Apostel­geschichte 9:1-43

9  Saulus aber, der die Jünger des Herrn immer noch wutschnaubend bedrohte und sie umbringen wollte,+ ging zum Hohen Priester  und bat ihn um Briefe an die Synagogen in Damạskus. Er wollte alle, die zum Weg gehörten+ und die er aufspüren würde, gefesselt nach Jerusalem bringen – sowohl Männer als auch Frauen.  Als er sich auf seiner Reise Damạskus näherte, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel.+  Er fiel auf den Boden und hörte eine Stimme zu ihm sagen: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“  Er fragte: „Wer bist du, Herr?“ Die Stimme antwortete: „Ich bin Jesus,+ den du verfolgst.+  Doch steh auf und geh in die Stadt. Dort wird man dir sagen, was du tun sollst.“  Die Männer, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, denn sie hörten zwar den Klang einer Stimme, aber sie sahen niemand.+  Als Saulus vom Boden aufstand, konnte er nichts sehen, obwohl seine Augen offen waren. Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damạskus.  Drei Tage lang sah er nichts+ und er aß und trank auch nicht. 10  In Damạskus befand sich ein Jünger mit Namen Ananịas.+ Der Herr sagte zu ihm in einer Vision: „Ananịas!“ Er antwortete: „Hier bin ich, Herr.“ 11  Der Herr sagte: „Steh auf, geh in die Straße, die man die Gerade nennt, und such im Haus von Judas einen Mann aus Tạrsus,+ der Saulus heißt. Denn er betet, 12  und er hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Ananịas hereinkommt und ihm die Hände auflegt, sodass er wieder sehen kann.“+ 13  Ananịas aber antwortete: „Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, über all den Schaden, den er deinen Heiligen in Jerusalem zugefügt hat. 14  Und jetzt ist er mit der Befugnis der Oberpriester hier, um alle festzunehmen, die deinen Namen anrufen.“+ 15  Doch der Herr sagte zu ihm: „Geh, denn ich habe diesen Mann als Werkzeug* ausgewählt,+ um meinen Namen sowohl zu den anderen Völkern+ als auch zu Königen+ und den Söhnen Israels zu tragen. 16  Ich werde ihm deutlich zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.“+ 17  Da machte sich Ananịas auf den Weg und ging in das Haus. Er legte Saulus die Hände auf und sagte: „Saulus, Bruder, der Herr Jesus, der dir auf der Straße hierher erschienen ist, hat mich geschickt, damit du wieder sehen kannst und mit heiligem Geist erfüllt wirst.“+ 18  Sofort fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er konnte wieder sehen. Dann stand er auf und ließ sich taufen. 19  Er aß etwas und kam zu Kräften. Danach blieb er einige Tage bei den Jüngern in Damạskus+ 20  und begann auf der Stelle, in den Synagogen über Jesus zu predigen, dass dieser der Sohn Gottes ist. 21  Doch alle, die ihn hörten, wunderten sich und sagten: „Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem heftig unter denen gewütet hat, die diesen Namen anrufen?+ Ist er nicht hierhergekommen, um sie festzunehmen und zu den Oberpriestern zu bringen*?“+ 22  Saulus trat jedoch immer überzeugender auf und verwirrte die Juden, die in Damạskus lebten, indem er logisch bewies, dass Jesus der Christus ist.+ 23  Als nun eine längere Zeit vergangen war, berieten sich die Juden, wie sie ihn umbringen könnten.+ 24  Saulus erfuhr jedoch von ihrem Plan. Da sie auch Tag und Nacht die Tore sorgfältig bewachten, um ihn zu beseitigen, 25  nahmen ihn seine Jünger und ließen ihn nachts in einem Korb durch eine Öffnung in der Stadtmauer hinunter.+ 26  Als er nach Jerusalem kam,+ versuchte er sich den Jüngern anzuschließen, aber sie hatten alle Angst vor ihm, denn sie glaubten nicht, dass er ein Jünger war. 27  Da kam ihm Bạrnabas+ zu Hilfe und führte ihn zu den Aposteln. Er erzählte ihnen ausführlich, wie Saulus auf dem Weg den Herrn gesehen hatte+ und dass er mit ihm gesprochen hatte und wie er in Damạskus mutig und offen im Namen Jesu geredet hatte.+ 28  Saulus blieb dann bei ihnen, bewegte sich frei in Jerusalem und sprach mutig und offen im Namen des Herrn. 29  Er redete und diskutierte mit den Griechisch sprechenden Juden, doch diese unternahmen Versuche, ihn umzubringen.+ 30  Als die Brüder davon erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarẹa hinunter und schickten ihn nach Tạrsus weg.+ 31  Für die Versammlung* in ganz Judạ̈a und Galilạ̈a und Samạria+ begann nun eine Zeit des Friedens und sie wurde gestärkt. Da sie in Ehrfurcht vor Jehova lebte und den Trost des heiligen Geistes+ hatte, wurde sie immer größer. 32  Als nun Petrus die ganze Gegend durchreiste, kam er auch zu den Heiligen, die in Lỵdda wohnten.+ 33  Dort traf er einen Mann namens Änẹas, der acht Jahre gelähmt auf seinem Bett gelegen hatte. 34  Petrus sagte zu ihm: „Änẹas, Jesus Christus macht dich gesund.+ Steh auf und mach dein Bett!“+ Da stand er sofort auf. 35  Als alle, die in Lỵdda und in der Schạron-Ebene wohnten, ihn sahen, wandten sie sich dem Herrn zu. 36  In Jọppe gab es eine Jüngerin mit Namen Tabịtha, was übersetzt „Dọrkas“ heißt. Sie tat sehr viel Gutes und unterstützte die Armen. 37  Zu der Zeit wurde sie jedoch krank und starb. Da wusch man sie und legte sie in einen Raum im Obergeschoss. 38  Lỵdda nun lag nahe bei Jọppe, und als die Jünger hörten, dass Petrus in dieser Stadt war, schickten sie zwei Männer zu ihm mit der dringenden Bitte: „Komm bitte sofort zu uns.“* 39  Darauf machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg, und als er ankam, führte man ihn in den Raum im oberen Stock. Alle Witwen kamen weinend zu ihm und zeigten viele Unter- und Obergewänder, die Dọrkas gemacht hatte, als sie noch bei ihnen war. 40  Petrus schickte dann alle hinaus,+ kniete sich hin und betete. Danach wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: „Tabịtha, steh auf!“ Sie öffnete die Augen, und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf.+ 41  Er gab ihr die Hand und half ihr hoch. Dann rief er die Heiligen und die Witwen und zeigte ihnen, dass sie lebte.+ 42  Das wurde in ganz Jọppe bekannt und viele kamen zum Glauben an den Herrn.+ 43  Er blieb einige Tage in Jọppe bei einem Gerber namens Sịmon.+

