Apostel­geschichte 11:1-30

11  Nun hörten die Apostel und die Brüder in Judạ̈a, dass auch Leute aus anderen Völkern das Wort Gottes angenommen hatten.  Als daher Petrus nach Jerusalem hinaufkam, begannen die Verfechter der Beschneidung+ ihn zu kritisieren*.  Sie sagten: „Du hast das Haus von Männern betreten, die nicht beschnitten waren, und mit ihnen gegessen.“  Da erzählte Petrus ihnen alles im Detail:  „Ich war in der Stadt Jọppe und betete gerade. Während ich in Trance war, sah ich in einer Vision etwas* wie ein großes Leinentuch vom Himmel herunterkommen. Es wurde an seinen vier Zipfeln direkt bis zu mir heruntergelassen.+  Als ich mir den Inhalt genau anschaute, sah ich vierfüßige Tiere der Erde, wilde Tiere, Reptilien* und Vögel des Himmels.  Ich hörte auch eine Stimme zu mir sagen: ‚Steh auf, Petrus, schlachte und iss!‘  Ich erwiderte jedoch: ‚Auf keinen Fall, Herr! In meinen Mund ist noch nie etwas Verunreinigtes oder Unreines gekommen.‘  Das zweite Mal antwortete die Stimme vom Himmel: ‚Hör auf, das als verunreinigt zu bezeichnen, was Gott gereinigt hat.‘ 10  Dies geschah noch ein drittes Mal und alles wurde wieder in den Himmel hinaufgezogen. 11  Genau in dem Moment standen vor dem Haus, in dem wir uns befanden, drei Männer, die aus Cäsarẹa zu mir geschickt worden waren.+ 12  Der Geist sagte zu mir, ich solle mit ihnen gehen, ohne irgendwelche Bedenken zu haben. Auch diese sechs Brüder begleiteten mich und wir gingen in das Haus des Mannes. 13  Er berichtete uns, dass er einen Engel in seinem Haus hatte stehen sehen, der sagte: ‚Schick Männer nach Jọppe und lass Sịmon holen, der auch Petrus genannt wird.+ 14  Er wird dir sagen, wie du und deine ganze Haus­gemeinschaft gerettet werden könnt.‘ 15  Als ich aber zu reden begann, fiel der heilige Geist auf sie, wie er zu Anfang auch auf uns gefallen war.+ 16  Da kam mir der Ausspruch des Herrn in den Sinn, der wiederholt gesagt hatte: ‚Johạnnes taufte mit Wasser,+ aber ihr werdet mit heiligem Geist getauft werden.‘+ 17  Wenn Gott ihnen also das gleiche Geschenk* gemacht hat wie uns, die wir zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen sind – wer bin ich da, dass ich Gott hätte hindern* können?“+ 18  Als sie das hörten, hatten sie nichts mehr einzuwenden*. Sie verherrlichten Gott und sagten: „Nun hat Gott also auch Menschen aus anderen Völkern die Gelegenheit zur Reue gegeben, die zum Leben führt.“+ 19  Durch die Verfolgung*, die wegen Stẹphanus entstand, waren die Jünger zerstreut worden+ und gelangten bis nach Phönịzien,+ Zypern und Antiọchia, allerdings gaben sie die Botschaft nur an die Juden weiter.+ 20  Doch einige der Männer unter ihnen, die aus Zypern und Kyrẹne waren, kamen nach Antiọchia und begannen, mit den Griechisch sprechenden Leuten zu reden. Sie verkündeten ihnen die gute Botschaft vom Herrn Jesus. 21  Außerdem war die Hand Jehovas über ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und wandte sich dem Herrn zu.+ 22  Der Bericht darüber kam der Versammlung in Jerusalem zu Ohren und man schickte Bạrnabas+ bis nach Antiọchia. 23  Als er angekommen war und die unverdiente Güte Gottes wahrnahm, freute er sich und begann alle zu ermutigen, dem Herrn von ganzem Herzen treu zu bleiben.+ 24  Er war nämlich ein guter Mann und voll heiligem Geist und Glauben. So kam eine beträchtliche Menschenmenge zum Glauben an den Herrn.+ 25  Bạrnabas ging dann nach Tạrsus, um Saulus+ ausfindig zu machen. 26  Nachdem er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiọchia. Sie kamen ein ganzes Jahr lang mit der Versammlung zusammen und lehrten eine ziemlich große Menschenmenge. In Antiọchia war es auch, dass die Jünger durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt wurden.+ 27  Zu der Zeit kamen Propheten+ von Jerusalem nach Antiọchia herunter. 28  Einer von ihnen – er hieß Ạgabus+ – stand auf und sagte durch den Geist voraus, dass eine große Hungersnot die ganze bewohnte Erde erfassen würde.+ Diese trat zur Zeit von Claudius tatsächlich ein.+ 29  Da beschlossen die Jünger, dass jeder von ihnen nach seinen Möglichkeiten+ den Brüdern in Judạ̈a etwas zur Unterstützung senden sollte.+ 30  Das taten sie dann auch und schickten es durch Bạrnabas und Saulus an die Ältesten.+

