, dass sich Paulus „auf Hebräisch“ an das Volk in Jerusalem wandte, hatte er Personen vor sich, die viel Zeit darauf verwandten, das mosaische Gesetz in Hebräisch zu studieren. Hebräisch wurde auch im Alltag gesprochen. Das bestätigen die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Großteil der biblischen und nicht biblischen Fragmente und Handschriften ist in Hebräisch verfasst. Es gibt aber auch eine kleinere Anzahl an aramäischen Fragmenten, was zeigt, dass beide Sprachen in Gebrauch waren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Bibelschreiber mit dem griechischen Wort für „Hebräisch“ die aramäische bzw. syrische Sprache meinten. Interessanter­weise unterscheiden die Hebräischen Schriften in 2Kö 18:26 zwischen „Aramäisch“ (oder Syrisch) und „der Sprache der Juden“. Und als der jüdische Historiker Josephus im 1. Jh. dieselben Ereignisse schilderte, schrieb er ebenfalls sowohl von der „syrischen [aramäischen] Sprache“ als auch von der „hebräischen Sprache“ (Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 2). In beiden Sprachen gibt es zwar einige Ausdrücke, die sich stark ähneln, und das Hebräische hat möglicherweise auch Wörter aus dem Aramäischen übernommen. Dennoch scheint es keine vernünftige Grundlage für die Annahme zu geben, die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften hätten Aramäisch gemeint, wenn sie „Hebräisch“ schrieben.

Bethzatha: Dieser hebräische Name bedeutet „Haus der Olive (Oliven)“. Laut einigen Manuskripten wurde die Badeanlage „Bethesda“ genannt, was „Haus der Barmherzigkeit“ bedeutet. Andere Handschriften schreiben „Bethsaida“, „Haus des Jägers (Fischers)“. Die Lesart „Bethzatha“ wird heute jedoch von vielen Textforschern bevorzugt.

In einigen Handschriften ist am Ende von Vers 3 und im Vers 4 ganz oder teilweise folgender Text zu finden: „die darauf warteten, dass sich das Wasser bewegte. 4 Denn ein Engel des Herrn [oder „Jehovas“] pflegte von Zeit zu Zeit in das Becken herunterzukommen und das Wasser aufzuwühlen; der Erste nun, der nach dem Aufwühlen des Wassers hineinstieg, pflegte gesund zu werden, an welcher Krankheit er auch immer litt.“ Dieser Text erscheint jedoch nicht in den frühesten maßgeblichen Handschriften und war höchst­wahrscheinlich auch nicht im ursprünglichen Bericht von Johannes enthalten. (Siehe Anh. A3.) Einige Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J9, 22, 23 aufgeführt) enthalten die Lesart „ein Engel Jehovas“ statt „ein Engel des Herrn“.

lagen … Kranke: Allgemein glaubte man, dass ein Kranker gesund werden konnte, wenn er ins Becken stieg, sobald das Wasser in Bewegung geriet (Joh 5:7). Deshalb versammelten sich viele Kranke am Rand des Wasserbeckens. Doch die Bibel sagt nichts darüber, dass ein Engel Gottes in Bethzatha Wunder gewirkt hätte. (Siehe Anm. zu Joh 5:4.) Was sie aber sagt, ist, dass Jesus dort ein Wunder vollbrachte. Interessanter­weise musste der Mann nicht erst ins Wasser steigen, um geheilt zu werden, sondern war sofort gesund.

In einigen Handschriften ist am Ende von Vers 3 und im Vers 4 ganz oder teilweise folgender Text zu finden: „die darauf warteten, dass sich das Wasser bewegte. 4 Denn ein Engel des Herrn [oder „Jehovas“] pflegte von Zeit zu Zeit in das Becken herunterzukommen und das Wasser aufzuwühlen; der Erste nun, der nach dem Aufwühlen des Wassers hineinstieg, pflegte gesund zu werden, an welcher Krankheit er auch immer litt.“ Dieser Text erscheint jedoch nicht in den frühesten maßgeblichen Handschriften und war höchst­wahrscheinlich auch nicht im ursprünglichen Bericht von Johannes enthalten. (Siehe Anh. A3.) Einige Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J9, 22, 23 aufgeführt) enthalten die Lesart „ein Engel Jehovas“ statt „ein Engel des Herrn“.

