Apostel­geschichte 6:1-15

6  Als in dieser Zeit die Zahl der Jünger zunahm, fingen die Griechisch sprechenden Juden an, sich über die Hebräisch sprechenden Juden zu beschweren, weil ihre Witwen bei der täglichen Austeilung übersehen wurden.+  Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zu sich und sagten: „Es ist nicht richtig, dass wir das Wort Gottes zurückstellen, um an Tischen Essen auszuteilen.+  Deshalb, Brüder, sucht unter euch sieben Männer mit gutem Ruf+ aus, die voll Geist und Weisheit sind,+ damit wir ihnen diese notwendige Aufgabe übertragen können.+  Wir aber werden uns dem Gebet und dem Dienst in Verbindung mit dem Wort Gottes widmen.“+  Was sie sagten, gefiel der ganzen Menge, und man wählte Stẹphanus aus, einen Mann voll Glauben und heiligem Geist,+ außerdem Philịppus,+ Prọchorus, Nikạnor, Tịmon, Parmẹnas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiọchia.  Man brachte sie zu den Aposteln, und nachdem diese gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf.+  Daraufhin breitete sich das Wort Gottes weiter aus+ und die Zahl der Jünger in Jerusalem vermehrte sich stark.+ Auch eine große Menge Priester nahm den Glauben an.+  Stẹphanus nun, der voll göttlicher Gunst und Kraft war, vollbrachte große Wunder und Zeichen unter dem Volk.  Es traten jedoch Männer von der sogenannten Synagoge der Freigelassenen auf zusammen mit einigen Kyrenạ̈ern und Alexandrịnern sowie einigen aus Zilịzien und der Provinz Asien, um mit Stẹphanus zu diskutieren*. 10  Allerdings kamen sie gegen die Weisheit und den Geist, die aus ihm sprachen, nicht an.+ 11  Dann stifteten sie heimlich Männer an, die sagen sollten: „Wir haben ihn gegen Moses und Gott lästern hören.“+ 12  Auch hetzten sie das Volk, die Ältesten und die Schrift­gelehrten auf, und nachdem sie über ihn hergefallen waren, packten sie ihn und führten ihn zum Sanhedrịn. 13  Sie ließen falsche Zeugen auftreten, die sagten: „Dieser Mensch hört nicht auf, gegen diesen heiligen Ort und gegen das Gesetz zu reden.+ 14  Zum Beispiel haben wir ihn sagen hören, dass dieser Jesus, der Nazarẹner, diesen Ort niederreißen+ und die Bräuche, die uns Moses überliefert hat, ändern wird.“ 15  Während ihn alle, die im Sanhedrịn saßen, gespannt anschauten, sahen sie, dass sein Gesicht wie das Gesicht eines Engels war.

Fußnoten

Oder „streiten“.

Studienanmerkungen

Griechisch sprechenden Juden: Im griechischen Text steht wtl. „Hellenisten“. Höchst­wahrscheinlich handelte es sich um Juden, die im Alltag nicht Hebräisch, sondern Griechisch sprachen. Vermutlich waren sie aus verschiedenen Teilen des Römischen Reiches nach Jerusalem gekommen. In Apg 6:1 bezieht sich diese Bezeichnung auf Christen. Hier jedoch zeigt der Kontext, dass die Betreffenden keine Jünger von Christus waren. Wie die Theodotos-Inschrift, die man auf dem Ophel in Jerusalem gefunden hat, belegt, kamen damals viele Griechisch sprechende Juden nach Jerusalem. (Siehe Anm. zu Apg 6:1.)

