Apostel­geschichte 28:1-31

28  Nachdem wir uns in Sicherheit gebracht hatten, erfuhren wir, dass die Insel Malta hieß.+  Die Inselbewohner waren außerordentlich freundlich zu uns. Da es zu regnen begonnen hatte und kalt war,+ zündeten sie ein Feuer an und nahmen uns alle freundlich auf.  Als Paulus ein Bündel Reisig zusammenraffte und aufs Feuer legte, kam wegen der Hitze eine Otter heraus und biss sich an seiner Hand fest.  Beim Anblick des giftigen Tieres, das an seiner Hand hing, begannen die Inselbewohner zueinander zu sagen: „Dieser Mensch ist bestimmt ein Mörder. Er konnte sich zwar aus dem Meer in Sicherheit bringen, aber die Gerechtigkeit hat es nicht zugelassen, dass er am Leben bleibt.“  Doch er schüttelte das Tier ins Feuer ab und erlitt keinen Schaden.  Sie erwarteten nun, dass eine Schwellung bei ihm auftreten oder er plötzlich tot umfallen würde. Nachdem sie eine ganze Zeit lang gewartet hatten und sahen, dass ihm nichts Schlimmes passierte, änderten sie ihre Meinung und begannen zu sagen, er sei ein Gott.+  In der Nähe dieses Ortes lagen Ländereien, die Pụblius gehörten, dem führenden Mann* der Insel. Er hieß uns willkommen und erwies uns drei Tage Gastfreundschaft.  Der Vater von Pụblius lag zu der Zeit mit Fieber und Ruhr im Bett. Paulus ging zu ihm hinein, betete, legte ihm die Hände auf und machte ihn gesund.+  Daraufhin begannen auch die anderen Kranken auf der Insel zu ihm zu kommen und wurden geheilt.+ 10  Sie ehrten uns auch mit vielen Geschenken, und bei der Abfahrt bepackten sie uns mit allem, was wir brauchten. 11  Drei Monate später segelten wir mit einem Schiff ab, das aus Alexạndria kam und auf der Insel überwintert hatte. Es hatte als Galionsfigur die „Söhne von Zeus“. 12  Wir liefen im Hafen von Syrakụs ein und blieben drei Tage dort. 13  Dann fuhren wir weiter bis Rhẹgion. Tags darauf kam ein Südwind auf und wir erreichten am zweiten Tag Putẹoli. 14  Hier trafen wir Brüder, die uns eindringlich baten, sieben Tage bei ihnen zu bleiben. Und so ging es weiter in Richtung Rom. 15  Die Brüder dort hörten von uns und kamen uns bis zum Marktplatz des Ạppius und zu den Drei Schenken entgegen. Als Paulus sie sah, dankte er Gott und bekam neuen Mut.+ 16  Nachdem wir in Rom angekommen waren, durfte Paulus mit dem Soldaten, der ihn bewachte, für sich bleiben. 17  Drei Tage später rief er dann die führenden Männer der Juden zusammen. Als sie sich versammelt hatten, sagte er zu ihnen: „Männer, Brüder! Obwohl ich nichts gegen das Volk oder die Bräuche unserer Vorfahren getan habe,+ bin ich als Gefangener von Jerusalem in die Hände der Römer ausgeliefert worden.+ 18  Nachdem diese mich verhört hatten,+ wollten sie mich freilassen, denn es lag nichts vor, weshalb sie mich hätten töten können.+ 19  Die Juden erhoben jedoch Einspruch dagegen, und so sah ich mich gezwungen, bei Cäsar Berufung einzulegen+ – aber nicht, um mein Volk wegen irgendetwas anzuklagen. 20  Deswegen habe ich darum gebeten, euch zu sehen und zu sprechen, denn wegen der Hoffnung Israels umgibt mich diese Kette.“+ 21  Sie sagten zu ihm: „Wir haben aus Judạ̈a keine Briefe über dich erhalten, und es hat auch keiner der Brüder, die von dort kamen, etwas Schlechtes über dich berichtet oder gesagt. 22  Wir halten es aber für angebracht, zu hören, was du denkst, denn tatsächlich ist uns von dieser Sekte+ bekannt, dass ihr überall widersprochen wird.“+ 23  Sie verabredeten dann einen Tag, an dem sie sich mit ihm treffen wollten, und kamen in noch größerer Zahl zu ihm in seine Unterkunft. Von morgens bis abends erklärte er ihnen die Sache, indem er das Königreich Gottes gründlich bezeugte. Er versuchte, sie sowohl anhand des Gesetzes von Moses+ als auch der Propheten+ in Bezug auf Jesus zu überzeugen.+ 24  Einige begannen zu glauben, was er sagte, andere glaubten nicht. 25  Da sie sich nicht einig waren, gingen sie weg, während Paulus noch Folgendes bemerkte: „Treffend hat der heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vorfahren gesagt: 26  ‚Geh zu diesem Volk und sag: „Ihr werdet zwar hören, aber keinesfalls verstehen, ihr werdet zwar schauen, aber keinesfalls sehen.+ 27  Denn das Herz dieser Leute ist unempfänglich* geworden. Sie haben zwar mit ihren Ohren gehört, aber nicht reagiert, und sie haben ihre Augen verschlossen – sodass sie nicht etwa mit ihren Augen sehen und mit ihren Ohren hören und mit ihrem Herzen verstehen und umkehren und ich sie heile.“‘+ 28  Deshalb sollt ihr wissen, dass diese Rettung, die von Gott kommt, den anderen Völkern verkündet wird.+ Sie werden bestimmt darauf hören.“+ 29  –– 30  Er blieb zwei ganze Jahre dort in seinem eigenen gemieteten Haus+ und nahm alle freundlich auf, die zu ihm kamen. 31  Er predigte ihnen vom Königreich Gottes+ und lehrte sie ungehindert und mit aller Offenheit+ die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betrafen.

