Apostel­geschichte 4:1-37

4  Während die beiden zum Volk sprachen, kamen die Priester, der Hauptmann der Tempelwache+ und die Sadduzạ̈er+ auf sie zu.  Sie waren verärgert, weil die Apostel das Volk lehrten und die Auferstehung Jesu von den Toten offen verkündeten*.+  Also ergriffen sie* die beiden und nahmen sie bis zum nächsten Tag in Haft,+ denn es war schon Abend.  Doch viele von denen, die der Rede zugehört hatten, wurden gläubig, und die Zahl der Männer belief sich auf etwa 5000.+  Am nächsten Tag versammelten sich ihre Vorsteher, Ältesten und Schrift­gelehrten in Jerusalem,  auch der Oberpriester Ạnnas+ sowie Kaiphas,+ Johạnnes, Alexander und alle Verwandten des Oberpriesters.  Sie ließen Petrus und Johạnnes in ihre Mitte bringen und begannen sie zu befragen: „Durch welche Kraft oder in wessen Namen habt ihr dies getan?“+  Darauf sagte Petrus, mit heiligem Geist erfüllt,+ zu ihnen: „Ihr Vorsteher des Volkes und ihr Ältesten!  Wir werden heute wegen einer guten Tat an einem gelähmten Menschen+ verhört, und ihr wollt wissen, wer diesen Mann gesund gemacht* hat. 10  Deshalb sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: Im Namen von Jesus Christus, dem Nazarẹner,+ den ihr an einem Pfahl hingerichtet habt,+ den Gott aber von den Toten auferweckt hat,+ ja durch ihn* steht dieser Mann hier gesund vor euch. 11  Er ist ‚der Stein, der von euch Bauleuten mit Verachtung behandelt wurde, der aber zum Haupteckstein geworden ist‘.+ 12  Außerdem kommt durch keinen anderen Rettung, denn es gibt keinen anderen Namen+ unter dem Himmel, der den Menschen gegeben worden ist, durch den wir gerettet werden sollen.“+ 13  Als sie nun sahen, wie offen Petrus und Johạnnes redeten, und merkten, dass sie gewöhnliche Leute ohne besondere Bildung waren,+ wunderten sie sich. Auch erkannten sie, dass sie mit Jesus zusammen gewesen waren.+ 14  Da sie den geheilten Mann bei ihnen stehen sahen,+ wussten sie nicht, was sie darauf antworten sollten.+ 15  Daher schickten sie sie aus dem Saal des Sanhedrịns hinaus und begannen, sich miteinander zu beraten. 16  Sie sagten: „Was sollen wir mit diesen Leuten tun?+ Tatsache ist ja, dass durch sie ein bemerkenswertes Zeichen geschehen ist, das für alle Einwohner Jerusalems deutlich sichtbar ist,+ und wir können es nicht leugnen. 17  Damit sich das unter dem Volk nicht weiter ausbreitet, müssen wir ihnen drohen und ihnen verbieten, mit irgendjemandem unter Berufung auf diesen Namen zu reden.“+ 18  Darauf rief man sie und befahl ihnen, auf keinen Fall etwas unter Berufung auf den Namen Jesu zu sagen oder zu lehren. 19  Petrus und Johạnnes erwiderten ihnen jedoch: „Ob es in den Augen Gottes richtig ist, auf euch zu hören statt auf Gott, das beurteilt selbst.+ 20  Wir aber können nicht aufhören, über das zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ 21  Nachdem man ihnen weiter gedroht hatte, ließ man sie frei, weil man keinen Grund fand, sie zu bestrafen, und wegen des Volkes,+ denn alle verherrlichten Gott wegen des Geschehenen. 22  Immerhin war der Mann, der durch dieses Wunder geheilt worden war, über 40 Jahre alt. 23  Nach ihrer Freilassung gingen sie zu den anderen Jüngern* und berichteten, was die Oberpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. 24  Als sie das hörten, beteten sie vereint zu Gott und sagten: „Souveräner Herr, du hast den Himmel und die Erde und das Meer gemacht und alles, was dazugehört,+ 25  und du hast durch heiligen Geist durch den Mund unseres Vorfahren David,+ deines Dieners, gesagt: ‚Warum sind die Nationen in Aufruhr geraten und haben die Völker über Leeres nachgedacht? 26  Die Könige der Erde stellten sich auf und die Herrscher vereinten sich gegen Jehova und gegen seinen Gesalbten.‘+ 27  Und tatsächlich haben sich sowohl Herodes als auch Pọntius Pilạtus+ in dieser Stadt mit Menschen anderer Nationen und mit Völkern Israels gegen deinen heiligen Diener Jesus, den du gesalbt hast,+ zusammengetan, 28  um auszuführen, was durch deine Macht* und deinen Beschluss im Voraus festgelegt wurde.+ 29  Und nun, Jehova, beachte ihre Drohungen und gewähre uns, deinen Sklaven, weiter mutig und offen über dein Wort zu sprechen, 30  während du deine Hand zum Heilen ausstreckst und durch den Namen deines heiligen Dieners Jesus+ Zeichen und Wunder geschehen.“+ 31  Und als sie flehentlich gebetet hatten, wurde der Ort, wo sie versammelt waren, erschüttert, und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt+ und sprachen mutig und offen über das Wort Gottes.+ 32  Auch waren die vielen, die glaubten, ein Herz und eine Seele. Kein Einziger von ihnen betrachtete irgendetwas von seinem Besitz als sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.+ 33  Die Apostel bezeugten weiter mit großer Kraft die Auferstehung des Herrn Jesus+ und auf ihnen allen ruhte unverdiente Güte in hohem Maß. 34  Tatsächlich litt keiner unter ihnen Not,+ denn alle, die Felder oder Häuser besaßen, verkauften sie und brachten den Erlös 35  und legten ihn den Aposteln zu Füßen.+ Darauf erhielt jeder entsprechend seinen Bedürfnissen einen Teil.+ 36  Auch Joseph, den die Apostel Bạrnabas+ nannten (was übersetzt „Sohn des Trostes“ bedeutet), ein Levịt, der aus Zypern stammte, 37  besaß ein Stück Land. Er verkaufte es, brachte das Geld zu den Aposteln und legte es ihnen zu Füßen.+

