An die Galater 1:1-24

1  Paulus, ein Apostel – weder von Menschen noch durch einen Menschen berufen, sondern durch Jesus Christus+ und Gott, den Vater,+ der ihn von den Toten auferweckt hat –,  und alle Brüder bei mir an die Versammlungen* von Galạtien:+  Wir wünschen euch unverdiente Güte und Frieden von Gott, unserem Vater, und vom Herrn Jesus Christus.  Er hat sich selbst für unsere Sünden geopfert,+ um uns aus dem gegenwärtigen bösen Weltsystem zu befreien,+ nach dem Willen unseres Gottes und Vaters,+  dem Herrlichkeit gebührt für immer und ewig. Amen.  Es wundert mich, dass ihr euch so schnell von Gott abwendet, der euch durch die unverdiente Güte des Christus berufen hat, und euch einer anderen guten Botschaft zuwendet.+  Dabei gibt es keine andere gute Botschaft. Allerdings gibt es gewisse Leute, die euch verwirren+ und die gute Botschaft über den Christus verdrehen wollen.  Doch selbst wenn jemand von uns oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas anderes als gute Botschaft verkünden sollte als das, was wir euch als gute Botschaft verkündet haben – er soll verflucht sein.+  Wie wir schon gesagt haben, so sage ich jetzt noch einmal: Wer immer euch etwas anderes als gute Botschaft verkündet als das, was ihr angenommen habt – er soll verflucht sein. 10  Versuche ich jetzt tatsächlich, Menschen für mich zu gewinnen oder Gott? Oder versuche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen würde, wäre ich kein Sklave von Christus. 11  Brüder, ihr müsst wissen, dass die gute Botschaft, die ich euch verkündet habe, nicht von Menschen stammt.+ 12  Denn ich habe sie weder von einem Menschen erhalten, noch wurde ich darüber belehrt, sondern sie ist mir von Jesus Christus offenbart worden. 13  Ihr habt natürlich gehört, wie ich mich früher im Judentum verhalten habe.+ Ich habe die Versammlung Gottes ständig massiv verfolgt und zu zerstören versucht.+ 14  Ich habe größere Fortschritte im Judentum gemacht als viele andere aus meinem Volk in meinem Alter, weil ich mich für die Traditionen meiner Väter mit viel mehr Eifer einsetzte.+ 15  Doch dann hielt Gott, der meine Geburt verursacht hat* und mich durch seine unverdiente Güte berief,+ es für gut, 16  seinen Sohn durch mich zu offenbaren, damit ich den anderen Völkern die gute Botschaft über ihn verkünde.+ Ich habe mir damals nicht sofort bei irgendeinem Menschen Rat geholt. 17  Auch ging ich nicht nach Jerusalem zu denen hinauf, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging nach Arabien und kehrte später wieder nach Damạskus zurück.+ 18  Nach drei Jahren ging ich dann nach Jerusalem hinauf,+ um Kẹphas+ zu besuchen, und blieb 15 Tage bei ihm. 19  Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus,+ den Bruder des Herrn. 20  Was ich euch schreibe, ist nicht gelogen. Das versichere ich euch vor Gott. 21  Danach begab ich mich in die Gegenden von Syrien und Zilịzien.+ 22  Die Versammlungen von Judạ̈a, die mit Christus verbunden waren, kannten mich jedoch nicht persönlich. 23  Sie hörten nur immer wieder: „Der Mann, der uns früher verfolgte,+ macht jetzt die gute Botschaft von dem Glauben bekannt, den er vorher ausrotten wollte.“+ 24  Da begannen sie, Gott meinetwegen zu verherrlichen.

Fußnoten

Oder „Gemeinden“.
Oder „mich vom Mutterleib an absonderte“.

Studienanmerkungen

An die Galater: Titel wie dieser waren offensichtlich nicht im Originaltext enthalten. An alten Handschriften wie dem Papyruskodex P46 kann man erkennen, dass solche Titel später hinzugefügt wurden, wahrscheinlich um die Briefe leichter auseinanderhalten zu können. (Siehe „Der Brief von Paulus an die Galater“ in der Mediengalerie.) Andere alte Handschriften wie der Codex Vaticanus oder der Codex Sinaiticus aus dem 4. Jh. enthalten denselben Titel.

an die Versammlungen von Galatien: Seine erste Missionsreise um 47–48 u. Z. führte Paulus durch Galatien. (Siehe Anm. zu Galatien in diesem Vers.) Zusammen mit Barnabas besuchte er Städte im S der Region, wie das pisidische Antiochia, Ikonion, Lystra und Derbe (Apg 13:14, 51; 14:1, 5, 6). Da dort viele positiv auf die gute Botschaft reagierten, gründeten die beiden in diesen Städten Versammlungen (Apg 14:19-23). Der Samen des Christentums fiel in Galatien offenbar auf fruchtbaren Boden. Timotheus z. B. stammte aus dieser Gegend (Apg 16:1). Die „Versammlungen von Galatien“, an die Paulus schrieb, bestanden aus Juden, beschnittenen Proselyten und unbeschnittenen Nichtjuden, von denen bestimmt einige keltischer Abstammung waren (Apg 13:14, 43; 16:1; Gal 5:2). Auch in anderen Briefen in den Christlichen Griechischen Schriften werden die Versammlungen in dieser Gegend erwähnt. In seinem ersten Brief an die Korinther (um 55 u. Z.) sprach Paulus von Anweisungen, die er den „Versammlungen von Galatien“ zum Thema Geldsammlungen gegeben hatte (1Ko 16:1, 2; Gal 2:10). Und einige Jahre später (ca. 62–64 u. Z.) richtete Petrus seinen ersten Brief unter anderem „an die vorübergehend Ansässigen … [in] Galatien“ (1Pe 1:1; siehe Anm. zu Gal 3:1).

