Nach Johannes 10:1-42

10  „Eins steht fest: Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde geht, sondern anderswo hineinklettert, der ist ein Dieb und ein Räuber.+  Wer dagegen durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe.+  Ihm öffnet der Türwächter+ und die Schafe hören auf seine Stimme.+ Er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus.  Wenn er alle seine Schafe hinausgeführt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.  Einem Fremden werden sie auf keinen Fall folgen, sondern sie werden vor ihm weglaufen, weil sie die Stimme von Fremden nicht kennen.“+  Diesen Vergleich führte Jesus an, aber seine Zuhörer verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte.  Da erklärte Jesus weiter: „Eins steht fest: Ich bin die Tür für die Schafe.+  Alle, die anstelle von mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.  Ich bin die Tür. Jeder, der durch mich hineingeht, wird gerettet werden, und er wird hinein- und hinausgehen und Weiden finden.+ 10  Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu vernichten.+ Ich bin gekommen, damit sie Leben haben – Leben in seiner ganzen Fülle. 11  Ich bin der gute Hirte.+ Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe.+ 12  Der Lohnarbeiter, der kein Hirte ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht, sodass der Wolf über sie herfällt und sie auseinanderjagt. 13  Denn er ist nur ein Lohnarbeiter und kümmert sich nicht um die Schafe. 14  Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe und meine Schafe kennen mich,+ 15  so wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne.+ Und ich gebe mein Leben für die Schafe.+ 16  Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind.+ Auch sie muss ich herbringen und sie werden auf meine Stimme hören und sie alle werden zu einer einzigen Herde unter einem einzigen Hirten.+ 17  Deshalb liebt mich der Vater:+ weil ich mein Leben* gebe,+ um es zurückzuerhalten. 18  Niemand nimmt es mir weg, sondern ich gebe es aus eigenem Entschluss. Ich bin berechtigt, es zu geben, und ich bin berechtigt, es zurückzuerhalten.+ Dieses Gebot habe ich von meinem Vater erhalten.“ 19  Wegen dieser Worte entstand wieder eine Spaltung unter den Juden.+ 20  Viele sagten: „Er hat einen Dạ̈mon und ist verrückt.+ Warum hört ihr ihm zu?“ 21  Andere meinten: „So redet doch kein Besessener. Kann ein Dạ̈mon etwa Blinden die Augen öffnen?“ 22  Zu dieser Zeit fand in Jerusalem das Fest der Einweihung statt. Es war Winter, 23  und Jesus ging im Tempel umher, in der Säulenhalle Sạlomos.+ 24  Da umringten ihn die Juden und fragten: „Wie lange lässt du uns noch im Ungewissen? Wenn du der Christus bist, dann sag es uns klar und deutlich.“ 25  Jesus antwortete: „Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt mir nicht. Die Taten*, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, sind mein Zeuge.+ 26  Aber ihr glaubt mir nicht, weil ihr nicht meine Schafe seid.+ 27  Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir.+ 28  Ich gebe ihnen ewiges Leben+ und sie werden auf keinen Fall jemals vernichtet werden und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.+ 29  Was mein Vater mir gegeben hat, ist größer als alles andere. Niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen.+ 30  Ich und der Vater sind eins.“+ 31  Wieder hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen.+ 32  Als Reaktion darauf sagte Jesus zu ihnen: „Ich habe euch vonseiten des Vaters viele gute Taten sehen lassen. Für welche dieser Taten steinigt ihr mich?“ 33  Die Juden antworteten ihm: „Wir steinigen dich nicht für eine gute Tat, sondern wegen Gotteslästerung,+ denn obwohl du ein Mensch bist, machst du dich selbst zu einem Gott.“ 34  Jesus erwiderte: „Steht nicht in eurem Gesetz: ‚Ich habe gesagt: „Ihr seid Götter“‘?+ 35  Wenn er diejenigen ‚Götter‘+ nannte, gegen* die sich Gottes Wort richtete – und was in den Schriften steht, kann ja nicht ungültig gemacht werden –, 36  wie könnt ihr da zu mir*, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: ‚Du bist ein Gotteslästerer‘, weil ich gesagt habe: ‚Ich bin Gottes Sohn‘?+ 37  Wenn ich nicht die Taten meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. 38  Wenn ich sie aber vollbringe, dann glaubt den Taten,+ auch wenn ihr mir nicht glaubt. So werdet ihr erkennen und auch weiterhin wissen, dass der Vater mit mir verbunden ist und ich mit dem Vater.“+ 39  Daraufhin wollten sie ihn erneut festnehmen, aber er entzog sich ihrem Zugriff.+ 40  Er ging wieder weg, auf die andere Jordanseite, an die Stelle, wo Johạnnes zuerst getauft hatte,+ und dort blieb er. 41  Viele Leute kamen zu ihm und sagten: „Johạnnes hat zwar kein einziges Zeichen vollbracht, aber alles, was er über diesen Mann gesagt hat, ist wahr gewesen.“+ 42  Es kamen dort viele zum Glauben an ihn.