Fußnoten

Oder „im Fall Jesu die Auferstehung von den Toten offen verkündeten“.
Wtl. „legten sie Hand an“.
Oder „gerettet“.
Evtl. auch „in diesem Namen“.
Wtl. „den Ihrigen“.
Wtl. „Hand“.

Studienanmerkungen

Hauptleuten der Tempelwache: Im griechischen Text steht hier nur das Wort für „Hauptleute“, doch in Luk 22:52 steht wörtlich „Hauptleute des Tempels“. Daher wurde hier zum besseren Verständnis das Wort „Tempelwache“ hinzugefügt. Diese Beamten werden nur von Lukas erwähnt (Apg 4:1; 5:24, 26). Womöglich zog man sie bei dem Gespräch mit Judas hinzu, um der geplanten Verhaftung von Jesus einen legalen Anstrich zu geben.

die beiden: Wtl. „sie“, d. h. Petrus und Johannes.

Hauptmann der Tempelwache: Dieser Hauptmann wird auch in Apg 5:24, 26 erwähnt. Im 1. Jh. u. Z. wurde dieses offizielle Amt von einem Priester ausgeübt, der rangmäßig gleich nach dem Hohen Priester kam. Der Hauptmann der Tempelwache hatte die Aufsicht über die Priester, die den Tempeldienst verrichteten. Mithilfe einer Art Tempelpolizei, bestehend aus Leviten, erhielt er außerdem die Ordnung im Tempelbereich aufrecht. Die ihm unterstehenden Hauptmänner hatten die Aufsicht über die Leviten, die morgens und abends die Tempeltore öffneten und schlossen, für den Schutz des Tempelvermögens zuständig waren, unter den Tempelbesuchern für Ruhe und Ordnung sorgten und sicherstellten, dass niemand unbefugt bestimmte Bereiche betrat. Die Leviten waren in 24 Gruppen aufgeteilt, die der Reihe nach zweimal im Jahr jeweils eine Woche lang Dienst im Tempel verrichteten. Jede Gruppe hatte wahrscheinlich einen eigenen Hauptmann, der wiederum dem Hauptmann der Tempelwache unterstand. Die Tempelhauptleute waren einflussreiche Männer. Sie werden zusammen mit den Oberpriestern erwähnt, die ein Mordkomplott gegen Jesus schmiedeten. In der Nacht von Jesu Verrat kamen sie mit ihren Leuten, um ihn festzunehmen (Luk 22:4, Anm.52).