Galatien: Im 1. Jh. u. Z. verstand man unter Galatien sowohl eine Gegend als auch eine römische Provinz mitten in Kleinasien. (Siehe Worterklärungen.)

Galater: Offensichtlich meint Paulus hier die Christen in den Versammlungen im südlichen Galatien, wo er gepredigt hatte. (Siehe Anm. zu Gal 1:2.)

Ich wünsche euch unverdiente Güte und Frieden: Diesen Gruß verwendet Paulus in elf seiner Briefe (1Ko 1:3; 2Ko 1:2; Gal 1:3; Eph 1:2; Php 1:2; Kol 1:2; 1Th 1:1; 2Th 1:2; Tit 1:4; Phm 3). In seinen beiden Briefen an Timotheus fügt er noch „Barmherzigkeit“ hinzu (1Ti 1:2; 2Ti 1:2). Interessanterweise verwendet Paulus nicht das übliche Wort für „Grüße!“, cháirein (Form von cháirō), sondern das ähnlich klingende Wort cháris („unverdiente Güte“). Damit wünscht er den Versammlungen, dass sie Gottes unverdiente Güte in vollem Maß verspüren. (Siehe Anm. zu Apg 15:23.) Das Wort „Frieden“ erinnert an den im Hebräischen üblichen Gruß schalṓm. (Siehe Anm. zu Mar 5:34.) Durch die Ausdrücke „unverdiente Güte“ und „Frieden“ will Paulus offenbar hervorheben, was für ein Verhältnis Christen dank des Lösegelds zu Jehova haben. Wenn Paulus von der Quelle der unverdienten Güte und des Friedens spricht, unterscheidet er zwischen „Gott, unserem Vater“ und dem „Herrn Jesus Christus“.

Wir wünschen euch unverdiente Güte und Frieden: Siehe Anm. zu Rö 1:7.

dieses Weltsystems: Das griechische Wort aiṓn hat die Grundbedeutung von „Ära“, „Zeitalter“. Es kann sich auf Zustände oder Merkmale beziehen, die einen bestimmten Zeitabschnitt, eine Epoche oder ein Zeitalter kennzeichnen. (Siehe Worterklärungen zu „Weltsystem; Systeme“.) Da „dieses Weltsystem“ in der Macht des Teufels liegt, hat er es nach seinen Vorstellungen gestaltet und ihm bestimmte Merkmale sowie eine charakteristische Geisteshaltung verliehen (Eph 2:1, 2).

Weltsystem: Das griechische Wort aiṓn hat die Grundbedeutung von „Ära“, „Zeitalter“. Es kann sich auf Zustände oder Merkmale beziehen, die einen bestimmten Zeitabschnitt, eine Epoche oder ein Zeitalter kennzeichnen (2Ti 4:10; siehe Worterklärungen zu „Weltsystem; Systeme“). Das „gegenwärtige böse Weltsystem“, von dem Paulus hier spricht, entstand offensichtlich nach der Sintflut. Die Menschen entfernten sich immer mehr von einer Lebensweise, die Gott gefällt; sie lehnten sich gegen ihn und seinen Willen auf und ließen ihren sündigen Neigungen freien Lauf. In diesem „bösen Weltsystem“ lebten auch die Christen im 1. Jh. u. Z. – ohne jedoch Teil davon zu sein. Durch das Loskaufsopfer Christi waren sie daraus befreit worden. (Siehe Anm. zu 2Ko 4:4.)

Amen: Oder „So soll es sein“. Das griechische Wort amḗn ist eine Transliteration eines hebräischen Wortes, das abgeleitet ist von ʼamán („treu sein“, „zuverlässig sein“). (Siehe Worterklärungen.) Man sagte „amen“, um einem Eid, einem Gebet oder einer Erklärung zuzustimmen. Wenn Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften Gott preisen, bekräftigen sie ihre Aussage oft mit dem Wort „amen“, so wie Paulus hier (Rö 16:27; Eph 3:21; 1Pe 4:11). Manchmal wird damit auch ein Segenswunsch für die Empfänger eines Briefes bekräftigt (Rö 15:33; Heb 13:20, 21). Es wird außerdem gebraucht, wenn der Schreiber einer Aussage voller Überzeugung zustimmt (Off 1:7; 22:20).

Amen: Siehe Anm. zu Rö 1:25.

Judentum: Die jüdische Religion, wie sie zur Zeit von Paulus ausgeübt wurde. Das Wort kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur in Gal 1:13, 14 vor. Die Juden im 1. Jh. behaupteten einerseits, sich eng an die Hebräischen Schriften zu halten, legten aber andererseits großen Wert auf „die Traditionen … [der] Väter“. (Siehe Anm. zu Gal 1:14.) Jesus prangerte diejenigen an, die durch ihre Traditionen Gottes Wort außer Kraft setzten (Mar 7:8, 13).

falschen Brüder: Das entsprechende griechische Wort pseudádelphos steht nur hier und in 2Ko 11:26. Einem Fachwörterbuch zufolge bezeichnet es jemanden, „der ein (christl.) Bruder zu sein vorgibt, ohne es in Wirklichkeit zu sein“. Die Judaisten in den Versammlungen in Galatien gaben vor, sich vom Geist leiten zu lassen, wollten aber in Wirklichkeit wieder das mosaische Gesetz durchsetzen. (Siehe Anm. zu Gal 1:6.) Paulus sagt, dass sie „unauffällig in die Versammlung gebracht“ wurden und sie „sich einschlichen, um insgeheim etwas über die Freiheit [von Christen] herauszufinden“. Diese Formulierungen machen deutlich, dass die Judaisten versuchten, ihr gefährliches Gedankengut möglichst unauffällig zu verbreiten. (Vgl. 2Ko 11:13-15.)