Fußnoten

Oder „Seele“.
Oder „Werke“. Gilt auch für nachfolgende Stellen in diesem Kapitel.
Oder „an“.
Oder „von dem“.

Studienanmerkungen

seine Stimme kennen: Im Nahen Osten hat man immer wieder die Beobachtung gemacht, dass Schafe die Stimme ihres Hirten von fremden Stimmen unterscheiden können. Wie Jesus andeutete, gaben Hirten jedem Schaf einen Namen, selbst wenn die Herde groß war (Joh 10:3, 27). Schon von klein auf hörten die Tiere die Stimme ihres Hirten, wenn er sie unterwegs oder beim Abrichten mit Namen rief. Außerdem hatten die Hirten eigene Rufe und Laute, um sich von anderen Hirten zu unterscheiden. Um die Schafe vor Gefahren zu schützen oder um sie zu Weideflächen und Wasserstellen zu führen, brachten sie ihnen bei, auf verschiedene Rufe und Befehle zu reagieren. Von Schafen kann also gesagt werden, dass sie die Stimme ihres Hirten kennen – nicht nur, weil sie seine Stimme von fremden Stimmen unterscheiden können, sondern auch, weil sie seine liebevolle Fürsorge für sie selbst wie auch für die ganze Herde wahrnehmen.

werden sie auf keinen Fall folgen: Im Griechischen wird hier das Verb doppelt verneint. Solche Konstruktionen zeigen an, dass eine Vorstellung entschieden abgelehnt wird, wobei in diesem Fall die Unumstößlichkeit von Jesu Worten unterstrichen wird. Der Ausdruck Fremder bezieht sich hier auf jemand, den die Schafe nicht kennen.

Vergleiche: Oder „Gleichnisse“. Das griechische Wort parabolḗ bedeutet wtl. „ein Nebeneinander- oder Zusammenstellen“. Damit kann ein Gleichnis, eine Veranschaulichung, ein Sprichwort oder ein Vergleich gemeint sein. Bei seinen Erklärungen stellte Jesus oft Dinge oder Sachverhalte nebeneinander, indem er sie miteinander verglich und Ähnlichkeiten hervorhob (Mar 4:30). Seine Gleichnisse waren kurze und meist erfundene Erzählungen, aus denen man eine moralische oder religiöse Lehre ziehen konnte.

Vergleich: Johannes verwendet als einziger Evangelist das griechische Substantiv paroimía (Joh 10:6; 16:25, 29). Es bedeutet ungefähr das Gleiche wie parabolḗ, das die anderen drei Evangelisten gebrauchen, bei Johannes aber gar nicht vorkommt. (Siehe Anm. zu Mat 13:3.) Petrus verwendet den Ausdruck paroimía in 2Pe 2:22 im Sinn von „Sprichwort“; dort schreibt er von dem Hund, der zu seinem eigenen Erbrochenen zurückgekehrt ist, und der gebadeten Sau, die sich wieder im Schlamm wälzt. In der Septuaginta wird der Ausdruck als Titel des Bibelbuches Sprüche gebraucht.

gute: Oder „vortreffliche“, „hervorragende“. Das griechische Wort kalós vermittelt die Vorstellung von etwas, das von Natur aus gut oder schön ist oder eine ausgezeichnete Qualität hat. Es wird z. B. für die Beschaffenheit von Früchten, Bodenarten und Perlen verwendet (Mat 3:10; 13:8, 45). Hier charakterisiert es Jesus als einen ausgezeichneten Hirten.