Fußnoten

Oder „mit ihm zu streiten“, „ihm Vorwürfe zu machen“.
Wtl. „irgendeinen Gegenstand“, „irgendein Gefäß“.
Oder „Kriechtiere“.
Oder „freie Gabe“.
Oder „im Weg stehen“.
Wtl. „beruhigten sie sich“.
Oder „Drangsal“.

Studienanmerkungen

Antiochia: Diese Stadt, die hier zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird, lag gut 500 km nördlich von Jerusalem. Im Jahr 64 v. u. Z. wurde Antiochia die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Im 1. Jh. u. Z. war sie nach Rom und Alexandria die größte Stadt im Römischen Reich. Antiochia wurde für seine Schönheit sowie für seine große politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung gerühmt, stand aber auch in dem Ruf, moralisch verkommen zu sein. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung bestand aus Juden, die Berichten zufolge viele Griechisch sprechende Einwohner für das Judentum gewinnen konnten. Nikolaus war einer dieser Proselyten. Später wurde er ein Nachfolger von Jesus. Barnabas und Paulus verbrachten ein Jahr in Antiochia, um dort zu lehren. Außerdem nutzte Paulus die Stadt als Ausgangspunkt für seine Missionsreisen. Und in Antiochia wurden Christi Nachfolger „durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt“. (Siehe Anm. zu Apg 11:26.) Bei dem Antiochia, das in Apg 13:14 erwähnt wird, handelt es sich um eine andere Stadt, die in Pisidien lag. (Siehe Anm. zu Apg 13:14 und Anh. B13.)

Antiochia in Pisidien: Eine Stadt in der römischen Provinz Galatien. Da Antiochia im Grenzgebiet der beiden Regionen Phrygien und Pisidien lag, könnte es im Laufe der Geschichte mal zu der einen, mal zu der anderen Region gehört haben. Die Ruinen der Stadt befinden sich heute in der Nähe des türkischen Ortes Yalvaç. Das Antiochia in Pisidien wird nur hier und in Apg 14:19, 21 erwähnt. Wer von Perge, das unweit der Mittelmeerküste lag, nach Antiochia reisen wollte, hatte einen beschwerlichen Weg vor sich. Es galt, tückische Bergpässe zu überwinden und sich vor Räubern in Acht zu nehmen, bis man die auf 1100 m gelegene Stadt erreichte. (Siehe Anh. B13.) Das Antiochia in Pisidien ist nicht mit dem Antiochia in Syrien zu verwechseln, um das es in der Apostel­geschichte in den meisten Fällen geht (Apg 6:5; 11:19; 13:1; 14:26; 15:22; 18:22).