Ach, ihr unverständigen Galater!: Mit dem griechischen Wort anóētos („unverständig“) ist nicht unbedingt gemeint, dass es jemandem an Intelligenz fehlt. Wie es in einem Fachwörterbuch heißt, bezieht es sich hier auf die „mangelnde Bereitschaft, etwas mit seinem Verstand zu begreifen“. Paulus hatte die Galater gerade an Folgendes erinnert: Sie waren nicht für gerecht erklärt worden, weil sie sich an das mosaische Gesetz gehalten hatten, sondern weil sie an Jesus Christus glaubten (Gal 2:15-21). Er hatte sie vom Fluch des Gesetzes befreit. (Siehe Anm. zu Gal 2:21.) Dass einige Galater diese kostbare Freiheit gegen die Unterwerfung unter ein Gesetz eintauschen wollten, das abgeschafft war und sie nur verurteilen konnte, war dumm von ihnen (Gal 1:6). Für diesen Rückschritt wies Paulus sie mit dem oben genannten Ausruf deutlich zurecht.

ihr seid zur Freiheit berufen worden: Sündigen Wünschen nachzugeben wäre ein Missbrauch der christlichen Freiheit; Paulus warnt davor (Gal 2:4; 4:24-31). Christen, die ihre Freiheit schätzen, beachten den Rat: „Dient einander in Liebe wie Sklaven.“ Sie setzen sich demütig für andere ein. (Siehe Anm. zu Gal 5:114.)

er soll verflucht sein: Paulus warnt die Christen in Galatien vor „gewissen Leuten, die … die gute Botschaft über den Christus verdrehen wollen“ (Gal 1:7). Solchen Leuten waren offensichtlich jüdische Traditionen wichtiger als die gute Botschaft. Wie Paulus sagt, sollten Christen jeden, der ihnen etwas anderes verkündete als das, was sie ursprünglich gelernt hatten, als „verflucht“ ansehen – selbst wenn es ein Engel wäre. Diese Warnung bekräftigt er im folgenden Vers noch einmal. Das griechische Wort für „verflucht“ (anáthema oder anáthēma) bezeichnet wörtlich etwas „Aufgestelltes“. Es bezog sich ursprünglich auf geweihte Gaben, die in einem Tempel aufgestellt und als heilig abgesondert wurden. Im vorliegenden Vers geht es um etwas, das als schlecht oder böse abgesondert ist (1Ko 12:3; 16:22; siehe Anm. zu Rö 9:3). Die Übersetzer der Septuaginta gaben damit normalerweise das hebräische Wort chérem wieder, das etwas bezeichnet, das „für die Vernichtung bestimmt“ ist (5Mo 7:26; 13:17).

dass ihr euch so schnell … abwendet: Paulus erwähnt hier einen wesentlichen Grund für den Brief an die Galater. Obwohl sein Besuch in Galatien noch nicht lange her war, wandten sich bereits einige in den Versammlungen dort von der Wahrheit ab. Zu dem „üblen Einfluss“, den er im Brief anspricht (Gal 3:1), gehörten „falsche Brüder“, die sich in die Versammlungen eingeschlichen hatten. (Siehe Anm. zu Gal 2:4; 3:1.) Einige von ihnen waren Judaisten, die behaupteten, Christen müssten das mosaische Gesetz einhalten. (Siehe Anm. zu Gal 1:13.) Sie pochten weiter darauf, obwohl die Apostel und älteren Männer in Jerusalem klargestellt hatten, dass nichtjüdische Christen nicht an das mosaische Gesetz gebunden waren (Apg 15:1, 2, 23-29; Gal 5:2-4). Wie Paulus zeigt, hatten sie Angst vor Verfolgung und wollten ihre jüdischen Gegner durch Zugeständnisse beschwichtigen (Gal 6:12, 13). Die falschen Brüder wollten einen Keil zwischen Paulus und die Versammlungen treiben und stellten möglicherweise infrage, ob er wirklich ein Apostel war (Gal 1:11, 12; 4:17). Einige Galater scheinen einen Hang zu Unmoral, Streit und Egoismus gehabt zu haben und gefährdeten dadurch ihr Verhältnis zu Gott. Paulus spricht solche sündigen Neigungen gegen Ende des Briefes an (Gal 5:13 bis 6:10).

einer anderen guten Botschaft: „Falsche Brüder“ predigten „etwas anderes“ als die gute Botschaft, die Paulus den Galatern verkündet hatte; er hatte ihnen die „gute Botschaft über den Christus“ gepredigt (Gal 1:7, 8; 2:4). Dabei ging es um die Freiheit, die durch Christus möglich wird – eine Befreiung von der Erbsünde und von dem einengenden mosaischen Gesetz (Gal 3:13; 5:1, 13 und Anm.). Diese gute Botschaft stammte „nicht von Menschen“ (Gal 1:8, 9, 11, 12; 2Ko 11:4; siehe Anm. zu Gal 1:8).