Fußnoten

Wtl. „dem Ersten“.
Wtl. „dick“, „fett“.

Studienanmerkungen

Adriatischen Meer: Zur Zeit von Paulus verstand man darunter ein größeres Gebiet als heute. Laut dem griechischen Geografen Strabo leitete sich der Name von einer Stadt ab, die an der Mündung des Po lag (am heutigen Golf von Venedig) und Atria hieß (Strabos Erdbeschreibung, 5, I, 8). Die heutige italienische Stadt Adria liegt nicht mehr direkt am Meer, sondern etwas von der Küste entfernt. Anscheinend bezeichnete man mit „Adria“ zunächst das Meer in der direkten Umgebung der antiken Stadt. Der Begriff wurde mit der Zeit auf ein immer größeres Gebiet angewandt, bis man darunter das heutige Adriatische Meer, das Ionische Meer sowie das Meer zwischen Sizilien (und Malta) im W und Kreta im O verstand. (Siehe Anh. B13.)

Malta: Im Griechischen steht hier der Name Melítē. Jahrhundertelang verstand man darunter die heutige Insel Malta. Im Lauf der Zeit haben jedoch einige Bibel­wissenschaftler andere Inseln in Betracht gezogen: z. B. eine Insel bei Korfu an der W-Küste von Griechenland oder – wegen der Ähnlichkeit des Namens – die Insel Meleda an der illyrischen Küste im Adriatischen Meer (heute Mljet vor Kroatien). Berücksichtigt man allerdings die Beschreibung der Reiseroute, ist es unwahrscheinlich, dass das Schiff die Richtung änderte und so weit nach N getrieben wurde. Starke Winde trieben das Schiff von Knidos (an der SW-Spitze Kleinasiens) Richtung S bis zur Südküste Kretas (Apg 27:7, 12, 13, 21). In dem Bericht heißt es zwar: „Wir trieben auf dem Adriatischen Meer hin und her“ (Apg 27:27), doch zur Zeit von Paulus verstand man unter dem Adriatischen Meer ein größeres Gebiet als heute. Es schloss auch das Ionische Meer ein sowie das Meer zwischen Sizilien im W und Kreta im O – also auch den Teil des Mittelmeers in der Nähe der heutigen Insel Malta. (Siehe Anm. zu Apg 27:27.) Da ein NO-Wind wehte – der Euroaquilo (Apg 27:14) –, ist es wahrscheinlich, dass das Schiff Richtung W getrieben wurde und schließlich südlich von Sizilien vor Malta Schiffbruch erlitt. (Siehe Anh. B13.)

Ausländern: Oder „Nichtgriechen“. Im Griechischen steht hier das Wort bárbaroi (Plural von bárbaros), das in einigen Bibel­übersetzungen mit „Barbaren“ wiedergegeben wird. Die Dopplung der Silbe „bar“ ist eine lautmalerische Nachahmung von Gestammel oder Wörtern, die man nicht versteht. Der Ausdruck war damals nicht abfällig gemeint. Man verstand darunter nicht wie heute unzivilisierte, rohe Menschen, sondern einfach Personen, die kein Griechisch sprachen. Mit diesem Wort unterschied man lediglich Griechen von Nichtgriechen. Jüdische Schreiber wie Josephus hatten nichts dagegen einzuwenden, von den Griechen als „Barbaren“ bezeichnet zu werden. Die Römer bezeichneten sich sogar selbst als Barbaren, bis sie die griechische Kultur übernahmen. Paulus verwendet hier also das Wort bárbaroi („Ausländer“) neben dem Wort „Griechen“ in einem ganz neutralen Sinn und schließt damit alle Menschen ein.