Griechisch sprechenden Juden: Wtl. „Hellenisten“. Das griechische Wort Hellēnistḗs findet sich weder in der griechischen noch in der hellenistisch-jüdischen Literatur, doch der Kontext wie auch viele Nachschlagewerke stützen die Wiedergabe „Griechisch sprechende Juden“. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Jünger von Jesus in Jerusalem entweder gebürtige Juden oder jüdische Proselyten – auch die, die Griechisch sprachen (Apg 10:28, 35, 44-48). Das Wort, das mit „Griechisch sprechende Juden“ übersetzt ist, wird dem Wort für „Hebräisch sprechende Juden“ (wtl. „Hebräer“; Plural von Hebráios) gegenüber­gestellt. Daraus lässt sich schließen, dass „die Hellenisten“ Juden waren, die aus den verschiedensten Teilen des Römischen Reiches, vielleicht auch aus der Dekapolis, nach Jerusalem gekommen waren und miteinander Griechisch sprachen. Die meisten Hebräisch sprechenden Juden dagegen stammten wahrscheinlich aus Judäa und Galiläa. Diese beiden Gruppen hatten offensichtlich etwas unterschiedliche kulturelle Hintergründe. (Siehe Anm. zu Apg 9:29.)

Antiochia: Diese Stadt in der Provinz Syrien lag ca. 32 km von dem Mittelmeerhafen Seleukia entfernt an dem Fluss Orontes. Im 1. Jh. u. Z. war Antiochia nach Rom und Alexandria die größte und wohlhabendste Stadt im Römischen Reich. Es gab dort eine große, alteingesessene jüdische Gemeinde, und Juden und Nichtjuden lebten relativ friedlich nebeneinander. Antiochia bot offensichtlich das ideale Klima für eine neue Entwicklung: Die Jünger begannen dort neben den Juden auch den unbeschnittenen Nichtjuden zu predigen. (Siehe Anm. zu Griechisch sprechenden Leuten in diesem Vers.) Dieses Antiochia ist nicht mit dem Antiochia in Pisidien zu verwechseln, das in Kleinasien lag. (Siehe Anm. zu Apg 6:5; 13:14 und Anh. B13.)

Griechisch sprechenden Leuten: Im griechischen Text steht wtl. „Hellenisten“ (Hellēnistḗs). Was das Wort im Einzelfall bedeutet, hängt vom Kontext ab. In Apg 6:1 sind damit höchst­wahrscheinlich Griechisch sprechende Juden gemeint. (Siehe Anm. zu Apg 6:1.) Daraus haben einige Textforscher geschlussfolgert, dass die Jünger in Antiochia beschnittenen Juden oder Proselyten predigten, die Griechisch sprachen. Doch man muss berücksichtigen, dass es hier offenbar um eine neue Entwicklung ging. Wie in Apg 11:19 erklärt wird, hatte man in Antiochia zuvor nur mit Juden über die gute Botschaft gesprochen, doch nun begann sie sich offensichtlich auch unter den Nichtjuden zu verbreiten. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum Barnabas nach Antiochia geschickt wurde: Er sollte diese neuen Griechisch sprechenden Jünger ermutigen, treu zu bleiben (Apg 11:22, 23). In einigen frühen Handschriften steht hier statt Hellēnistḗs das Wort Héllēnas („Griechen“; siehe Apg 16:3). Deswegen findet man in etlichen Übersetzungen Wiedergaben wie „Griechen“ oder „Nichtjuden“. Das würde die Einwohner in Antiochia ausschließen, die der jüdischen Religion angehörten. Es ist jedoch möglich, dass generell alle Griechisch sprechenden Einwohner von Antiochia gemeint waren. Deshalb findet man in der Neuen-Welt-Übersetzung die Wiedergabe „Griechisch sprechende Leute“. Diese Menschen könnten aus ganz unterschiedlichen Gegenden gestammt und die griechische Sprache und vielleicht auch griechische Gepflogenheiten übernommen haben.