Fußnoten

Oder „Instrument“, „Gefäß“.
Wtl. „sie gebunden zu den Oberpriestern zu führen“.
Oder „Gemeinde“.
Oder „Bitte zögere nicht, zu uns zu kommen“.

Studienanmerkungen

Saulus: Von dem hebräischen Namen Saul, der „[Von Gott] Erbetener“ bedeutet. Saulus, auch unter dem römischen Namen Paulus bekannt, war „aus dem Stamm Benjamin, ein Hebräer, geboren von Hebräern“ (Php 3:5). Er besaß von Geburt an das römische Bürgerrecht (Apg 22:28). Daher ist es naheliegend, dass seine jüdischen Eltern ihm auch einen römischen Namen gaben, nämlich Paulus, was „der Kleine“, „der Geringe“ bedeutet. Wahrscheinlich trug er beide Namen von klein auf. Seine Eltern könnten ihn aus verschiedenen Gründen Saulus (bzw. Saul) genannt haben. „Saul“ war bei den Benjaminitern ein bedeutsamer Name mit einer langen Tradition, denn ein Mann aus ihrem Stamm namens Saul wurde der erste König von Israel (1Sa 9:2; 10:1; Apg 13:21). Vielleicht entschieden sich die Eltern von Saulus aber auch wegen der Bedeutung „[Von Gott] Erbetener“ für diesen Namen. Oder Saulus könnte, wie damals oft üblich, nach seinem Vater benannt worden sein. (Vgl. Luk 1:59.) Was auch immer der Grund für die Namensgebung war – vermutlich verwendete Saulus seinen hebräischen Namen, wenn er mit anderen Juden zu tun hatte, vor allem während seiner Ausbildung und seiner Zeit als Pharisäer (Apg 22:3). Und wie es scheint, war er auch in den ersten zehn Jahren nach seiner Bekehrung als Christ bei den meisten unter seinem hebräischen Namen bekannt (Apg 11:25, 30; 12:25; 13:1, 2, 9).

