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Jehovas Zeugen

Deutsch

7. APRIL 2014
DEUTSCHLAND

KZ-Überlebender Richard Rudolph verstirbt im Alter von 102 Jahren

KZ-Überlebender Richard Rudolph verstirbt im Alter von 102 Jahren

SELTERS (Deutschland): Am 31. Januar 2014 verstarb der Zeuge Jehovas Richard Rudolph im Alter von 102 Jahren. Er überlebte die Haft in fünf NS-Konzentrationslagern und war auch während des kommunistischen Regimes jahrelang eingesperrt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war das Werk von Jehovas Zeugen fast überall in Deutschland verboten. Insgesamt 11 300 Zeugen Jehovas wurden von den Nationalsozialisten eingesperrt, 4 200 davon kamen in Konzentrationslager. Rund 1 500 verloren ihr Leben. Während der NS-Diktatur war Richard Rudolph neun Jahre lang in fünf verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert, unter anderem in den berüchtigten Lagern Sachsenhausen und Neuengamme, wo über 300 000 Menschen eingesperrt waren und 140 000 starben.

Richard Rudolph (ganz rechts auf dem Dach) war einer der Häftlinge, die 1940 zum Bau des Konzentrationslagers Neuengamme gezwungen wurden

1944 wurde Richard Rudolph nach Salzgitter-Watenstedt verlegt, ein Außenlager von Neuengamme. Seine religiöse Überzeugung verbot ihm jegliche Arbeit in Verbindung mit der Herstellung von Kriegsmunition. Deswegen drohte man ihm, ihn hinzurichten. Doch ein SS-Offizier war von seinem Glauben beeindruckt und versteckte ihn in einem Lkw, der Lebensmittel transportierte. So entkam er der Hinrichtung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Richard weiter als Zeuge Jehovas aktiv, jetzt in der Sowjetischen Besatzungszone, die später zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde. 1950 wurde er wieder festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt. Insgesamt verbrachte er über 19 Jahre wegen seiner religiösen Überzeugung hinter Gittern.

Ann-Jacqueline Frieser und Richard Rudolph, dessen Biografie Grundlage für ihre mit einem Preis ausgezeichnete Arbeit im Jahr 2009 war

Für Jahrzehnte war es seine Mission, anderen von der Bibel zu erzählen und von dem, was die Geschichte ihn über die grausamen Folgen der Diskriminierung gelehrt hatte. 2009 gewann die deutsche Schülerin Ann-Jacqueline Frieser beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten „Helden: verehrt — verkannt — vergessen“ zwei Preise für die Biografie und das Interview mit Richard Rudolph. Sie war Landessiegerin von Rheinland-Pfalz und gehörte zu den drei besten Schülern beim Bundeswettbewerb.

Wolfram Slupina, ein Sprecher von Jehovas Zeugen in Deutschland, berichtet: „Richard Rudolph war mehr als nur ein guter Freund und Glaubensbruder; sein Zeitzeugenbericht ist bis heute von unschätzbarem Wert. Sein ganzes Leben war geprägt von starkem Glauben und Mut, und das ist für uns alle ein echtes Vorbild.“

Medienkontakt:

International: J. R. Brown, Office of Public Information, Telefon +1 718 560 5000

Deutschland: Wolfram Slupina, Telefon +49 6483 41 3110