Herr: Hier ist „Herr“ einfach eine Höflichkeits­anrede.

Matte: Oder „Bett“. In den Ländern der Bibel benutzte man als Bett oft nur eine einfache Stroh- oder Schilfmatte, auf die man vielleicht noch eine Polsterung oder eine Art Matratze legte. Wurde das Bett nicht benutzt, rollte man es zusammen und räumte es weg. Hier bezieht sich das griechische Wort krábattos offenbar auf das Bett eines Armen. In Mar 2:4-12 bezeichnet es eine Art Trage, auf der ein Gelähmter transportiert wurde.

die Juden: Im Johannes­evangelium hängt es vom Kontext ab, wer mit diesem Ausdruck gemeint ist. Er kann sich auf das jüdische Volk allgemein beziehen, auf die Bewohner von Judäa oder auf die Einwohner von Jerusalem und Umgebung. Er kann aber auch Juden meinen, die sich streng an die Traditionen hielten, die man dem mosaischen Gesetz hinzugefügt hatte. Diese Personen standen Jesus ablehnend gegenüber. Hier scheint mit „Juden“ die jüdische Führungsriege bzw. die Religionsführer gemeint zu sein; der Ausdruck könnte aber auch weiter gefasst sein und andere Juden einschließen, die großen Wert auf die Traditionen legten.

Sündige nicht mehr: Jesu Aufforderung bedeutet nicht, dass der Mann krank war, weil er irgendeine Sünde begangen hätte. Er war 38 Jahre lang krank, weil er die Unvollkommenheit geerbt hatte (Joh 5:5-9; vgl. Joh 9:1-3). Jetzt, wo der Mann Barmherzigkeit erfahren hatte und geheilt war, sollte er den Weg der Rettung einschlagen und es vermeiden, absichtlich zu sündigen. Sonst würde das für ihn zu etwas noch Schlimmerem führen, als krank zu sein: zu ewiger Vernichtung (Heb 10:26, 27).

verfolgten: Die griechische Verbform zeigt hier eine nicht abgeschlossene Handlung an und macht deutlich, dass die Juden damals anfingen, Jesus zu verfolgen. Mit „Juden“ könnte entweder die jüdische Führungsschicht gemeint sein oder Juden, die sich streng an die Traditionen hielten, die man dem mosaischen Gesetz hinzugefügt hatte.

wodurch er sich Gott gleichstellte: Jesus bezeichnete Gott richtigerweise als seinen Vater (Joh 5:17). Damit stellte er sich aber keinesfalls auf eine Stufe mit ihm. Die Juden waren es, die behaupteten, er würde sich Gott gleichmachen. Doch mit dieser Anschuldigung lagen sie genauso falsch wie mit der Behauptung, er würde den Sabbat brechen. Jesus stellte das laut Vers 19 bis 24 klar, wo er darauf hinwies, dass er nichts von sich aus tun kann. Fakt ist: Jesus stellte sich Gott nicht gleich (Joh 14:28).

von sich aus: Oder „aus eigener Initiative“, d. h. unabhängig. Als Gottes wichtigster Repräsentant hört Jesus immer auf die Stimme seines Vaters und gibt weiter, was er ihm sagt.