Kaiphas: Dieser von Rom eingesetzte Hohe Priester war ein geschickter Diplomat. Er war von etwa 18 bis 36 u. Z. im Amt und damit länger Hoher Priester als alle seine unmittelbaren Vorgänger. Kaiphas war derjenige, der Jesus verhörte und zu Pilatus brachte (Mat 26:3, 57; Joh 11:49; 18:13, 14, 24, 28). In der Apostel­geschichte wird er nur hier namentlich erwähnt. Ansonsten wird er als „der Hohe Priester“ bezeichnet (Apg 5:17, 21, 27; 7:1; 9:1).

Saulus: Siehe Anm. zu Apg 7:58.

Hohen Priester: D. h. Kaiphas. (Siehe Anm. zu Apg 4:6.)

Weg Jehovas: In erhalten gebliebenen griechischen Handschriften steht hier „Weg des Herrn“. Es gibt jedoch gute Gründe, im Haupttext den Namen Gottes zu verwenden. Im nächsten Vers findet man den synonymen Ausdruck „Weg Gottes“. Mit „der Weg“ oder „dieser Weg“ ist in der Apostel­geschichte die christliche Lebensweise gemeint, in deren Mittelpunkt die Anbetung des einzig wahren Gottes, Jehova, und der Glaube an seinen Sohn Jesus Christus steht (Apg 19:9, 23; 22:4; 24:22; siehe Anm. zu Apg 9:2). In den Evangelien erscheint der Ausdruck, der mit „Weg Jehovas“ wiedergegeben wird, vier Mal, und zwar jeweils in einem Zitat aus Jesaja 40:3. (Siehe Anm. zu Mat 3:3; Mar 1:3; Luk 3:4; Joh 1:23.) In Jes 40:3 steht im hebräischen Urtext das Tetragramm. Der Ausdruck „Weg Jehovas“ erscheint außerdem in Ri 2:22, Jer 5:4, 5. (Siehe Anm. zu Apg 19:23 und Anh. C3, Einleitung, Apg 18:25.)

des Weges: Wie die Anm. zu Apg 9:2 erklärt, wurde die Bezeichnung „der Weg“ für die frühe Christen­versammlung verwendet. Bei dem wahren Christentum geht es nicht um den äußeren Eindruck oder um eine rein formelle Anbetung. Es ist ein Lebensweg – geprägt von der Anbetung Gottes und der Leitung durch seinen Geist (Joh 4:23, 24). In der syrischen Peschitta steht hier „des Weges Gottes“ und in der lateinischen Vulgata (nach der Clementinischen Rezension) „des Weges des Herrn“. Es gibt Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J17, 18 aufgeführt), die hier den Gottesnamen enthalten; dort steht: „des Weges Jehovas“.

Briefe: Im 1. Jh. war man darauf angewiesen, dass ein Fremder Briefe von einer vertrauens­würdigen Stelle vorlegte, in denen er vorgestellt und seine Identität oder Befugnis bestätigt wurde (Rö 16:1; 2Ko 3:1-3). Auf diese Art der Informationsübermittlung bezogen sich auch die Juden in Rom (Apg 28:21). Die Briefe, um die Saulus den Hohen Priester bat, berechtigten ihn, die in Damaskus lebenden Judenchristen zu verfolgen. Sie waren an die Synagogen in Damaskus adressiert und enthielten offenbar die Aufforderung, Saulus bei der Bekämpfung der Christen zu unterstützen (Apg 9:1, 2).

Damaskus: Diese Stadt im heutigen Syrien gilt als eine der ältesten Städte der Welt, die seit ihrer Entstehung ununterbrochen bewohnt sind. Schon der Patriarch Abraham könnte auf seinem Weg nach Kanaan durch Damaskus gekommen oder zumindest daran vorbeigezogen sein. Irgendwann nahm er einen „Mann aus Damaskus“ namens Elieser als Diener in seine Haus­gemeinschaft auf (1Mo 15:2). Fast 1000 Jahre später taucht Damaskus erneut im Bibelbericht auf, und zwar als die Syrer (Aramäer) und die Israeliten zu Feinden wurden und sich bekriegten (1Kö 11:23-25; siehe Worterklärungen zu „Aram; Aramäer“). Im 1. Jh. gehörte Damaskus zu der römischen Provinz Syrien. Damals lebten vielleicht 20 000 Juden in der Stadt und es gab dort etliche Synagogen. Saulus könnte ausgerechnet die Christen in Damaskus ins Visier genommen haben, weil die Stadt ein Knotenpunkt wichtiger Handelsrouten war und er befürchtete, dass sich die christliche Lehre von dort aus schnell verbreiten würde. (Siehe Anh. B13.)