Inselbewohner: Oder „Leute, die nicht Griechisch sprachen“. Im Griechischen steht hier das Wort bárbaroi (Plural von bárbaros), das in einigen Bibel­übersetzungen mit „Barbaren“ wiedergegeben wird. Die Dopplung der Silbe „bar“ ist eine lautmalerische Nachahmung von Gestammel oder Wörtern, die man nicht versteht. Der Ausdruck war damals nicht abfällig gemeint. Man verstand darunter nicht wie heute unzivilisierte, rohe Menschen, sondern einfach Personen, die kein Griechisch sprachen. Mit diesem Wort unterschied man also Griechen von Nichtgriechen. Jüdische Schreiber wie Josephus hatten nichts dagegen einzuwenden, von den Griechen als „Barbaren“ bezeichnet zu werden (Jüdische Altertümer, 14. Buch, Kap. 10, Abs. 1; Gegen Apion, 1. Buch, Abs. 11). Die Römer bezeichneten sich sogar selbst als Barbaren, bis sie die griechische Kultur übernahmen. Im vorliegenden Vers wird bárbaroi verwendet, weil die Einwohner von Malta kein Griechisch sprachen, sondern eine damit nicht verwandte Sprache – wahrscheinlich Punisch. (Siehe Anm. zu Rö 1:14.)

waren außerordentlich freundlich zu uns: Oder „erwiesen uns außergewöhnliche Menschen­freundlichkeit“. Hier steht im Griechischen das Wort philanthrōpía. Gemeint ist eine Haltung, bei der man um das Wohl anderer besorgt ist und ihre Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt. Sie kommt durch Gastfreundlichkeit und Fürsorglichkeit zum Ausdruck. In Tit 3:4 wird philanthrōpía verwendet, um zu beschreiben, wie Jehova für die Menschen empfindet. Es ist dort mit „Liebe zur Menschheit“ übersetzt. Wie der vorliegende Bericht zeigt, können auch Menschen, die Jehova noch nicht kennen, diese schöne Eigenschaft Gottes haben. Ein ähnliches Beispiel findet man in Apg 27:3; dort wird mit einem verwandten Wort (philanthrṓpōs) beschrieben, wie der Offizier Julius mit Paulus umging.

Otter: Heute gibt es auf Malta keine Ottern. Doch wie der Bericht zeigt, kannten die Inselbewohner im 1. Jh. diese Art Giftschlangen. Möglicherweise haben Umweltveränderungen oder die Bevölkerungs­zunahme im Lauf der Jahrhunderte dazu geführt, dass Ottern auf Malta ausgestorben sind.

Gerechtigkeit: Im Griechischen steht hier das Wort díkē, das sich entweder auf eine griechische Göttin oder auf die Gerechtigkeit im Allgemeinen beziehen kann. In der griechischen Mythologie war Dike die Göttin der strafenden Gerechtigkeit, die das Verhalten der Menschen überwachte. Wenn jemand heimlich etwas Unrechtes tat, berichtete sie es Zeus, damit derjenige bestraft werden konnte. Die Einwohner von Malta dachten vielleicht, Paulus sei einer gerechten Strafe entkommen, als er den Schiffbruch überlebte, jetzt aber würde ihn die göttliche Strafe durch einen Schlangenbiss einholen.

Söhne von Zeus: Gemeint sind Kastor und Pollux (auch „Dioskuren“ genannt, griechisch Dióskouroi). In der griechischen und römischen Mythologie waren sie die Zwillingssöhne des Gottes Zeus (oder Jupiter) und der Spartanerkönigin Leda. Unter anderem galten sie als Beschützer und Retter der Seeleute. Das Detail über die Galionsfigur des Schiffes ist ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass der Bericht von einem Augenzeugen geschrieben wurde.