Hebräisch: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnen die inspirierten Bibelschreiber mit „Hebräisch“ die Sprache der Juden (Joh 19:13, 17, 20; Apg 21:40; 22:2; Off 9:11; 16:16) sowie die Sprache, in der der auferstandene und verherrlichte Jesus mit Saulus von Tarsus redete (Apg 26:14, 15). In Apg 6:1 wird ein Unterschied gemacht zwischen „Hebräisch sprechenden Juden“ und „Griechisch sprechenden Juden“. Einige Bibel­wissenschaftler sind der Ansicht, dass an allen diesen Stellen statt „Hebräisch“ „Aramäisch“ stehen sollte. Es spricht jedoch einiges dafür, dass tatsächlich die hebräische Sprache gemeint ist. Wenn es z. B. in Apg 21:40; 22:2 heißt, dass sich Paulus „auf Hebräisch“ an das Volk in Jerusalem wandte, hatte er Personen vor sich, die viel Zeit darauf verwandten, das mosaische Gesetz in Hebräisch zu studieren. Hebräisch wurde auch im Alltag gesprochen. Das bestätigen die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Großteil der biblischen und nicht biblischen Fragmente und Handschriften ist in Hebräisch verfasst. Es gibt aber auch eine kleinere Anzahl an aramäischen Fragmenten, was zeigt, dass beide Sprachen in Gebrauch waren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Bibelschreiber mit dem griechischen Wort für „Hebräisch“ die aramäische bzw. syrische Sprache meinten. Interessanter­weise unterscheiden die Hebräischen Schriften in 2Kö 18:26 zwischen „Aramäisch“ (oder Syrisch) und „der Sprache der Juden“. Und als der jüdische Historiker Josephus im 1. Jh. dieselben Ereignisse schilderte, schrieb er ebenfalls sowohl von der „syrischen [aramäischen] Sprache“ als auch von der „hebräischen Sprache“ (Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 2). In beiden Sprachen gibt es zwar einige Ausdrücke, die sich stark ähneln, und das Hebräische hat möglicherweise auch Wörter aus dem Aramäischen übernommen. Dennoch scheint es keine vernünftige Grundlage für die Annahme zu geben, die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften hätten Aramäisch gemeint, wenn sie „Hebräisch“ schrieben.

Essen auszuteilen: Oder „zu dienen“. Das griechische Verb diakonéō bezieht sich hier auf einen Teilbereich des christlichen Dienstes, bei dem es um die materielle Versorgung von Brüdern und Schwestern in der Versammlung geht, die Unterstützung brauchen und verdienen. (Siehe Anm. zu Apg 6:1, wo das verwandte Substantiv diakonía mit „Austeilung“ übersetzt ist; siehe auch Anm. zu Luk 8:3.)

unterstützten: Oder „dienten“, „versorgten“. Das griechische Verb diakonéō kann sich darauf beziehen, dass jemand für das leibliche Wohl anderer sorgt, indem er z. B. Lebensmittel beschafft, zubereitet und serviert. In diesem Sinn erscheint es auch in Luk 10:40 („Arbeit“), Luk 12:37 und 17:8 („bedienen“) und Apg 6:2 („Essen austeilen“). Es kann aber auch für andere persönliche Dienstleistungen stehen. Hier beschreibt es, wie die in Vers 2 und 3 erwähnten Frauen Jesus und seine Jünger unterstützten und ihnen so halfen, Gottes Auftrag zu erfüllen. Dadurch ehrten diese Frauen Gott. Er schätzte ihre Güte und Großzügigkeit und sorgte dafür, dass ihr Beispiel in der Bibel für die Nachwelt festgehalten wurde (Spr 19:17; Heb 6:10). diakonéō wird in Verbindung mit Frauen außerdem in Mat 27:55 und Mar 15:41 verwendet. (Siehe Anm. zu Luk 22:26, wo das Substantiv diákonos erklärt wird.)

Jünger: D. h. Schüler, Anhänger.

