Apostel­geschichte 18:1-28

18  Danach reiste er von Athen ab und kam nach Korinth.  Dort traf er einen Juden namens Ạquila,+ der aus Pọntus stammte und mit seiner Frau Priscịlla erst kurz zuvor aus Italien gekommen war, weil Claudius befohlen hatte, dass alle Juden Rom verlassen sollten. Paulus ging zu ihnen,  und da er dasselbe Handwerk beherrschte – sie waren Zeltmacher –, hielt er sich bei ihnen auf und arbeitete mit ihnen zusammen.+  Er hielt jeden Sabbat+ in der Synagoge+ einen Vortrag und überzeugte Juden und Griechen.  Als nun Sịlas+ und auch Timọtheus+ von Mazedọnien herunterkamen, begann sich Paulus eingehend damit zu beschäftigen, das Wort Gottes zu predigen*, indem er den Juden bezeugte*, dass Jesus der Christus ist.+  Sie aber widersetzten sich ihm ständig und lästerten. Da schüttelte er seine Kleider aus+ und sagte zu ihnen: „Ihr seid für euren Tod selbst verantwortlich.+ Ich bin rein.+ Von jetzt an gehe ich zu den Leuten aus den anderen Völkern.“+  Er ging von dort weg und begab sich in das Haus eines Mannes mit Namen Tịtius Jụstus. Dieser war ein Anbeter Gottes und sein Haus grenzte an die Synagoge.  Der Synagogen­vorsteher Krịspus+ kam zusammen mit seiner ganzen Haus­gemeinschaft zum Glauben an den Herrn. Auch viele von den Korịnthern, die die Botschaft hörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.  Außerdem sagte der Herr nachts in einer Vision zu Paulus: „Hab keine Angst, sondern rede weiter und schweige nicht, 10  ich stehe dir bei.+ Niemand wird dich angreifen, um dir zu schaden. Denn ich habe noch viele Menschen in dieser Stadt.“ 11  Also blieb er ein Jahr und sechs Monate dort und lehrte das Wort Gottes unter ihnen. 12  Als Gạllio Prokonsul von Achạia war, taten sich die Juden gegen Paulus zusammen und führten ihn vor den Richterstuhl. 13  Sie sagten: „Dieser Mann überredet die Leute, Gott auf eine Art anzubeten, die dem Gesetz widerspricht.“+ 14  Als Paulus gerade anfangen wollte zu reden, sagte Gạllio zu den Juden: „Wenn tatsächlich irgendein Unrecht oder ein schweres Vergehen vorliegen würde, ihr Juden, dann hätte ich einen Grund, euch geduldig anzuhören. 15  Geht es aber um Auseinander­setzungen über Worte und Namen und euer eigenes Gesetz,+ müsst ihr das selbst klären. Darüber wünsche ich nicht Richter zu sein.“ 16  Damit trieb er sie vom Richterstuhl weg. 17  Da packten sie alle den Synagogen­vorsteher Sọsthenes+ und begannen ihn vor dem Richterstuhl zu verprügeln. Doch Gạllio kümmerte sich überhaupt nicht darum. 18  Nachdem Paulus noch etliche Tage geblieben war, verabschiedete er sich jedoch von den Brüdern und segelte in Begleitung von Priscịlla und Ạquila nach Syrien ab. In Kenchrẹä+ ließ er sich noch die Haare kurz schneiden, denn er hatte ein Gelübde abgelegt. 19  So kamen sie nach Ẹphesus und er ließ sie dort zurück. Er selbst ging in die Synagoge und sprach mit* den Juden und argumentierte.+ 20  Obwohl sie ihn wiederholt baten, länger zu bleiben, willigte er nicht ein, 21  sondern verabschiedete sich von ihnen mit den Worten: „Wenn Jehova will, werde ich wieder zu euch zurückkommen.“ Er stach von Ẹphesus aus in See 22  und kam nach Cäsarẹa hinunter.+ Dann ging er hinauf und begrüßte die Versammlung. Danach ging er nach Antiọchia hinunter.+ 23  Nachdem er einige Zeit dort verbracht hatte, machte er sich auf den Weg und zog von Ort zu Ort durch das Land Galạtien und Phrỵgien+ und stärkte alle Jünger.+ 24  Nun traf ein Jude namens Apọllos+ in Ẹphesus ein. Er stammte aus Alexạndria und war ein redegewandter Mann, der sich gut in den Schriften auskannte. 25  Dieser Mann war über den Weg Jehovas unterrichtet worden. Glühend im Geist redete und lehrte er korrekt das, was Jesus betraf. Allerdings war ihm nur die Taufe des Johạnnes+ bekannt. 26  Er fing an, in der Synagoge mutig und offen zu reden, und als Priscịlla und Ạquila+ ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und erklärten ihm den Weg Gottes noch genauer. 27  Da er nach Achạia hinüberreisen wollte, schrieben die Brüder den Jüngern und baten sie dringend, ihn freundlich aufzunehmen. Als er dann dorthin kam, war er denen, die durch Gottes unverdiente Güte gläubig geworden waren, eine große Hilfe. 28  Er bewies nämlich in aller Öffentlichkeit mit großem Nachdruck und gründlich, dass die Juden im Unrecht waren, indem er ihnen anhand der Schriften zeigte, dass Jesus der Christus ist.+

Fußnoten

Oder „wurde Paulus von dem Wort ganz in Anspruch genommen“.
Oder „bewies“.
Oder „zu“.