Leben: Oder „Seele“. Die Bedeutung des griechischen Wortes psychḗ (in früheren Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung durchweg mit „Seele“ wiedergegeben) ist vom jeweiligen Kontext abhängig. Hier bezieht es sich auf Jesu Leben, das er als der gute Hirte für die Schafe gibt oder freiwillig opfert. (Siehe Worterklärungen zu „Seele“.)

Lohnarbeiter: Da eine Schafherde als wertvoller Besitz galt, kümmerte sich oft der Eigentümer selbst, seine Kinder oder auch andere Verwandte um diese schutzbedürftigen Tiere (1Mo 29:9; 30:31; 1Sa 16:11). Mitunter wurden auch Lohnarbeiter als Schafhirten angestellt. Allerdings ging es diesen oft mehr um ihren Verdienst als um Loyalität gegenüber dem Eigentümer oder um Fürsorge für die Schafe. (Vgl. Hi 7:1, 2.) In der Bibel wird das Schafehüten als Bild gebraucht, wenn es darum geht, für Gottes Diener zu sorgen, sie zu beschützen und zu ernähren (1Mo 48:15). Die Hirten in der Christenversammlung dürfen nicht so eingestellt sein wie ein „Lohnarbeiter“ (Joh 10:13). Vielmehr orientieren sie sich an Jehovas Beispiel als fürsorglicher Hirte (Ps 23:1-6; 80:1; Jer 31:10; Hes 34:11-16) sowie an der aufopfernden Liebe, die Jesus als den „guten Hirten“ auszeichnete (Joh 10:11, 14; Apg 20:28, 29; 1Pe 5:2-4).

Leben: Oder „Seele“. Die Bedeutung des griechischen Wortes psychḗ (in früheren Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung durchweg mit „Seele“ wiedergegeben) ist vom jeweiligen Kontext abhängig. Hier bezieht es sich auf Jesu Leben, das er als der gute Hirte für die Schafe gibt oder freiwillig opfert. (Siehe Worterklärungen zu „Seele“.)

Leben: Oder „Seele“. (Siehe Anm. zu Joh 10:11.)

herbringen: Oder „führen“. Das griechische Verb ágō bedeutet je nach Zusammenhang „(her)bringen“ oder „führen“. Ein griechisches Manuskript, das etwa aus dem Jahr 200 datiert, gebraucht an dieser Stelle das verwandte Wort synágō, das oft mit „versammeln“ wiedergegeben wird. Als der gute Hirte versammelt, führt, beschützt und weidet Jesus die Schafe, die zu dieser Hürde gehören (in Luk 12:32 als „kleine Herde“ bezeichnet), und auch seine anderen Schafe. Sie alle werden zu einer einzigen Herde unter einem einzigen Hirten. Dieses Bild unterstreicht die Einheit unter den Nachfolgern von Jesus.

hören: Das griechische Wort für „hören“ hat hier den Sinn von „Aufmerksamkeit schenken, verstehen und entsprechend handeln“.

Leben: Oder „Seele“. Die Bedeutung des griechischen Wortes psychḗ (in früheren Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung durchweg mit „Seele“ wiedergegeben) ist vom jeweiligen Kontext abhängig. Hier bezieht es sich auf Jesu Leben, das er freiwillig als Opfer gab. (Siehe Worterklärungen zu „Seele“.)