Griechisch sprechenden Juden: Wtl. „Hellenisten“. Das griechische Wort Hellēnistḗs findet sich weder in der griechischen noch in der hellenistisch-jüdischen Literatur, doch der Kontext wie auch viele Nachschlagewerke stützen die Wiedergabe „Griechisch sprechende Juden“. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Jünger von Jesus in Jerusalem entweder gebürtige Juden oder jüdische Proselyten – auch die, die Griechisch sprachen (Apg 10:28, 35, 44-48). Das Wort, das mit „Griechisch sprechende Juden“ übersetzt ist, wird dem Wort für „Hebräisch sprechende Juden“ (wtl. „Hebräer“; Plural von Hebráios) gegenüber­gestellt. Daraus lässt sich schließen, dass „die Hellenisten“ Juden waren, die aus den verschiedensten Teilen des Römischen Reiches, vielleicht auch aus der Dekapolis, nach Jerusalem gekommen waren und miteinander Griechisch sprachen. Die meisten Hebräisch sprechenden Juden dagegen stammten wahrscheinlich aus Judäa und Galiläa. Diese beiden Gruppen hatten offensichtlich etwas unterschiedliche kulturelle Hintergründe. (Siehe Anm. zu Apg 9:29.)

Hebräisch sprechenden Juden: Wtl. „Hebräer“. Das griechische Wort Hebráios (Singular) meint normalerweise einen Israeliten oder Hebräer (2Ko 11:22; Php 3:5). In diesem Kontext bezieht es sich allerdings auf Hebräisch sprechende jüdische Nachfolger von Jesus im Gegensatz zu denen, die Griechisch sprachen. (Siehe Anm. zu Griechisch sprechenden Juden in diesem Vers und Anm. zu Joh 5:2.)

bei der täglichen Austeilung: Oder „beim täglichen Dienst“. Das griechische Substantiv diakonía wird oft mit „Dienst“ wiedergegeben. In diesem Fall handelt es sich um einen Teilbereich des christlichen Dienstes, bei dem es um die materielle Versorgung von Brüdern und Schwestern in der Versammlung geht, die Unterstützung brauchen. (Siehe Anm. zu Apg 6:2, wo das verwandte Verb diakonéō mit „Essen austeilen“ übersetzt ist; siehe auch Anm. zu Luk 8:3.)

bei der täglichen Austeilung: Oder „beim täglichen Dienst“. Das griechische Substantiv diakonía wird oft mit „Dienst“ wiedergegeben. In diesem Fall handelt es sich um einen Teilbereich des christlichen Dienstes, bei dem es um die materielle Versorgung von Brüdern und Schwestern in der Versammlung geht, die Unterstützung brauchen. (Siehe Anm. zu Apg 6:2, wo das verwandte Verb diakonéō mit „Essen austeilen“ übersetzt ist; siehe auch Anm. zu Luk 8:3.)

unterstützten: Oder „dienten“, „versorgten“. Das griechische Verb diakonéō kann sich darauf beziehen, dass jemand für das leibliche Wohl anderer sorgt, indem er z. B. Lebensmittel beschafft, zubereitet und serviert. In diesem Sinn erscheint es auch in Luk 10:40 („Arbeit“), Luk 12:37 und 17:8 („bedienen“) und Apg 6:2 („Essen austeilen“). Es kann aber auch für andere persönliche Dienstleistungen stehen. Hier beschreibt es, wie die in Vers 2 und 3 erwähnten Frauen Jesus und seine Jünger unterstützten und ihnen so halfen, Gottes Auftrag zu erfüllen. Dadurch ehrten diese Frauen Gott. Er schätzte ihre Güte und Großzügigkeit und sorgte dafür, dass ihr Beispiel in der Bibel für die Nachwelt festgehalten wurde (Spr 19:17; Heb 6:10). diakonéō wird in Verbindung mit Frauen außerdem in Mat 27:55 und Mar 15:41 verwendet. (Siehe Anm. zu Luk 22:26, wo das Substantiv diákonos erklärt wird.)