Syrakus: Eine Stadt mit einem günstig gelegenen Hafen an der SO-Küste von Sizilien. Wie der griechische Geschichts­schreiber Thukydides berichtet, wurde die Stadt 734 v. u. Z. von den Korinthern gegründet. Einige berühmte Persönlichkeiten der Antike stammten aus Syrakus, unter anderem der Mathematiker Archimedes. Im Jahr 212 v. u. Z. wurde die Stadt von den Römern erobert. (Siehe Anh. B13.)

Puteoli: Eine bedeutende Hafenstadt (heute Pozzuoli genannt) südöstlich von Rom und etwa 10 km südwestlich von Neapel. Man kann dort immer noch Reste des antiken Hafendamms sehen. Josephus gebraucht den älteren Namen der Stadt, Dikaiarcheia, und berichtet, dass es dort eine jüdische Kolonie gab (Jüdische Altertümer, 17. Buch, Kap. 12, Abs. 1). Paulus kam um das Jahr 59 u. Z. mit dem Schiff in Puteoli an, als er zum Kaiser nach Rom reiste. Zuvor hatte er in Rhegion (heute Reggio di Calabria) haltgemacht, einer Hafenstadt an der S-Spitze Italiens direkt gegenüber von Sizilien, etwa 320 km südöstlich von Puteoli. Die Brüder in Puteoli baten Paulus und seine Begleiter eindringlich, eine Woche bei ihnen zu bleiben (Apg 28:14). Paulus muss also als Gefangener gewisse Freiheiten genossen haben. (Siehe Anh. B13.)

Und so ging es weiter in Richtung Rom: Von Puteoli nach Rom waren es 245 km, was eine Reisezeit von ungefähr einer Woche bedeutete. Wahrscheinlich gingen Paulus und seine Begleiter erst nach Capua und legten dann die restlichen 212 km nach Rom auf der Via Appia zurück. Die Via Appia war eine bedeutende Römerstraße. Ihr Bau wurde im Jahr 312 v. u. Z. von dem römischen Staatsmann Appius Claudius Caecus veranlasst, nach dem sie auch benannt wurde. Mit der Zeit wurde sie weiter ausgebaut und führte schließlich von Rom bis zur Hafenstadt Brundisium (heute Brindisi), wo der Schiffsverkehr Richtung O abgewickelt wurde. Die Straße war größtenteils mit Blöcken aus Lavagestein gepflastert und nicht überall gleich breit – manche Abschnitte waren keine 3 m breit, andere über 6 m. Maßgeblich für die Breite war, dass zwei Fahrzeuge problemlos aneinander vorbeifahren konnten. An manchen Stellen hatte man einen Blick auf das Mittelmeer. Ein Teil der Strecke führte durch die Pontinischen Sümpfe. Auf diesem Straßenabschnitt roch es nach fauligem Wasser, und ein römischer Dichter beschwerte sich auch über die vielen Stechmücken. Neben der Straße hatte man einen Kanal angelegt, auf dem die Reisenden in Kanalbooten befördert werden konnten, wenn die Straße überflutet war. Am N-Ende des Sumpfgebiets, ca. 65 km vor Rom, lag der Marktplatz des Appius. Weiter im N kam man zu den Drei Schenken; von diesem Rastplatz aus waren es noch etwa 50 km bis Rom.

Marktplatz des Appius: Oder „Forum des Appius“ (lateinisch Appii Forum). Dieser Marktplatz lag etwa 65 km südöstlich von Rom. Er war ein bekannter Rastplatz auf der Via Appia, einer berühmten Römerstraße, die von Rom über Capua nach Brundisium (heute Brindisi) verlief. Sowohl die Straße als auch der Marktplatz waren nach Appius Claudius Caecus benannt, der im 4. Jh. v. u. Z. mit dem Bau begonnen hatte. Reisende aus Rom machten gewöhnlich am Ende des ersten Reisetages am Marktplatz des Appius halt. Dadurch entwickelte sich der Ort zu einem geschäftigen Warenumschlagplatz. Außerdem lag er an einem Kanal, der an der Via Appia entlang durch die Pontinischen Sümpfe führte. Berichten zufolge wurden Reisende dort nachts auf Kanalbooten befördert, die von Maultieren gezogen wurden. Wie aus einer Beschreibung des römischen Dichters Horaz hervorgeht, war die Reise auf diesem Abschnitt beschwerlich. Er beklagte sich über die Frösche und Stechmücken und beschrieb den Marktplatz des Appius als „voll von Schiffern und listig berechnenden Wirten“ (Satiren, I, V, 1–6). Die Brüder aus Rom nahmen jedoch gern die Unannehmlich­keiten auf sich, um Paulus und seine Begleiter dort zu begrüßen. Sie wollten ihn auf seiner letzten Reiseetappe begleiten, damit er wohlbehalten in Rom ankam. Wo früher der Marktplatz des Appius war, liegt heute das Dorf Borgo Faiti, in dem noch auf das „Foro Appio“ hingewiesen wird. (Siehe Anh. B13.)