Fest der Einweihung: Auf Hebräisch heißt dieses Fest Chanukka (chanukkáh), was „Einweihung“ bedeutet. Es dauerte acht Tage und begann am 25. Kislew, um die Zeit der Wintersonnenwende. (Siehe Anm. zu Winter in diesem Vers und Anh. B15.) Man gedachte damit der Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 165 v. u. Z. Der syrische König Antiochos IV. Epiphanes hatte den Tempel in Jerusalem aus Verachtung für Jehova, den Gott der Juden, entweiht. Er baute auf dem großen Altar, wo man die täglichen Brandopfer dargebracht hatte, einen anderen Altar. Und um das Maß vollzumachen, opferte er am 25. Kislew 168 v. u. Z. ein Schwein auf diesem Altar und verspritzte die Schweinefleischbrühe überall im Tempel. Er verbrannte die Tempeltore, zerstörte die Räume der Priester und schleppte den goldenen Altar, den Schaubrottisch und den goldenen Leuchter weg. Dann weihte er Jehovas Tempel dem heidnischen Gott Zeus Olympios. Zwei Jahre später eroberte Judas Makkabäus die Stadt und den Tempel zurück. Der Tempel wurde gereinigt und am 25. Kislew 165 v. u. Z. wiedereingeweiht – exakt drei Jahre nachdem Antiochos sein widerliches Opfer auf dem Altar dem Zeus dargebracht hatte. Danach wurden die täglichen Brandopfer für Jehova wieder aufgenommen. In den inspirierten Schriften gibt es keinen direkten Hinweis darauf, dass Judas Makkabäus seinen Sieg Jehova zu verdanken hatte oder von ihm angewiesen wurde, den Tempel wiederherzustellen. Allerdings hatte Jehova auch schon Männer aus anderen Völkern gebraucht, etwas für die wahre Anbetung zu tun, beispielsweise Cyrus von Persien (Jes 45:1). Deshalb ist es durchaus denkbar, dass Jehova einen Mann aus seinem eigenen Volk gebrauchte, um seinen Willen auszuführen. Wie aus der Bibel hervorgeht, musste der Tempel in Funktion sein, damit sich die Prophezeiungen über den Messias, seinen Dienst und sein Opfer erfüllen konnten. Auch mussten die vom Gesetz geforderten Opfer dargebracht werden, bis der Messias ein größeres Opfer bringen würde, nämlich sein Leben, das er für die Menschen gab (Da 9:27; Joh 2:17; Heb 9:11-14). Die Nachfolger von Christus wurden nicht angewiesen, das Fest der Einweihung zu feiern (Kol 2:16, 17), doch deutet nichts darauf hin, dass Jesus oder seine Jünger diese Feier verurteilten.

Winter: Gemeint ist der Winter des Jahres 32 u. Z., der letzte Winter während Jesu Dienst. Das Fest der Einweihung begann am 25. Kislew, dem neunten Monat des jüdischen Kalenders (November/Dezember). Im Jahr 32 begann das Fest Mitte Dezember. (Siehe Anh. B15.) Da allen Juden klar war, dass das Fest im Winter stattfand, könnte Johannes die Jahreszeit vielleicht erwähnt haben, um zu erklären, warum Jesus in „der Säulenhalle Salomos“ lehrte (Joh 10:23). Dieser überdachte Bereich bot Schutz vor dem eisigen Winterostwind. (Siehe Anh. B11.)

lässt du uns: Oder „lässt du unsere Seele“. Im Griechischen steht hier das Wort psychḗ, das traditionell mit „Seele“ wiedergegeben wird. Seine Bedeutung wird durch den Kontext bestimmt. Je nach Zusammenhang kann es auch für ein Personalpronomen stehen. Weitere Beispiele dafür sind in Mat 12:18; 26:38 und Heb 10:38 zu finden, wo psychḗ mou („meine Seele“) mit „ich“ übersetzt werden kann. (Siehe Worterklärungen zu „Seele“.)