Studienanmerkungen

Achaia: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnet Achaia die römische Provinz, die den S Griechenlands umfasste. Ihre Hauptstadt war Korinth. Im Jahr 27 v. u. Z. hatte Kaiser Augustus Achaia und Mazedonien, die beiden Provinzen von Griechenland, reorganisiert; von da an bezog sich Achaia auf den Peloponnes und den südlichen Teil des griechischen Festlands. Achaia unterstand dem römischen Senat und wurde von Korinth aus von einem Prokonsul verwaltet (2Ko 1:1). Andere Städte in der Provinz Achaia, die in den Christlichen Griechischen Schriften erwähnt werden, sind Athen und Kenchreä (Apg 18:1, 18; Rö 16:1). Achaia wird oft zusammen mit Mazedonien, der Nachbarprovinz im N, erwähnt (Apg 19:21; Rö 15:26; 1Th 1:7, 8; siehe Anh. B13).

Korinth: Eine der ältesten und bedeutendsten Städte des alten Griechenland. Sie lag rund 5 km südwestlich des heutigen Korinth. Ihre Bedeutung und ihren Wohlstand verdankte die Stadt vor allem ihrer strategisch wichtigen Lage am Isthmus, einer Landenge, die das griechische Festland mit der südlichen Halbinsel, dem Peloponnes, verbindet. Korinth kontrollierte sowohl den Warenfluss zwischen dem N und S Griechenlands als auch den Schiffsverkehr zwischen dem östlichen und westlichen Mittelmeer. Es war nämlich sicherer, den Landweg über den Isthmus zu nehmen, als mit dem Schiff um Griechenland herumzufahren. Korinth lag in Achaia, wie die Römer Griechenland (ohne Mazedonien) nannten. Während der Regierung von Kaiser Augustus wurde Achaia zur Senatsprovinz erklärt, mit Korinth als Hauptstadt. (Siehe Anm. zu Apg 18:12.) In der Stadt hatten sich viele Juden niedergelassen. Sie hatten eine Synagoge gegründet und konnten einige Griechen für den jüdischen Glauben gewinnen (Apg 18:4). Der Schriftsteller Philon (1. Jh. u. Z.) bestätigt, dass im alten Korinth Juden lebten. Außerdem hat man in Korinth in der Nähe des Tores, das auf dem Weg zum Hafen Lechaion lag, die griechische Inschrift „[Syna]gōgḗ Hebr]áiōn]“ („Synagoge der Hebräer“) gefunden. Sie befindet sich auf einem marmornen Türsturz, den einige Forscher auf die Zeit von Paulus datieren, während sich die meisten Forscher für eine spätere Datierung aussprechen. (Siehe Anh. B13.)

Aquila: Aquila stammte aus Pontus, einer Gegend am Schwarzen Meer im N von Kleinasien. (Siehe Anh. B13.) Er und seine Frau Priscilla (oder Priska) waren treue Christen, die Paulus als seine „Mitarbeiter“ bezeichnete (Rö 16:3). In den Christlichen Griechischen Schriften werden sie insgesamt sechs Mal genannt, und zwar immer zusammen (Apg 18:18, 26; 1Ko 16:19; 2Ti 4:19). „Priscilla“ ist die Verkleinerungs­form von „Priska“. Lukas verwendete in seinen Schriften die längere Form des Namens, Paulus in seinen Briefen die kürzere. Bei römischen Namen war es nicht unüblich, dass man verschiedene Varianten gebrauchte. Aquila und Priscilla mussten aufgrund eines antijüdischen Dekrets, das Kaiser Claudius 49 oder Anfang 50 u. Z. erließ, Rom verlassen und zogen nach Korinth. Dort lernten sie Paulus kennen, der im Herbst 50 u. Z. nach Korinth kam. Die drei waren von Beruf Zeltmacher und arbeiteten in diesem Handwerk zusammen. Paulus baute in Korinth eine neue Versammlung auf, und mit Sicherheit wurde er dabei von Aquila und Priscilla unterstützt.

Zeltmacher: Das Handwerk, das Paulus, Aquila und Priscilla ausübten, wird im Griechischen mit dem Wort skēnopoiós bezeichnet. Es gibt verschiedene Ansichten darüber, um welches Handwerk es sich genau handelte, ob das Zeltmacher-, Teppichweber- oder Seilerhandwerk. Zahlreiche Forscher halten es jedoch für am wahrscheinlichsten, dass der Beruf des Zeltmachers gemeint ist. Paulus stammte aus Tarsus in Zilizien, einer Region, die für ihre Stoffe aus Ziegenhaar berühmt war (Apg 21:39). Aus diesen Stoffen, cilicium genannt, stellte man Zelte her. Bei den Juden im 1. Jh. u. Z. war es etwas Ehrenhaftes, wenn ein Junge ein Handwerk lernte – selbst wenn er noch eine höhere Schule besuchen sollte. Es ist also möglich, dass Paulus das Zeltmacherhandwerk schon in jungen Jahren lernte. Zelte herzustellen war keine leichte Arbeit, denn wie es heißt, war cilicium ein grobes, steifes Material, das sich nur schwer zuschneiden und verarbeiten ließ.