Es ist nicht richtig: Wtl. „Es ist nicht wohlgefällig“. Es hätte weder den Aposteln selbst noch Gott gefallen, wenn sie den „Dienst in Verbindung mit dem Wort Gottes“ zurückgestellt hätten (Apg 6:4).

Essen auszuteilen: Oder „zu dienen“. Das griechische Verb diakonéō bezieht sich hier auf einen Teilbereich des christlichen Dienstes, bei dem es um die materielle Versorgung von Brüdern und Schwestern in der Versammlung geht, die Unterstützung brauchen und verdienen. (Siehe Anm. zu Apg 6:1, wo das verwandte Substantiv diakonía mit „Austeilung“ übersetzt ist; siehe auch Anm. zu Luk 8:3.)

Männer mit gutem Ruf: Oder „Männer, denen ein gutes Zeugnis ausgestellt wird“. Im Griechischen steht hier das Verb martyréō („bezeugen“, „Zeugnis ablegen“) im Passiv. Man brauchte für diese Aufgabe fähige Männer, denn es ging dabei nicht nur um das Austeilen von Lebensmitteln. Wahrscheinlich mussten sie auch Geld verwalten, Einkäufe tätigen und sorgfältig Buch führen können. Es heißt von diesen Männern, dass sie voll Geist und Weisheit waren, was zeigte, dass sie sich in ihrem Leben von Gottes Geist und Weisheit leiten ließen. Sie brauchten für diese Aufgabe großes Fingerspitzen­gefühl. Da es innerhalb der Versammlung bereits Unstimmigkeiten gab, mussten sie Erfahrung und Urteilsfähigkeit mitbringen sowie umsichtig und verständnisvoll sein. Einer von ihnen war Stephanus. Seine Verteidigungsrede vor dem Sanhedrin zeigt, dass er für die Aufgabe gut geeignet war (Apg 7:2-53).

Dienst in Verbindung mit dem Wort Gottes: Das hier mit „Dienst“ übersetzte griechische Substantiv diakonía steht auch in Vers 1, wo es mit „Austeilung“ übersetzt wurde. Dadurch wird deutlich, dass es hier um zwei verschiedene Arten von Dienst geht: zum einen um die unvoreingenommene Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige, zum anderen um die Versorgung mit geistiger Nahrung aus Gottes Wort. Die Apostel erkannten, dass es nicht richtig wäre, wenn sie ihre Zeit mit dem Austeilen von buchstäblichem Essen verbringen würden, statt sich auf ihre Hauptaufgabe zu konzentrieren: die Versammlung mit geistiger Nahrung zu versorgen. Dazu mussten sie unter Gebet studieren und Nachforschungen anstellen sowie die Jünger lehren und sich als Hirten um sie kümmern. Ihnen war natürlich bewusst, dass ein wichtiger Teil des christlichen Dienstes darin bestand, mittellose Witwen materiell zu unterstützen. Später ließ Jehova Jakobus aufschreiben, dass alle, die ihn auf eine Weise anbeten wollen, die ihm gefällt, „nach Waisenkindern und Witwen in ihrer Not … sehen“ müssen (Jak 1:27). Die Apostel verstanden aber auch, dass sie sich in erster Linie darum kümmern mussten, alle Jünger – einschließlich der Witwen – in ihrem Glauben zu unterstützen.