Weg: In der Apostel­geschichte bezieht sich die Bezeichnung „der Weg“ sowohl auf die christliche Lebensweise als auch auf die frühe Christen­versammlung. Sie könnte auf Jesu Aussage in Joh 14:6, „Ich bin der Weg“, zurückgehen. Von seinen Jüngern sagte man, sie würden zum „Weg“ gehören, und meinte damit, dass sie auf ihrem Lebensweg dem Beispiel Jesu folgten (Apg 19:9). Sein Leben drehte sich um die Anbetung des allein wahren Gottes Jehova. Bei denen, die Jesus nachfolgten, drehte sich das Leben zusätzlich um den Glauben an Jesus. Irgendwann nach 44 u. Z. wurden sie dann in Antiochia in Syrien „durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt“ (Apg 11:26). Doch auch noch nachdem dieser Name in Gebrauch gekommen war, bezeichnete Lukas die Versammlung als den „Weg“ (Apg 19:23; 22:4; 24:22; siehe Anm. zu Apg 18:25; 19:23).

sie hörten nicht die Stimme: Oder „sie verstanden nicht, was die Stimme sagte“. In Apg 9:3-9 schildert Lukas die gleiche Begebenheit. Beide Berichte zusammen ergeben ein vollständiges Bild der Ereignisse: Wie die Anm. zu Apg 9:7 erklärt, hörten die Begleiter von Paulus zwar den „Klang einer Stimme“, konnten aber offensichtlich nicht verstehen, was gesagt wurde. Sie hörten die Stimme also anders als Paulus. Das passt zu Apg 22:7. Dort erzählt Paulus, dass er die Stimme hörte, und gibt auch wieder, was sie sagte. Er hatte die Worte also verstanden, seine Mitreisenden dagegen nicht – vielleicht weil sie die Stimme nur gedämpft oder verzerrt wahrnahmen. Mit „sie hörten nicht die Stimme“ ist also anscheinend gemeint, dass sie nicht verstanden, was gesagt wurde. (Vergleiche Mar 4:33; 1Ko 14:2, wo das griechische Wort für „hören“ mit „zuhören“, „aufnehmen“ oder „verstehen“ übersetzt werden könnte.)

hörten … den Klang einer Stimme: Bei einer späteren Gelegenheit schilderte Paulus selbst, was er auf der Straße nach Damaskus erlebt hatte (Apg 22:6-11). Nimmt man beide Berichte zusammen, erhält man ein vollständiges Bild von den Ereignissen. Im griechischen Text stehen in beiden Berichten die gleichen Wörter, doch die Grammatik ist unterschiedlich. Das griechische Wort phōnḗ kann man sowohl mit „Klang“ als auch mit „Stimme“ wiedergeben. Im vorliegenden Vers steht es im Genitiv und wird deshalb mit „Klang einer Stimme“ übersetzt. (In Apg 22:9 steht phōnḗ im Akkusativ und ist deshalb nur mit „Stimme“ wiedergegeben.) Daraus ergibt sich, dass die Begleiter von Paulus zwar den Klang einer Stimme hörten, offensichtlich aber weder hören noch verstehen konnten, was gesagt wurde. Sie hörten die Stimme also anders als Paulus (Apg 26:14; siehe Anm. zu Apg 22:9).

Straße, die man die Gerade nennt: Das ist der einzige Straßenname, der in den Christlichen Griechischen Schriften erscheint. Die Straßen in Damaskus waren im 1. Jh. gitterförmig angelegt. Man nimmt an, dass die Gerade Straße die Hauptverkehrsader war, die von O nach W verlief. Sie war ca. 1,5 km lang und einschließlich Gehwegen 26 m breit. Möglicherweise war sie von Kolonnaden gesäumt. Noch heute führt durch die Überreste der alten Römerstadt eine Hauptstraße, die in etwa dem Verlauf der antiken Via Recta, der Geraden Straße, folgt.

in einer Vision: Diese Worte sind nicht in allen Handschriften enthalten, doch sie sind in einer Reihe von frühen Handschriften zu finden.

festzunehmen: Oder „einzusperren“. Wtl. „zu binden“, „in Fesseln zu legen“. (Vgl. Kol 4:3.)