Er hielt … einen Vortrag: Oder „Er sprach … mit ihnen und argumentierte“. Das griechische Verb dialégomai wird definiert als „besprechen“, „diskutieren“, „sich unterhalten“. Es kann sowohl das Halten einer Rede meinen, bei der Lehrinhalte vermittelt werden, als auch das Kommunizieren mit anderen Personen, wobei ein Meinungsaustausch stattfindet. Das Verb erscheint außerdem in Apg 17:2, 17; 18:19; 19:8, 9; 20:7, 9.

schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab: Bei frommen Juden gab es den Brauch, nach einem Auslandsaufenthalt den in ihren Augen unreinen Staub von den Sandalen abzuschütteln, bevor sie wieder jüdischen Boden betraten. Doch als Jesus seinen Jüngern die Anweisung gab, den Staub von ihren Füßen abzuschütteln (Mat 10:14; Mar 6:11; Luk 9:5), hatte er zweifellos eine andere Bedeutung im Sinn: Sie sollten durch diese Geste zeigen, dass sie nicht dafür verantwortlich zu machen wären, wenn Gott die Menschen für ihre negative Reaktion zur Rechenschaft ziehen würde. An diese Anweisung hielten sich Paulus und Barnabas hier. In Korinth tat Paulus etwas Ähnliches, als er seine Kleider ausschüttelte und dazu erklärte: „Ihr seid für euren Tod selbst verantwortlich. Ich bin rein“ (Apg 18:6; siehe Anm.).

schüttelt … den Staub von euren Füßen: Bevor fromme Juden nach einem Auslandsaufenthalt wieder jüdischen Boden betraten, schüttelten sie den in ihren Augen unreinen Staub von den Sandalen. Doch Jesus dachte zweifellos an etwas anderes, als er seinen Jüngern diese Anweisung gab. Durch eine solche Geste würden sie zeigen, dass sie nicht dafür verantwortlich zu machen sind, wenn Gott die Bewohner der betreffenden Stadt zur Rechenschaft zieht. Eine ähnliche Formulierung ist in Mat 10:14 und Mar 6:11 zu finden. Bei Markus und Lukas stehen außerdem die Worte „als Warnung für die Bewohner“. Paulus und Barnabas setzten Jesu Anweisung in Antiochia (Pisidien) um (Apg 13:51). In Korinth tat Paulus etwas Ähnliches, als er seine Kleider ausschüttelte und dazu erklärte: „Ihr seid für euren Tod selbst verantwortlich. Ich bin rein“ (Apg 18:6).

Sein Blut soll über uns und unsere Kinder kommen!: Sie sagten mit anderen Worten: „Wir und unsere Nachkommen übernehmen die Verantwortung für seinen Tod.“

rein … vom Blut aller Menschen: Als Christ würde man vor Gott Blutschuld auf sich laden, wenn man es versäumt, anderen die gute Botschaft vom Königreich zu bringen. Paulus war frei von Blutschuld, da er die lebensrettenden Informationen dieser Botschaft nicht für sich behalten hatte (Apg 18:6; vgl. Hes 33:6-8). Er hatte den Jüngern in Ephesus „den ganzen Rat Gottes“ mitgeteilt, weil er nicht wollte, dass irgendeiner von ihnen sein Leben verliert, wenn Gott ein Urteil über sie spricht (Apg 20:27). Als Christ lädt man auch dann Blutschuld vor Gott auf sich, wenn man jemanden absichtlich oder unabsichtlich tötet. Das Gleiche gilt, wenn man direkt oder indirekt eine Organisation unterstützt, die Blutschuld auf sich geladen hat. Das schließt „Babylon die Große“ ein (Off 17:6; 18:2, 4) sowie andere Organisationen, die unschuldiges Blut vergießen (Off 16:5, 6; vgl. Jes 26:20, 21). Man lädt außerdem Blutschuld auf sich, wenn man Blut in irgendeiner Form isst oder trinkt (Apg 15:20).

schüttelte er seine Kleider aus: Als die Juden in Korinth die lebensrettende Botschaft über den Christus ablehnten, zeigte Paulus durch diese Geste, dass er für die Konsequenzen nicht zur Rechenschaft zu ziehen wäre. Er hatte seine Pflicht getan und musste sich nun nicht mehr für ihr Leben verantworten. (Siehe Anm. zu Ihr seid für euren Tod selbst verantwortlich in diesem Vers.) Diese Art Geste wird schon in den Hebräischen Schriften beschrieben. Nehemia z. B. schüttelte die Falten seines Gewandes aus, als er in Jerusalem mit den zurückgekehrten Juden sprach. Dadurch zeigte er an, dass diejenigen, die sich nicht an ein bestimmtes Versprechen hielten, von Gott verstoßen werden würden (Ne 5:13). In Antiochia in Pisidien hatte sich Paulus ähnlich verhalten, als er gegen seine Gegner den Staub von seinen Füßen abschüttelte. (Siehe Anm. zu Apg 13:51; Luk 9:5.)