der Vater hat den Sohn lieb: Oder „der Vater hat Zuneigung zum Sohn“. Jesus beschrieb hier die enge Freundschaft und Verbundenheit, die zwischen ihm und seinem Vater seit Beginn der Schöpfung besteht (Spr 8:30). Johannes gebraucht in der Aussage von Jesus eine Form des griechischen Verbs philéō („lieb haben“, „Zuneigung haben“). Dieses Verb beschreibt oft eine sehr enge Bindung, wie sie echte Freunde zueinander verspüren, z. B. die tiefe Freundschaft zwischen Jesus und Lazarus (Joh 11:3, 36). Es beschreibt auch die enge Bindung zwischen Eltern und Kindern (Mat 10:37). Und außerdem wird mit philéō die starke, innige Zuneigung ausgedrückt, die Jehova für die Jünger seines Sohnes empfand, sowie die tiefen Gefühle, die diese dem Sohn Gottes entgegenbrachten (Joh 16:27).

zum Leben … zum Gericht: In diesem Vers wird wie in Joh 5:24 das „Gericht“ (griechisch krísis) dem „Leben“ bzw. dem „ewigen Leben“ gegenüber­gestellt. Das zeigt, dass hier das Gericht gleichbedeutend ist mit einer Verurteilung zum Tod (2Pe 2:9; 3:7; siehe Anm. zu Joh 5:24). An fast allen Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften, wo im Griechischen der Ausdruck krísis vorkommt, geht es um eine Verurteilung. Das Gericht bzw. die Verurteilung, von der Jesus hier sprach, stützt sich nicht auf das, was jemand vor seinem Tod getan hat, sondern auf das, was er nach seiner Auferstehung tut; das machen der Kontext und andere Bibeltexte deutlich. In Rö 6:7 heißt es: „Wer gestorben ist, ist von seiner Sünde freigesprochen.“ Jeder Einzelne, der aufersteht, wird dann durch sein Verhalten zeigen, ob er gehorsam ist, was mit ewigem Leben belohnt wird, oder ob er ungehorsam ist, was die Verurteilung zum Tod zur Folge hat.

Lass die Toten ihre Toten begraben: Wie die Anm. zu Luk 9:59 zeigt, war der Vater des Mannes wahrscheinlich nicht tot, sondern gebrechlich oder alt. Im Grunde sagte Jesus: „Lass die, die aus Gottes Sicht tot sind, ihre Toten begraben.“ Der Mann sollte also seine Entscheidung, Jesus nachzufolgen, nicht aufschieben, denn offensichtlich gab es noch andere Angehörige, die sich um den Vater kümmern konnten, bis er starb. Durch die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, würde der Mann den Weg zum ewigen Leben einschlagen. Er würde dann nicht mehr zu denen gehören, die in Gottes Augen tot waren. Durch seine Antwort zeigte Jesus, was nötig ist, um aus Gottes Sicht am Leben zu bleiben: Man muss das Königreich Gottes an die erste Stelle in seinem Leben setzen und es weit und breit bekannt machen.

die Toten: Jesus sagte, dass die Zeit, wo die Toten seine „Stimme … hören“, schon da ist. Mit den Toten konnte er also nur Menschen meinen, die nicht wirklich tot waren, sondern wegen der Sünde, die sie von Adam geerbt hatten, zum Tod verurteilt waren (Rö 5:12). Von Gottes Standpunkt aus hat die Menschheit im Allgemeinen kein Recht auf Leben, da „der Lohn“, den die Sünde den Menschen zahlt, der Tod ist (Rö 6:23). Wer jedoch Jesu „Wort“ hört und sich danach ausrichtet, kann sozusagen „vom Tod zum Leben hinüberwechseln“. (Siehe Anm. zu Joh 5:24.) Der Ausdruck „hören“ kommt in der Bibel immer wieder im Sinn von „beherzigen“ oder „gehorchen“ vor.

wird nicht verurteilt: Wtl. „kommt nicht ins Gericht“. Im Griechischen steht hier das Substantiv krísis, dessen genaue Bedeutung vom Kontext bestimmt wird. Es bezeichnet Rechtsprechung (Joh 5:22), Gerechtigkeit (Mat 23:23; Luk 11:42) oder die Institution des Gerichts (Mat 5:21). Es kann sich auch auf ein Urteil beziehen – egal ob positiv oder negativ –, doch an den meisten Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften ist damit eine Verurteilung gemeint. In diesem Vers wird die Verurteilung als Parallele zum Tod gebraucht und dem Leben bzw. dem ewigen Leben gegenüber­gestellt. Es handelt sich also um eine Verurteilung zum Tod (2Pe 2:9; 3:7; siehe Anm. zu Joh 5:29).