verwirren: Das entsprechende griechische Verb bedeutet auch „aufrühren“, „erschüttern“, „beunruhigen“. Hier und an anderen Stellen geht es um das Durcheinanderbringen von Gedanken und Gefühlen (Apg 15:24; Gal 5:10). In Apg 17:13 wird mit demselben Verb beschrieben, dass die Juden in Beröa eine Menschenmenge „aufhetzten“.

als Verfluchter: D. h. als jemand, der von Gott verflucht ist. Paulus nutzt hier das Stilmittel der Übertreibung (auch Hyperbel genannt). Er war bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um seinen Brüdern, den Juden, zu helfen, Gottes Mittel zur Rettung zu akzeptieren. Paulus wäre sogar bereit gewesen, den Fluch auf sich zu nehmen, der die Juden erwartete, weil sie den verheißenen Messias ablehnten. (Vgl. Gal 3:13.)

er soll verflucht sein: Paulus warnt die Christen in Galatien vor „gewissen Leuten, die … die gute Botschaft über den Christus verdrehen wollen“ (Gal 1:7). Solchen Leuten waren offensichtlich jüdische Traditionen wichtiger als die gute Botschaft. Wie Paulus sagt, sollten Christen jeden, der ihnen etwas anderes verkündete als das, was sie ursprünglich gelernt hatten, als „verflucht“ ansehen – selbst wenn es ein Engel wäre. Diese Warnung bekräftigt er im folgenden Vers noch einmal. Das griechische Wort für „verflucht“ (anáthema oder anáthēma) bezeichnet wörtlich etwas „Aufgestelltes“. Es bezog sich ursprünglich auf geweihte Gaben, die in einem Tempel aufgestellt und als heilig abgesondert wurden. Im vorliegenden Vers geht es um etwas, das als schlecht oder böse abgesondert ist (1Ko 12:3; 16:22; siehe Anm. zu Rö 9:3). Die Übersetzer der Septuaginta gaben damit normalerweise das hebräische Wort chérem wieder, das etwas bezeichnet, das „für die Vernichtung bestimmt“ ist (5Mo 7:26; 13:17).

Für die Schwachen bin ich ein Schwacher geworden: Paulus konnte durchaus stark und kraftvoll auftreten, nahm aber auch Rücksicht auf das sensible Gewissen bestimmter Juden und Nichtjuden in der Versammlung. So wurde er für die Schwachen „ein Schwacher“ (Rö 14:1, 13, 19; 15:1).

Versuche ich jetzt tatsächlich, Menschen für mich zu gewinnen oder Gott?: „Falsche Brüder“ in Galatien behaupteten, Paulus habe seine Botschaft angepasst, um die Christen dort auf seine Seite zu ziehen (Gal 2:4). Anscheinend warfen sie ihm vor, er predige immer noch die Beschneidung, wenn ihm das Vorteile einbringen würde (Gal 5:11). Dagegen wehrt sich Paulus hier. Das griechische Wort für „gewinnen“ (péithō) bedeutet unter anderem auch „überzeugen“, „auf seine Seite ziehen“, „zufriedenstellen“. Paulus stellt sinngemäß die rhetorische Frage: „Versuche ich Gott zufriedenzustellen oder Menschen?“ Natürlich ging es ihm darum, Gott zu gefallen. Er war zwar anpassungsfähig, wenn er unterschiedliche Menschen für die gute Botschaft begeistern wollte (siehe Anm. zu 1Ko 9:22), aber ihren Inhalt veränderte er nie. (Siehe Anm. zu Oder versuche ich Menschen zu gefallen? in diesem Vers.) In den vorhergehenden Versen stellt Paulus unmissverständlich klar, dass es nur eine Wahrheit gibt: „die gute Botschaft über den Christus“ (Gal 1:6-9).

Oder versuche ich Menschen zu gefallen?: Manche behaupteten, Paulus rede anderen nach dem Mund, um sie für sich zu gewinnen. Mit dieser rhetorischen Frage wollte er klarstellen, dass er natürlich nicht versuchte, Menschen zu gefallen – sonst wäre er kein Sklave Christi (1Th 2:4).

offenbart worden: Paulus gebraucht hier das griechische Wort apokálypsis, das wtl. „Aufdeckung“, „Enthüllung“ bedeutet. In den Christlichen Griechischen Schriften bezieht es sich oft auf Informationen, die Gott oder Jesus den Menschen enthüllen. Wie Paulus hier klarstellt, hatte er die gute Botschaft, die er predigte, nicht von Menschen erhalten, sondern von Jesus Christus. Diese Tatsache bestätigte, dass er ein echter Apostel war. Wie die anderen Apostel hatte er die gute Botschaft von Jesus persönlich gehört und war von ihm direkt beauftragt worden (1Ko 9:1; Eph 3:3). Später im Galaterbrief erwähnt Paulus, dass Jesus ihn in einer weiteren Offenbarung angewiesen hatte, den Aposteln und Ältesten in Jerusalem die Beschneidungsfrage vorzulegen. (Siehe Anm. zu Gal 2:2.)