Ihr seid für euren Tod selbst verantwortlich: Wörtlich sagte Paulus zu den Juden, die die Botschaft über Jesus, den Messias, ablehnten: „Euer Blut soll auf eurem eigenen Kopf sein.“ Damit wies er jegliche Verantwortung für die Folgen von sich. Ähnliche Aussagen in den Hebräischen Schriften vermitteln den Gedanken, dass jemand, der etwas tut, das den Tod verdient, an seinem Tod selbst schuld ist (Jos 2:19; 2Sa 1:16; 1Kö 2:37; Hes 33:2-4; siehe Anm. zu Mat 27:25). Paulus fügte hinzu: „Ich bin rein“, mit anderen Worten: „Ich bin unschuldig“, „Ich trage nicht die Verantwortung“. (Siehe Anm. zu Apg 20:26.)

die Gott anbeteten: Für diese Wendung steht im Griechischen das Verb sébomai, das „anbeten“, „ehren“, „verehren“ bedeutet. Es könnte auch mit „gottesfürchtig (tiefgläubig) sein“ wiedergegeben werden. (Siehe Anm. zu Apg 13:50.) In der syrischen Peschitta steht an dieser Stelle: „die Ehrfurcht vor Gott hatten“. Eine Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J18 aufgeführt) verwendet hier den Gottesnamen. Die Stelle dort könnte so übersetzt werden: „die Ehrfurcht vor Jehova hatten“.

Jehova öffnete ihr das Herz weit: In erhalten gebliebenen griechischen Handschriften steht hier ho kýrios („der Herr“). In den Christlichen Griechischen Schriften kann sich kýrios je nach Kontext auf Jehova Gott oder auf Jesus Christus beziehen. Hier geht jedoch aus dem Kontext hervor, dass Jehova Gott gemeint ist. Von Lydia wird gesagt, dass sie Gott anbetete, was darauf hindeutet, dass sie eine jüdische Proselytin war (Apg 13:43). Am Sabbat versammelte sie sich mit anderen Frauen an einer Gebetsstätte an einem Fluss außerhalb von Philippi (Apg 16:13). Möglicherweise gab es in Philippi nur wenige Juden und keine Synagoge. Lydia könnte in ihrer Heimatstadt Thyatira von Jehova gehört haben. Dort gab es eine große jüdische Bevölkerung und eine jüdische Anbetungsstätte. Jehova, der Gott, den sie anbetete, bemerkte, dass sie Paulus aufmerksam zuhörte. (Siehe Anh. C3, Einleitung, Apg 16:14.)

ging von dort weg: D. h. von der Synagoge. Von da an nutzte Paulus offensichtlich das Haus von Titius Justus als Stützpunkt für sein Predigen in Korinth, während er weiter bei Aquila und Priscilla wohnen blieb (Apg 18:3).

Titius Justus: Ein gläubiger Mann in Korinth, von dem es heißt, dass er ein Anbeter Gottes und damit wahrscheinlich ein jüdischer Proselyt war. (Siehe Anm. zu Apg 13:43; 16:14.)

Prokonsul: Titel des Statthalters einer Senatsprovinz, d. h. einer Provinz, die dem römischen Senat unterstand. Einige römische Provinzen, wie Judäa, waren kaiserliche Provinzen. Sie unterstanden direkt dem Kaiser, der dort einen Statthalter einsetzte. Zypern wurde 22 v. u. Z. zur Senatsprovinz und war daher einem Prokonsul unterstellt. Man hat auf Zypern eine Münze gefunden, die auf der Vorderseite den Kopf von Kaiser Claudius sowie seinen lateinischen Titel zeigt und auf der Rückseite in Griechisch die Aufschrift: „Unter Cominius Proclus, Prokonsul der Zyprier“. (Siehe Worterklärungen.)

Prokonsul: Ein Provinz­statthalter, der vom römischen Senat eingesetzt wurde. Lukas bezeichnet hier Gallio als Prokonsul der Provinz Achaia. Die Bezeichnung „Prokonsul“ ist korrekt, da Achaia von 27 v. u. Z. bis 15 u. Z. und dann ab 44 u. Z. eine Senatsprovinz war. (Siehe Anm. zu Apg 13:7.) In Delphi hat man eine Inschrift gefunden, die den Prokonsul Gallio erwähnt. Sie stützt nicht nur die Genauigkeit von Lukas’ Bericht, sondern hilft auch bei der Datierung von Gallios Amtszeit.

Achaia: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnet Achaia die römische Provinz, die den S Griechenlands umfasste. Ihre Hauptstadt war Korinth. Im Jahr 27 v. u. Z. hatte Kaiser Augustus Achaia und Mazedonien, die beiden Provinzen von Griechenland, reorganisiert; von da an bezog sich Achaia auf den Peloponnes und den südlichen Teil des griechischen Festlands. Achaia unterstand dem römischen Senat und wurde von Korinth aus von einem Prokonsul verwaltet (2Ko 1:1). Andere Städte in der Provinz Achaia, die in den Christlichen Griechischen Schriften erwähnt werden, sind Athen und Kenchreä (Apg 18:1, 18; Rö 16:1). Achaia wird oft zusammen mit Mazedonien, der Nachbarprovinz im N, erwähnt (Apg 19:21; Rö 15:26; 1Th 1:7, 8; siehe Anh. B13).