Drei Schenken: In verschiedenen Bibel­übersetzungen steht hier der lateinische Name „Tres Tabernae“. Dieser Ort an der Via Appia wird auch in anderen alten Quellen erwähnt. Er lag ca. 15 km vom Marktplatz des Appius entfernt und etwa 50 km südöstlich von Rom. Heute stehen dort noch einige Ruinen aus römischer Zeit. (Siehe Anh. B13.)

Cäsar: Oder „dem Kaiser“. Damals war Nero Kaiser des Römischen Reiches. Seine Regierungszeit begann 54 u. Z. und endete 68 u. Z., als er im Alter von 31 Jahren Selbstmord beging. Immer wenn in Apostel­geschichte, Kapitel 25 bis 28 von „Cäsar“ gesprochen wird, ist Nero gemeint. (Siehe Anm. zu Mat 22:17; Apg 17:7 und Worterklärungen.)

Cäsar: Siehe Anm. zu Apg 26:32.

Sekte: Ursprünglich bedeutete das entsprechende griechische Wort háiresis (von dem das deutsche Wort „Häresie“ abgeleitet ist) allem Anschein nach „Wahl“. In diesem Sinn wird das Wort in der Septuaginta in 3Mo 22:18 verwendet, wo es heißt, dass Israeliten Gaben „entsprechend … ihrer freien Entscheidung(en)“ darbrachten. In den Christlichen Griechischen Schriften bezieht sich der Begriff auf Gruppen, die bestimmte Ansichten oder Lehrmeinungen vertreten. Er wird z. B. auf die zwei bedeutenden Strömungen des Judentums angewandt: die Pharisäer und die Sadduzäer (Apg 5:17; 15:5; 26:5). Nichtchristen bezeichneten das Christentum als „Sekte“ oder „Sekte der Nazarener“, evtl. weil sie es als Absplitterung vom Judentum betrachteten (Apg 24:5, 14; 28:22). háiresis wurde aber auch von den Christen selbst für Gruppierungen verwendet, die innerhalb der Christen­versammlung entstanden. Jesus hatte jedoch hervorgehoben, dass Einheit unter seinen Nachfolgern sehr wichtig wäre, und hatte ausdrücklich darum gebetet (Joh 17:21). Die Apostel taten alles, um diese Einheit zu fördern (1Ko 1:10; Jud 17-19), denn eine Spaltung der Versammlung in verschiedene Lager oder Gruppierungen würde die Einheit zerstören. Durch Uneinigkeit in Glaubensfragen konnte es zu Meinungs­verschiedenheiten, heftigen Auseinander­setzungen bis hin zur Feindschaft kommen (vgl. Apg 23:7-10). Vor diesem Hintergrund bekam das Wort háiresis einen negativen Beiklang. Sekten gehörten zu den „Auswirkungen der sündigen Natur“, und es musste alles getan werden, um ihre Entstehung zu verhindern (Gal 5:19-21; 1Ko 11:19; 2Pe 2:1).

Sekte: Siehe Anm. zu Apg 24:5.

als Zeuge: Oder „zu einem Zeugnis“. Das griechische Substantiv martyría („Zeugnis“) kommt im Johannes­evangelium mehr als doppelt so oft vor wie in den anderen drei Evangelien zusammengenommen. Das entsprechende Verb martyréō, hier mit „als Zeuge auftreten“ übersetzt, kommt bei Johannes 39 Mal vor, in den anderen Evangelien nur 2 Mal (Mat 23:31; Luk 4:22). martyréō wird so häufig in Verbindung mit Johannes dem Täufer verwendet, dass manche sagen, man könnte ihn genauso gut „Johannes den Zeugen“ nennen (Joh 1:8, 15, 32, 34; 3:26; 5:33; siehe Anm. zu Joh 1:19). Im Johannes­evangelium wird das Verb auch immer wieder in Verbindung mit Jesus und seinem Dienst gebraucht (Joh 8:14, 17, 18). In diesem Zusammenhang sticht besonders hervor, was Jesus zu Pontius Pilatus sagte: „Dazu wurde ich geboren und dazu kam ich in die Welt: um die Wahrheit zu bezeugen“ (Joh 18:37). In der Offenbarung an Johannes wird Jesus als der „Treue Zeuge“ und der „treue und wahrhaftige Zeuge“ bezeichnet (Off 1:5; 3:14).