ist vom Tod zum Leben hinübergewechselt: Jesus sprach hier offensichtlich von Personen, die im übertragenen Sinn tot waren, dann aber auf ihn gehört haben, zum Glauben gekommen sind und den Weg der Sünde verlassen haben (Eph 2:1, 2, 4-6). Sie sind insofern „vom Tod zum Leben“ hinübergewechselt, als ihr Todesurteil aufgehoben wurde; und sie dürfen wegen ihres Glaubens an Gott und Jesus darauf hoffen, einmal ewig zu leben. Bei einer anderen Gelegenheit sagte Jesus zu einem Mann, der ihm nachfolgen wollte, nachdem er seinen Vater beerdigt hätte: „Lass die Toten ihre Toten begraben“; damit meinte er offenbar ebenfalls Menschen, die aus Gottes Sicht tot waren (Luk 9:60; siehe Anm. zu Luk 9:60; Joh 5:25).

ist vom Tod zum Leben hinübergewechselt: Jesus sprach hier offensichtlich von Personen, die im übertragenen Sinn tot waren, dann aber auf ihn gehört haben, zum Glauben gekommen sind und den Weg der Sünde verlassen haben (Eph 2:1, 2, 4-6). Sie sind insofern „vom Tod zum Leben“ hinübergewechselt, als ihr Todesurteil aufgehoben wurde; und sie dürfen wegen ihres Glaubens an Gott und Jesus darauf hoffen, einmal ewig zu leben. Bei einer anderen Gelegenheit sagte Jesus zu einem Mann, der ihm nachfolgen wollte, nachdem er seinen Vater beerdigt hätte: „Lass die Toten ihre Toten begraben“; damit meinte er offenbar ebenfalls Menschen, die aus Gottes Sicht tot waren (Luk 9:60; siehe Anm. zu Luk 9:60; Joh 5:25).

die Toten: Jesus sagte, dass die Zeit, wo die Toten seine „Stimme … hören“, schon da ist. Mit den Toten konnte er also nur Menschen meinen, die nicht wirklich tot waren, sondern wegen der Sünde, die sie von Adam geerbt hatten, zum Tod verurteilt waren (Rö 5:12). Von Gottes Standpunkt aus hat die Menschheit im Allgemeinen kein Recht auf Leben, da „der Lohn“, den die Sünde den Menschen zahlt, der Tod ist (Rö 6:23). Wer jedoch Jesu „Wort“ hört und sich danach ausrichtet, kann sozusagen „vom Tod zum Leben hinüberwechseln“. (Siehe Anm. zu Joh 5:24.) Der Ausdruck „hören“ kommt in der Bibel immer wieder im Sinn von „beherzigen“ oder „gehorchen“ vor.

Leben in euch selbst: Laut Joh 5:26 hatte Jesus zuvor einmal gesagt, dass ihm gewährt wurde, „Leben in sich selbst zu haben“, „wie der Vater Leben in sich selbst hat“. (Siehe Anm. zu Joh 5:26.) Jetzt, ein Jahr später, gebrauchte Jesus diese Formulierung für seine Nachfolger. Diesmal setzte er „Leben in sich selbst“ zu haben damit gleich, „ewiges Leben“ zu bekommen (Joh 6:54). Hier bedeutet „Leben in sich selbst“ zu haben nicht, Leben geben zu können, sondern bezieht sich offensichtlich darauf, in das Leben in seinem vollsten Maß einzugehen, also vollkommen am Leben zu sein. Gesalbte Christen sind vollkommen am Leben, wenn sie im Himmel auferweckt werden und unsterblich sind. Treue Menschen auf der Erde werden dann im vollsten Maß leben, wenn sie die Schlussprüfung nach der 1000-jährigen Regentschaft Christi bestanden haben (1Ko 15:52, 53; Off 20:5, 7-10).