Söhnen Israels: Oder „Volk Israel“, „Israeliten“. (Siehe Worterklärungen zu „Israel“.)

große Körbe: Oder „Proviantkörbe“. Das griechische Wort sphyrís bezeichnet anscheinend größere Körbe als die, die verwendet wurden, als Jesus 5000 Männer mit Essen versorgte. (Siehe Anm. zu Mat 14:20.) Dasselbe griechische Wort wird auch für den Korb gebraucht, in dem Paulus durch eine Öffnung in der Stadtmauer von Damaskus hinuntergelassen wurde. (Siehe Anm. zu Apg 9:25.)

Korb: Lukas verwendet hier das griechische Wort sphyrís. Man findet es auch bei Matthäus und Markus in dem Bericht über die Begebenheit, als Jesus 4000 Männern zu essen gab und man die Reste in sieben Körbe einsammelte. (Siehe Anm. zu Mat 15:37.) sphyrís bezeichnet einen großen Korb. Als Paulus den Christen in Korinth seine Flucht schilderte, verwendete er das Wort sargánē, das einen aus Seilen geflochtenen Korb oder auch einen Weidenkorb beschreibt. Mit beiden griechischen Wörtern kann dieselbe Korbart gemeint sein (2Ko 11:32, 33, Fn.).

unter uns tätig war: Wtl. „bei uns ein und aus ging“. Die entsprechende griechische Formulierung bildet eine semitische Wendung ab, die ausdrückt, dass jemand seinen alltäglichen Aktivitäten in Gesellschaft von anderen nachgeht. Man könnte sie hier auch mit „unter uns lebte“ übersetzen. (Vgl. 5Mo 28:6, 19; Ps 121:8, Fn.)

bewegte sich frei: Oder „ging seinem täglichen Leben nach“. Wörtlich steht hier: „ging ein und aus“, was eine semitische Wendung wiedergibt. Sie vermittelt das Bild von jemandem, der ungehindert seinem Alltag nachgeht und mit anderen Kontakt pflegt. (Vgl. 5Mo 28:6, 19; Ps 121:8, Fn.; siehe Anm. zu Apg 1:21.)

Griechisch sprechenden Juden: Wtl. „Hellenisten“. Das griechische Wort Hellēnistḗs findet sich weder in der griechischen noch in der hellenistisch-jüdischen Literatur, doch der Kontext wie auch viele Nachschlagewerke stützen die Wiedergabe „Griechisch sprechende Juden“. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Jünger von Jesus in Jerusalem entweder gebürtige Juden oder jüdische Proselyten – auch die, die Griechisch sprachen (Apg 10:28, 35, 44-48). Das Wort, das mit „Griechisch sprechende Juden“ übersetzt ist, wird dem Wort für „Hebräisch sprechende Juden“ (wtl. „Hebräer“; Plural von Hebráios) gegenüber­gestellt. Daraus lässt sich schließen, dass „die Hellenisten“ Juden waren, die aus den verschiedensten Teilen des Römischen Reiches, vielleicht auch aus der Dekapolis, nach Jerusalem gekommen waren und miteinander Griechisch sprachen. Die meisten Hebräisch sprechenden Juden dagegen stammten wahrscheinlich aus Judäa und Galiläa. Diese beiden Gruppen hatten offensichtlich etwas unterschiedliche kulturelle Hintergründe. (Siehe Anm. zu Apg 9:29.)

Griechisch sprechenden Juden: Im griechischen Text steht wtl. „Hellenisten“. Höchst­wahrscheinlich handelte es sich um Juden, die im Alltag nicht Hebräisch, sondern Griechisch sprachen. Vermutlich waren sie aus verschiedenen Teilen des Römischen Reiches nach Jerusalem gekommen. In Apg 6:1 bezieht sich diese Bezeichnung auf Christen. Hier jedoch zeigt der Kontext, dass die Betreffenden keine Jünger von Christus waren. Wie die Theodotos-Inschrift, die man auf dem Ophel in Jerusalem gefunden hat, belegt, kamen damals viele Griechisch sprechende Juden nach Jerusalem. (Siehe Anm. zu Apg 6:1.)

Ehrfurcht vor Jehova: Die Wendung „Ehrfurcht vor Jehova“ kommt häufig in den Hebräischen Schriften vor. Sie setzt sich aus dem hebräischen Wort für „Ehrfurcht“ und dem Tetragramm zusammen (Beispiele: 2Ch 19:7, 9; Ps 19:9; 111:10; Spr 2:5; 8:13; 9:10; 10:27; 19:23; Jes 11:2, 3). Die Wendung „Ehrfurcht vor dem Herrn“ dagegen findet man im hebräischen Urtext kein einziges Mal. Die Gründe, warum in der Neuen-Welt-Übersetzung im vorliegenden Vers „Ehrfurcht vor Jehova“ steht, obwohl die meisten griechischen Handschriften die Lesart „Ehrfurcht vor dem Herrn“ enthalten, werden in Anh. C1 erläutert sowie in Anh. C3, Einleitung, Apg 9:31.