Ältesten: Wtl. „älteren Männer“. Der griechische Ausdruck presbýteros bezeichnet in der Bibel in erster Linie Personen, die in einer Gemeinschaft oder einem Volk eine mit Autorität und Verantwortung verbundene Stellung innehaben. presbýteros hat zwar manchmal mit dem buchstäblichen Alter zu tun (z. B. „älterer Sohn“ in Luk 15:25 und „alte Männer“ in Apg 2:17), ist aber nicht auf ältere Personen beschränkt. In diesem Vers bezieht sich das Wort auf die Führer des jüdischen Volkes, die häufig zusammen mit den Oberpriestern und Schrift­gelehrten erwähnt werden. Der Sanhedrin war aus diesen drei Gruppen zusammengesetzt (Mat 21:23; 26:3, 47, 57; 27:1, 41; 28:12; siehe Worterklärungen zu „Ältester; älterer Mann“).

Ältesten: Siehe Anm. zu Mat 16:21.

zur Zeit von Annas, dem Oberpriester, und Kaiphas: Bei der zeitlichen Einordnung, wann Johannes der Täufer seinen Dienst begann, bezieht sich Lukas auf die Zeit, als die jüdische Priesterschaft von zwei mächtigen Männern dominiert wurde. Annas wurde 6 oder 7 u. Z. von Quirinius, dem römischen Statthalter von Syrien, als Hoher Priester eingesetzt und hatte dieses Amt bis um das Jahr 15 u. Z. inne. Selbst nachdem er von den Römern abgesetzt worden war und den offiziellen Amtstitel nicht mehr führte, übte er als ehemaliger Hoher Priester und tonangebende Stimme der jüdischen Hierarchie offensichtlich weiter große Macht und erheblichen Einfluss aus. Fünf seiner Söhne amtierten ebenfalls als Hoher Priester, und sein Schwiegersohn Kaiphas hatte dieses Amt von etwa 18 bis etwa 36 u. Z. inne. Annas konnte also aufgrund seiner einflussreichen Stellung zu Recht als „Oberpriester“ bezeichnet werden, auch wenn im Jahr 29 Kaiphas der Hohe Priester war (Joh 18:13, 24; Apg 4:6).

Oberpriester Annas: Annas wurde 6 oder 7 u. Z. von Quirinius, dem römischen Statthalter von Syrien, als Hoher Priester eingesetzt und hatte dieses Amt bis um das Jahr 15 u. Z. inne. Selbst nachdem er von den Römern abgesetzt worden war und den offiziellen Amtstitel nicht mehr führte, hatte er als ehemaliger Hoher Priester und tonangebende Stimme der jüdischen Hierarchie offensichtlich weiter große Macht und erheblichen Einfluss. Fünf seiner Söhne amtierten ebenfalls als Hoher Priester, und sein Schwiegersohn Kaiphas hatte dieses Amt von etwa 18 bis 36 u. Z. inne. (Siehe Anm. zu Luk 3:2.) In Joh 18:13, 19 wird Annas als „Oberpriester“ bezeichnet. Das entsprechende griechische Wort archiereus kann sich sowohl auf den gerade amtierenden Hohen Priester beziehen als auch auf andere prominente Priester, wie z. B. abgesetzte Hohe Priester. (Siehe Worterklärungen zu „Oberpriester“.)