aufgrund einer Offenbarung: Paulus geht hier auf etwas ein, das Lukas in der Apostelgeschichte nicht erwähnt (Apg 15:1, 2). Offensichtlich hatte Christus als Haupt der Versammlung Paulus in einer Offenbarung angewiesen, den Aposteln und Ältesten in Jerusalem die wichtige Frage über die Beschneidung vorzulegen (Eph 5:23). Diese historische Sitzung fand um das Jahr 49 u. Z. statt. Durch die Erwähnung der Offenbarung entkräftet Paulus die Behauptung der Judaisten, er sei kein richtiger Apostel. Er wurde nicht nur von Jesus selbst zum Apostel berufen, sondern erhielt auch durch Offenbarungen direkte Anweisungen von ihm (Gal 1:1, 15, 16).

die Traditionen meiner Väter: Das griechische Wort für „Tradition“ (parádosis) steht für Wissen, Anweisungen oder Gewohnheiten, die an andere weitergegeben werden. Paulus meint hier die religiösen Traditionen, an die sich die geistlichen Führer der Juden hielten, vor allem die Pharisäer und Schriftgelehrten. Ihre Religion stützte sich zwar auf die Hebräischen Schriften, aber im Lauf der Zeit hatten sie viele unbiblische Traditionen hinzugefügt (Mat 15:2, 3; Mar 7:3, 5, 13; siehe Anm. zu Gal 1:13). Als „Sohn von Pharisäern“ war Paulus von jüdischen Religionslehrern ausgebildet worden, unter anderem von Gamaliel, einem angesehenen pharisäischen Gelehrten (Apg 22:3; 23:6; Php 3:5; siehe Anm. zu Apg 5:34). Sein großer Eifer für die Traditionen seiner Vorfahren führte allerdings dazu, dass er „die Versammlung Gottes“ massiv verfolgte und zerstören wollte (Gal 1:13; Joh 16:2, 3).

die Kraft, die über das Normale hinausgeht: Für „über das Normale hinausgehen“ verwendet Paulus das griechische Wort hyperbolḗ. Er beschreibt damit die außergewöhnliche Kraft, die nur Gott verleihen kann. (Siehe Anm. zu 2Ko 12:7.)

außergewöhnlichen: Um zu zeigen, wie besonders die Offenbarungen waren, die er bekam, verwendet Paulus im Griechischen das Wort hyperbolḗ. (Siehe Anm. zu 2Ko 12:2.) Dieses Wort erscheint in den Christlichen Griechischen Schriften acht Mal, und zwar durchweg in den Paulusbriefen. Je nach Kontext wird es unterschiedlich wiedergegeben. In 2Ko 4:7 und in 2Ko 1:8 kommt es in Formulierungen vor, die mit „die Kraft, die über das Normale hinausgeht“ und „extremer Druck“ übersetzt sind.

Judentum: Die jüdische Religion, wie sie zur Zeit von Paulus ausgeübt wurde. Das Wort kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur in Gal 1:13, 14 vor. Die Juden im 1. Jh. behaupteten einerseits, sich eng an die Hebräischen Schriften zu halten, legten aber andererseits großen Wert auf „die Traditionen … [der] Väter“. (Siehe Anm. zu Gal 1:14.) Jesus prangerte diejenigen an, die durch ihre Traditionen Gottes Wort außer Kraft setzten (Mar 7:8, 13).

massiv: Das griechische Wort hyperbolḗ bedeutet wtl. „Übermaß“ oder „über die Maßen“. Paulus drückt damit aus, mit was für einem übertriebenen Eifer er die Christenversammlung verfolgt hatte (Apg 8:1, 3; 9:1, 2; 26:10, 11; Php 3:6). In den Christlichen Griechischen Schriften kommt hyperbolḗ acht Mal vor. (Siehe Anm. zu 2Ko 4:7; 12:7.)

Judentum: Die jüdische Religion, wie sie zur Zeit von Paulus ausgeübt wurde. Das Wort kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur in Gal 1:13, 14 vor. Die Juden im 1. Jh. behaupteten einerseits, sich eng an die Hebräischen Schriften zu halten, legten aber andererseits großen Wert auf „die Traditionen … [der] Väter“. (Siehe Anm. zu Gal 1:14.) Jesus prangerte diejenigen an, die durch ihre Traditionen Gottes Wort außer Kraft setzten (Mar 7:8, 13).

Gamaliel: Ein Gesetzeslehrer, der hier und in Apg 22:3 erwähnt wird. Wie man annimmt, handelte es sich um Gamaliel den Alten, wie er in außerbiblischen Quellen genannt wird. Er war der Enkel oder vielleicht auch der Sohn von Hillel dem Alten, den man für den Begründer einer liberaleren Denkschule des Pharisäertums hält. Gamaliel war beim Volk sehr geachtet. Wie es heißt, soll er als Erster den Ehrentitel „Rabban“ verliehen bekommen haben. Dadurch, dass er viele Söhne von Pharisäern schulte – so auch Saulus von Tarsus –, hatte er einen großen Einfluss auf die jüdische Gesellschaft seiner Zeit (Apg 22:3; 23:6; 26:4, 5; Gal 1:13, 14). Seine Auslegung des Gesetzes und der Traditionen muss für die damaligen Verhältnisse recht liberal gewesen sein. Er soll z. B. Verordnungen erlassen haben, durch die Frauen vor skrupellosen Ehemännern geschützt wurden und Witwen vor skrupellosen Kindern. Außerdem soll er sich dafür eingesetzt haben, dass armen Nichtjuden bei der Nachlese die gleichen Rechte gewährt wurden wie armen Juden. Diese tolerante Haltung wird auch daran deutlich, wie er sich für Petrus und die anderen Apostel einsetzte (Apg 5:35-39). Allerdings geht aus rabbinischen Aufzeichnungen hervor, dass Gamaliel mehr Wert auf die rabbinische Tradition legte als auf die heiligen Schriften. Im Großen und Ganzen unterschieden sich seine Lehren daher kaum von denen der meisten Rabbiner seiner Zeit und davor (Mat 15:3-9; 2Ti 3:16, 17; siehe Worterklärungen zu „Pharisäer“; „Sanhedrin“).