Kenchreä: Ein Seehafen von Korinth, etwa 11 km östlich der Stadt. Kenchreä lag am Isthmus von Korinth auf der Seite des Saronischen Golfs und war der Anlaufpunkt für den Schiffsverkehr östlich von Griechenland. Auf der anderen Seite des Isthmus lag der Seehafen Lechaion, wo der Schiffsverkehr mit Italien und anderen Orten westlich von Griechenland abgewickelt wurde. In der Nähe des heutigen Dorfes Kechries findet man noch immer Ruinen von Gebäuden und Wellenbrechern. Laut Rö 16:1 gab es in Kenchreä eine Christengemeinde. (Siehe Anh. B13.)

Der Wille Jehovas: In den meisten griechischen Handschriften steht hier „der Wille des Herrn“, doch es gibt gute Gründe, im Haupttext den Namen Gottes zu verwenden. Das griechische Wort für „Wille“ (thélēma) wird in den Christlichen Griechischen Schriften meistens in Verbindung mit dem Willen Gottes gebraucht (Mat 7:21; 12:50; Mar 3:35; Rö 12:2; 1Ko 1:1; Heb 10:36; 1Pe 2:15; 4:2; 1Jo 2:17). In der Septuaginta taucht thélēma in einem ähnlichen Kontext auf. Dort wird es oft als Übersetzung für hebräische Wörter verwendet, die ausdrücken, was Gottes Wille ist, was er sich wünscht oder woran er Freude hat; im unmittelbaren Kontext dieser Stellen steht im hebräischen Urtext häufig der Name Gottes (Ps 40:8, 9 [39:9, 10, LXX]; 103:21 [102:21, LXX]; 143:9-11 [142:9-11, LXX]; Jes 44:24, 28; Jer 9:24 [9:23, LXX]; Mal 1:10). Jesus drückte einen ähnlichen Gedanken aus wie im vorliegenden Vers, als er zu seinem Vater im Gebet sagte: „Dein Wille [soll] geschehen“ (Mat 26:42; siehe Anh. C3, Einleitung, Apg 21:14).

Wenn Jehova will: Diese Formulierung betont, wie wichtig es ist, bei allem, was man tut oder vorhat, Gottes Willen zu berücksichtigen. Paulus behielt diesen Grundsatz immer im Sinn (1Ko 4:19; 16:7; Heb 6:3). Der Jünger Jakobus ermunterte seine Leser zu sagen: „Wenn Jehova will, werden wir leben und dieses oder jenes tun“ (Jak 4:15). Eine solche Äußerung darf aber keine Floskel sein. Wer sagt: „Wenn Jehova will“, muss sich auch aufrichtig bemühen, nach dem Willen Jehovas zu handeln. Man muss diese Worte nicht unbedingt laut aussprechen; wichtig ist, dass man sie verinnerlicht hat. (Siehe Anm. zu Apg 21:14; 1Ko 4:19; Jak 4:15 und Anh. C3, Einleitung, Apg 18:21.)

ging er hinauf: Im griechischen Text wird nicht ausdrücklich gesagt, wohin Paulus ging, aber offensichtlich war es Jerusalem. Die Stadt liegt etwa 750 m über dem Meeresspiegel, und in der Bibel heißt es oft, dass Anbeter Jehovas nach Jerusalem hinaufgingen. Tatsächlich wird das griechische Wort für „hinaufgehen“ (anabáinō) häufig an Stellen verwendet, wo Jerusalem ausdrücklich als Zielort angegeben ist (Mat 20:17; Mar 10:32; Luk 18:31; 19:28; Joh 2:13; 5:1; 11:55; Apg 11:2; 21:12; 24:11; 25:1, 9; Gal 2:1). Im vorliegenden Vers kommt zusätzlich das Verb katabáinō, „hinuntergehen“, vor, das manchmal verwendet wird, um auszudrücken, dass jemand von Jerusalem wegging (Mar 3:22; Luk 10:30, 31; Apg 24:1, 22; 25:7).

Apollos: Ein Christ mit jüdischem Hintergrund, der allem Anschein nach aus Alexandria stammte, der Hauptstadt der römischen Provinz Ägypten. Alexandria, berühmt für seine große Bibliothek, war ein Zentrum der Gelehrsamkeit und nach Rom die größte Stadt im Römischen Reich. Es gab dort einen hohen jüdischen Bevölkerungs­anteil. Die Stadt stellte nicht nur für die Griechen, sondern auch für die Juden eines der wichtigsten Kultur- und Bildungszentren dar. Dort entstand die Septuaginta, eine Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische. Das alles könnte erklären, warum es von Apollos heißt, dass er sich gut in den Schriften auskannte (wtl. „mächtig seiend in den Schriften“, womit die Hebräischen Schriften gemeint sind).

Weg: In der Apostel­geschichte bezieht sich die Bezeichnung „der Weg“ sowohl auf die christliche Lebensweise als auch auf die frühe Christen­versammlung. Sie könnte auf Jesu Aussage in Joh 14:6, „Ich bin der Weg“, zurückgehen. Von seinen Jüngern sagte man, sie würden zum „Weg“ gehören, und meinte damit, dass sie auf ihrem Lebensweg dem Beispiel Jesu folgten (Apg 19:9). Sein Leben drehte sich um die Anbetung des allein wahren Gottes Jehova. Bei denen, die Jesus nachfolgten, drehte sich das Leben zusätzlich um den Glauben an Jesus. Irgendwann nach 44 u. Z. wurden sie dann in Antiochia in Syrien „durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt“ (Apg 11:26). Doch auch noch nachdem dieser Name in Gebrauch gekommen war, bezeichnete Lukas die Versammlung als den „Weg“ (Apg 19:23; 22:4; 24:22; siehe Anm. zu Apg 18:25; 19:23).