durch göttliche Vorsehung … genannt: In den meisten Bibel­übersetzungen steht einfach nur, dass die Jünger Christen genannt wurden; es ist von keiner göttlichen Einflussnahme die Rede. Allerdings erscheint hier im Griechischen keines der Wörter, die man üblicherweise mit „nennen“ übersetzt (Mat 1:16; 2:23; Mar 11:17; Luk 1:32, 60; Apg 1:12, 19), sondern das Verb chrēmatízō. An fast allen der neun Stellen, an denen es in den Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, hat es eindeutig mit etwas zu tun, das göttlichen Ursprungs ist (Mat 2:12, 22; Luk 2:26; Apg 10:22; 11:26; Rö 7:3; Heb 8:5; 11:7; 12:25). In Apg 10:22 wird es z. B. zusammen mit der Formulierung „durch einen heiligen Engel“ verwendet. Und in Mat 2:12, 22 kommt es in Verbindung mit Träumen vor, die Gott eingab. In Rö 11:4 erscheint das verwandte Substantiv chrēmatismós. In den meisten Wörterbüchern und Bibel­übersetzungen findet man dafür Wiedergaben wie „göttlicher Ausspruch“, „göttliche Antwort“, „göttliche Weisung“, „Gottesspruch“. Es ist denkbar, dass Saulus und Barnabas von Jehova angewiesen wurden, den Namen „Christen“ zu verwenden. Manche vermuten, die heidnische Bevölkerung in Antiochia hätte die Nachfolger von Jesus aus Spaß oder Spott als „Christen“ tituliert. Doch die Tatsache, dass hier im Griechischen chrēmatízō steht, macht deutlich, dass Gott hinter dieser Namensgebung stand. Es wäre auch sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die Juden Jesu Nachfolger als „Christen“ (griechisch) oder „Messianisten“ (hebräisch) bezeichnet hätten. Sie hatten Jesus als den Messias oder Christus abgelehnt. Hätten sie seine Nachfolger als „Christen“ bezeichnet, hätten sie ihn stillschweigend als Christus oder Gesalbten anerkannt, und davon ist nicht auszugehen.

Christen: Der griechische Begriff Christianós bedeutet „Anhänger von Christus“. Er kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur drei Mal vor (Apg 11:26; 26:28; 1Pe 4:16) und ist von Christós abgeleitet, was „Gesalbter“ bedeutet. Christen folgen dem Vorbild von Jesus, „dem Christus“, Jehovas Gesalbtem, und leben nach seinen Lehren (Luk 2:26; 4:18). Jesu Jünger erhielten diesen Namen „durch göttliche Vorsehung“, und das vielleicht sogar schon im Jahr 44 u. Z., als sich die in dieser Passage erwähnten Ereignisse abspielten. Der Name setzte sich offenbar in immer weiteren Kreisen durch, denn als Paulus um das Jahr 58 u. Z. vor König Herodes Agrippa II. erschien, war diesem der Name Christen bereits ein Begriff (Apg 26:28). Dem Geschichts­schreiber Tacitus zufolge war der Name 64 u. Z. der breiten Masse in Rom geläufig. Als Petrus zwischen 62 und 64 u. Z. seinen ersten Brief an die Christen schrieb, die im ganzen Römischen Reich verstreut lebten, war der Name weit und breit bekannt und unterschied Jesu Jünger eindeutig von anderen religiösen Gruppierungen (1Pe 1:1, 2; 4:16). Niemand konnte sie mehr mit diesem Namen, den sie von Gott erhalten hatten, für eine jüdische Sekte halten.

Antiochia in Pisidien: Eine Stadt in der römischen Provinz Galatien. Da Antiochia im Grenzgebiet der beiden Regionen Phrygien und Pisidien lag, könnte es im Laufe der Geschichte mal zu der einen, mal zu der anderen Region gehört haben. Die Ruinen der Stadt befinden sich heute in der Nähe des türkischen Ortes Yalvaç. Das Antiochia in Pisidien wird nur hier und in Apg 14:19, 21 erwähnt. Wer von Perge, das unweit der Mittelmeerküste lag, nach Antiochia reisen wollte, hatte einen beschwerlichen Weg vor sich. Es galt, tückische Bergpässe zu überwinden und sich vor Räubern in Acht zu nehmen, bis man die auf 1100 m gelegene Stadt erreichte. (Siehe Anh. B13.) Das Antiochia in Pisidien ist nicht mit dem Antiochia in Syrien zu verwechseln, um das es in der Apostel­geschichte in den meisten Fällen geht (Apg 6:5; 11:19; 13:1; 14:26; 15:22; 18:22).