die Traditionen meiner Väter: Das griechische Wort für „Tradition“ (parádosis) steht für Wissen, Anweisungen oder Gewohnheiten, die an andere weitergegeben werden. Paulus meint hier die religiösen Traditionen, an die sich die geistlichen Führer der Juden hielten, vor allem die Pharisäer und Schriftgelehrten. Ihre Religion stützte sich zwar auf die Hebräischen Schriften, aber im Lauf der Zeit hatten sie viele unbiblische Traditionen hinzugefügt (Mat 15:2, 3; Mar 7:3, 5, 13; siehe Anm. zu Gal 1:13). Als „Sohn von Pharisäern“ war Paulus von jüdischen Religionslehrern ausgebildet worden, unter anderem von Gamaliel, einem angesehenen pharisäischen Gelehrten (Apg 22:3; 23:6; Php 3:5; siehe Anm. zu Apg 5:34). Sein großer Eifer für die Traditionen seiner Vorfahren führte allerdings dazu, dass er „die Versammlung Gottes“ massiv verfolgte und zerstören wollte (Gal 1:13; Joh 16:2, 3).

irgendeinem Menschen: Wtl. „Fleisch und Blut“. Diese jüdische Redewendung steht hier für einen Menschen (1Ko 15:50; Eph 6:12; siehe Anm. zu Mat 16:17).

Menschen: Wtl. „Fleisch und Blut“, ein verbreiteter jüdischer Ausdruck. In diesem Kontext bezieht er sich offensichtlich auf menschliche Überlegungen. (Siehe Anm. zu Gal 1:16.)

ich ging nach Arabien und kehrte später wieder nach Damaskus zurück: In der Apostelgeschichte fasst Lukas die Ereignisse nach der Bekehrung von Paulus in Damaskus kurz zusammen, ohne diese Arabienreise zu erwähnen (Apg 9:18-20, 23-25). Die Aussage hier ergänzt also den Bericht von Lukas. Paulus könnte zunächst in Damaskus über seinen neu gefundenen Glauben gesprochen haben, dann nach Arabien gereist sein (vielleicht in die Syrische Wüste; siehe Worterklärungen zu „Arabien“) und später nach Damaskus zurückgekehrt sein, um dort weiter zu predigen. Als „eine längere Zeit vergangen war“, schmiedeten die Juden Pläne, ihn zu töten (Apg 9:23). Warum Paulus nach Arabien ging, bleibt offen. Vielleicht wollte er kurz nach seiner Bekehrung in aller Ruhe über die Schriften nachdenken. (Vgl. Mar 1:12.)

Nach drei Jahren: Paulus könnte hier meinen, dass nach seiner Bekehrung Teile von drei Jahren vergingen, bevor er – offenbar zum ersten Mal als Christ – nach Jerusalem ging. Das war wahrscheinlich um das Jahr 36 u. Z.

Kephas: Ein anderer Name für den Apostel Petrus. (Siehe Anm. zu 1Ko 1:12.)

besuchen: Das entsprechende griechische Verb kann auch „sich erkundigen“ bedeuten; es beinhaltet also den Gedanken, bei einem Besuch etwas in Erfahrung bringen zu wollen. Als Saulus bei Petrus und Jakobus zu Besuch war, hatte er sicher viele Fragen an sie, und sie wollten bestimmt alles über seine Vision und seinen Auftrag wissen.

Kephas: Einer der Namen des Apostels Simon Petrus. Als Simon zum ersten Mal Jesus begegnete, gab dieser ihm den semitischen Namen Kephas (die griechische Schreibweise ist Kēphás). Der Name könnte mit dem hebräischen Substantiv kephím [Plural von „Felsen“] verwandt sein, das in Hi 30:6 und Jer 4:29 vorkommt. In Joh 1:42 erklärt Johannes, dass der Name übersetzt „Petrus“ bedeutet (auf Griechisch Pétros, was „Felsstück“ heißt). Der Name Kephas erscheint nur in Joh 1:42 und in zwei Paulusbriefen, nämlich in 1. Korinther und in Galater (1Ko 1:12; 3:22; 9:5; 15:5; Gal 1:18; 2:9, 11, 14; siehe Anm. zu Mat 10:2; Joh 1:42).