Tabitha: Dieser Name kommt aus dem Aramäischen und bedeutet „Gazelle“. Er entspricht offensichtlich dem hebräischen Wort zevijjáh, was „Gazellenweibchen“ bedeutet (Hoh 4:5; 7:3). Der griechische Name Dorkas bedeutet ebenfalls „Gazelle“. In einer Hafenstadt wie Joppe, wo neben Juden auch Nichtjuden lebten, war es vielleicht nichts Ungewöhnliches, wenn jemand unter zwei Namen bekannt war. Deswegen könnte diese Christin sowohl Tabitha als auch Dorkas genannt worden sein, je nachdem, in welcher Sprache man sich unterhielt. Es ist aber auch denkbar, dass Lukas den Namen einfach nur für nicht jüdische Leser übersetzt hat.

unterstützte die Armen: Oder „gab viele Gaben der Barmherzigkeit“. (Siehe Worterklärungen.)

Obergewänder: Das griechische Wort himátion bezeichnete anscheinend manchmal eine Art Mantel, in der Regel handelte es sich jedoch um ein großes rechteckiges Tuch.

Tabitha, steh auf!: Petrus ging ganz ähnlich vor wie Jesus, als dieser die Tochter von Jairus auferweckte (Mar 5:38-42; Luk 8:51-55). Das ist die erste Stelle in der Bibel, wo berichtet wird, dass ein Apostel jemanden auferweckte. Durch dieses Wunder kamen in ganz Joppe viele Leute zum Glauben (Apg 9:39-42).

Simon, einem Gerber: Gerber verarbeiteten Tierhäute zu Leder. Mithilfe einer Kalklösung entfernten sie zunächst das Fell sowie sämtliche Fleisch- und Fettreste von der Haut und behandelten sie anschließend mit einer Gerbflüssigkeit. Dann konnte man die Häute für die Herstellung von Lederartikeln verwenden. Der Gerbprozess war sehr geruchsbelästigend und erforderte eine große Menge Wasser, was erklären könnte, warum Simon am Meer wohnte, vermutlich am Stadtrand von Joppe. Nach dem mosaischen Gesetz war jemand, der bei seiner Arbeit mit Tierkadavern zu tun hatte, rituell unrein (3Mo 5:2; 11:39). Deswegen blickten viele Juden auf Gerber herab und hätten auch nur ungern bei einem von ihnen übernachtet. Im später verfassten Talmud wurden Gerber sogar noch niedriger eingestuft als Dungsammler. Petrus ließ sich jedoch durch solche Vorurteile nicht davon abhalten, bei Simon als Gast zu wohnen. Seine Unvoreingenommen­heit in dieser Situation war eine gute Voraussetzung für seine nächste Aufgabe: einen unbeschnittenen Nichtjuden zu Hause zu besuchen. Manche Bibel­wissenschaftler vermuten, das griechische Wort für „Gerber“ (byrseus) sei ein Beiname von Simon gewesen.

Gerber namens Simon: Siehe Anm. zu Apg 10:6.

Medien

Saulus in Damaskus
Saulus in Damaskus

Im 1. Jh. u. Z. sah der Grundriss von Damaskus wahrscheinlich in etwa so aus wie hier abgebildet. Damaskus war ein bedeutendes Handelszentrum. Der Fluss Barada (in 2Kö 5:12 „Abana“ genannt) machte das Umland zu einer regelrechten Oase. In der Stadt gab es etliche Synagogen. Saulus reiste nach Damaskus, um dort „alle, die zum Weg gehörten [gemeint sind Jesu Nachfolger] und die er aufspüren würde“, zu verhaften (Apg 9:2; 19:9, 23; 22:4; 24:22). Doch auf dem Weg dorthin erschien ihm der verherrlichte Jesus. Nach diesem Erlebnis wohnte Saulus eine Zeitlang in Damaskus bei einem gewissen Judas, dessen Haus sich in der Geraden Straße befand (Apg 9:11). Jesus erschien dem Jünger Ananias in einer Vision und schickte ihn zu Saulus, um dessen Sehkraft wiederher­zu­stellen. Danach ließ sich Saulus taufen. Statt also die jüdischen Christen einzusperren, wurde Saulus selbst einer von ihnen. Er begann seine Laufbahn als Prediger der guten Botschaft in den Synagogen von Damaskus. Im Anschluss an eine Reise nach Arabien und einem weiteren Aufenthalt in Damaskus kehrte er um das Jahr 36 u. Z. nach Jerusalem zurück (Apg 9:1-6, 19-22; Gal 1:16, 17).