Jehovas: In der Neuen-Welt-Übersetzung ist dies der erste Vers im Bericht von Lukas, wo der Name Gottes erscheint. In noch erhaltenen griechischen Manuskripten steht hier zwar das Wort kýrios („Herr“), doch es spricht einiges dafür, dass im ursprünglichen Text an dieser Stelle der Gottesname stand und erst später durch die Bezeichnung „Herr“ ersetzt wurde. (Siehe Anh. C1 und C3, Einleitung, Luk 1:6.) Die ersten beiden Kapitel des Lukasevangeliums enthalten zahlreiche direkte und indirekte Bezugnahmen auf Formulierungen und Passagen aus den Hebräischen Schriften, in denen der Name Gottes vorkommt. In den Hebräischen Schriften stehen beispielsweise Wortverbindungen aus dem juristischen Bereich wie „Gesetze und Vorschriften“ in Kontexten, in denen der Name Jehova erscheint oder wo Jehova spricht (1Mo 26:2, 5; 4Mo 36:13; 5Mo 4:40; 27:10; Hes 36:23, 27).

Hand: Das Wort steht oft übertragen für „Kraft“ oder „Macht“. Da die Kraft des Armes durch die Hand ausgeübt wird, kann mit „Hand“ auch der Gedanke von „ausgeübter Kraft“ oder „angewandter Macht“ vermittelt werden.

Hand Jehovas: Die Ausdrücke „Hand Jehovas“ und „Jehovas Hand“ finden sich immer wieder in den Hebräischen Schriften. Sie setzen sich aus dem hebräischen Wort für „Hand“ und dem Tetragramm zusammen (2Mo 9:3; 4Mo 11:23; Ri 2:15; Ru 1:13; 1Sa 5:6, 9; 7:13; 12:15; 1Kö 18:46; Esr 7:6; Hi 12:9; Jes 19:16; 40:2; Hes 1:3). Der griechische Ausdruck für „Hand Jehovas“ kommt außerdem in Apg 11:21; 13:11 vor. (Siehe Anm. zu Luk 1:6, 9; Apg 11:21 und Anh. C3, Einleitung, Luk 1:66.)

Hand Jehovas: Diese Wortkombination findet sich immer wieder in den Hebräischen Schriften. Sie setzt sich aus dem hebräischen Wort für „Hand“ und dem Tetragramm zusammen. (Beispiele: 2Mo 9:3; 4Mo 11:23; Ri 2:15; Ru 1:13; 1Sa 5:6, 9; 7:13; 12:15; 1Kö 18:46; Esr 7:6; Hi 12:9; Jes 19:16; 40:2; Hes 1:3.) In der Bibel steht „Hand“ oft übertragen für Kraft oder Macht. Da die Kraft des Armes durch die Hand ausgeübt wird, kann mit „Hand“ auch der Gedanke von „ausgeübter Kraft“ oder „angewandter Macht“ vermittelt werden. Der griechische Ausdruck, der mit „Hand Jehovas“ übersetzt wurde, kommt außerdem in Luk 1:66 und Apg 13:11 vor. (Siehe Anm. zu Luk 1:6, 66 und Anh. C3, Einleitung, Apg 11:21.)