Kaiphas: Dieser von Rom eingesetzte Hohe Priester war ein geschickter Diplomat. Er war von etwa 18 bis 36 u. Z. im Amt und damit länger Hoher Priester als alle seine unmittelbaren Vorgänger. Kaiphas war derjenige, der Jesus verhörte und zu Pilatus brachte (Mat 26:3, 57; Joh 11:49; 18:13, 14, 24, 28). In der Apostel­geschichte wird er nur hier namentlich erwähnt. Ansonsten wird er als „der Hohe Priester“ bezeichnet (Apg 5:17, 21, 27; 7:1; 9:1).

der Nazarener: Ein beschreibender Beiname, der für Jesus und später auch für seine Nachfolger verwendet wurde (Apg 24:5). Da viele Juden Jesus hießen, hatten sie oft einen Zusatz zu ihrem Namen. In biblischer Zeit war es üblich, jemand mit dem Ort, aus dem er kam, in Verbindung zu bringen (2Sa 3:2, 3; 17:27; 23:25-39; Nah 1:1; Apg 13:1; 21:29). Jesus verbrachte den Großteil seines irdischen Lebens in der Stadt Nazareth in Galiläa. Daher war es ganz natürlich, dass man ihn „Nazarener“ nannte. Diese Bezeichnung gebrauchten verschiedene Personen in den unterschied­lichsten Situationen (Mar 1:23, 24; 10:46, 47; 14:66-69; 16:5, 6; Luk 24:13-19; Joh 18:1-7). Jesus hatte nichts dagegen und verwendete auch selbst diesen Beinamen (Joh 18:5-8; Apg 22:6-8). Auf dem Schild, das Pilatus an Jesu Marterpfahl anbringen ließ, stand in Hebräisch, Lateinisch und Griechisch: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“ (Joh 19:19, 20). Ab Pfingsten 33 sprachen die Apostel und andere oft von „Jesus, dem Nazarener“ oder von „Jesus aus Nazareth“ (Apg 2:22; 3:6; 4:10; 6:14; 10:38; 26:9; siehe auch Anm. zu Mat 2:23).

an einem Pfahl hingerichtet wird: Oder „an einem Pfahl (Stamm) befestigt wird“. Das ist die erste von über 40 Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften, wo das Verb stauróō vorkommt. Das entsprechende griechische Substantiv staurós wird mit „Marterpfahl“ wiedergegeben. (Siehe Anm. zu Mat 10:38; 16:24; 27:32 und Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“.) Die Septuaginta verwendet das Verb stauróō in Est 7:9 in Verbindung mit dem Befehl, Haman an einen mehr als 20 m hohen Stamm zu hängen. Im klassischen Griechisch bedeutet stauróō „Pfähle einschlagen“, „mit Pfählen einzäunen“, „ein Pfahlwerk (eine Palisade) errichten“.

dem Nazarener: Siehe Anm. zu Mar 10:47.

an einem Pfahl hingerichtet: Oder „an einem Pfahl (Stamm) befestigt“. (Siehe Anm. zu Mat 20:19 und Worterklärungen zu „Pfahl; Stamm“; „Marterpfahl“.)

Haupteckstein: Oder „wichtigsten Stein“. Sowohl der hebräische Ausdruck in Ps 118:22 als auch der hier verwendete griechische Ausdruck bedeuten wtl. „Kopf der Ecke“. Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze, was damit gemeint sein könnte. Allem Anschein nach geht es um den Stein, der ganz oben auf zwei miteinander verbundene Mauern gesetzt wurde, um der Verbindung Stabilität zu verleihen. Jesus wandte die Prophezeiung über den Haupteckstein auf sich selbst an. Wie der Schlussstein bei einem Gebäude bildet Jesus Christus den wichtigsten und damit krönenden Stein der Versammlung gesalbter Christen, die mit einem Tempel verglichen wird.