Stephanus … Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus: Diese sieben Namen sind alle griechisch. Das könnte darauf hindeuten, dass die Apostel unter allen infrage kommenden Juden und Proselyten in der Versammlung in Jerusalem solche auswählten, die Griechisch sprachen. Allerdings heißt es nur von Nikolaus, dass er ein Proselyt aus Antiochia war, was bedeuten könnte, dass er der einzige Nichtjude in der Gruppe war. Die griechischen Namen der anderen waren selbst unter gebürtigen Juden verbreitet. In jedem Fall scheinen die Apostel, die hier als leitende Körperschaft handelten, sich für diese Männer entschieden zu haben, um Rücksicht auf die Gefühle der Griechisch sprechenden Juden zu nehmen (Apg 6:1-6).

Antiochia: Diese Stadt, die hier zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird, lag gut 500 km nördlich von Jerusalem. Im Jahr 64 v. u. Z. wurde Antiochia die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Im 1. Jh. u. Z. war sie nach Rom und Alexandria die größte Stadt im Römischen Reich. Antiochia wurde für seine Schönheit sowie für seine große politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung gerühmt, stand aber auch in dem Ruf, moralisch verkommen zu sein. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung bestand aus Juden, die Berichten zufolge viele Griechisch sprechende Einwohner für das Judentum gewinnen konnten. Nikolaus war einer dieser Proselyten. Später wurde er ein Nachfolger von Jesus. Barnabas und Paulus verbrachten ein Jahr in Antiochia, um dort zu lehren. Außerdem nutzte Paulus die Stadt als Ausgangspunkt für seine Missionsreisen. Und in Antiochia wurden Christi Nachfolger „durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt“. (Siehe Anm. zu Apg 11:26.) Bei dem Antiochia, das in Apg 13:14 erwähnt wird, handelt es sich um eine andere Stadt, die in Pisidien lag. (Siehe Anm. zu Apg 13:14 und Anh. B13.)

legten sie ihnen die Hände auf: Bereits in den Hebräischen Schriften wird davon gesprochen, dass einer Person oder einem Tier die Hände aufgelegt wurden, was unterschiedliche Bedeutungen haben konnte (1Mo 48:14; 3Mo 16:21; 24:14). Bei Personen war diese Handlung üblicherweise ein Zeichen dafür, dass man jemanden für eine bestimmte Aufgabe ernannte oder in einer bestimmten Funktion bestätigte (4Mo 8:10). Zum Beispiel legte Moses seine Hand auf Josua, um ihn als seinen Nachfolger zu bestätigen. Daraufhin wurde Josua „vom Geist der Weisheit erfüllt“ und war in der Lage, ein guter Führer für Israel zu sein (5Mo 34:9). In der Situation hier in Apg 6:6 legten die Apostel den Männern die Hände auf, denen sie verantwortungs­volle Aufgaben übertrugen. Sie taten das aber erst, nachdem sie gebetet hatten, was zeigt, dass ihnen Gottes Leitung wichtig war. Später legten die Mitglieder einer Ältestenschaft Timotheus die Hände auf, um ihm eine besondere Dienstaufgabe zu übertragen (1Ti 4:14). Und auch Timotheus war bevollmächtigt, andere durch Händeauflegen für bestimmte Aufgaben zu ernennen, wobei er vorher sorgfältig ihre Eignung prüfen musste (1Ti 5:22).

Wunder: Oder „Vorzeichen“. In den Christlichen Griechischen Schriften wird das entsprechende Wort téras durchweg in Kombination mit sēméion („Zeichen“) verwendet, wobei beide Wörter immer im Plural stehen (Mat 24:24; Joh 4:48; Apg 7:36; 14:3; 15:12; 2Ko 12:12). téras bezeichnet grundsätzlich alles, was Ehrfurcht oder Staunen hervorruft. Wenn der Begriff ganz klar auf ein Ereignis in der Zukunft hindeutet, wird in einer Studienanmerkung die Wiedergabe „Vorzeichen“ als Alternative angegeben.