(A) Damaskus

(1) Straße nach Jerusalem

(2) Gerade Straße

(3) Agora

(4) Jupitertempel

(5) Theater

(6) Theater für Musikveranstaltungen (?)

(B) Jerusalem

Saulus auf dem Weg nach Damaskus
Saulus auf dem Weg nach Damaskus

Nach Damaskus ist es nicht mehr weit. Plötzlich wird Saulus von einem Lichtblitz geblendet und fällt zu Boden. Dann hört er eine Stimme sagen: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ (Apg 9:3, 4; 22:6-8; 26:13, 14). So vereitelt Jesus den Plan von Saulus, seine Jünger in Damaskus gefangen zu nehmen und in Jerusalem vor Gericht zu stellen. Die ca. 240 km lange Reise von Jerusalem nach Damaskus endet völlig anders, als Saulus es erwartet hat. Die Begegnung mit Jesus macht aus dem glühenden Christenverfolger Saulus (später besser bekannt unter seinem römischen Namen Paulus) einen der unerschrockensten Verteidiger des Christentums. In der Apostel­geschichte ist detailreich festgehalten, mit welchem Feuereifer Paulus seinen Dienst durchführte.

Römerstraße in Tarsus
Römerstraße in Tarsus

Tarsus, die Geburtsstadt von Saulus, dem späteren Apostel Paulus (Apg 9:11; 22:3), war die Hauptstadt der Provinz Zilizien (Kilikien) am südöstlichen Ende von Kleinasien (heute gehört das Gebiet zur Türkei). Die große, wohlhabende Handelsstadt lag strategisch günstig an einer bedeutenden O-W-Handelsstraße, die sich durch das Taurusgebirge schlängelte und durch die Kilikische Pforte führte, eine enge Schlucht, in die man einen Weg für Fuhrwerke in den Fels gehauen hatte. In Tarsus gab es auch einen Hafen, der den Fluss Kydnos mit dem Mittelmeer verband. Die Stadt war einerseits ein Zentrum griechischer Kultur, andererseits lebten dort auch viele Juden. Das Bild zeigt antike Ruinen, die man immer noch in Tarsus besichtigen kann. Heute liegt die Stadt rund 16 km von der Stelle entfernt, wo der Kydnos ins Mittelmeer mündet. Im Laufe der Geschichte stattete eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten Tarsus einen Besuch ab, darunter Marcus Antonius, Kleopatra, Julius Cäsar und verschiedene Kaiser. Der römische Staatsmann und Schriftsteller Cicero hatte von 51 bis 50 v. u. Z. als Statthalter von Zilizien seinen Sitz in Tarsus. Im 1. Jh. u. Z. war die Stadt ein viel gerühmtes Zentrum der Gelehrsamkeit, das nach Aussage des griechischen Geografen Strabo sogar Athen und Alexandria übertraf. Paulus bezeichnete Tarsus also völlig zu Recht als „eine nicht unbekannte Stadt“ (Apg 21:39).

Bau einer Römerstraße
Bau einer Römerstraße

Das ausgedehnte Straßennetz der Römer half den ersten Christen, die gute Botschaft im gesamten Reich zu verbreiten. Der Apostel Paulus legte auf diesen Straßen ohne Frage unzählige Kilometer zurück (Kol 1:23). Die Abbildung zeigt, wie die Römer eine typische Pflasterstraße bauten. Als Erstes wurde der Straßenverlauf festgelegt. Dann hoben Arbeiter einen Graben aus und füllten ihn mit verschiedenen Schichten aus Steinen, Zement und Sand auf. Anschließend pflasterten sie die Straße mit großen Steinplatten und verlegten Randsteine, die den Pflastersteinen Halt gaben. Die verwendeten Materialien und eine leichte Wölbung der Straße sorgten dafür, dass Wasser gut ablaufen konnte. Zwischen den Randsteinen ließ man in regelmäßigen Abständen Öffnungen, durch die das Wasser in Rinnen abfloss, die neben der Straße verliefen. Die Straßenbauer leisteten so hervorragende Arbeit, dass einige dieser Straßen heute noch existieren. Allerdings waren die meisten Wege im Römischen Reich nicht so aufwendig gebaut. Der Großteil bestand einfach nur aus verdichtetem Kies oder Schotter.

