NEW YORK — Die Entscheidung des Obersten Gerichts der Russischen Föderation vom 20. April 2017 gegen Jehovas Zeugen bleibt nicht ohne Folgen. Ein dänischer Staatsbürger wurde zusammen mit russischen Bürgern bei einem friedlichen Gottesdienst festgenommen, der am Abend des 25. Mai 2017 durch eine Polizeirazzia beendet wurde.

Dennis Christensen

Mindestens 15 schwer bewaffnete Polizisten und Beamte des Inlandsgeheimdienstes (FSB) stürmten einen friedlichen Gottesdienst von Jehovas Zeugen in Orjol (Bild oben). Die Polizei sammelte die Ausweise aller Anwesenden ein und beschlagnahmte ihre elektronischen Geräte. Der FSB verhaftete auch Dennis Christensen, einen Zeugen Jehovas, der dänischer Staatsbürger ist. Kurz danach durchsuchten Polizeibeamte im gesamten Stadtgebiet vier Wohnungen von Zeugen Jehovas.

Nachdem er über Nacht auf der FSB-Dienststelle festgehalten wurde, gab heute das Sowjetskij-Bezirksgericht in Orjol dem Antrag des FSB statt und ordnete an, dass Herr Christensen bis zum Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen des FSB in Untersuchungshaft bleibt. Herr Christensen ist der erste Ausländer, der von diesem amtlichen Vorgehen gegen Jehovas Zeugen in Russland nach der Entscheidung des Obersten Gerichts betroffen ist. Bei einer Verurteilung droht Herrn Christensen eine langjährige Haftstrafe.

Diese Razzia ist der jüngste von über 40 Angriffen auf Jehovas Zeugen, die Beamte und andere verübt haben, nachdem das Oberste Gericht Russlands Jehovas Zeugen als extremistisch eingestuft und ihre Zentrale sowie 395 örtliche Rechtskörperschaften aufgelöst hat, derer sich die Zeugen bedienen.

Vandalen steckten ein Haus in Brand, in dem Gottesdienste stattfanden.

Nur Stunden nach der Verkündung der Entscheidung des Obersten Gerichts am 20. April zerstörte eine Gruppe von Männern in Sankt Petersburg mutwillig die größte Anbetungsstätte, die Jehovas Zeugen in Russland benutzen, und bedrohten sogar die Anwesenden. Mutwillige Zerstörungen gab es auch bei anderen Anbetungsstätten und sogar bei Häusern und Wohnungen von Zeugen im kaliningrader Gebiet, in Moskau, Pensa, Rostow, Sankt Petersburg, Swerdlowsk, Woronesch und Krasnojarsk. In einem Fall wurde am 24. Mai 2017 in Scheschart, einer Stadt in der Republik Komi ein Haus, in dem Jehovas Zeugen Zusammenkünfte abhielten, durch einen Brandanschlag sehr stark beschädigt. Neben Polizeirazzien und Vandalismus sind einzelne Zeugen Jehovas angegriffen, in der Schule und auf der Arbeit bedroht worden oder haben ihre Arbeitsstelle verloren.

David A. Semonian, ein Sprecher der Weltzentrale von Jehovas Zeugen, sagt: „Jehovas Zeugen sind weltweit jetzt sogar noch mehr um ihre Glaubensbrüder in Russland besorgt. Diese bestürzenden Ereignisse sind eindeutig Nachwirkungen der unrechtmäßigen Entscheidung des Obersten Gerichts von Russland gegen uns. Wir haben gegen diese Entscheidung am 19. Mai 2017 formell Rechtsmittel eingelegt. Dadurch erhält Russland eine weitere Gelegenheit, diese unbegründeten und ungerechtfertigten Aktionen gegen Jehovas Zeugen zu beenden. Wir reichen auch gegen die unrechtmäßige Inhaftierung unseres Glaubensbruders Dennis Christensen eine Beschwerde ein.“

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International: David A. Semonian, Office of Public Information, Telefon +1 845 524 3000