Wunder: Oder „Vorzeichen“. (Siehe Anm. zu Apg 2:19.)

Synagoge der Freigelassenen: Unter der römischen Herrschaft waren „Freigelassene“ Personen, die aus der Sklaverei entlassen wurden. Es gibt die Vermutung, dass es sich bei den Angehörigen dieser Synagoge um Juden handelte, die die Römer gefangen genommen und später freigelassen hatten. Eine andere Ansicht ist, dass es ehemalige Sklaven waren, die den jüdischen Glauben angenommen hatten.

Ältesten: Wtl. „älteren Männer“. Der griechische Ausdruck presbýteros bezeichnet in der Bibel in erster Linie Personen, die in einer Gemeinschaft oder einem Volk eine mit Autorität und Verantwortung verbundene Stellung innehaben. presbýteros hat zwar manchmal mit dem buchstäblichen Alter zu tun (z. B. „älterer Sohn“ in Luk 15:25 und „alte Männer“ in Apg 2:17), ist aber nicht auf ältere Personen beschränkt. In diesem Vers bezieht sich das Wort auf die Führer des jüdischen Volkes, die häufig zusammen mit den Oberpriestern und Schrift­gelehrten erwähnt werden. Der Sanhedrin war aus diesen drei Gruppen zusammengesetzt (Mat 21:23; 26:3, 47, 57; 27:1, 41; 28:12; siehe Worterklärungen zu „Ältester; älterer Mann“).

Ältesten: Siehe Anm. zu Mat 16:21.

der Nazarener: Ein beschreibender Beiname, der für Jesus und später auch für seine Nachfolger verwendet wurde (Apg 24:5). Da viele Juden Jesus hießen, hatten sie oft einen Zusatz zu ihrem Namen. In biblischer Zeit war es üblich, jemand mit dem Ort, aus dem er kam, in Verbindung zu bringen (2Sa 3:2, 3; 17:27; 23:25-39; Nah 1:1; Apg 13:1; 21:29). Jesus verbrachte den Großteil seines irdischen Lebens in der Stadt Nazareth in Galiläa. Daher war es ganz natürlich, dass man ihn „Nazarener“ nannte. Diese Bezeichnung gebrauchten verschiedene Personen in den unterschied­lichsten Situationen (Mar 1:23, 24; 10:46, 47; 14:66-69; 16:5, 6; Luk 24:13-19; Joh 18:1-7). Jesus hatte nichts dagegen und verwendete auch selbst diesen Beinamen (Joh 18:5-8; Apg 22:6-8). Auf dem Schild, das Pilatus an Jesu Marterpfahl anbringen ließ, stand in Hebräisch, Lateinisch und Griechisch: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“ (Joh 19:19, 20). Ab Pfingsten 33 sprachen die Apostel und andere oft von „Jesus, dem Nazarener“ oder von „Jesus aus Nazareth“ (Apg 2:22; 3:6; 4:10; 6:14; 10:38; 26:9; siehe auch Anm. zu Mat 2:23).

der Nazarener: Siehe Anm. zu Mar 10:47.

Engel: Oder „Boten“. Das griechische Wort ággelos (sprich: ángelos) und das entsprechende hebräische Wort malʼách kommen in der Bibel fast 400 Mal vor. Beide haben die Grundbedeutung von „Bote“. Wenn sie sich auf Geistwesen beziehen, werden sie mit „Engel“ übersetzt, sind jedoch eindeutig Menschen gemeint, werden sie in der Regel mit „Bote“ wiedergegeben. Normalerweise verrät der Kontext, wer gemeint ist; wo die Bedeutung unklar ist, gibt es häufig eine Fußnote mit der alternativen Wiedergabe (1Mo 16:7; 32:3; Hi 4:18, Fn.; 33:23, Fn.; Pr 5:6, Fn.; Jes 63:9, Fn.; Mat 1:20; Jak 2:25; Off 22:8; siehe Worterklärungen). In der hochsymbolischen Offenbarung könnten mit dem Wort „Engel“ an bestimmten Stellen auch Menschen gemeint sein (Off 2:1, 8, 12, 18; 3:1, 7, 14).