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Jes 40:3. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.) Matthäus wendet die Prophezeiung auf das an, was Johannes der Täufer tat, um den Weg für Jesus – den Repräsentanten Gottes – vorzubereiten. Im Johannes­evangelium ist es Johannes der Täufer selbst, der diese Prophezeiung auf sich bezieht (Joh 1:23).

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Jes 40:3. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.) Markus wendet die Prophezeiung auf das an, was „Johannes der Täufer“ tat, um den Weg für Jesus vorzubereiten (Mar 1:4). (Siehe Anm. zu Mat 3:3; Joh 1:23.)

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Jes 40:3. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.) Lukas wendet diese Prophezeiung auf Johannes den Täufer an. Johannes bereitete den Weg Jehovas vor, indem er als Wegbereiter für Jesus diente, der im Namen seines Vaters und als dessen Vertreter kam (Joh 5:43; 8:29). Im Johannes­evangelium ist es Johannes der Täufer selbst, der diese Prophezeiung auf sich bezieht (Joh 1:23).

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Jes 40:3. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. A5 und C.) Die Evangelien­schreiber Matthäus, Markus und Lukas wenden diese Prophezeiung auf Johannes den Täufer an. Hier im Johannes­evangelium ist es Johannes der Täufer selbst, der diese Prophezeiung auf sich bezieht. Johannes ebnete den Weg Jehovas, indem er als Wegbereiter für Jesus diente, der im Namen seines Vaters und als dessen Vertreter kommen sollte (Joh 5:43; 8:29).

des Weges: Wie die Anm. zu Apg 9:2 erklärt, wurde die Bezeichnung „der Weg“ für die frühe Christen­versammlung verwendet. Bei dem wahren Christentum geht es nicht um den äußeren Eindruck oder um eine rein formelle Anbetung. Es ist ein Lebensweg – geprägt von der Anbetung Gottes und der Leitung durch seinen Geist (Joh 4:23, 24). In der syrischen Peschitta steht hier „des Weges Gottes“ und in der lateinischen Vulgata (nach der Clementinischen Rezension) „des Weges des Herrn“. Es gibt Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J17, 18 aufgeführt), die hier den Gottesnamen enthalten; dort steht: „des Weges Jehovas“.

trieb ihn der Geist: Oder „veranlasste ihn die aktive Kraft, … zu gehen“. Das griechische Wort pneuma bezieht sich hier auf Gottes Geist. Er kann als treibende Kraft in einem Menschen wirken und ihn dazu bewegen, etwas in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu tun (Luk 4:1; siehe Worterklärungen zu „Geist“).

Weg Jehovas: In erhalten gebliebenen griechischen Handschriften steht hier „Weg des Herrn“. Es gibt jedoch gute Gründe, im Haupttext den Namen Gottes zu verwenden. Im nächsten Vers findet man den synonymen Ausdruck „Weg Gottes“. Mit „der Weg“ oder „dieser Weg“ ist in der Apostel­geschichte die christliche Lebensweise gemeint, in deren Mittelpunkt die Anbetung des einzig wahren Gottes, Jehova, und der Glaube an seinen Sohn Jesus Christus steht (Apg 19:9, 23; 22:4; 24:22; siehe Anm. zu Apg 9:2). In den Evangelien erscheint der Ausdruck, der mit „Weg Jehovas“ wiedergegeben wird, vier Mal, und zwar jeweils in einem Zitat aus Jesaja 40:3. (Siehe Anm. zu Mat 3:3; Mar 1:3; Luk 3:4; Joh 1:23.) In Jes 40:3 steht im hebräischen Urtext das Tetragramm. Der Ausdruck „Weg Jehovas“ erscheint außerdem in Ri 2:22, Jer 5:4, 5. (Siehe Anm. zu Apg 19:23 und Anh. C3, Einleitung, Apg 18:25.)

unterrichtet: Das griechische Verb katēchéō bedeutet wtl. „von oben herunter ertönen lassen“; es kann den Gedanken von mündlichem Unterricht beinhalten. Wenn die Wahrheiten aus Gottes Wort immer wieder in Sinn und Herz eines Lernenden „hinabtönen“, ist er selbst irgendwann in der Lage, andere zu unterrichten. (Vergleiche Gal 6:6, wo das griechische Verb zwei Mal vorkommt.)

Glühend im Geist: Das mit „glühend“ übersetzte griechische Wort bedeutet wtl. „kochen“. Hier wird es übertragen gebraucht und vermittelt das Bild, vor Eifer und Begeisterung förmlich überzusprudeln. Das Wort für Geist (pneuma) bezieht sich an dieser Stelle wahrscheinlich auf Gottes heiligen Geist, der als treibende Kraft in einem Menschen wirken und ihn dazu bewegen kann, etwas in Übereinstimmung mit Jehovas Willen zu tun. (Siehe Anm. zu Mar 1:12.) Der Begriff „Geist“ könnte aber auch die Triebkraft meinen, die vom Herzen, also vom Innern eines Menschen ausgeht und ihn veranlasst, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Möglicherweise spielen im vorliegenden Vers beide Konzepte zusammen und beschreiben eine Person, die Eifer und Begeisterung für das Richtige zeigt und sich dabei von Gottes Geist leiten lässt. Einige Textforscher sind wiederum der Meinung, dass es sich hier lediglich um ein Idiom handelt, das großen Eifer und Begeisterung ausdrückt. Das wäre eine Erklärung dafür, warum Apollos als „glühend im Geist“ bezeichnet wird, obwohl er nichts über die Taufe im Namen Jesu wusste. Unabhängig davon, welche Deutung zutrifft – Apollos musste in jedem Fall von Gottes Geist geleitet werden, damit seine Begeisterung in die richtigen Bahnen gelenkt wurde und er die Bereitschaft aufbrachte, dazuzulernen. (Siehe Worterklärungen zu „Geist“.)