Was mein Vater mir gegeben hat, ist größer als alles andere: Für diese Textstelle gibt es in den griechischen Manuskripten und in Übersetzungen in andere Sprachen leicht voneinander abweichende Lesarten. Manche lauten z. B.: „Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle anderen.“ Doch viele Textforscher halten die Lesart, die in der Neuen-Welt-Übersetzung abgebildet ist, für die ursprüngliche.

eins sind: Oder „in Einheit sind“, „sich einig sind“. Jesus und sein Vater sind „eins“ oder einig im Denken und in der Zusammenarbeit. Genauso sollten seine Nachfolger „eins“ sein, indem sie harmonisch zusammenarbeiten. Was Jesus hier in diesem Gebet sagte, erinnert an seine Worte in Joh 10:30. Dort erklärte er, dass er und der Vater darin „eins“ sind, wie sie mit seinen Jüngern umgehen – den „Schafen“, die ihm der Vater gegeben hat (Joh 10:25-30; 17:2, 9). Im Griechischen steht hier das Wort für „eins“ (das eine Sache bezeichnet), nicht für „einer“ (das eine Person bezeichnet). (Siehe Anm. zu Joh 10:30.)

eins sind: Oder „in Einheit sind“, „sich einig sind“. Jesus und sein Vater sind „eins“ oder einig im Denken und in der Zusammenarbeit. Genauso sollten seine Nachfolger „eins“ sein, indem sie harmonisch zusammenarbeiten – darum betete Jesus (Joh 17:22). In 1Ko 3:6-9 beschreibt Paulus diese Art von Einheit, die entsteht, wenn Christen untereinander und mit Gott zusammenarbeiten. (Siehe 1Ko 3:8 und Anm. zu Joh 10:30; 17:11.)

sind eins: Oder „sind in Einheit“, „sind uns einig“. Jesu Äußerung zeigt, dass er und sein Vater die „Schafe“ gemeinsam beschützen und zu ewigem Leben führen möchten. Daran arbeiten Vater und Sohn mit vereinten Kräften. Sie sind gleichermaßen an den Schafen interessiert und lassen nicht zu, dass irgendjemand sie aus ihrer Hand reißt (Joh 10:27-29; vgl. Hes 34:23, 24). Im Johannesevangelium ist immer wieder davon die Rede, dass zwischen dem Vater und dem Sohn eine große Harmonie besteht; sie wollen das Gleiche und arbeiten auf das Gleiche hin. Im Griechischen steht hier das Wort für „eins“ (das eine Sache bezeichnet), nicht für „einer“ (das eine Person bezeichnet). Das stützt den Gedanken, dass Jesus und sein Vater in ihrer Zusammenarbeit „eins“ sind, und nicht, dass sie „einer“ oder ein und dieselbe Person sind (Joh 5:19; 14:9, 23). Ein Vergleich von Jesu Aussage hier in Kapitel 10 mit seinem Gebet in Kapitel 17 bestätigt, dass er nicht davon sprach, die gleiche Göttlichkeit zu besitzen wie sein Vater; vielmehr geht es darum, dass sie dieselben Ziele verfolgen und in ihrer Handlungsweise übereinstimmen (Joh 10:25-29; 17:2, 9-11). Das wird noch deutlicher in Jesu Bitte, die er an seinen Vater bezüglich seiner Nachfolger richtete: „Wache über sie ..., damit sie eins sind, so wie wir eins sind“ (Joh 17:11). Somit geht es in Kapitel 10 und in Kapitel 17 um dieselbe Form des „Einsseins“. (Siehe Anm. zu Joh 17:11, 21; 1Ko 3:8.)

in eurem Gesetz: Der Ausdruck „Gesetz“ bezieht sich hier auf die gesamten Hebräischen Schriften, nicht nur auf das Gesetz von Moses. Das nachfolgende Zitat stammt aus Ps 82:6. In Joh 12:34; 15:25 hat das Wort „Gesetz“ dieselbe Bedeutung.

Götter: Oder „Gottähnliche“. Jesus zitiert hier aus Ps 82:6, wo das hebräische Wort ’elohím („Götter“) für Menschen gebraucht wird. Es bezeichnet dort Richter in Israel. Sie waren „Götter“ in ihrer Eigenschaft als Vertreter oder Sprecher Gottes. In ähnlicher Weise sollte Moses für Aaron und den Pharao „als Gott dienen“ (2Mo 4:16, Fn.; 7:1, Fn.).

mit mir verbunden: Oder „in Gemeinschaft mit mir“. Wtl. „in mir“. Die griechische Präposition en zeigt in diesem Kontext enge Verbundenheit an. Diese Art der Verwendung von en fällt besonders in den Schriften von Johannes und Paulus auf (Gal 1:22; 3:28; Eph 2:13, 15; 6:1). In 1Jo 3:24 und 4:13, 15 beschreibt die Präposition das Verhältnis eines Christen zu Gott. Dass es passend ist, sie mit „verbunden mit“ wiederzugeben, wird auch in Joh 17:20-23 deutlich, wo sie fünf Mal vorkommt.