Zeugen von mir: Als gläubige Juden waren Jesu erste Jünger bereits Zeugen von Jehova; sie bezeugten, dass er der einzig wahre Gott ist (Jes 43:10-12; 44:8). Doch von nun an sollten sie nicht nur Zeugen von Jehova sein, sondern auch von Jesus. Sie sollten einen neuen Aspekt von Gottes Vorhaben bekannt machen: Jesu zentrale Rolle bei der Heiligung des Namens Jehovas durch das messianische Königreich. Die Apostel­geschichte ist nach dem Johannes­evangelium das Bibelbuch, das am häufigsten die griechischen Wörter mártys („Zeuge“), martyréō („bezeugen“, „Zeugnis ablegen“), diamartýromai („gründlich bezeugen“, „ein gründliches Zeugnis ablegen“) sowie verwandte Wörter gebraucht. (Siehe Anm. zu Joh 1:7.) Der Gedanke, ein Zeuge zu sein und als solcher für Gott auszusagen – also anderen mitzuteilen, was Gott vorhat, was sein Königreich ist und welche wichtige Rolle Jesus darin spielt –, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Apostel­geschichte (Apg 2:32, 40; 3:15; 4:33; 5:32; 8:25; 10:39; 13:31; 18:5; 20:21, 24; 22:20; 23:11; 26:16; 28:23). Einige der ersten Christen konnten die historischen Fakten über Jesu Leben, Tod und Auferstehung bezeugen oder bestätigen, weil sie vieles selbst miterlebt hatten (Apg 1:21, 22; 10:40, 41). Diejenigen, die später zum Glauben an Jesus kamen, fungierten als Zeugen, indem sie die Bedeutung von Jesu Leben, Tod und Auferstehung bekannt machten (Apg 22:15; siehe Anm. zu Joh 18:37).

indem er das Königreich Gottes gründlich bezeugte: Die Apostel­geschichte ist nach dem Johannes­evangelium das Bibelbuch, das am häufigsten die griechischen Wörter mártys („Zeuge“), martyréō („bezeugen“, „Zeugnis ablegen“), diamartýromai („gründlich bezeugen“, „ein gründliches Zeugnis ablegen“) sowie verwandte Wörter gebraucht. (Siehe Anm. zu Joh 1:7; Apg 1:8.) Der Gedanke, ein Zeuge zu sein und als solcher für Gott auszusagen – also anderen mitzuteilen, was Gott vorhat, was sein Königreich ist und welche wichtige Rolle Jesus darin spielt –, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Apostel­geschichte (Apg 2:32, 40; 3:15; 4:33; 5:32; 8:25; 10:39; 13:31; 18:5; 20:21, 24; 22:20; 23:11; 26:16).

diese Rettung, die von Gott kommt: Oder „das Mittel, durch das Gott rettet“. Im Griechischen steht hier das Wort sōtḗrion, das nicht nur die Rettung an sich meint, sondern auch das Mittel, durch das die Rettung oder Befreiung möglich wird (Luk 2:30, Fn.; 3:6, Fn.). In erweitertem Sinn kann es sich auch auf die Botschaft beziehen, dass Gott die Menschheit retten wird und wie er das tut.

In einigen jüngeren griechischen Handschriften und alten Übersetzungen findet man hier den Zusatz: „Und als er dies gesagt hatte, gingen die Juden weg, wobei sie einen großen Disput untereinander hatten.“ Dieser Text ist in den frühesten und verlässlichsten Manuskripten jedoch nicht enthalten und gehört daher wahrscheinlich nicht zum ursprünglichen Text der Apostel­geschichte. (Siehe Anh. A3.)