Leben in sich selbst hat: Oder „die Macht hat, Leben zu geben“. Jesus hat „Leben in sich selbst“, weil ihn sein Vater Jehova mit Machtbefugnissen ausgestattet hat, die er ursprünglich nur selbst hatte. Jesus erhielt zweifellos die Befugnis, Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, von Gott als gerecht angesehen zu werden und so Leben zu erhalten. Er bekam außerdem die Fähigkeit, Tote aufzuerwecken und auf diese Weise Leben zu geben. Etwa ein Jahr nach dieser Äußerung deutete Jesus an, dass auch seine Nachfolger Leben in sich selbst haben könnten. (Was das in Verbindung mit Jesu Nachfolgern bedeutet, wird in der Anm. zu Joh 6:53 erklärt.)

Menschensohn: Oder „Sohn eines Menschen“. Dieser Ausdruck kommt in den Evangelien rund 80-mal vor. Jesus bezeichnete sich selbst als Menschensohn, wodurch er offensichtlich Folgendes herausstellen wollte: Er war wirklich ein von einer Frau geborener Mensch und er war die passende menschliche Entsprechung zu Adam. In dieser Funktion hatte er die Macht, die Menschheit von Sünde und Tod zu erlösen (Rö 5:12, 14, 15). Die Bezeichnung „Menschensohn“ machte Jesus außerdem als den Messias oder Christus kenntlich (Da 7:13, 14; siehe Worterklärungen).

Menschensohn: Siehe Anm. zu Mat 8:20.

Gräbern: Wtl. „Gedenkgräbern“. Das entsprechende griechische Substantiv mnēméion ist von dem Verb mimnḗskomai abgeleitet, das „gedenken“, „(sich) erinnern“ bedeutet. Deshalb schwingt bei mnēméion der Gedanke mit, dass die Erinnerung an einen Verstorbenen wachgehalten wird. Hier vermittelt es die Vorstellung, dass Gott sich an die Verstorbenen erinnert. Vor diesem Hintergrund wird die Bitte des Verbrechers, der neben Jesus hingerichtet wurde, noch bedeutsamer. Er sagte: „Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst“ (Luk 23:42). Lukas verwendete hier eine Form von mimnḗskomai.

Auferstehung: Das griechische Substantiv anástasis bedeutet wtl. „Aufrichten“, „Aufstehen“. In den Christlichen Griechischen Schriften kommt es etwa 40-mal in Verbindung mit der Auferstehung der Toten vor (Mat 22:31; Apg 4:2; 24:15; 1Ko 15:12, 13). In der Septuaginta wird in Jes 26:19 das Verb zu anástasis verwendet, um das hebräische Verb für „leben“ in dem Satz „Deine Toten werden leben“ wiederzugeben. (Siehe Worterklärungen.)

wird nicht verurteilt: Wtl. „kommt nicht ins Gericht“. Im Griechischen steht hier das Substantiv krísis, dessen genaue Bedeutung vom Kontext bestimmt wird. Es bezeichnet Rechtsprechung (Joh 5:22), Gerechtigkeit (Mat 23:23; Luk 11:42) oder die Institution des Gerichts (Mat 5:21). Es kann sich auch auf ein Urteil beziehen – egal ob positiv oder negativ –, doch an den meisten Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften ist damit eine Verurteilung gemeint. In diesem Vers wird die Verurteilung als Parallele zum Tod gebraucht und dem Leben bzw. dem ewigen Leben gegenüber­gestellt. Es handelt sich also um eine Verurteilung zum Tod (2Pe 2:9; 3:7; siehe Anm. zu Joh 5:29).