Haupteckstein: Siehe Anm. zu Mat 21:42.

offen … redeten: Oder „freimütig (mutig) … redeten“. Im Griechischen steht hier das Substantiv parrēsía, das an anderer Stelle mit „Offenheit“ und „Vertrauen“ bzw. „Freimut zu reden“ übersetzt wird (Apg 28:31; 1Jo 5:14, Fn.). Dieses Substantiv und auch das verwandte Verb parrēsiázomai, das unter anderem mit „mutig und offen sprechen“ oder „freiheraus sagen“ wiedergegeben wird, kommen in der Apostel­geschichte immer wieder vor (Apg 4:29, 31; 9:27, 28; 13:46; 14:3; 18:26; 19:8; 26:26). Das zeigt, dass das mutige und offene Predigen ein Markenzeichen der ersten Christen war.

Leute ohne besondere Bildung: Oder „ungelehrte Leute“. Das griechische Adjektiv agrámmatos („ungelehrt“, „ungebildet“) kann Analphabeten bezeichnen, doch hier geht es wahrscheinlich darum, keine Ausbildung an einer der Rabbinerschulen vorweisen zu können. Allem Anschein nach konnten im 1. Jh. die meisten Juden lesen und schreiben, zumal in vielen Synagogen auch unterrichtet wurde. Genauso wie Jesus hatten Petrus und Johannes allerdings an keiner der Rabbinerschulen studiert. (Vgl. Joh 7:15.) Die religiöse Elite jener Zeit vertrat die Ansicht, dass man nur in diesen Schulen eine fundierte religiöse Bildung erhalten konnte. Daher waren die Sadduzäer und die Pharisäer zweifellos der Meinung, dass Petrus und Johannes nicht die nötigen Qualifikationen besaßen, um andere zu lehren oder das Gesetz auszulegen. Hinzu kam: Die beiden Jünger stammten aus Galiläa, wo die meisten Leute Bauern, Hirten oder Fischer waren. Die Religionsführer und auch allgemein die Menschen in Jerusalem und Judäa blickten offenbar auf die Galiläer herab (Joh 7:45-52; Apg 2:7); sie betrachteten Petrus und Johannes als „gewöhnliche Leute ohne besondere Bildung“. Doch Gott dachte anders über sie (1Ko 1:26-29; 2Ko 3:5, 6; Jak 2:5). Jesus hatte sie und seine anderen Jünger umfassend unterrichtet und geschult (Mat 10:1-42; Mar 6:7-13; Luk 8:1; 9:1-5; 10:1-42; 11:52). Nach seiner Auferstehung setzte er mithilfe des heiligen Geistes ihre Schulung fort (Joh 14:26; 16:13; 1Jo 2:27).

in den Saal des Sanhedrins: Wtl. „in ihren Sanhedrin“. Der Sanhedrin war der Hohe Rat der Juden in Jerusalem. Das mit „Saal des Sanhedrins“ oder „Sanhedrin“ wiedergegebene griechische Substantiv synédrion bedeutet wtl. „Zusammensitzen“. synédrion war an sich ein allgemeiner Begriff für eine Versammlung oder Zusammenkunft, konnte sich in Israel aber auch auf ein religiöses Gericht beziehen. Es konnte sowohl die Personen bezeichnen, aus denen sich das Gericht zusammensetzte, als auch das Gebäude oder den Ort, wo das Gericht tagte. (Siehe Anm. zu Mat 5:22 und Worterklärungen zu „Sanhedrin“; siehe auch Anh. B12 zur möglichen Lage des Saals des Sanhedrins.)

Saal des Sanhedrins: Oder „Sanhedrin“. (Siehe Anm. zu Luk 22:66.)

Wunder: Oder „Zeichen“. Hier bezieht sich das griechische Wort sēméion, das oft mit „Zeichen“ wiedergegeben wird, auf ein Wunder, das ein Zeichen für göttliche Unterstützung ist.