Jakobus: Sehr wahrscheinlich ist Jesu Halbbruder gemeint. Möglicherweise kam er altersmäßig gleich nach Jesus, denn er wird als erster der vier Söhne angeführt, die Maria gemeinsam mit Joseph hatte: Jakobus, Joseph, Simon und Judas (Mat 13:55; Mar 6:3; Joh 7:5). Jakobus war Pfingsten 33 u. Z. dabei, als Tausende von jüdischen Besuchern aus der Diaspora positiv auf die gute Botschaft reagierten und sich taufen ließen (Apg 1:14; 2:1, 41). Petrus sagte zu den Jüngern: „Berichtet das alles Jakobus“, was darauf schließen lässt, dass Jakobus in der Jerusalemer Versammlung die Führung innehatte. Offenbar handelt es sich auch um den Jakobus, der das gleichnamige Bibelbuch schrieb (Jak 1:1; Jud 1) und der auch in folgenden Bibeltexten erwähnt wird: Apg 15:13; 21:18; 1Ko 15:7; Gal 1:19 (als „Bruder des Herrn“ bezeichnet); 2:9, 12.

seinen Brüdern: Gemeint sind Jesu Halbbrüder. In den vier Evangelien, der Apostelgeschichte und in zwei Briefen von Paulus wird auf „die Brüder des Herrn“, „den Bruder des Herrn“, „seine Brüder“ und „seine Schwestern“ Bezug genommen; vier seiner Brüder werden mit Namen genannt: Jakobus, Joseph, Simon und Judas (1Ko 9:5; Gal 1:19; Mat 12:46; 13:55, 56; Mar 3:31; Luk 8:19; Joh 2:12). Sie kamen alle nach Jesus zur Welt. Die meisten Bibelwissenschaftler schließen aus diesen Hinweisen, dass Jesus mindestens vier Brüder und zwei Schwestern hatte und dass alle – im Gegensatz zu Jesus – ganz natürlich als leibliche Kinder von Joseph und Maria geboren wurden. (Siehe Anm. zu Mat 13:55.)

Abgesandter: Oder „Bote“, „Botschafter“, „Apostel“. Das griechische Wort apóstolos (von dem Verb apostéllō, „aussenden“, „losschicken“; vgl. Mat 10:5; Luk 11:49; 14:32) wurde an fast allen 80 Stellen, wo es in den Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, mit „Apostel“ übersetzt. Im Bericht von Johannes erscheint apóstolos nur im vorliegenden Vers. In Php 2:25 wird es ebenfalls mit „Abgesandter“ wiedergegeben. (Siehe Anm. zu Mat 10:2; Mar 3:14 und Worterklärungen zu „Apostel“.)

Aposteln: Die Apostel, die Paulus gesehen hat, sind wahrscheinlich Petrus („Kephas“, Gal 1:18; 2:9) und Jakobus, der Bruder des Herrn, also Jesu Halbbruder. (Siehe Anm. zu Mat 13:55; Apg 1:14; 12:17.) Das Wort „Apostel“ wird meistens für Jesu zwölf Apostel verwendet und hat die Grundbedeutung „Abgesandter“ (Luk 8:1; siehe Anm. zu Joh 13:16 und Worterklärungen zu „Apostel“). Wie man im Fall von Jakobus sieht, hatte es aber auch eine breitere Verwendung. Offensichtlich betrachtete man ihn als einen Abgesandten der Versammlung in Jerusalem und damit ebenfalls als Apostel. Das würde erklären, warum es in Apg 9:26, 27 heißt, dass Paulus zu „den Aposteln“ (Plural) geführt wurde.

Jakobus: Bei diesem Halbbruder von Jesus handelt es sich offensichtlich um den Jakobus, der in Apg 12:17 (siehe Anm.) und Gal 1:19 erwähnt wird und der das Bibelbuch Jakobus geschrieben hat (Jak 1:1).

dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen: In der Apostelgeschichte wird nur eine dieser drei Situationen erwähnt. Sie trug sich in Philippi zu, bevor Paulus den 2. Korintherbrief schrieb (Apg 16:22, 23). Später wurde Paulus in Jerusalem von den Juden geschlagen, wobei nicht gesagt wird, ob dabei Ruten gebraucht wurden (Apg 21:30-32). Das Schlagen mit Ruten war eine bei den Römern übliche Strafe. Da die Korinther in einer römischen Kolonie lebten, wussten sie, wie brutal solch eine Prügelstrafe war. Die erniedrigende Tortur begann damit, dass der Betroffene ausgezogen wurde. (Vgl. 1Th 2:2.) Römische Bürger wie Paulus durften eigentlich nicht mit Schlägen bestraft werden. Deshalb ließ er die Magistrate in Philippi wissen, dass sie seine Rechte verletzt hatten. (Siehe Anm. zu Apg 16:35, 37.)

einen Menschen: Paulus sagt zwar nicht, wer diese übernatürliche Vision hatte, der Kontext macht aber deutlich, dass er es selbst gewesen sein muss. Zur Verteidigung seines Apostelamts gegen die Kritik der „superfeinen Apostel“ und anderer (2Ko 11:5, 23) spricht er von „übernatürlichen Visionen und Offenbarungen des Herrn“ (2Ko 12:1). Die Bibel erwähnt nicht, dass irgendjemand anders so etwas erlebt hätte. Daher ist es logisch anzunehmen, dass Paulus mit dem „einen Menschen“ sich selbst meint.

zum dritten Himmel: In der Bibel kann mit „Himmel“ der buchstäbliche Wolkenhimmel gemeint sein oder der sinnbildliche Himmel, der Bereich, in dem Jehova und die Engel leben (1Mo 11:4; Jes 63:15). Manchmal wird das Wort „Himmel“ jedoch auch für eine von Menschen oder von Gott ausgeübte Herrschaft verwendet (Jes 14:12; Da 4:25, 26). Paulus beschreibt hier offensichtlich, dass er eine Vision erhielt, in der ihm Zukünftiges offenbart wurde (2Ko 12:1). In der Bibel wird ein Gedanke oft drei Mal hintereinander erwähnt, um ihm Nachdruck und Intensität zu verleihen (Jes 6:3; Hes 21:27; Off 4:8). Demnach scheint mit dem „dritten Himmel“ die perfekte Regierung gemeint zu sein – das messianische Königreich Gottes, eine himmlische Regierung bestehend aus Jesus Christus und seinen 144 000 Mitregenten (Jes 65:17; 66:22; 2Pe 3:13; Off 14:1-5).