durch göttliche Vorsehung … genannt: In den meisten Bibel­übersetzungen steht einfach nur, dass die Jünger Christen genannt wurden; es ist von keiner göttlichen Einflussnahme die Rede. Allerdings erscheint hier im Griechischen keines der Wörter, die man üblicherweise mit „nennen“ übersetzt (Mat 1:16; 2:23; Mar 11:17; Luk 1:32, 60; Apg 1:12, 19), sondern das Verb chrēmatízō. An fast allen der neun Stellen, an denen es in den Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, hat es eindeutig mit etwas zu tun, das göttlichen Ursprungs ist (Mat 2:12, 22; Luk 2:26; Apg 10:22; 11:26; Rö 7:3; Heb 8:5; 11:7; 12:25). In Apg 10:22 wird es z. B. zusammen mit der Formulierung „durch einen heiligen Engel“ verwendet. Und in Mat 2:12, 22 kommt es in Verbindung mit Träumen vor, die Gott eingab. In Rö 11:4 erscheint das verwandte Substantiv chrēmatismós. In den meisten Wörterbüchern und Bibel­übersetzungen findet man dafür Wiedergaben wie „göttlicher Ausspruch“, „göttliche Antwort“, „göttliche Weisung“, „Gottesspruch“. Es ist denkbar, dass Saulus und Barnabas von Jehova angewiesen wurden, den Namen „Christen“ zu verwenden. Manche vermuten, die heidnische Bevölkerung in Antiochia hätte die Nachfolger von Jesus aus Spaß oder Spott als „Christen“ tituliert. Doch die Tatsache, dass hier im Griechischen chrēmatízō steht, macht deutlich, dass Gott hinter dieser Namensgebung stand. Es wäre auch sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die Juden Jesu Nachfolger als „Christen“ (griechisch) oder „Messianisten“ (hebräisch) bezeichnet hätten. Sie hatten Jesus als den Messias oder Christus abgelehnt. Hätten sie seine Nachfolger als „Christen“ bezeichnet, hätten sie ihn stillschweigend als Christus oder Gesalbten anerkannt, und davon ist nicht auszugehen.

Christen: Der griechische Begriff Christianós bedeutet „Anhänger von Christus“. Er kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur drei Mal vor (Apg 11:26; 26:28; 1Pe 4:16) und ist von Christós abgeleitet, was „Gesalbter“ bedeutet. Christen folgen dem Vorbild von Jesus, „dem Christus“, Jehovas Gesalbtem, und leben nach seinen Lehren (Luk 2:26; 4:18). Jesu Jünger erhielten diesen Namen „durch göttliche Vorsehung“, und das vielleicht sogar schon im Jahr 44 u. Z., als sich die in dieser Passage erwähnten Ereignisse abspielten. Der Name setzte sich offenbar in immer weiteren Kreisen durch, denn als Paulus um das Jahr 58 u. Z. vor König Herodes Agrippa II. erschien, war diesem der Name Christen bereits ein Begriff (Apg 26:28). Dem Geschichts­schreiber Tacitus zufolge war der Name 64 u. Z. der breiten Masse in Rom geläufig. Als Petrus zwischen 62 und 64 u. Z. seinen ersten Brief an die Christen schrieb, die im ganzen Römischen Reich verstreut lebten, war der Name weit und breit bekannt und unterschied Jesu Jünger eindeutig von anderen religiösen Gruppierungen (1Pe 1:1, 2; 4:16). Niemand konnte sie mehr mit diesem Namen, den sie von Gott erhalten hatten, für eine jüdische Sekte halten.

große Hungersnot: Diese Hungersnot ereignete sich um das Jahr 46 u. Z., während der Regierung des römischen Kaisers Claudius. Auch Josephus erwähnt sie. Hungersnöte trafen besonders diejenigen, die weder Nahrungsvorräte noch finanzielle Rücklagen hatten. Die Christen in Antiochia fühlten sich daher gedrängt, ihren verarmten Glaubensbrüdern in Judäa eine Unterstützung zukommen zu lassen.

zur Zeit von Claudius: Der römische Kaiser Claudius war von 41 bis 54 u. Z. an der Macht. Zu Beginn seiner Regierungszeit behandelte er die Juden freundlich. Das änderte sich jedoch. Gegen Ende seiner Regentschaft war sein Verhältnis zu ihnen derart schlecht, dass er alle Juden aus Rom verbannte (Apg 18:2). Claudius soll von seiner vierten Frau mit einem Pilzgericht vergiftet worden sein. Sein Nachfolger war Nero.