Souveräner Herr: Das entsprechende griechische Wort despótēs hat die Grundbedeutung von „Herr“, „Gebieter“, „Besitzer“ (1Ti 6:1; Tit 2:9; 1Pe 2:18). Wenn es wie hier und in Luk 2:29 und Off 6:10 als direkte Anrede Gottes gebraucht wird, ist es mit „Souveräner Herr“ übersetzt worden, um seine Erhabenheit als Herr zu betonen. Andere Bibel­übersetzungen verwenden Wiedergaben wie „allmächtiger Herr“, „alleiniger (unumschränkter, großer) Herrscher“ oder „Gebieter“. Einige Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische verwenden in diesem Vers das Wort ’Adhonáj („Souveräner Herr“), mindestens eine enthält im vorliegenden Vers sogar das Tetragramm.

den Christus: Der Titel „Christus“ ist von dem griechischen Wort christós abgeleitet und entspricht dem Titel „Messias“ (von hebräisch maschíach). Beides bedeutet „Gesalbter“. (Siehe Anm. zu Mat 1:1 und zu den Christus Jehovas im vorliegenden Vers.)

den Messias: Oder „den Gesalbten“. Das griechische Wort Messías (eine Transkription von dem hebräischen Wort maschíach) kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur zwei Mal vor. (Siehe Joh 4:25.) maschíach ist von dem hebräischen Verb maschách abgeleitet, das „bestreichen“, „einreiben“ oder „salben“ bedeutet (2Mo 29:2; 3Mo 8:12). In biblischer Zeit wurden Priester, Könige und Propheten in einer Zeremonie mit Öl gesalbt (3Mo 4:3; 1Sa 16:3, 12, 13; 1Kö 19:16). Hier in Joh 1:41 folgt auf den Titel „Messias“ die Erklärung: was übersetzt „Christus“ bedeutet. Der Titel „Christus“ (griechisch Christós) kommt in den Christlichen Griechischen Schriften über 500 Mal vor und bedeutet wie Messias „Gesalbter“. (Siehe Anm. zu Mat 1:1.)

den du gesalbt hast: Oder „den du zum Christus (Messias) gemacht hast“. Hier steht im Griechischen das Verb chríō („salben“), von dem der Titel Christós („Christus“) abgeleitet ist. Grundsätzlich bedeutet es, über jemanden Öl auszugießen. In den Christlichen Griechischen Schriften wird es nur bildhaft und im religiösen Sinn gebraucht: Es beschreibt, dass Gott eine Person für eine besondere Aufgabe auswählt, die unter seiner Leitung ausgeführt werden soll. chríō erscheint außerdem in Luk 4:18, Apg 10:38, 2Ko 1:21 und Heb 1:9. Wenn es um das tatsächliche Einreiben des Körpers mit Öl oder Salbe geht, z. B. nach dem Waschen, als Heilmittel oder bei der Vorbereitung eines Leichnams für die Beisetzung, wird das Verb aléiphō gebraucht (Mat 6:17; Mar 6:13; 16:1; Luk 7:38, 46; Jak 5:14).

Jehova: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ps 2:2. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.)

seinen Gesalbten: Oder „seinen Christus“, „seinen Messias“. Im Griechischen steht hier das Wort christós, wovon der Titel „Christus“ abgeleitet ist. In Ps 2:2, woraus hier zitiert wird, steht das entsprechende hebräische Wort maschíach („Gesalbter“), von dem sich der Titel „Messias“ herleitet. (Siehe Anm. zu Luk 2:26; Joh 1:41; Apg 4:27.)

den du gesalbt hast: Oder „den du zum Christus (Messias) gemacht hast“. Hier steht im Griechischen das Verb chríō („salben“), von dem der Titel Christós („Christus“) abgeleitet ist. Grundsätzlich bedeutet es, über jemanden Öl auszugießen. In den Christlichen Griechischen Schriften wird es nur bildhaft und im religiösen Sinn gebraucht: Es beschreibt, dass Gott eine Person für eine besondere Aufgabe auswählt, die unter seiner Leitung ausgeführt werden soll. chríō erscheint außerdem in Luk 4:18, Apg 10:38, 2Ko 1:21 und Heb 1:9. Wenn es um das tatsächliche Einreiben des Körpers mit Öl oder Salbe geht, z. B. nach dem Waschen, als Heilmittel oder bei der Vorbereitung eines Leichnams für die Beisetzung, wird das Verb aléiphō gebraucht (Mat 6:17; Mar 6:13; 16:1; Luk 7:38, 46; Jak 5:14).