Taufe des Johannes: Durch diese Taufe konnten Juden öffentlich ihre Reue darüber zum Ausdruck bringen, dass sie gegen das mosaische Gesetz verstoßen hatten, dem sie als Volk verpflichtet waren (2Mo 24:7, 8). Seit Pfingsten 33 u. Z. und dem Ende des Gesetzesbundes war die Taufe des Johannes nicht mehr gültig (Rö 10:4; Gal 3:13; Eph 2:13-15; Kol 2:13, 14). Jetzt erkannte Jehova nur noch die Taufe an, die Jesus seinen Jüngern aufgetragen hatte (Mat 28:19, 20). Die hier beschriebenen Ereignisse in Verbindung mit Apollos trugen sich um das Jahr 52 zu.

Gottes unverdiente Güte: Im griechischen Text steht nur „die unverdiente Güte“, doch viele Textforscher sind sich darin einig, dass damit Gottes unverdiente Güte gemeint ist. In der Apostel­geschichte wird der Ausdruck „unverdiente Güte“ meistens mit Gott in Verbindung gebracht (Apg 11:23; 13:43; 14:26; 20:24, 32).

Medien

Synagoge in Ostia
Synagoge in Ostia

Das Bild zeigt die Überreste einer Synagoge in Ostia, der Hafenstadt des antiken Rom. Auch wenn das Gebäude im Laufe der Zeit renoviert und verändert wurde, geht man davon aus, dass es in der zweiten Hälfte des 1. Jh. u. Z. als Synagoge erbaut wurde. Das Vorhandensein einer Synagoge in der Umgebung von Rom deutet darauf hin, dass dort lange Zeit Juden lebten. Als Kaiser Claudius um 49 oder 50 u. Z. alle Juden aus Rom vertreiben ließ, blieben die jüdischen Gemeinden im Umland womöglich bestehen (Apg 18:1, 2). Nach dem Tod von Claudius im Jahr 54 kehrten viele Juden nach Rom zurück. Als Paulus um das Jahr 56 seinen Brief an die Christen in Rom schrieb, bestand die Versammlung dort sowohl aus Juden als auch aus Nichtjuden. Das erklärt, warum Paulus auf die Bedürfnisse von beiden Gruppen einging und ihnen zeigte, wie sie in Einheit zusammenleben könnten (Rö 1:15, 16).

(1) Rom

(2) Ostia

Kaiser Claudius
Kaiser Claudius

Der römische Kaiser Claudius wird in der Apostel­geschichte zweimal namentlich erwähnt (Apg 11:28; 18:2). Er folgte seinem Neffen Caligula auf den Thron, der von 37 bis 41 u. Z. regierte und nicht in der Bibel erwähnt wird. Claudius war als vierter Kaiser des Römischen Reiches von 41 bis 54 u. Z. an der Macht. Um 49 oder 50 u. Z. verbannte er alle Juden aus Rom. So kam es, dass Priscilla und Aquila nach Korinth zogen und dort den Apostel Paulus kennenlernten. Claudius soll 54 u. Z. von seiner vierten Frau vergiftet worden sein. Sein Nachfolger war Kaiser Nero.

Gallio-Inschrift
Gallio-Inschrift

Diese Inschrift, die man in Delphi (Griechenland) gefunden hat, wird auf die Mitte des 1. Jh. u. Z. datiert und erwähnt den Prokonsul Gallio (der Name ist hervorgehoben). Das passt zu der Aussage in Apg 18:12, dass Gallio „Prokonsul von Achaia“ war, als die Juden in Korinth den Apostel Paulus vor ihm anklagten.

Richterstuhl (Bema) in Korinth
Richterstuhl (Bema) in Korinth

Das Foto zeigt die Überreste des Bemas, des sogenannten Richterstuhls, in Korinth. Es handelte sich dabei um eine Rednertribüne, die sich etwa in der Mitte der Agora (des großen öffentlichen Platzes) von Korinth befand. Magistrate nutzten die Tribüne, um von dort ihre Urteile zu verkünden. Die Tribüne war mit weißem und blauem Marmor verkleidet und aufwendig verziert. Angrenzend gab es mit Bänken und Mosaikböden ausgestattete Räume für diejenigen, die ihren Fall vor den Magistrat bringen wollten. Das untere Bild zeigt, wie der Richterstuhl in Korinth im 1. Jh. u. Z. ausgesehen haben könnte. Man nimmt an, dass die Juden Paulus dorthin brachten, als sie ihn dem Prokonsul Gallio vorführten.