etwas zur Unterstützung: Oder „als Dienstleistung eine Unterstützung“. Hier wird zum ersten Mal davon berichtet, dass Christen ihren Mitgläubigen in einer anderen Gegend eine Hilfslieferung zukommen ließen. Das griechische Wort diakonía, das oft mit „Dienst“ übersetzt wird, hat auch den Sinn von „Hilfsaktion“ (Apg 12:25) oder „Hilfsdienst“ (2Ko 8:4). Die Art und Weise, wie diakonía in den Christlichen Griechischen Schriften verwendet wird, zeigt, dass sich der christliche Dienst auf zwei Bereiche erstreckt. Zum einen schließt er „den Dienst [Form von diakonía] der Versöhnung“ ein, also das Predigen und Lehren (2Ko 5:18-20; 1Ti 2:3-6). Zum anderen geht es – wie hier erwähnt – um den Dienst, den man Mitchristen erweist. Paulus schrieb: „Es gibt verschiedene Dienstaufgaben [Plural von diakonía] und doch ist es derselbe Herr“ (1Ko 12:4-6, 11). Wie er zeigte, sind alle diese Formen des christlichen Dienstes „heiliger Dienst“ (Rö 12:1, 6-8).

Ältesten: Wtl. „älteren Männer“. Der griechische Ausdruck presbýteros bezeichnet in der Bibel in erster Linie Personen, die in einer Gemeinschaft oder einem Volk eine mit Autorität und Verantwortung verbundene Stellung innehaben. presbýteros hat zwar manchmal mit dem buchstäblichen Alter zu tun (z. B. „älterer Sohn“ in Luk 15:25 und „alte Männer“ in Apg 2:17), ist aber nicht auf ältere Personen beschränkt. In diesem Vers bezieht sich das Wort auf die Führer des jüdischen Volkes, die häufig zusammen mit den Oberpriestern und Schrift­gelehrten erwähnt werden. Der Sanhedrin war aus diesen drei Gruppen zusammengesetzt (Mat 21:23; 26:3, 47, 57; 27:1, 41; 28:12; siehe Worterklärungen zu „Ältester; älterer Mann“).

Ältesten: Wtl. „älteren Männer“. Abgesehen von der wörtlichen Bedeutung bezeichnet der griechische Ausdruck presbýteros in der Bibel vor allem Personen, die in einer Gemeinschaft oder einem Volk eine mit Autorität und Verantwortung verbundene Position haben. (Siehe Anm. zu Mat 16:21.) Im alten Israel waren die Ältesten für die Führung und Verwaltung innerhalb des Volkes zuständig – sowohl auf kommunaler (5Mo 25:7-9; Jos 20:4; Ru 4:1-12) als auch auf nationaler Ebene (Ri 21:16; 1Sa 4:3; 8:4; 1Kö 20:7). Hier kommt das Wort zum ersten Mal in Verbindung mit der Christen­versammlung vor. Die Ältesten des geistigen Israel hatten wie die Ältesten im Volk Israel Führungsaufgaben inne. In diesem Fall erhielten die Ältesten die Hilfslieferung und sorgten dafür, dass sie in den Versammlungen in Judäa verteilt wurde.

Medien

Joppe
Joppe

Dieses Video zeigt, wo früher Joppe lag. Es befand sich an der Mittelmeerküste auf halber Strecke zwischen dem Berg Karmel und der Stadt Gasa. An der Stelle des alten Joppe befindet sich das heutige Jaffa (hebräisch Yafo), das 1950 mit Tel Aviv vereinigt wurde. Die Doppelstadt ist als Tel Aviv-Jaffa bekannt. Jaffa liegt auf einem 35 m hohen Felshügel. Sein Hafen wird durch ein niedriges Riff gebildet, das in einer Entfernung von etwa 100 m parallel zur Küste verläuft. Zur Zeit von König Salomo brachten die Tyrer über den Seeweg Holz aus den Libanonwäldern nach Joppe, das für den Bau des Tempels bestimmt war (2Ch 2:16). Später bestieg der Prophet Jona dort ein Schiff Richtung Tarschisch, um einem Auftrag Gottes zu entkommen (Jon 1:3). Im 1. Jh. u. Z. gab es in Joppe eine Christengemeinde. Zu ihr gehörte auch Dorkas (Tabitha), die vom Apostel Petrus auferweckt wurde (Apg 9:36-42). In Joppe befand sich außerdem das Haus des Gerbers Simon, wo Petrus in einer Vision darauf vorbereitet wurde, dem Nichtjuden Kornelius zu predigen (Apg 9:43; 10:6, 9-17).