Jehova: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ps 2:2. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.)

Jehova: In erhalten gebliebenen griechischen Handschriften steht hier kýrios („Herr“), doch es spricht einiges dafür, im Haupttext den Gottesnamen zu verwenden. Der Kontext zeigt, dass es sich um ein Gebet an den „Souveränen Herrn“ handelt (Apg 4:24b). „Souveräner Herr“ gibt das griechische Wort despótēs wieder und wird auch in Lukas 2:29 in einem Gebet als Anrede für Gott gebraucht. Jesus wird in dem Gebet der Jünger hier in Apostel­geschichte als „dein heiliger Diener“ bezeichnet (Apg 4:27, 30). Außerdem enthält das Gebet ein Zitat aus Ps 2:1, 2, wo der Gottesname vorkommt. (Siehe Anm. zu Apg 4:26.) Darüber hinaus ähnelt die Formulierung „beachte ihre Drohungen“ (die Drohungen des Sanhedrins) Formulierungen aus Gebeten in den Hebräischen Schriften, in denen der Gottesname erscheint. Beispiele dafür sind in 2Kö 19:16, 19 und Jes 37:17, 20 zu finden. (Siehe Anh. C3, Einleitung, Apg 4:29.)

Wunder: Oder „Vorzeichen“. In den Christlichen Griechischen Schriften wird das entsprechende Wort téras durchweg in Kombination mit sēméion („Zeichen“) verwendet, wobei beide Wörter immer im Plural stehen (Mat 24:24; Joh 4:48; Apg 7:36; 14:3; 15:12; 2Ko 12:12). téras bezeichnet grundsätzlich alles, was Ehrfurcht oder Staunen hervorruft. Wenn der Begriff ganz klar auf ein Ereignis in der Zukunft hindeutet, wird in einer Studienanmerkung die Wiedergabe „Vorzeichen“ als Alternative angegeben.

Wunder: Oder „Vorzeichen“. (Siehe Anm. zu Apg 2:19.)

flehentlich gebetet: Oder „eindringlich (inständig) gebetet“. Das griechische Verb déomai beschreibt ein eindringliches, von starken Emotionen begleitetes Beten. Unter dem verwandten Substantiv déēsis versteht man eindringliches, demütiges Bitten oder Anflehen. In den Christlichen Griechischen Schriften wird es ausschließlich für an Gott gerichtete Gebete verwendet. Selbst Jesus „brachte … Flehen und auch Bitten mit starkem Schreien und Tränen vor dem dar, der ihn aus dem Tod retten konnte“ (Heb 5:7). Im Griechischen steht in Heb 5:7 das Wort für „Flehen“ im Plural, was darauf hindeutet, dass Jesus Jehova mehr als einmal anflehte. Im Garten Gethsemane betete er mehrmals hintereinander inständig zu Gott (Mat 26:36-44; Luk 22:32).

das Wort Gottes: Diese Wortkombination ist in der Apostel­geschichte oft zu finden (Apg 6:2, 7; 8:14; 11:1; 13:5, 7, 46; 17:13; 18:11). Hier bezieht sie sich auf die christliche Botschaft, die von Jehova Gott stammt und die zentrale Rolle herausstellt, die Jesus Christus in Gottes Vorhaben spielt.