Er blieb zwei ganze Jahre dort: In diesen zwei Jahren verfasste Paulus mehrere Briefe. Er schrieb an die Epheser (Eph 4:1; 6:20), die Philipper (Php 1:7, 12-14), die Kolosser (Kol 4:18), an Philemon (Phm 9) und anscheinend auch an die Hebräer. Sein Hausarrest endete wahrscheinlich im Jahr 61 u. Z. mit einem Freispruch durch Kaiser Nero oder einen seiner Vertreter. Danach war Paulus weiter fleißig tätig. Möglicherweise unternahm er während dieser Zeit seine geplante Reise nach Spanien (Rö 15:28). Clemens von Rom schrieb um das Jahr 95 u. Z., Paulus sei „bis zum äußersten Westen … vorgedrungen“, also bis zum westlichsten Teil des Römischen Reiches. Die drei Paulusbriefe (1. und 2. Timotheus und Titus), die auf die Jahre nach seiner Freilassung datiert werden, lassen darauf schließen, dass er Kreta, Ephesus, Mazedonien, Milet, Nikopolis und Troas besuchte (1Ti 1:3; 2Ti 4:13; Tit 1:5; 3:12). Es gibt Hinweise darauf, dass Paulus während seines Aufenthalts in der griechischen Stadt Nikopolis festgenommen wurde und um das Jahr 65 u. Z. wieder in Rom im Gefängnis war. Diesmal war Nero offenbar nicht bereit, Paulus freizulassen. Im Jahr zuvor hatte ein Großbrand in Rom gewütet, und wie der römische Geschichts­schreiber Tacitus berichtet, machte Nero fälschlicher­weise die Christen dafür verantwortlich. Er ließ sie grausam verfolgen. Als Paulus seinen zweiten und letzten Brief an Timotheus schrieb, rechnete er damit, bald hingerichtet zu werden. Deshalb bat er Timotheus und Markus, schnell zu ihm zu kommen. Lukas und Onesiphorus besuchten und trösteten Paulus in dieser Zeit und riskierten dadurch ihr Leben (2Ti 1:16, 17; 4:6-9, 11). Wahrscheinlich wurde Paulus um das Jahr 65 u. Z. hingerichtet. Bis in den Tod blieb Paulus ein bemerkenswerter Zeuge und bezeugte alles, „was Jesus tat und lehrte“ (Apg 1:1).

predigte: Das entsprechende griechische Wort hat die Grundbedeutung „als Herold (Amtsbote) verkünden“. Es betont die Art und Weise des Verkündens: In der Regel ist ein Ausrufen in der Öffentlichkeit gemeint, nicht eine Predigt vor einer bestimmten Gruppe. Die Botschaft, die verkündet wurde, drehte sich um das Königreich Gottes. In der Apostel­geschichte erscheint der Ausdruck „Königreich Gottes“ sechs Mal, das erste Mal in Apg 1:3. Dort wird berichtet, dass Jesus in den 40 Tagen zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt über dieses Königreich sprach. Das Königreich blieb auch das zentrale Thema der Apostel (Apg 8:12; 14:22; 19:8; 28:23).

ungehindert: Der letzte Satz der Apostel­geschichte stimmt positiv und ist ein passender Abschluss. Obwohl Paulus unter Hausarrest stand, predigte er mutig weiter. Nichts konnte verhindern, dass sich die Botschaft vom Königreich in Rom verbreitete. Die Apostel­geschichte beschreibt, wie der heilige Geist die Christen im 1. Jh. befähigte, die größte Predigtaktion aller Zeiten voranzutreiben. Durch ihren Einsatz gelangte die Botschaft von Gottes Königreich „bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Apg 1:8).

mit aller Offenheit: Oder „mit dem größten Freimut der Rede“, „mutig“. Im Griechischen steht hier das Substantiv parrēsía, das in Apg 4:13 mit „offen reden“ übersetzt ist. Dieses Substantiv sowie das verwandte Verb parrēsiázomai, das unter anderem mit „mutig und offen sprechen“ oder „freiheraus sagen“ wiedergegeben wird, kommen in der Apostel­geschichte immer wieder vor. Von Anfang bis Ende macht der Bericht von Lukas deutlich: Mutiges und offenes Predigen war ein Markenzeichen der ersten Christen (Apg 4:29, 31; 9:27, 28; 13:46; 14:3; 18:26; 19:8; 26:26).

Medien

Bau einer Römerstraße
Bau einer Römerstraße

Das ausgedehnte Straßennetz der Römer half den ersten Christen, die gute Botschaft im gesamten Reich zu verbreiten. Der Apostel Paulus legte auf diesen Straßen ohne Frage unzählige Kilometer zurück (Kol 1:23). Die Abbildung zeigt, wie die Römer eine typische Pflasterstraße bauten. Als Erstes wurde der Straßenverlauf festgelegt. Dann hoben Arbeiter einen Graben aus und füllten ihn mit verschiedenen Schichten aus Steinen, Zement und Sand auf. Anschließend pflasterten sie die Straße mit großen Steinplatten und verlegten Randsteine, die den Pflastersteinen Halt gaben. Die verwendeten Materialien und eine leichte Wölbung der Straße sorgten dafür, dass Wasser gut ablaufen konnte. Zwischen den Randsteinen ließ man in regelmäßigen Abständen Öffnungen, durch die das Wasser in Rinnen abfloss, die neben der Straße verliefen. Die Straßenbauer leisteten so hervorragende Arbeit, dass einige dieser Straßen heute noch existieren. Allerdings waren die meisten Wege im Römischen Reich nicht so aufwendig gebaut. Der Großteil bestand einfach nur aus verdichtetem Kies oder Schotter.