Hafen von Kenchreä
Hafen von Kenchreä

Das Bild zeigt Ruinen der antiken Hafenanlage von Kenchreä. Wahrscheinlich bestieg Paulus auf seiner zweiten Missionsreise in diesem Hafen ein Schiff, das ihn nach Ephesus brachte (Apg 18:18). Kenchreä lag etwa 11 km östlich von Korinth am Saronischen Golf nahe einer Landenge, dem Isthmus von Korinth. Es war mit Korinth durch eine Reihe von Festungen verbunden. Im 1. Jh. u. Z. diente Kenchreä der Stadt Korinth als Hafen für den Schiffsverkehr östlich von Griechenland. Der Schiffsverkehr mit Italien und anderen westlich gelegenen Orten wurde dagegen in Lechaion, auf der anderen Seite des Isthmus, abgewickelt.

Cäsarea
Cäsarea

(1) Römisches Theater

(2) Palast

(3) Hippodrom (Rennbahn)

(4) Heidnischer Tempel

(5) Hafen

Dieses Video zeigt, wie die bedeutendsten Bauwerke im Cäsarea des 1. Jh. u. Z. ausgesehen haben könnten. Die Stadt und ihr Hafen wurden gegen Ende des 1. Jh. v. u. Z. von Herodes dem Großen erbaut. Er gab ihr ihren Namen zu Ehren von Cäsar Augustus. Cäsarea lag etwa 87 km nordwestlich von Jerusalem an der Mittelmeerküste. Das machte die Stadt zu einer wichtigen Drehscheibe für den Seeverkehr. Es gab dort ein römisches Theater (1), einen Palast (2), ein Hippodrom für Pferderennen und andere Veranstaltungen mit Platz für 30 000 Zuschauer (3) und einen heidnischen Tempel (4). Die Hafenanlage (5) war ein Juwel der Ingenieurskunst. Über ein Aquädukt wurde Cäsarea mit Wasser versorgt. Die Stadt hatte außerdem ein eigenes Kanalisationssystem. Cäsarea war für Paulus und auch für andere Christen ein wichtiger Knotenpunkt auf ihren Reisen (Apg 9:30; 18:21, 22; 21:7, 8, 16). Paulus befand sich dort etwa zwei Jahre in Haft (Apg 24:27). Der Evangeliums­verkündiger Philippus kam am Ende einer Predigttour nach Cäsarea und ließ sich möglicherweise dort nieder (Apg 8:40; 21:8). Auch Kornelius und seine Haus­gemeinschaft – die ersten nicht jüdischen Christen – lebten in dieser Stadt (Apg 10:1, 24, 34, 35, 45-48). Und Lukas schrieb dort wahrscheinlich sein Evangelium.

Apostel­geschichte: 3. Missionsreise von Paulus um 52–56 u. Z. (Apg 18:23 bis 21:17)
Apostel­geschichte: 3. Missionsreise von Paulus um 52–56 u. Z. (Apg 18:23 bis 21:17)

Die Ereignisse sind in chronologischer Reihenfolge angegeben

(1) Paulus reist von Antiochia in Syrien nach Galatien und Phrygien, um die Jünger in den Versammlungen zu stärken (Apg 18:23)

(2) Paulus zieht durch das Landesinnere bis nach Ephesus, wo einige Männer noch einmal getauft werden und heiligen Geist bekommen (Apg 19:1, 5-7)

(3) Paulus predigt in der Synagoge von Ephesus; einige Juden weigern sich hartnäckig zu glauben; er wechselt in die Schule des Tyrannus und hält dort jeden Tag Vorträge (Apg 19:8, 9)

(4) Der Dienst von Paulus in Ephesus trägt Früchte (Apg 19:18-20)

(5) Im Theater von Ephesus kommt es zu einem Aufruhr (Apg 19:29-34)

(6) Paulus reist von Ephesus nach Mazedonien und dann nach Griechenland (Apg 20:1, 2)

(7) Nach drei Monaten in Griechenland tritt Paulus die Rückreise über Mazedonien an (Apg 20:3)

(8) Paulus fährt mit dem Schiff von Philippi nach Troas; dort auferweckt er Eutychus (Apg 20:5-11)

(9) Die Reisegefährten von Paulus fahren mit dem Schiff nach Assos; Paulus nimmt den Landweg (Apg 20:13, 14)

(10) Paulus und seine Gefährten reisen mit dem Schiff nach Milet; dort trifft sich Paulus mit den Ältesten aus Ephesus und richtet eindringliche Worte an sie (Apg 20:14-20)

(11) Paulus betet mit den Ältesten und sagt ihnen, dass sie ihn nicht mehr wiedersehen werden; sie begleiten ihn zum Schiff (Apg 20:36-38)

(12) Von Milet aus fahren Paulus und seine Reisegefährten mit dem Schiff über Kos und Rhodos nach Patara, wo sie sich nach Syrien einschiffen; sie segeln an der SW-Küste von Zypern vorbei und legen in Tyrus an (Apg 21:1-3)

(13) Die Jünger in Tyrus warnen Paulus wiederholt durch den Geist davor, nach Jerusalem zu gehen (Apg 21:4, 5)

(14) Paulus kommt in Cäsarea an; der Prophet Agabus kündigt ihm an, dass ihn in Jerusalem große Schwierigkeiten erwarten (Apg 21:8-11)

(15) Paulus geht trotz der Gefahr nach Jerusalem (Apg 21:12-15, 17)