waren … ein Herz und eine Seele: Diese Wendung beschreibt die Einheit und Harmonie, die unter den Tausenden von Gläubigen herrschte. Der Ausdruck „mit einer Seele“ ist im griechischen Text in Php 1:27 zu finden; er kann dort auch mit „geschlossen“, „einmütig“ oder „wie ein Mann“ wiedergegeben werden. Im hebräischen Text findet man in 1Ch 12:38 und 2Ch 30:12 (vgl. Fnn.) die Wendung „eines Herzens sein“, die Einigkeit ausdrückt. Die beiden Wörter „Herz“ und „Seele“ werden in den Hebräischen Schriften auch oft zusammen erwähnt und stehen dann für den gesamten inneren Menschen (5Mo 4:29; 6:5; 10:12; 11:13; 26:16; 30:2, 6, 10). Die griechische Wendung wird im vorliegenden Vers ähnlich verwendet und könnte auch so wiedergegeben werden: „stimmten … in ihrem Denken und ihren Zielen völlig überein“. Genau darum hatte Jesus gebetet: dass seine Nachfolger trotz aller Unterschiede eine Einheit bilden (Joh 17:21).

Sohn des: In Hebräisch, Aramäisch und Griechisch kann man eine Person als „Sohn“ von jemandem (oder etwas) bezeichnen, wenn man ein bestimmtes, für sie charakteristisches Merkmal hervorheben möchte. Das Gleiche gilt auch für eine Personengruppe. In 5Mo 3:18 beispielsweise ist von „tapferen Männern“ oder mutigen Kriegern die Rede, die im Hebräischen wtl. „Söhne der Kriegsfähigkeit“ genannt werden. Die Bezeichnung „Bewohner des Ostens“ in Hi 1:3 heißt wtl. „Söhne des Ostens“. Und der Ausdruck „nutzloser Mensch“ in 1Sa 25:17 gibt die hebräische Wendung „Sohn des Belial (Nichtsnutzes)“ wieder. In den Christlichen Griechischen Schriften gibt es für Personen, die ein bestimmtes Merkmal aufweisen oder ein spezielles Verhalten an den Tag legen, Bezeichnungen wie „Söhne des Höchsten“, „Söhne des Lichts“ und „Söhne des Tages“ (Luk 6:35; 1Th 5:5).

Sohn des Trostes: Oder „Sohn der Ermutigung“. Das ist die Übersetzung von Barnabas, dem Beinamen, den der Jünger Joseph erhielt. Da viele Juden Joseph hießen, könnten ihm die Apostel diesen Beinamen aus praktischen Gründen gegeben haben. (Vgl. Apg 1:23.) Wie in der Anm. zu Sohn des erklärt wird, bezeichnete man manchmal jemand als „Sohn“ von jemandem (oder etwas), um ein bestimmtes, für ihn charakteristisches Merkmal hervorzuheben. Der Beiname „Sohn des Trostes“ ging offenbar darauf zurück, dass Joseph andere besonders gut trösten und ihnen Mut machen konnte. Lukas berichtet, dass er nach Syrien zu der Versammlung in Antiochia geschickt wurde und dort „begann alle zu ermutigen“ (Apg 11:22, 23). Das mit „ermutigen“ übersetzte griechische Verb parakaléō ist mit dem Wort für „Trost“ (paráklēsis) verwandt, das im vorliegenden Vers steht. (Siehe Anm. zu Sohn des in diesem Vers.)

Medien

Der Sanhedrin
Der Sanhedrin

Der jüdische Hohe Rat oder Große Sanhedrin setzte sich aus 71 Mitgliedern zusammen und hatte seinen Sitz in Jerusalem. (Siehe Worterklärungen zu „Sanhedrin“.) Gemäß der Mischna waren die Plätze in drei Reihen halbkreisförmig angeordnet. Die Beschlüsse des Rates wurden von zwei Schreibern festgehalten. Die Abbildung stützt sich zum Teil auf die Überreste eines Gebäudes, die man in Jerusalem entdeckt hat. Manche nehmen an, in dem Gebäude habe sich im 1. Jh. der Saal des Hohen Rates befunden. (Siehe Anh. B12, Karte „Jerusalem und Umgebung“.)

(1) Hoher Priester

(2) Mitglieder des Sanhedrins

(3) Angeklagter

(4) Gerichtsschreiber