Die Inschrift des Theodotos für Griechisch sprechende Juden
Die Inschrift des Theodotos für Griechisch sprechende Juden

Die hier abgebildete Theodotos-Inschrift befindet sich auf einer 72 cm x 42 cm großen Kalksteinplatte. Sie wurde Anfang des 20. Jh. auf dem Ophel, einem Hügel in Jerusalem, entdeckt. Der in Griechisch verfasste Text sagt über den Priester Theodotos (auch Theodotus): „[Er] erbaute die(se) Synagoge zur Vorlesung des Gesetzes und zum Unterricht in den Geboten“. Die Inschrift wird in die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems 70 u. Z. datiert. Sie belegt, dass sich im 1. Jh. in Jerusalem Griechisch sprechende Juden aufhielten (Apg 6:1). Wie einige vermuten, könnte es sich bei der Synagoge um die „sogenannte Synagoge der Freigelassenen“ gehandelt haben (Apg 6:9). Die Inschrift erwähnt außerdem, dass Theodotos genauso wie sein Vater und Großvater den Titel archisynágōgos („Synagogen­vorsteher“) trug. Dieser Titel kommt in den Christlichen Griechischen Schriften mehrmals vor (Mar 5:35; Luk 8:49; Apg 13:15; 18:8, 17). Laut der Inschrift baute Theodotos ein Gästehaus für Besucher aus dem Ausland. Wahrscheinlich wurde es von Juden genutzt, die vor allem zu den jährlichen Festen nach Jerusalem kamen (Apg 2:5).

Joppe
Joppe

Dieses Video zeigt, wo früher Joppe lag. Es befand sich an der Mittelmeerküste auf halber Strecke zwischen dem Berg Karmel und der Stadt Gasa. An der Stelle des alten Joppe befindet sich das heutige Jaffa (hebräisch Yafo), das 1950 mit Tel Aviv vereinigt wurde. Die Doppelstadt ist als Tel Aviv-Jaffa bekannt. Jaffa liegt auf einem 35 m hohen Felshügel. Sein Hafen wird durch ein niedriges Riff gebildet, das in einer Entfernung von etwa 100 m parallel zur Küste verläuft. Zur Zeit von König Salomo brachten die Tyrer über den Seeweg Holz aus den Libanonwäldern nach Joppe, das für den Bau des Tempels bestimmt war (2Ch 2:16). Später bestieg der Prophet Jona dort ein Schiff Richtung Tarschisch, um einem Auftrag Gottes zu entkommen (Jon 1:3). Im 1. Jh. u. Z. gab es in Joppe eine Christengemeinde. Zu ihr gehörte auch Dorkas (Tabitha), die vom Apostel Petrus auferweckt wurde (Apg 9:36-42). In Joppe befand sich außerdem das Haus des Gerbers Simon, wo Petrus in einer Vision darauf vorbereitet wurde, dem Nichtjuden Kornelius zu predigen (Apg 9:43; 10:6, 9-17).

Raum im Obergeschoss
Raum im Obergeschoss

Einige Häuser in Israel hatten ein Obergeschoss. Es war entweder über eine Leiter oder Holztreppe im Inneren des Hauses oder über eine Steintreppe oder Leiter außen am Haus zu erreichen. In einem Obergeschoss befand sich auch der große Raum, in dem Jesus mit seinen Jüngern sein letztes Passah feierte und wo er die Abendmahlsfeier einführte (Luk 22:12, 19, 20). Der Raum könnte ähnlich ausgesehen haben wie hier abgebildet. Pfingsten 33 waren etwa 120 Jünger offensichtlich ebenfalls im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem versammelt, als auf sie Gottes Geist ausgegossen wurde (Apg 1:13, 15; 2:1-4).

Unter- und Obergewänder
Unter- und Obergewänder

In biblischer Zeit gehörte die Kleidung zu den wichtigsten Dingen, die eine Person besaß. Dorkas war sehr großzügig und fertigte Unter- und Obergewänder für Witwen an (Apg 9:39). Das mit „Untergewand“ übersetzte griechische Wort chitṓn bezeichnete eine Art Tunika (1). Bei den Griechen und Römern reichten die Tuniken der Frauen üblicherweise bis zu den Knöcheln, die Männer trugen kurze Tuniken. Das mit „Obergewand“ wiedergegebene griechische Wort himátion bezeichnete ein Kleidungsstück oder einen Umhang, den man gewöhnlich über der Tunika oder dem Untergewand trug (2).