Medien

Schafhürde
Schafhürde

Eine Schafhürde war eine umzäunte oder ummauerte Fläche, wohin Hirten ihre Schafherden brachten, um sie nachts vor Dieben und Raubtieren zu schützen. Schafhürden konnten ganz unterschiedlich aussehen und unterschiedlich groß sein. Sie hatten keine Überdachung und waren oft von einer Steinmauer umgeben (4Mo 32:16; 1Sa 24:3; Ze 2:6). In der Regel gab es nur einen Zugang. Johannes spricht davon, dass man in die Hürde durch eine „Tür“ gelangte, die von einem „Türwächter“ bewacht wurde (Joh 10:1, 3). Es gab gemeinsam genutzte Schafhürden, in denen mehrere Herden die Nacht verbrachten, während der Türwächter Wache hielt. Am Morgen öffnete er den Hirten die Tür, damit sie ihre Tiere zu sich rufen konnten. Die Schafe erkannten die Stimme ihres Hirten und liefen zu ihm (Joh 10:3-5). Jesus veranschaulichte mit dem Bild der Schafhürde, auf welche Weise er sich um seine Jünger kümmert (Joh 10:7-14).

Wolf
Wolf

Der Wolf (Canis lupus) ist ein aggressives, gieriges und unerschrockenes Tier. Oft reißt er mehr Schafe, als er fressen oder fortschleppen kann. Die in Israel lebenden Wölfe jagen vor allem nachts (Hab 1:8). In der Bibel werden Tiere mit ihren typischen Merkmalen und Verhaltensweisen häufig als Bild für positive oder negative Eigenschaften gebraucht. In der Sterbebettprophezeiung von Jakob beispielsweise wird der Stamm Benjamin als kämpferisch wie ein Wolf beschrieben (1Mo 49:27). Meistens steht der Wolf jedoch für schlechte Eigenschaften wie Aggressivität, Gier und Hinterhältigkeit. Mit Wölfen verglichen werden z. B. falsche Propheten (Mat 7:15), bösartige Gegner des Predigtwerks (Mat 10:16; Luk 10:3) und falsche Lehrer, die innerhalb der Christenversammlung Schaden anrichten (Apg 20:29, 30). Hirten waren sich der Gefahr bewusst, die von Wölfen ausging. Jesus sagte einmal: „Der Lohnarbeiter, der kein Hirte ist ..., sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht“, ja er „kümmert sich nicht um die Schafe“. Jesus dagegen – „der gute Hirte“ – gab sogar „sein Leben für die Schafe“ (Joh 10:11-13).

Säulenhalle Salomos
Säulenhalle Salomos

Dieses Modell vom Tempelberg zeigt, wie die Säulenhalle Salomos im 1. Jh. ausgesehen haben könnte. Es handelte sich dabei um einen weiträumigen, überdachten Gang an der O-Seite des äußeren Tempelvorhofs. In der Bibel wird die Säulenhalle Salomos drei Mal direkt erwähnt. Johannes berichtet davon, dass Jesus einmal im Winter dort umherging. Dabei wurde er von einer Gruppe Juden umringt, die von ihm wissen wollten, ob er der Christus ist (Joh 10:22-24). Ein anderes Mal sammelte sich in der Säulenhalle eine erstaunte Menschenmenge um Petrus, um zu hören, wie er einen Mann geheilt hatte, der von Geburt an gelähmt war (Apg 3:1-7, 11). Und die ersten Christen nutzten die Säulenhalle Salomos gewöhnlich für öffentliche Treffen (Apg 5:12, 13; siehe Worterklärungen zu „Salomos Säulenhalle“).