Auferstehung: Siehe Anm. zu Mat 22:23.

zum Leben … zum Gericht: In diesem Vers wird wie in Joh 5:24 das „Gericht“ (griechisch krísis) dem „Leben“ bzw. dem „ewigen Leben“ gegenüber­gestellt. Das zeigt, dass hier das Gericht gleichbedeutend ist mit einer Verurteilung zum Tod (2Pe 2:9; 3:7; siehe Anm. zu Joh 5:24). An fast allen Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften, wo im Griechischen der Ausdruck krísis vorkommt, geht es um eine Verurteilung. Das Gericht bzw. die Verurteilung, von der Jesus hier sprach, stützt sich nicht auf das, was jemand vor seinem Tod getan hat, sondern auf das, was er nach seiner Auferstehung tut; das machen der Kontext und andere Bibeltexte deutlich. In Rö 6:7 heißt es: „Wer gestorben ist, ist von seiner Sünde freigesprochen.“ Jeder Einzelne, der aufersteht, wird dann durch sein Verhalten zeigen, ob er gehorsam ist, was mit ewigem Leben belohnt wird, oder ob er ungehorsam ist, was die Verurteilung zum Tod zur Folge hat.

von mir aus: Oder „aus eigener Initiative“, d. h. unabhängig. Als Gottes wichtigster Repräsentant hört Jesus immer auf die Stimme seines Vaters und gibt weiter, was er ihm sagt.

so, wie ich es höre: D. h., wie Jesus es von seinem Vater, dem höchsten Richter, hört.

einen anderen: Gemeint ist zweifellos der Vater (Joh 5:34, 37).

Schriften: Damit waren oft die gesamten Hebräischen Schriften gemeint. Die Juden, die gründlich in den Schriften forschten, hätten mit Leichtigkeit herausfinden können, dass Jesus der Messias war. Dazu hätten sie nur das, was er tat und lehrte, mit den Voraussagen in den Schriften vergleichen müssen. Doch sie lehnten es ab, die Fülle an Beweisen, die in den Schriften zu finden waren, genau zu untersuchen. Auch wenn sie glaubten, dass sie durch die Schriften ewiges Leben haben würden, weigerten sie sich zu akzeptieren, dass die Schriften auf Jesus als denjenigen hinwiesen, durch den allein Leben möglich wäre (5Mo 18:15; Luk 11:52; Joh 7:47, 48).

sie sagen als Zeuge über mich aus: Die Schriften enthielten Prophezeiungen über den Messias. Sie zeigten deutlich, dass Jesus derjenige war, durch den „ewiges Leben“ möglich ist. Seine Gesprächspartner hätten das erkennen müssen.

dem einzigen Gott: In einigen frühen Manuskripten fehlt das Wort „Gott“; die Lesart dort lautet: „dem Einzigen“. Doch die hier verwendete Lesart ist durch andere frühe maßgebliche Handschriften gut belegt.

Medien

Bethzatha
Bethzatha

Nur das Johannes­evangelium spricht von einer Badeanlage, die Bethzatha genannt wurde und sich in Jerusalem „am Schaftor“ befand (Joh 5:2). Bei diesem Tor handelt es sich vermutlich um das Schaftor, das auch in den Hebräischen Schriften erwähnt wird. Es befand sich im NO von Jerusalem (Ne 3:1, 32; 12:39). Das Schaftor, von dem Johannes schreibt, könnte aber auch erst später gebaut worden sein. Nördlich vom Tempelberg haben Archäologen die Ruinen einer Badeanlage entdeckt, die zu der Beschreibung von Johannes passt. Bei den Ausgrabungen stellte man fest, dass sie aus einem Doppelbecken bestand, das eine Grundfläche von ca. 46 m x 92 m einnahm. Laut dem Bericht von Johannes gehörten zu der Anlage „fünf Säulenhallen“, in denen sich „eine Menge“ kranke und behinderte Menschen aufhalten konnten (Joh 5:2, 3). Eine der Hallen stand wahrscheinlich auf der Mauer, die das nördliche Becken von dem südlichen trennte, während die anderen vier vermutlich die gesamte Anlage umgaben.

(1) Bethzatha

(2) Tempelberg