Rom
Rom

Die Hauptstadt des Römischen Reichs lag am Tiber und wurde ursprünglich auf sieben Hügeln errichtet. In der Blütezeit des Reichs dehnte sie sich immer weiter aus. Mitte des 1. Jh. u. Z. lebten in Rom rund eine Million Menschen, einschließlich vieler Juden. Die ersten Christen von Rom waren wahrscheinlich Juden und jüdische Proselyten, die Pfingsten 33 u. Z. in Jerusalem gewesen waren und vom Apostel Petrus und von den anderen Jüngern die christliche Botschaft gehört hatten. Es ist davon auszugehen, dass sie diese Botschaft mit nach Rom zurückbrachten (Apg 2:10). In seinem Brief an die Römer, den der Apostel Paulus um das Jahr 56 u. Z. schrieb, sagte er über die treuen Brüder und Schwestern dort, dass in der ganzen Welt von ihrem Glauben gesprochen wurde (Rö 1:7, 8). Das Video zeigt in einem Modell, wie einige bedeutende Bauten in Rom zur Zeit von Paulus ausgesehen haben könnten.

(1) Via Appia

(2) Circus Maximus

(3) Palatin mit Kaiserpalast

(4) Tempel des Cäsar

(5) Theater

(6) Pantheon

(7) Tiber

Via Appia
Via Appia

Auf dem Foto sieht man ein Teilstück der Via Appia (Appische Straße) in Italien. Wahrscheinlich reiste Paulus auf dieser Straße nach Rom, auch wenn das in der Bibel nicht ausdrücklich gesagt wird. Mit dem Bau der Via Appia wurde 312 v. u. Z. angefangen. Sie wurde immer weiter ausgebaut, bis sie sich im Jahr 244 v. u. Z. schließlich von Rom bis Brundisium erstreckte. (Siehe Karte.) An der Via Appia lag die Raststätte Drei Schenken (etwa 50 km südlich von Rom) und der Marktplatz des Appius (etwa 65 km südlich von Rom). Bis zu diesen beiden Orten kamen Brüder aus Rom Paulus entgegen (Apg 28:15).

(1) Rom

(2) Drei Schenken

(3) Marktplatz des Appius

(4) Via Appia

(5) Brundisium (heute Brindisi)

Paulus als Gefangener unter Hausarrest
Paulus als Gefangener unter Hausarrest

Während seiner ersten Gefangenschaft in Rom wohnte Paulus in einem gemieteten Haus und wurde von einem Soldaten bewacht (Apg 28:16, 30). Bei den Römern wurden Gefangene üblicherweise mit der rechten Hand an die linke Hand eines Bewachers gekettet. Dadurch blieb die rechte Hand des Bewachers frei. Paulus erwähnt seine Gefangenschaft oder seine Fesseln bzw. Ketten in den meisten inspirierten Briefen, die er während seines Hausarrests in Rom schrieb (Eph 3:1; 4:1; 6:20; Php 1:7, 13, 14, 17; Kol 4:3, 18; Phm 1, 9, 10, 13).

Kaiser Nero
Kaiser Nero

Diese Goldmünze (geprägt um 56/57 u. Z.) zeigt den römischen Kaiser Nero im Profil. Er regierte von 54 bis 68 u. Z. Nero war der Kaiser, bei dem Paulus Berufung einlegte, nachdem man ihn in Jerusalem unrechtmäßig festgenommen und in Cäsarea inhaftiert hatte (ca. 56 bis 58 u. Z.). Allem Anschein nach war Paulus von ca. 59 u. Z. an in Rom in Haft und wurde um 61 u. Z. für unschuldig erklärt und freigelassen. Im Jahr 64 u. Z. verwüstete ein Brand einen großen Teil von Rom und einige machten Nero dafür verantwortlich. Um von sich abzulenken, beschuldigte Nero die Christen, was eine Welle staatlicher Verfolgung auslöste. Wahrscheinlich war Paulus um diese Zeit (65 u. Z.) ein zweites Mal in Rom in Gefangenschaft und wurde dort hingerichtet.