Paradies: Das entsprechende griechische Wort parádeisos kommt in den Christlichen Griechischen Schriften noch zwei Mal vor (Luk 23:43, Anm.; Off 2:7). Ein ähnliches Wort (pardéß) gibt es auch im Hebräischen (Ne 2:8; Pr 2:5; Hoh 4:13) und im Persischen (pairidaeza). Alle drei Wörter vermitteln den Gedanken von einem wunderschönen Park oder einer Gartenanlage. Im vorliegenden Vers kann mit „Paradies“ Verschiedenes gemeint sein. (Siehe Anm. zu 2Ko 12:2.) Paulus könnte 1. vom buchstäblichen zukünftigen Paradies auf der Erde gesprochen haben, 2. von dem gesegneten Zustand der Diener Gottes in der neuen Welt oder 3. von den Verhältnissen, die im Himmel herrschen. Mehr durfte Paulus dazu nicht sagen, weil Gott damals noch nicht im Einzelnen offenbaren wollte, wie er sein Vorhaben umsetzen würde.

Gegenden von Syrien und Zilizien: Paulus meint damit vielleicht einfach die Gebiete um Antiochia (Syrien) und um Tarsus (Zilizien), wo er aufwuchs. (Siehe Anh. B13.) Nach seinem Besuch in Jerusalem um 36 u. Z. wurde er nach Tarsus zurückgeschickt (Apg 9:28-30). Um 45 u. Z. holte Barnabas ihn nach Antiochia, wo die beiden ein ganzes Jahr lang zusammen predigten (Apg 11:22-26). Darüber, was Paulus in den etwa acht Jahren davor machte, ist nicht viel bekannt. Doch offensichtlich predigte er so eifrig, dass man sogar in Judäa davon erfuhr (Gal 1:21-24). Da einige der Schwierigkeiten, die Paulus in 2Ko 11:23-27 aufzählt, in der Apostelgeschichte nicht erwähnt werden, könnten sie sich in dieser Zeit zugetragen haben. (Siehe Anm. zu 2Ko 11:25.) Möglicherweise erhielt er damals auch eine übernatürliche Vision, die sein Lehren maßgeblich beeinflusste (2Ko 12:1-4; siehe Anm. zu 2Ko 12:2, 4).

Medien

Der Brief von Paulus an die Galater
Der Brief von Paulus an die Galater

Das Foto zeigt eine Seite aus dem Papyruskodex P46, der auf die Zeit um 200 u. Z. datiert wird. Der Kodex enthält neun inspirierte Briefe von Paulus in folgender Reihenfolge: Römer, Hebräer, 1. Korinther, 2. Korinther, Epheser, Galater, Philipper, Kolosser und 1. Thessalonicher. Auf der abgebildeten Seite ist das Ende des Epheserbriefes und der Anfang des Galaterbriefes zu sehen. Der hervorgehobene Titel lautet: „An [die] Galater“. (Siehe Mediengalerie, „Der erste Brief von Paulus an die Korinther“ und „Der zweite Brief von Paulus an die Korinther“.)

Einführung in das Bibelbuch Galater (Video)
Einführung in das Bibelbuch Galater (Video)
Saulus in Damaskus
Saulus in Damaskus

Im 1. Jh. u. Z. sah der Grundriss von Damaskus wahrscheinlich in etwa so aus wie hier abgebildet. Damaskus war ein bedeutendes Handelszentrum. Der Fluss Barada (in 2Kö 5:12 „Abana“ genannt) machte das Umland zu einer regelrechten Oase. In der Stadt gab es etliche Synagogen. Saulus reiste nach Damaskus, um dort „alle, die zum Weg gehörten [gemeint sind Jesu Nachfolger] und die er aufspüren würde“, zu verhaften (Apg 9:2; 19:9, 23; 22:4; 24:22). Doch auf dem Weg dorthin erschien ihm der verherrlichte Jesus. Nach diesem Erlebnis wohnte Saulus eine Zeitlang in Damaskus bei einem gewissen Judas, dessen Haus sich in der Geraden Straße befand (Apg 9:11). Jesus erschien dem Jünger Ananias in einer Vision und schickte ihn zu Saulus, um dessen Sehkraft wiederher­zu­stellen. Danach ließ sich Saulus taufen. Statt also die jüdischen Christen einzusperren, wurde Saulus selbst einer von ihnen. Er begann seine Laufbahn als Prediger der guten Botschaft in den Synagogen von Damaskus. Im Anschluss an eine Reise nach Arabien und einem weiteren Aufenthalt in Damaskus kehrte er um das Jahr 36 u. Z. nach Jerusalem zurück (Apg 9:1-6, 19-22; Gal 1:16, 17).

(A) Damaskus

(1) Straße nach Jerusalem

(2) Gerade Straße

(3) Agora

(4) Jupitertempel

(5) Theater

(6) Theater für Musikveranstaltungen (?)

(B) Jerusalem