wie das Gesicht eines Engels: Sowohl der hebräische als auch der griechische Begriff, der mit „Engel“ übersetzt wird, bedeutet „Bote“. (Siehe Anm. zu Joh 1:51.) Da Engel Botschaften von Gott überbringen, haben sie allen Grund, furchtlos und gelassen zu sein – sie sind sich sicher, dass sie von Gott unterstützt werden. Stephanus hatte den Gesichtsausdruck eines Boten Gottes. In seinem Gesicht war keine Spur von Schuldbewusstsein zu sehen. Er war ganz ruhig und gelassen. Seine Züge verrieten sein Vertrauen, dass Jehova, „der Gott der Herrlichkeit“, hinter ihm stand (Apg 7:2).

Medien

Die Inschrift des Theodotos für Griechisch sprechende Juden
Die Inschrift des Theodotos für Griechisch sprechende Juden

Die hier abgebildete Theodotos-Inschrift befindet sich auf einer 72 cm x 42 cm großen Kalksteinplatte. Sie wurde Anfang des 20. Jh. auf dem Ophel, einem Hügel in Jerusalem, entdeckt. Der in Griechisch verfasste Text sagt über den Priester Theodotos (auch Theodotus): „[Er] erbaute die(se) Synagoge zur Vorlesung des Gesetzes und zum Unterricht in den Geboten“. Die Inschrift wird in die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems 70 u. Z. datiert. Sie belegt, dass sich im 1. Jh. in Jerusalem Griechisch sprechende Juden aufhielten (Apg 6:1). Wie einige vermuten, könnte es sich bei der Synagoge um die „sogenannte Synagoge der Freigelassenen“ gehandelt haben (Apg 6:9). Die Inschrift erwähnt außerdem, dass Theodotos genauso wie sein Vater und Großvater den Titel archisynágōgos („Synagogen­vorsteher“) trug. Dieser Titel kommt in den Christlichen Griechischen Schriften mehrmals vor (Mar 5:35; Luk 8:49; Apg 13:15; 18:8, 17). Laut der Inschrift baute Theodotos ein Gästehaus für Besucher aus dem Ausland. Wahrscheinlich wurde es von Juden genutzt, die vor allem zu den jährlichen Festen nach Jerusalem kamen (Apg 2:5).

Antiochia in Syrien
Antiochia in Syrien

Das Bild zeigt Antakya in der heutigen Türkei. In der Antike hieß die Stadt Antiochia. Sie war die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Antiochia soll im 1. Jh. nach Rom und Alexandria die größte Stadt der römischen Welt gewesen sein. Schätzungen zufolge lebten dort mindestens 250 000 Menschen. Einige Jünger von Jesus kamen nach Antiochia, nachdem ein wütender Mob Stephanus ermordet hatte und eine Verfolgungswelle gegen Jesu Nachfolger losgebrochen war. Sie machten unter der Griechisch sprechenden Bevölkerung die gute Botschaft mit großem Erfolg bekannt (Apg 11:19-21). Später nutzte der Apostel Paulus Antiochia als Ausgangspunkt für seine Missionsreisen. Und „in Antiochia war es auch, dass die Jünger durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt wurden“ (Apg 11:26). Das syrische Antiochia ist nicht mit dem Antiochia in Pisidien (Zentraltürkei) zu verwechseln, das in Apg 13:14; 14:19, 21 und 2Ti 3:11 erwähnt wird.