Antiochia in Syrien
Antiochia in Syrien

Das Bild zeigt Antakya in der heutigen Türkei. In der Antike hieß die Stadt Antiochia. Sie war die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Antiochia soll im 1. Jh. nach Rom und Alexandria die größte Stadt der römischen Welt gewesen sein. Schätzungen zufolge lebten dort mindestens 250 000 Menschen. Einige Jünger von Jesus kamen nach Antiochia, nachdem ein wütender Mob Stephanus ermordet hatte und eine Verfolgungswelle gegen Jesu Nachfolger losgebrochen war. Sie machten unter der Griechisch sprechenden Bevölkerung die gute Botschaft mit großem Erfolg bekannt (Apg 11:19-21). Später nutzte der Apostel Paulus Antiochia als Ausgangspunkt für seine Missionsreisen. Und „in Antiochia war es auch, dass die Jünger durch göttliche Vorsehung erstmals Christen genannt wurden“ (Apg 11:26). Das syrische Antiochia ist nicht mit dem Antiochia in Pisidien (Zentraltürkei) zu verwechseln, das in Apg 13:14; 14:19, 21 und 2Ti 3:11 erwähnt wird.

Antiochia in Syrien – bedeutend für das frühe Christentum
Antiochia in Syrien – bedeutend für das frühe Christentum

Antiochia in Syrien war die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Im 1. Jh. gehörte Antiochia zusammen mit Rom und Alexandria zu den drei bedeutendsten Städten im Römischen Reich. Die Stadt lag am O-Ufer des Orontes (1). Ein Teil der Stadt war ursprünglich vom Orontes umschlossen (2). Einige Kilometer flussabwärts lag die Hafenstadt Seleukia. In Antiochia gab es eine der größten Rennbahnen (Hippodrom) der damaligen Zeit für Pferde- und Wagenrennen (3). Die Stadt hatte außerdem eine von Kolonnaden gesäumte Prachtstraße vorzuweisen (4). Herodes der Große hatte sie mit Marmor pflastern lassen. Kaiser Tiberius fügte später überdachte Säulengänge (Kolonnaden) hinzu und schmückte die Straße mit Mosaiken und Statuen. In der multikulturell geprägten Stadt gab es eine große jüdische Gemeinde (5). Viele der dortigen Juden kamen zum christlichen Glauben. In Antiochia wurden Jesu Nachfolger erstmals Christen genannt (Apg 11:26). Mit der Zeit wurden auch viele Nichtjuden gläubig. Um 49 u. Z. kam es beim Thema Beschneidung zu Unstimmigkeiten. Zur Klärung der Frage wurden Paulus und Barnabas zusammen mit anderen zur leitenden Körperschaft nach Jerusalem geschickt (Apg 15:1, 2, 30). Von Antiochia aus brach Paulus zu seinen drei Missionsreisen auf (Apg 13:1-3; 15:35, 40, 41; 18:22, 23). Der Ausschnitt auf der Karte zeigt, wie die Stadtmauern jahrhundertelang verliefen.

Kaiser Claudius
Kaiser Claudius

Der römische Kaiser Claudius wird in der Apostel­geschichte zweimal namentlich erwähnt (Apg 11:28; 18:2). Er folgte seinem Neffen Caligula auf den Thron, der von 37 bis 41 u. Z. regierte und nicht in der Bibel erwähnt wird. Claudius war als vierter Kaiser des Römischen Reiches von 41 bis 54 u. Z. an der Macht. Um 49 oder 50 u. Z. verbannte er alle Juden aus Rom. So kam es, dass Priscilla und Aquila nach Korinth zogen und dort den Apostel Paulus kennenlernten. Claudius soll 54 u. Z. von seiner vierten Frau vergiftet worden sein. Sein Nachfolger war Kaiser Nero.